Mensch-Sein

Achtsamkeit – Ein Nachsatz

LichtbogenAchtsamkeit in der U-Bahn –
Ein Nachsatz

Letzte Woche ging’s um folgende U-Bahn-Ansage:

„Bitte seien Sie achtsam!
Zwischen Bahnsteig und U-Bahntüre ist ein Spalt.“

In meinem Artikel mutmaßte ich, dass sich Produzent und Sprecherin der spirituellen Natur ihrer Schaffung nicht bewusst waren. Doch ich hatte Unrecht!

Ich wurde von He Shao Hui, der einen besonderen Bezug zu Achtsamkeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln hat, weil er in Wien Gruppenmeditationen in der U-Bahn veranstaltet, kontaktiert. Er hat mich darauf hingewiesen, dass der Produzent der Ansage, Buddhist ist und bei den Wiener Linien extra darauf bestanden hat, dass das Wort „Achtsamkeit“ verwendet wird. Und es ist gerade diese Wortwahl, die mich so inspiriert hat.

Also… was lerne ich daraus?

1. Nicht zu schnell urteilen!

Ich habe zwar niemanden „schlimm“ verurteilt, aber doch eine eher negative Vermutung angestellt. Ich hätte es auch positiver, oder zumindest neutral, sehen können. Sogyal Rinpoche erinnert uns immer wieder daran, dass unser Erleben der Welt hauptsächlich davon abhängt, wie wir sie sehen. Also müssen wir unsere Sicht verändern. Wenn ich es also offen lasse, oder es für möglich halte, dass Magie hinter den Erscheinungen der Welt steckt und dass die Menschen gut und bewusst sind, dann fühle ich mich besser, als wenn ich alle Menschen für böse und alle Erscheinungen für deterministische, technisch erklärbare Phenomäne halte. Natürlich findet unser limitierter Geist immer wieder gute Gründe, warum es blödsinnig ist, die Welt so zu sehen, aber genau diese eingeschränkte Sicht der Welt, macht uns ja unglücklich! Also weg damit!

Wenn ich also etwas Inspirierendes sehe (oder höre), dann kann ich ruhig davon ausgehen, dass die Erschaffer auf der selben Wellenlänge waren wie ich und ihre Schaffung als Brücke zwischen uns nutzen. Dafür muss ich meinen zweifelnden Geist vorübergehend ignorieren. Ebenso verhält es sich mit Erscheinungen, die nicht direkt von Menschenhand geschaffen sind. Es ist okay an ein höheres, ordnendes Prinzip zu glauben – wie man es auch nennt – denn dieser Glauben gibt uns Sicherheit und Geborgenheit.

2. Was wir tun und sagen ist wesentlich!

Wo auch immer wir aktiv sind, was auch immer wir tun – es ist wichtig, wie wir uns ausdrücken, was wir mit unseren Worten und Aktionen in die Welt setzen. Man hätte auch pragmatisch sagen können: „Ach was – es ist ja nur eine U-Bahn-Ansage. Lass sie uns kurz und prägnant halten! Achtsamkeit ist ein viel zu langes Wort…“ Aber nein! Der Produzent wusste, dass es wichtig ist, welche Worte wir wählen und hat mich – und bestimmt auch noch viele andere – damit erreicht. Und auch bei denen, die es nicht bewusst erleben, kommen gut gewählte und bewusste Worte in irgendeiner Form an.

Also seien wir bedacht mit unserer Sprache, um niemandem Schaden zuzufügen und zum Wohlergehen anderer beizutragen. Das heisst, Worte weise wählen. Und oftmals heisst es auch, weniger (oder nichts) zu sagen.

Und in diesem Sinne – ist’s Schluss für heut.

Aber… heute ist nicht aller Tage. Ich schreib‘ wieder, keine Frage.

Sean

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