Politik

Geld – der schöne Schein trügt

DoppelGeld ~ der schöne Schein trügt

Definiert der Mensch sich allein über Geld? Ist Geld der Auslöser für Gier, Habsucht, Hass Krankheiten und Kriege und damit der Virus, der unsere Gesellschaft, unser Leben bedroht? Ist Wohlstand, erreicht durch Geld, eine Illusion und Lebenslüge die unseren Lebenszweck ohne Pause manipulieren? Weil Wohlstand immer einhergeht mit der Ungerechtigkeit des Nehmens auf Kosten anderer? Ist Geld eine Art mystisches Schmiermittel für Aufstieg und Fall menschlicher Lebensträume?

Würde man diese Dinge bejahen, gäbe es nur einen Schluss als Möglichkeit: der Mensch sollte sich besinnen und sich der Aufgabe stellen, dass die Sinnhaftigkeit eines kapitalistischen Ordnungssystems den Sinn eines jeden Lebens konterkariert.

Jede schöne Zeit geht einmal ihrem Ende zu. So geschieht es mit dem Kapitalismus, der schlicht weg von der sogenannten Finanzkrise aufgefressen wird. Der Mensch hat sich ein System geschaffen, das er nicht mehr beherrscht. Politische Hilflosigkeit kann der Interessierte jeden Tag den Medien entnehmen.

Doch was soll stattdessen kommen? Werden unsere Gesellschaft und ihre Politische Führung den Mut aufbringen an Alternativen zu arbeiten? Nein. Dies ist nicht absehbar. Obwohl Proteste zunehmen. Die Glaubwürdigkeit des Systems und ihre Verteidiger nun wirklich am Boden liegend, wird doch mit allem fleißig verteidigt. Solange der Mensch sich über Geld definiert, einzig durch Besitz sich lebendig fühlt und sich Triebhaftigkeit vom Konsum und Macht manipulieren lässt, ist es schlecht bestellt. Erfolgt daraus Korruption und Werteverlust, ist ein Gesellschaftssystem vom Zerfall bedroht. Es regiert die Angst – und Unsicherheit das Gewonnene zu verlieren. Diese Unsicherheiten bestimmen das Miteinander der Menschen und führen letztlich zu Aggressionen und wie gehabt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Nicht umsonst waren Zinsgeschäfte im Mittelalter für Christen verboten.

Exodus 22,24: „Falls du einem aus meinem Volk, dem Elenden bei dir, Geld leihst, dann sei gegen ihn nicht wie ein Gläubiger; ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen“;

Levitikus 25,36-37: „Du sollst nicht Zins von ihm [deinem Bruder] nehmen und sollst dich fürchten vor deinem Gott, damit dein Bruder neben dir lebt. Dein Geld sollst du ihm nicht gegen Zins geben, und deine Nahrungsmittel sollst du nicht gegen Aufschlag geben.“;

Deuteronomium 23,20-21; „Du sollst deinem Bruder keinen Zins auferlegen, Zins für Geld, Zins für Speise, Zins für irgendeine Sache, die man gegen Zins ausleiht. Dem Fremden magst du Zins auferlegen, aber deinem Bruder darfst du nicht Zins auferlegen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem Geschäft deiner Hand in dem Land, in das du kommst, um es in Besitz zu nehmen.“;

Ezechiel 18,5-17; Ezechiel 22,12; Psalm 15,5; Sprüche 28,8.

Das Thema Geld, Zins und Zinseszins Geschäfte haben also frühzeitig schon kluge gottesfürchtige Menschen als anrüchig festgestellt. Was dem Mensch an sich nicht hinderte nach Schlupflöchern zu suchen. (Man drückte dies bekanntermaßen jüdischen Mitbürgern auf). Alles gute Gründe warum die Kritik am Kapitalismus an Schärfe und Brisanz zu nimmt. Daher wundert es auch nicht, dass Karl Marx und seine Kritischen Thesen unter Ökonomen eine neue Gewichtung erhält. Sicherlich nicht unter dem Gesichtspunkt, einem gescheiterten Kommunismus auf die Beine zu helfen. Vielmehr scheint die Verzweiflung groß, die tiefen ökonomischen Krisen überhaupt zu verstehen.

