Wissenschaft & Spiritualität

Die Kraft unserer Gedanken, Lynne McTaggart

Nachdenkender Mann in LilaLynne McTaggart und die Kraft unserer Gedanken

Wir können unsere Welt mit unseren Gedanken beeinflussen – das ist mittlerweile schon keine Neuigkeit mehr.

Doch oft kommt das eher wie eine abstrakte Vision rüber. Die Wissenschaftsjournalistin Lynne McTaggart hat unermüdlich recherchiert und mit etlichen Experimenten konkrete Beweise geliefert. Lynne McTaggart ist preisgekrönte Journalistin und Autorin erfolgreicher Bücher wie The Field, das in 14 Sprachen übersetzt wurde (dt. Titel Das Nullpunkt-Feld) und das den Kino-Kultfilm What the bleep do we know? inspirierte. Sie selbst hat beim Film mitgewirkt! In den USA gibt sie renommierte Newsletter zum Thema Gesundheit heraus und veranstaltet gefragte Workshops über Gesundheit und Spiritualität. Im Interview spricht Lynne McTaggart über ihr neues Buch.

Lynne, in Ihrem aktuellen Buch über Intention oder Absicht sagen Sie: „Denken bedeutet wirken.“ Ändert das nicht alles, was in unserer Gesellschaft heute vermittelt wird?
Ganz sicher. Was immer wir tun, basiert letztlich auf den Ideen der Physik Newtons, und die sind über 300 Jahre alt. In dem Rahmen haben wir ein sehr geordnetes Universum mit voneinander getrennten Dingen, die nach festgelegten Gesetzen in Raum und Zeit aufeinander einwirken und funktionieren. Auf einer Ebene stimmt die Newtonsche Physik, aber sie deckt eben längst nicht alles ab.

Neue Ergebnisse der Quantenphysik sprechen dafür, dass alles miteinander verbunden ist. Wir haben geglaubt, dass es da eine Physik des Großen (Astronomie) im Unterschied zu einer Physik des Kleinen (Teilchenforschung) gibt, doch nun beginnen wir zu verstehen, dass es nur eine Physik gibt: Die Gesetze der Quantenwelt, der kleinsten Teilchen, gelten auch für die Welt, die wir sehen. Und diese Gesetze besagen u. a., dass ich, der Beobachter, die Welt und das was ich erlebe, beeinflusse. Und es gibt Beweise dafür, dass unsere Gedanken das Physische verändern können. Wenn das stimmt, dann müssen wir völlig umdenken. Bisher haben wir die Welt auf der Basis der Trennung wahrgenommen, doch die Welt, die wir nun entdecken, ist eine der Einheit, wo alles – bis zur Ebene der kleinsten Partikel – miteinander verbunden ist.

Sie schreiben, die Wirksamkeit der Absicht wird durch gewisse Faktoren wie der Vorbereitung oder dem richtigen Ort oder der richtigen Zeit beeinflusst. Was halten Sie für den wichtigsten Faktor?
Ich würde sagen, es ist vor allem ein konzentrierter Geist. Doch es gibt sehr viele Aspekte. Schon deshalb habe ich einen großen Teil meines Buches den ganz unterschiedlichen Praktiken und Methoden von Heilern und QiGong-Meistern gewidmet. Ich nenne sie „Meister der Intention“. Allen gemein ist, dass sie zuerst ihren Geist durch einen meditativen Zustand aufklaren und anschließend zu einem tiefen und intensiven Fokus gelangen.

Das ist also der wesentliche Unterschied zwischen Meistern und allen anderen?
Ja. Es ist der Unterschied zwischen die Kraft der Intention gezielt einsetzen und einem bloßen Wunschdenken.

In Ihrem Buch beschreiben Sie unter anderem ein Experiment, wo durch die Intention zahlreicher Menschen das Wachstum von Pflanzen um zehn Prozent gesteigert wurde. Wäre es nicht Aufsehen erregender, wenn man es um 50 Prozent steigern könnte?
Nein, im wissenschaftlichen Kontext ist eine Steigerung von zehn Prozent über der Norm schon dramatisch. Die Wissenschaftler haben mich davon überzeugt, Schritt für Schritt vorzugehen. Zuerst versuchten wir, mit unseren Gedanken die Lichtausstrahlung eines Blattes zu beeinflussen. Als das gelang, befassten wir uns mit dem Wachstum von Pflanzen. 500 Menschen erhöhten die Wachstumsrate allein durch ihre Intention, und das von einem weit entfernten Ort aus, nämlich Sydney in Australien. Das ist doch erstaunlich! Nach dem Erscheinen meines Buches haben wir bereits neue Versuche gestartet, zum Beispiel die Cluster-Struktur des Wassers zu verändern. Seitdem wir wissen, dass wir mit unserem Geist auf physikalische Prozesse einwirken, wollen wir das auch zu einem praktischen Nutzen führen.

