Frieden

Frieden und Vergebung

Frieden ist auf Rosen gebettetWahrhaftiger Frieden ist ohne Vergebung nicht möglich.

Wir müssen uns dies bewusst machen, wenn wir  uns Frieden wünschen.

Vergebung kann jeder praktizieren, erlernen. Dies wäre ein ganz persönlicher Beitrag um den Teufelskreislauf der Rache und Vergeltung zu durchbrechen.

„Wir sind in der Lage zu vergeben, weil wir in der Lage sind, die uns allen gemeinsame Menschlichkeit zu erkennen. Wir können erkennen, dass wir zerbrechliche, verletzliche, mit Fehlern behaftete menschliche Wesen sind, die sich gedankenlos und grausam verhalten können. Wir können außerdem erkennen und begreifen, dass niemand böse geboren wird und das wir alle mehr sind als das Schlimmste, was wir in unserem Leben getan haben. Ein Menschenleben ist eine großartige Mischung aus Güte, Schönheit, Grausamkeit, Kummer, Gleichgültigkeit, Liebe und vielem mehr. Wir möchten das Gute vom Schlechten trennen, die Heiligen von den Sündern, aber das ist unmöglich. Wir alle teilen die Grundqualitäten unserer menschlichen Natur, und daher sind wir manchmal großzügig und manchmal selbstsüchtig. Manchmal sind wir nachdenklich und manchmal gedankenlos, manchmal sind wir gütig und manchmal grausam. Das ist kein Glaube, das ist Tatsache.

Bei jeder Verletzung, die geschieht, können wir immer den größeren Zusammenhang sehen, in dem es dazu kam. Bei jedem Täter können wir eine Geschichte entdecken, die uns etwas darüber erzählt, was ihn zu seiner Tat veranlasste. Dabei geht es nicht darum, die Tat zu rechtfertigen. Aber sie wird in einen Zusammenhang gestellt. Indem wir das sehen, was uns verbindet, und weniger das, was uns trennt, entdecken wir unsere gemeinsame Menschlichkeit.

Ich wiederhole es, weil es so leicht vergessen wird: Kein Mensch wird als Lügner, Vergewaltiger oder Terrorist geboren. Niemand wird voller Hass geboren. Niemand ist von Geburt an gewalttätig. Niemand wird weniger wunderbar und gut geboren als Sie und ich. Aber jeden Tag, in jeder Situation, bei jeder schmerzhaften Erfahrung können wir dieses  Wunderbare und diese Güte vergessen. Wir verlieren sie aus dem Blick. Wir sind verletzlich, und wir tun gut daran, uns immer wieder daran zu erinnern, dass auch wir selbst diejenigen sein können, die anderen Verletzungen und Schmerz zufügen.

Wir sind alle Mitglieder der einen Menschheitsfamilie. Das ist keine bloße Metapher. Das ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Alle modernen Menschen stammen von , wie Wissenschaftler sagen, mitochondrialen Eva ab. Das bezieht sich auf unsere  gemeinsame matrlineale Vorfahrin. Sie lebte ungefähr vor Zweihunderttausend Jahren, und je nachdem, wie man die Länge einer Generation schätzt, liegen nur fünf- bis zehntausend Generationen zwischen uns. Anders ausgedrückt wir sind alle Cousinen und Vettern des maximal zehntausendsten Grades. Und ja: die mitochondriale Eva lebte in Afrika, sodass wir auf sehr reale Weise alle Afrikaner sind, was angesichts des allgemein verbreiteten Rassismus, durchaus ironisch ist, nicht wahr?“

Desmond Tutu und Mpho Tutu:

Das Buch des Vergebens – Vier Schritte zu mehr Menschlichkeit

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