Meditation Selbsthilfe - Übungen

Drei Meditationen

FreundinnenDrei Meditationen für den Weg durch die Stadt

Wir verbringen viel Zeit unseres Lebens auf dem Weg von A nach B – Arbeitsweg, Schulweg, Einkaufsweg, Heimweg – you name it. Meist sind wir im Geist jedoch schon am Ziel und versuchen, den Weg entweder möglichst schnell hinter uns zu bringen, oder füllen die Zeit mit Tagträumerei, Musik, Telefonaten oder ähnlichem. Dabei ist dieser Zwischenraum der perfekte Moment für Meditation!

Hier sind ein paar Meditationsvorschläge für unsere Bewegung in und durch die Stadt…

Bewusster gehen

„Um Frieden jedoch finden zu können, musst Du Dir jedes einzelnen Schrittes bewusst sein. Dein Schritt ist Deine wichtigste Aktivität. Er entscheidet alles.“ (Thich Nhat Hanh)

Zahlreiche Traditionen haben Gehmeditationen. Ich kenne sie beispielsweise aus dem Zen-Buddhismus und ich habe, während ich im Centro d’Ompio gearbeitet habe, oft den Schülern eines schamanischen Lehrers beim ganz langsam und bewusst gehen zugesehen.

Geschwindigkeit halbieren

Selber habe erstmals mit Gehmeditation in der Stadt begonnen, nachdem ich von Paulo Coelho den Vorschlag gelesen habe, beim zu Fuß gehen, seine Geschwindigkeit zu halbieren. Da kommt man sich schon wie eine ziemliche Schnecke vor. Aber genau das ist der gewünschte Effekt – dieses reduzierte Tempo schafft es, Dich aus Deinem Alltagstrott herauszureissen und zwingt Dich, Deine Fortbewegung wieder bewusster zu erleben.

Natürlich muss man nicht unbedingt langsamer gehen, um den Gang als Meditation zu nutzen… beim Laufen kann man ja auch wundervoll meditieren. Wesentlich ist, dass man seine Aufmerksamkeit primär auf die Bewegung lenkt. Sowohl langsamer als gewöhnlich als auch wesentlich schneller als gewöhnlich können beide helfen.

Ballengang

Eine weitere Art das Gehen bewusster zu erleben, ist der Ballengang. Dabei tritt man immer zuerst mit seinen Ballen auf – im Gegensatz zu unserem allgemein üblichen Hackengang. Der Ballengang ist angeblich die natürliche Art zu gehen und für den Körper sehr gesund. Als Kinder verlernen wir den Ballengang nur bald, weil wir früh in Schuhen mit erhöhten und gedämpften Fersen gehen. Nachdem der Hackengang wegen der größeren Schrittlänge schneller ist, passt er besser zu unserer gestressten Gesellschaft… aber genau dem wollen wir ja entgegenwirken.

Hier ist ein aufschlussreicher Artikel zum Ballengang – unter dem Namen GoDo (wie Hans-Peter Greb den Ballengang bezeichnet).

Offene Augen

Wien ist eine wunderschöne Stadt – doch meist achte ich nicht darauf, weil ich mich zu sehr daran gewöhnt habe und mit dem Kopf „anderswo“ bin. Ich finde, es ist eine nette Übung, mit den Augen eines Touristen durch die Stadt zu gehen, und dadurch so die Stadt unvoreingenommen und neu zu erleben. Dafür ist es manchmal auch hilfreich, den Blick etwas nach oben zu wenden – Hans Guck-in-die-Luft mäßig – denn höher oben haben die Gebäude einiges zu bieten, was man im Alltag oft übersieht.

Wenn Du auf diese Weise mit offenen Augen durch die Stadt gehst, wirst Du aber nicht nur die schönen Gebäude mehr genießen, sondern vielleicht auch an den unwahrscheinlichsten Plätzen Schönheit sehen und in Gegenden, die Du schon in-und-auswendig kennst, wieder etwas Neues entdecken…

Andere Wege einschlagen

Wir gehen meist auf gewohnten Wegen – vielleicht weil sie die schnellsten oder die komfortabelsten sind. Um die Stadt wie ein Tourist zu erleben, ist es jedoch hilfreich, bekannte Wege immer mal wieder anders zu gehen. Und es ist generell gut, für unseren Geist, gewohnte Muster immer mal wieder ein wenig aufzubrechen. Mal eine andere Straße entlang zu gehen, rüttelt zwar nicht gerade an den Fundamenten unseres Geistes, aber es lässt zumindest eine kleine, frische Brise hereinwehen.

Offene Ohren

Meist empfinden wir die Geräuschkulisse der Stadt als störend. Das muss aber nicht unbedingt so sein. Wenn Du unvoreingenommen Deine Ohren öffnest, kannst Du Geräusche, die Du vorher vielleicht als störend oder banal empfunden hast, als interessant und anregend erleben.

Ich senke beim Gehen durch die Stadt, gerne meinen Blick, um mich mehr auf die Geräusche rund um mich zu konzentrieren. Die Welt der Klänge und Geräusche hat eine unglaubliche Tiefe, die wir normalweise verpassen, weil der Großteil der auditorischen Eindrücke gefiltert wird und es nicht bis in unseren bewussten Geist schafft. Das liegt wohl daran, dass wir unserem Sehsinn eine viel höhere Priorität einräumen. Wir haben uns scheinbar entschlossen, dass wir zum Überleben eher unsere Augen als unsere Ohren brauchen. Es gibt aber einige Stimmen, die sagen, dass der Hörsinn eigentlich der wesentlichste unserer Sinne ist und uns der starke Fokus auf das Visuelle schadet. Um dazu mehr zu erfahren, kann ich Dir die Radiosendung „Nada Brahma – die Welt ist Klang“ von Joachim Ernst-Berendt sehr empfehlen.

Hier ein paar interessante Argumente für die „Überlegenheit“ des Gehörsinns: 1. Das Ohr ist das erste Sinnesorgan, das beim menschlichen Embryo ausgebildet wird und auch generell das erste funktionierende Organ noch vor Herz und Gehirn. 2. Es gibt das absolute Gehör, ein absolutes Sehen jedoch nicht. 3. Es gehen viel mehr Nervenbahnen vom Ohr zum Gehirn, als vom Auge zum Gehirn.

Für die Meditation ist es jedoch nicht so wichtig, welches Sinnesorgan überlegen ist. Wesentlich ist viel eher, was passiert, wenn man sich auf die Eindrücke eines Sinnesorgans konzentriert. Man kann zwar prinzipiell alle Sinneseindrücke als Objekt der Meditation nutzen, das Hören bietet sich aber besonders gut an, weil man dabei die äußere Welt in sich hineinlässt und immer tiefer in sich hineingeht. Ich habe das Gefühl, dass man beim Sehen hingegen sehr leicht „nach außen gezogen“ wird und dabei leicht die Verbindung mit sich selbst verliert.

Natürlich kann man auch beim Gehen jederzeit auf den Atem meditieren und es gibt noch zahlreiche andere Meditationen, die sich für den Weg in der Stadt anbieten… aber diese drei Übungen finde ich funktionieren recht gut.

Ich wünsche Dir einen entspannten Weg durch die Stadt.

Sean.

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