Mensch-Sein

Dankbarkeit

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Dankbarkeit. Ein Wort das mich an „Nachhaltigkeit“ oder „Achtsamkeit“ erinnert. Begriffe, die irgendwie hipp sind, irgendwie in Mode. Sie begegnen uns in Lifestyle-Magazinen. Sie auszusprechen ist schon die halbe Miete beim Smalltalk mit den Yoga-Freundinnen oder beim Mittagessen mit den Arbeitskollegen. Doch was, wenn es um die ganze Miete geht? Wofür fühlt man sich tatsächlich dankbar?
Ich habe Menschen in unterschiedlichem Alter gefragt, wofür sie dankbar sind. Ich habe mit Schulkindern, ihren Lehrern und den Menschen gesprochen, die mir in meinem Berufsalltag begegnen. Alle mussten eine längere Zeit nachdenken. Es ist eine Herausforderung, wenn wir Dankbarkeit fühlen und nicht nur aussprechen sollen. Jüngere Kinder hatten mir zu diesem Thema gar nichts zu sagen. Nur ein kleiner Junge meldete sich nach kurzer Bedenkzeit zu Wort. „Meine Oma will immer, dass ich danke sage und ihr einen Kuss auf den Mund gebe“, sagte er und ergänzte sofort, dass ihm das jedes Mal unangenehm sei und er sich ekle.
Kinder je älter sie werden, fühlen Dankbarkeit bei alltäglichen Dingen und können sie klar benennen. So fiel einem siebenjährigen Mädchen ein, dass sie sehr dankbar ist, dass es Osterhasen gibt, die Schokoladeneier verteilen. Ihre gleichaltrigen Freunde stimmten sofort zu. Damit war das Eis gebrochen. Jetzt fiel den Kindern immer mehr ein und sie sprudelten los. Für Weihnachten sind sie dankbar und für die Geschenke zum Geburtstag und dass der Papa einen neuen Fernseher gekauft hat.
Die Jugendlichen wollten sich nicht mit dem Thema Dankbarkeit beschäftigen. Je älter, desto schwerer fiel es ihnen, sie zu empfinden. Es gab eher Gemotze über das was ihnen fehlte: Geld – iPhone – Motorrad. Was die Jugendlichen vor allem nervte war, dass sie jetzt auch noch in der Schule über Dankbarkeit sprechen sollten. Schließlich sei das zu Hause schon oft genug ein Thema beim Abendessen. Wer den Tisch nicht abräumt, ist undankbar. Wer nicht auf den kleinen Bruder aufpasst, ist undankbar. Wer morgens nicht gut gelaunt ist, ist undankbar – so berichteten mir die jungen Leute von der ständigen Erwartung an sie, dankbarer zu sein. Nur ein Junge, zwölf Jahre alt, sagte sehr leise, dass er dankbar dafür sei, dass seine Mutter noch lebt. Sie hatte Krebs und lebt nun schon seit zwei Jahren ohne Metastasen.
Ich denke es gibt Lebensphasen, in denen wir Dankbarkeit nicht fühlen können, da wir gewohnt sind im Überfluss zu leben. Wir fühlen sie dann, wenn etwas Selbstverständliches verlorengegangen ist und wiederauftaucht. Die Menschen im mittleren Alter zwischen 30 und 50, mit denen ich gesprochen habe, haben sich schon eher Gedanken darüber gemacht, wofür sie dankbar sein können. Die Genesung nach einem Bandscheibenvorfall, den Mann, der im Haushalt mit anpackt, den pünktlichen Zug am Morgen und die Ehefrau, die abends rechtzeitig eine warme Mahlzeit auf den Tisch stellt.
Wir sehen also an so banalen Beispielen, wie subjektiv das Empfinden der Dankbarkeit ist. Man kann Dankbarkeit sowohl für materielle Dinge als auch für Menschen oder ideelle Themen fühlen. Man kann sich ganz allein erfüllt fühlen von Dankbarkeit. Man kann die Dankbarkeit aber auch mit vielen Menschen teilen.
Das Gefühl der Dankbarkeit sitzt in unserer Brust. Es macht unser Herz weit und verbindet uns im tiefsten Inneren mit uns selbst, aber auch mit unserer Umgebung und allem was ist.
Um Dankbarkeit zu empfinden, brauchen wir nicht viel: Einen Moment Ruhe zum Innehalten und zum Erkennen, dass Nichts selbstverständlich ist. Probieren sie es aus, es lohnt sich.

Herzlichst Ihre
(c) Stefanie Menzel


stefanie-menzel-headStefanie Menzel
Ziel ist, praxis- und alltagstauglich Bewusstsein für neue Dimensionen zu schaffen und Zugang zur Gestaltungskraft im Leben zu eröffnen. Zu diesem Zweck hat sie die Heilenergetik und in diesem Zuge die Sinnanalytischen Aufstellungen entwickelt. 

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