Mensch-Sein

Fastenzeit

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Ich bin kein Anhänger davon, Traditionen nur der Tradition wegen einzuhalten, sondern möchte erst mal verstehen, was der eigentliche Hintergrund einer Tradition ist und was sie für mich bedeuten könnte.

Dieses Jahr haben Elisa und ich beschlossen, im Rahmen der Fastenzeit auf Süßigkeiten und Schwarztee zu verzichten. Fleisch essen wir ohnehin keines und auch Alkohol trinken wir eigentlich nicht. Aber ein bisserl süchtig sind wir schon nach Süßem und Tee, also ist es schon eine gute Herausforderung, das für eine Zeit abzulegen.

Um Angewohnheiten abzulegen hilft es, andere darüber zu informieren. Dadurch kommt man ein wenig in Zugzwang und kann auch anderweitig Unterstützung von Außen erhalten. Und es hilft sich einen fixen Zeitrahmen zu stecken. Das also zur Fastenzeit. Aber…

Warum fasten?

Die erste, einfache Antwort ist natürlich, dass man dadurch etwas Gutes für seine Gesundheit tut. Aber für mich ist das nicht der primäre Grund. Viel wesentlicher finde ich es, daran zu arbeiten, meine Süchte abzulegen. Und wie wir wissen, passiert Sucht hauptsächlich im Geist. Die körperliche Sucht ist man eigentlich ziemlich schnell los. Aber die geistige Angewohnheit bleibt viel länger bestehen. Wieso? Scheinbar ist unser Körper flexibler als unser Geist. Aber da würde ich gerne etwas dagegen unternehmen – ich möchte einen flexiblen und freien Geist haben.

Wir haben unzählige geistige Angewohnheiten, die wir als wesentlichen Teil unseres Selbst betrachten, die uns in Wirklichkeit aber im Weg stehen und uns davon abhalten, unsere wahre Geistesnatur zu erkennen. Geistiges Fasten kann helfen uns von den unnötigen Ablenkungen in uns zu lösen und tiefer in Kontakt mit unserem wahren Selbst zu kommen.

Aber wir können natürlich nicht alle schlechten Angewohnheiten auf einmal ablegen und manchmal ist es auch schwer, überhaupt zu erkennen, dass man nach einem alten Gedankenmuster handelt. Daher macht es Sinn, sich einer oder zwei Angewohnheitenen anzunehmen und an diesen zu arbeiten. Bei einer Angewohnheit, die einen äußerlichen Ausdruck hat – wie eben Konsum von Suchtmitteln –, ist es einfacher. Man muss nicht die ultimativ klare Sicht haben, um zu erkennen, dass die Angewohnheit uns eigentlich nicht gut tut und man kann leicht erkennen, ob man denn noch am richtigen Pfad ist (oder schon wieder unbewusst zur Schoko gegriffen hat ).

40 Tage was?

Gefastet wird in vielen Kulturen und Traditionen. Wann, wie lange und aus welchem scheinbarem geschichtlichem Anlass variiert natürlich.

Biblischer Hintergrund für die Festsetzung der Fastenzeit auf 40 Tage ist das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste. Ausserdem erinnert die Zahl 40 auch an die 40 Tage der Sintflut, an die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, an die 40 Tage, die Moses auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes verbrachte, und an die Frist von 40 Tagen, die der Prophet Jona der Stadt Ninive verkündete, in der sie durch ein Fasten und Büßen Gott bewegen konnten, den Untergang von ihr abzuwenden.1

Wenn man negative Assoziationen mit dem Konzept der Buße und der christlichen Religion im allgemeinen mal beiseite lässt, sticht für mich dabei ein wesentliches Merkmal hervor: Es geht immer darum, vom irregeführten und leidenden Zustand weg zu kommen und zu Gott (= unserer Buddhanatur) zu finden. Ob Läuterung durch die Sintflut, Reise durch die Wüste oder Fasten und Büßen der Stadt Ninive, all diese scheinbaren geschichtlichen Anlässe sind Ausdruck des Weges von der Verblendung hin zur Erkenntniss. Jesus‘ Fasten in der Wüste und Moses‘ 40 Tage am Berg sind schon Ausdruck der Ankunft bei Gott.

Natürlich ist das alles recht abstrakt gehalten und kann daher allzu leicht missverstanden werden. Ich halte mich da prinzipiell lieber an die buddhistische Tradition, in der darauf geachtet wird, alles möglichst klar zu formulieren und immer wieder darauf hinzuweisen, dass es um die eigene geistige Transformation geht, nicht um irgendwelche glorreiche, äußeren Ereignisse. Jesus hat das sicherlich auch so gehandhabt, aber das was von seinen Worten übrig geblieben ist, wurde zu sehr für Machtzwecke verändert, so dass es heute nicht mehr sehr klar ist.

Trotzdem können wir christliche Anlässe für unsere spirituelle Praxis nutzen…

Also: Happy fasting! 😉

Sean


  1. Quelle: Wikipedia

 

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