Mensch-Sein

Das Leben tischt mir zu viel auf!

Chaos

Wie komme ich da raus? – Das Leben tischt mir zu viel auf! Arrrgh!

Ich hab’s gerne smooth. Ganz entspannt, alles im Rhythmus. Zeit für Muße. Ein Projekt nach dem anderen… aber derzeit will das Leben nicht ganz so!

Seit Momo’s Geburt läuft’s nicht ganz so rund… (Ja, ja – wen wundert’s…) Während Elisa und Momo sich nach wie vor von der Geburt erholen, muss ich mich um unsere zwei Burschen kümmern, den Haushalt schmeißen1 und gleichzeitig viel arbeiten. Nachdem ich nicht so viel Zeit für die Arbeit habe, wie ich eigentlich bräuchte, schiebe ich die Projekte so vor mich hin und muss meine Kunden vertrösten – nicht sehr angenehm.

In diesem ganzen Trubel fällt es mir manchmal schwer, entspannt zu bleiben. Heute hat es sich besonders zugespitzt… Ich wurde wegen der geballten Ladung an Aufgaben angespannt und nervös, hatte ein ungutes Gefühl im Bauch, machte mir etwas Sorgen. Auslöser war ein schwieriges Projekt –schwierig wegen der Gefühlen und dem Stress, die bei meinem Kunden vorherrschen. Auch wenn ich nicht schuld an der Situation bin, schwappt ihr Stress auf mich über.

Und wieso schreibe ich so viel darüber?

Weil ich glaube, dass Du solche Situationen auch kennst. Nicht genau so vielleicht, aber ich nehme an, Du kennst das Gefühl, überfordert zu sein. Das Leben tischt Dir auch mal zu viel auf und Du würdest vielleicht einfach gerne aussteigen oder den Kopf in den Sand stecken. (Ob das jedoch bequem ist? Weiss nicht – habe ich noch nicht probiert.)

Überfordert: Wie fühlt sich das an?

Wenn ich überfordert bin, dann fühle ich ein Unwohlsein im Bauch. Eine gewisse Schwere. Gleichzeitig fühle ich mich innerlich wackelig und verletzlich. Ich bin unruhig und meine Gedanken schwirren herum. Ich würde am liebsten alle Probleme sofort lösen, bin aber nicht fokussiert genug um die Probleme zu lösen, oder dazu gar nicht in der Lage.

Am liebsten würde ich die Bremse ziehen und in die Sauna* flüchten.
(* Setze hier den Rückzugsort Deiner Wahl ein…)

Die Essenz dieses Erlebnisses ist, glaube ich, dass ich mich innerlich anspanne und enger werde. Der Verteidigungsmodus ist an…

Und wie komme ich da raus?

Natürlich wünscht man sich, so ein Gefühl los zu werden und aus so einer Situation möglichst schnell wieder herauszukommen. Unsere instinktive Lösung ist es uns klein zu machen, zu verkriechen und irgendeine Form von Realitätsflucht2 zu begehen. Fernsehen, Computerspielen, Essen, Trinken, Kiffen, whatever…

Klar – das fühlt sich kurzfristig gut an – aber auf Dauer können wir nicht davonrennen. Unsere Probleme werden nicht gelöst und unsere Gedanken und Gefühle kommen, nach einer kurzen Weile der Verdrängung, umso stärker zurück.

Öffnen statt schließen.

Ich glaube, wir sollten uns in solchen Situationen bemühen, uns nach dem Moment der instinktiven Anspannung wieder zu öffnen. Was uns wirklich zu schaffen macht, ist nicht die Situation, in der wir uns befinden, sondern dass wir uns innerlich verschließen und eng machen. Oft haben wir auch gar nicht die Möglichkeit, die Situation zu lösen – aber mit unseren Gefühle und Gedanken können wir immer arbeiten.

Natürlich ist es gerade in Krisensituationen besonders schwierig, ausreichend Abstand zu gewinnen um klar zu sehen – genau deshalb suchen wir ja auch meist eine Ablenkung von außen. Damit wir auch in diesen Momenten noch eine gewisse Kontrolle über unseres inneres Erleben haben, ist es notwendig, auch in den guten Zeiten an seinem Geist zu arbeiten – so schafft man eine Basis, auf die man sich in den schwierigen Zeiten verlassen kann.

Jetzt möchte ich auf ein paar Techniken eingehen, die Dir helfen können,Dich zu öffnen, wenn Du dich in die Enge getrieben fühlst.

Zurück in den Körper

Um aus der Enge herauszukommen, hilft es sich im Körper „breit zu machen“. Sport eignet sich dafür hervorragend. Versuche die Energie in Deinem Körper wieder in Bewegung zu bringen.
Für mich geht das am besten beim Laufen oder etwas sanfter beim Yoga. Atemübungen sind auch super – oder „Schüttelmeditationen“3.

Was es auch für Dich ist – wichtig ist, dass Du Dich innerlich wie äußerlich bewegst und aus Deinem Kopf in Deinen Körper kommst.

Ruhe, Öffnung, Lebendigkeit

Nachdem Du Dich in irgendeiner Form ausgepowert hast, komme zur Ruhe. Nimm Dir einen Moment Zeit, um Deinen Körper zu spüren. Du kannst hierfür eine „richtige“ Meditationssitzung machen, oder es auch ganz informell halten – im Liegen auf der Couch zum Beispiel.

