Gesellschaft

Die WÜRDE

gesicht-frau-ausblenden-faceDie WÜRDE

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Satz wird oft und gern zitiert. Als Forderung, als Ermahnung, als Beweis unserer Kultur. Wie sieht es mit dieser Aussage in der Praxis aus? Wie oft wird sie täglich widerlegt! Liegt es vielleicht an einem mangelnden inhaltlichen Verständnis des Begriffes?
Was ist Würde? Fast alle wissen, was gemeint ist aber kaum jemand kann es erklären. Woraus besteht sie, wo finden wir sie in uns, wie entsteht sie?
Würde bedeutet Wertigkeit, dem Menschen innewohnender Wert als die Menschenwürde; innere Haltung, die durch das Bewusstsein vom eigenen Wert bestimmt wird, Authentizität. Würdigen bedeutet werten, anerkennen, achten, respektieren, Respekt zollen, schätzen, ehren, in Ehren halten, Wert legen auf etwas. Menschenwürde ist ein Teil menschlicher Identität, und zwar der wesentliche, nämlich der geistige, der ideelle. Menschenwürde ist ein veränderlicher Teil des Menschen, ihre Art und Erfahrbarkeit wird von der jeweiligen gesellschaftlichen Kultur und von dem einzelnen Menschen selbst bestimmt. Die Menschenwürde ist keine feste Größe, sie ist abhängig von der allgemeinen Wertschätzung der Umgebung, in der sich der Einzelne bewegt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar?
Es stimmt leider so nicht, wie es in der Formulierung des Grundgesetzes klingt, dass sie unantastbar ist, denn die Menschenwürde wird oft angetastet. Eher müsste es wohl heißen: da die Würde antastbar ist, muss sie geschützt, geachtet und respektiert werden.
Menschenwürde hängt ab vom eigenen Menschenbild. Die Würde ist etwas, was dem Menschen zunächst als Möglichkeit gegeben ist, was ihm zusteht, was er aber auch erfüllen muss und sogar fühlen kann. Ein Mensch, der sich würdelos verhält, kann schwerlich erwarten, dass man ihn würdig behandelt. Ein Politiker beispielsweise, der seine politischen Gegner beschimpft und herabwürdigt, der verliert damit gleichzeitig an eigener Würde. Oder aber, er kann sich nur so würdelos verhalten, weil seine Würde ursprünglich angekratzt ist. Jeder Mensch verliert an Würde, wenn er sich anderen Menschen unachtsam, respektlos und herabwürdigend verhält.

Wobei wir hier beim zentralen Aspekt des komplexen Themas der Würde angekommen sind.
Es ist so, dass man sich verletzend und würdelos verhält, wenn einem selbst Verletzung und seelischer Schmerz zugefügt wurden.
stefanie-menzel-wuerdeIn der heilenergetischen Arbeit gilt immer der Hintergrund, dass ein Mensch sich nur so verhalten kann, wie er selbst es gelernt, und dann aus seinen eigenen Prozessen heraus gewandelt hat. Selbst schlimme emotionale Verletzungen in der eigenen Biografie, die das Gefühl der Würde betreffen und ein würdevolles Verhalten anderen Menschen gegenüber fast unmöglich machen, lassen sich durch Reifung und Bewusstwerdung auf eine neue Stufe der menschlichen Entwicklung heben. Somit ist die Würde nicht statisch und nicht nur ein rein philosophischer Begriff, sondern die Würde ist fühlbar, wächst mit der inneren Reife und ist Ziel menschlicher Entwicklung und damit menschheitsgeschichtlicher Bewusstseinsentwicklung.

Es ist nützlich, den Begriff der Menschenwürde immer wieder zu hinterfragen
und zu definieren, um dadurch auch die Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle zu fördern, und sich der Beschaffenheit der eigenen Würde bewusst zu werden. Wenn dieses verstärkt geübt und praktiziert wird, der Wandel von Erfahrungen zu Reife angestrebt wird, kommt es dazu, dass mehr Menschen als bisher in der Lage sind, das Verhältnis der egoistischen Anteile zu steuern. Es scheint jedenfalls dringend erforderlich, den Begriff Menschenwürde immer wieder ins Gespräch zu bringen, ihn zu hinterfragen und neu zu definieren, um ihn dadurch mehr als bisher zu verinnerlichen und anzuwenden. Auch gelebte Heilenergetik kann zu einer stärkeren Beachtung der Menschenwürde beitragen, denn die Definition lautet sehr konkret: Heilenergetik ist ein Denken, Fühlen und Handeln, das sich an der Würde des Menschen orientiert und dem Ziel menschenwürdiger Lebensverhältnisse dient.
Auf die Praxis bezogen bedeutet dies für meine Arbeit, jemand der selbst in seiner Würde angekratzt ist tut gut daran, bevor er mit Menschen arbeitet, sich dem eigenen Thema der Würde zu widmen, sich selbst in seiner Würde zu heilen, um dann die eigene Arbeit aus einer neuen fühlbar würdevollen Sicht in die Gesellschaft einzubringen, und somit an der bewussten Entwicklung der Menschheit mitzuschaffen.

(c) Stefanie Menzel, im Juni 2017


stefanie-menzel-headStefanie Menzel
Ziel ist, praxis- und alltagstauglich Bewusstsein für neue Dimensionen zu schaffen und Zugang zur Gestaltungskraft im Leben zu eröffnen. Zu diesem Zweck hat sie die Heilenergetik und in diesem Zuge die Sinnanalytischen Aufstellungen entwickelt. 

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