Dr. Gary Schwartz und ich haben eine Ökosphäre in einem Terrarium aus Glas gebaut. Es ist eine „Mini-Gaia“ mit Insekten und Pflanzen. Wir wollen den CO2-Level und die Temperatur mit unseren Gedanken verändern. Im Terrarium befinden sich etliche empfindliche Messgeräte und alles wird aufgezeichnet. Wenn wir damit Erfolg haben, hat das enorme Auswirkungen: Es bedeutet, wir können die globale Erwärmung beeinflussen. Ein anderes Experiment soll zeigen, dass wir verunreinigtes Wasser durch Gedankenkraft reinigen können. Mit Deepak Chopra und der Association for Global New Thought sind wir dabei, in bestimmten Krisenzonen der Welt durch unsere gebündelte Intention die Kriminalität und Gewalt zu verringern. Auch das wird erstaunliche Folgen haben. Doch man muss klein anfangen, bevor eine Sache richtig groß werden kann.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Absicht/Intention und Synchronizität, also dem gleichzeitigen Erscheinen von Ereignissen, die kausal nicht verbunden sind? Man denkt an etwas, und plötzlich erscheint es.

Das ist für mich besonders spannend und faszinierend, wie Meister der Intention, QiGong-Meister, große Heiler, buddhistische Mönche usw. ihre Methoden einsetzen. Die sind zwar zum Teil ganz individuell, aber da gibt es auch eine Ähnlichkeit, eine Gemeinsamkeit in der jahrelangen Übung und Praxis. Erfahrung ist wirklich entscheidend.

Es scheint, dass sich die Kraft der Intention durch Übung verbessern lässt, wie ja bei jeder Fertigkeit. Sollte das nicht den Kindern in der Schule beigebracht werden, so dass wir die Welt verändern können?
Oh, ja, natürlich! Das Problem ist nur: Die Kinder werden nach wie vor nach einem Erziehungsschema unterrichtet, das den Einzelnen und den Wettbewerb heraushebt, was eben die Trennung unterstreicht. Den Kindern wird ebenfalls beigebracht, die Welt nach dem physikalischen Weltbild Newtons zu sehen, nämlich dass sie auf ihre fünf Sinne begrenzt sind und es nichts Übersinnliches gibt. Wenn Kinder begreifen, dass ihre Gedanken wirklich etwas bewirken, stellen Sie sich vor, was dann passieren würde! Vom frühesten Alter an lernen die Kinder, sich gegen die anderen durchzusetzen und schlecht von ihnen zu denken. Doch mit der Einsicht in die Wirksamkeit der Gedanken würde sich das sicher ändern.

Lynne McTaggart

Sie schreiben in Ihrem Buch auch darüber, dass negative Intentionen stärker sind als positive. Das macht doch ziemlich Angst, oder?
Ja, das kann Angst machen. Die Menschen glauben oft, dass positive Gedanken stärker seien als negative. Doch in meinem Buch befasse ich mich mit Versuchen, die zeigen, dass das nicht immer stimmt. In jedem Fall muss man sagen, dass negative Intentionen ebenso wirksam sind wie positive. Aber das könnten wir doch auch zu unserem Vorteil nutzen, etwa im Kampf gegen Krebszellen, wo wir ja zerstören wollen.

Das ist ein wichtiger Punkt. Wer sich damit auseinandersetzt, seinen Krebs durch Imagination zu bekämpfen, der sollte sich nach Anweisung der Experten ein Schlachtfeld vorstellen, wo er die schädlichen Zellen oder Bakterien ausmerzt. Das ist eine negative Intention, doch sie wird ständig von Heilern und QiGong-Meistern benutzt, um die schädlichen Einflüsse zu bekämpfen. Unter dem Strich geht es darum, dass eine wirksame Intention Erfahrung und innere Kraft braucht.

Am Ende Ihres Buches ermutigen Sie die Leser, über Ihre Website an einem Experiment teilzunehmen. Wie hat sich das entwickelt?
Ich bin sehr erfreut über die bisherige Entwicklung. Es war uns, dem Forschungsteam, nicht so klar, wie viele Menschen wir eigentlich brauchen, um eine „kritische Masse“, einen bestimmten Effekt zu erzielen. Doch mit bereits 100 Leuten, die eine Absicht von New York nach Tucson in Arizona schickten, hatten wir Erfolg. Ich würde mich also freuen, wenn möglichst viele Leser auf meiner Website an den aktuellen Experimenten teilnehmen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Wir preschen jetzt zur nächsten Stufe vor. Wir wollen uns darauf konzentrieren, die lange Liste von Krankheiten und Elend auf diesem Planeten zu reduzieren. Wir wollen mit Intentionen experimentieren, die das Klima, die Umweltverschmutzung, die Armut und die Gewalt verringern.

Wenn wir nicht voneinander getrennt sind, dann sollten wir wirklich einmal überdenken, wie wir handeln. Was immer wir in unserem Leben tun, basiert doch auf Trennung und Wettstreit, angefangen bei der Erziehung der Kinder über unsere Geschäftsstrategien und Beziehung zur Nachbarschaft bis hin zum Regieren der Länder und wie wir mit unserer Erde umgehen. Zur Zeit ist meine Arbeit darauf fokussiert, diese Ideen in das alltägliche Leben der Menschen zu integrieren. Und ich freue mich besonders auf meinen Besuch in Deutschland.

Auszug aus einem Interview von Janice Hughes, der Herausgeberin der Zeitschrift Share Guide, ausgewählt und übersetzt für KGS von Hans Friedrich.

von Lynne McTaggart
28. September 2015

(c) baseler psi verein

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