  • Schließe Deine Augen und fühle in Dich hinein.
  • Spüre die Lebendigkeit in Deinem Körper – vielleicht als ein Vibrieren, oder ein Kitzeln. Lass dieser Lebendigkeit Raum, sich auszubreiten, bis Du sie in Deinem ganzen Körper fühlst.
  • Lass dann Deinen Körper von innen heraus immer größer werden. Spüre wie Dein Körper immer luftiger und weiter wird. Mit jedem Mal ausatmen breitest Du dich etwas mehr aus.

Alternativ – oder gleichzeitig – kannst Du auf Deinen Atem achten und spüren wie Du Negativität und Unruhe ausatmest und Ruhe und Liebe einatmest.

Wenn Du Dich auf diese Weise innerlich öffnest, wirst Du bemerken, dass die Emotionen und Gedanken, die vormals so wichtig schienen, nicht mehr so gut an Dir „anhaften“ können.

Höre auf Dich zu verteidigen!

Wir lehnen uns gerne gegen das Leben auf. „Es ist ungerecht, was wir ausgeteilt bekommen!“, denken wir uns dann. Und wir kämpfen.

Aber es ist nicht wirklich unsere Lebenssituation, die uns unglücklich macht, sondern unser Kampf. Höre also auf zu kämpfen – höre auf Dich zu verteidigen und lass das Leben so sein wie es ist. Du wirst erkennen, dass die Schwere in Dir sich nicht lange halten kann, wenn Du nicht kämpfst. Und, wer weiss, vielleicht siehst Du sogar, dass Du etwas aus Deiner Situation lernen kannst. Oder vielleicht erkennst Du, wie Deine eigenen vergangenen Handlungen dazu beigetragen haben, dass Du jetzt in diese Situation gekommen bist.

Inspiration & Hilfe von außen.

Manchmal schaffen wir es trotz der vielen geschickten Mittel, die uns zur Verfügung stehen, nicht aus dem Wirbel unserer Gedanken und Gefühle mit eigener Kraft herauszukommen. Dann kann es hilfreich sein, Musik anzuhören, Texte zu lesen oder Videos anzusehen, die Dich inspirieren und Dir helfen Abstand zu gewinnen, Dich zu öffnen und zur Ruhe zu kommen.

Achte darauf, dass es wirklich inspirierende Inhalte sind, die Dich mehr in Kontakt mit Dir selber bringen. Und verwende es nicht als Flucht, sondern als Quelle der Inspiration um dich weiter zu öffnen.

Kleine Schritte zur Lösung.

Und wenn Du Dich innerlich gelöst hast kannst Du mit einer neuen Klarheit kleine, fokussierte Schritte zur Lösung der äußeren Situation machen. Unser Fehler liegt meist darin, dass wir sofort unsere äußeren Probleme bewältigen wollen und dabei auf unser Inneres vergessen. Aber mit einem angespannten, unruhigen Geist voller Emotionen kann man nicht fokussiert arbeiten – meistens macht man es dann nur schlimmer.

Ich jedenfalls versuche mich an „meine“ Anweisungen zu halten. Ich habe meditiert (nach ca. 30 Minuten beginnt dabei mein Körper selber zu schütteln und Stress abzubauen). Und am nächsten Morgen war ich laufen. Das hat mir schon viel Klarheit und Distanz geschenkt. Und dann habe ich sogar einen Blog Artikel geschrieben – wer hätte das gedacht?

Ist doch besser als sich mit nicht funktionierenden WebSeiten, Datenbanken und dem ganzen Schmafu herumzuärgern…

Und wie gehst Du mit solchen Stresssituationen um? Wenn Du was dazu sagen möchtest, dann hinterlass doch einen Kommentar auf meiner Facebook Seite. Oder antworte mir einfach auf dieses Email.

Sean

  1. Wichtige Anmerkung, der Korrektheit halber: Ich schmeiße den Haushalt nicht alleine. Unmittelbar nach der Geburt hatte ich Hilfe von meiner Familie, weil Elisa noch nicht so viel machen konnte. Mittlerweile ist sie aber wieder voll bei der Sache.

  2. Einen interessanten und auch etwas blöden Artikel dazu gibt’s bei der „Welt“: Ein kleines Wörterbuch der Weltflucht …als ob wir nicht schon genügend Methoden dafür kennen würden. 😉

  3. In einer „Schüttelmeditation“ setzt Du Dich hin und beginnst Deinen Körper langsam rhythmisch zu bewegen – lass Ihn schwingen, kreisen oder eben schütteln. Mit der Zeit kann sich diese Bewegung verselbständigen. Lass deinem Körper dabei freien Lauf. Gib ihm die Gelegenheit seine Blockaden zu lösen. Nach einer gewissen Zeit wird Dein Körper von selber wieder zur Ruhe kommen, oder wenn es zu anstrengend ist kannst Du Dich auch hinlegen. Bei mir kommt es oft vor, dass mein Körper von selber mit solchen Bewegungen beginnt – nach etwa 15 Minuten in Meditation. 

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