Geld ist ein neutrales Ding und Sache. Doch der Mensch macht dieses Vehikel zu einem Bestandteil seiner Emotion. Geld und Angst passen daher gut zusammen. Nicht genug davon zu besitzen, Geld zu verlieren, oder wohin mit all dem Reichtum mit der Sorge der Vermehrung. Wer kennt das nicht oder hat davon gehört. Geld verursacht Gier, Krankheiten, Armut bis hin zu Kriegen.

Einzig weil und wenn der Mensch sich durch Geld definiert oder definieren lässt. Geld und Macht verbunden mit all den negativen Erscheinungsformen manipulieren das menschliche Leben. Wir geben unsere Verantwortung ab. Statt der Mühe einer eigenständigen bewussten Lebensweise, ziehen wir die Befriedigung diverser Wünsche durch Geld vor. Geld bedeutet Sicherheit. Kein Geld bedeutet Sorgen. Wohlstand bedeutet Gesundheit und Zukunft.

Doch die wahre Bedeutung liegt letztlich in uns selbst. Geld hat nur die Macht, die wir ihm zugestehen wollen. Weil Geld ein so bedeutsames Elixier wurde, ist es zu einer Naturerscheinung befördert und verwissenschaftlicht. Je nach Weltanschauung und Absicht erklärt der Mensch das Phänomen Geld. Und vertieft so weiter den Mythos des vermeintlich selig machenden Wertes, vor allem seine unaufhörliche Vermehrung. Zum Wohle oder nicht Wohle einer Gesellschaftsform. Geld ist zu einem machtvollen Bestandteil unserer Überzeugungen geworden und verführt uns somit letztlich zu einer Kette unheilvoller Entscheidungen.

Lohnsklaven, Hungerlohn, Equal Pay, Lohngerechtigkeit, Tagelöhne, Begriffe alt wie neu zeigen, dass der Mensch mit Geld ein Verteilungsproblem hat. „Der Reiche will immer mehr und nicht geben, der Arme braucht dringend mehr zum Leben, zur Sicherung seiner Existenz und erhält es nicht. Verteilung bis zu einer gewissen Grenze scheint ein Instrument der Kontrolle der Reichen zu sein, um Reichtum zu erhalten und zu mehren, und die anderen außen vor zu lassen.“

Wenn Geld zum Fetisch wird, geht auch diese Kontrolle verloren und letztlich die letzte Schein-Glaubwürdigkeit. Die Synthese zwischen Geld und Macht wird zum begehrlichen Artikel all jener, die sich in diesem Kreislauf befinden. Betrug und Korruption werden gedeckelt als ein legitimes Mittel zum Schutze des Systems. Bagatellisiert und in den seltensten Fällen abgestraft. Der Untertan nimmt dies zur Kenntnis. Geschummelt wird halt überall. Die Figuren der Macht in Politik und Wirtschaft tauschen sich dabei beliebig aus.

„Geld (abgeleitet vom indogermanischen ghel=Gold und dem althochdeutschen gelt = Vergeltung, Vergütung, Einkommen‘ oder, Wert‘) ist ein Begriff für ein Wert äquivalent)

„Die Knappheit des Geldes und das Leben aus der Fülle heraus sind zwei Aspekte, die unter Verwendung der C.G. Jungschen Archetypenlehre in dem Buch „Mysterium Geld“ von Bernard A. Lietaer näher beleuchtet werden. Es wird die These vertreten, dass verschiedene Währungsmechanismen – Geldentstehung, Umlauf und Knappheitssicherung – auch zu verschiedenen Wahrnehmungen und Haltungen gegenüber dem Geld führen. Zukunftsforscher sehen eine Zeit der Währungsvielfalt nahen, in der vielgestaltige Geld-Typen nebeneinander koexistieren und sich ergänzen, so wie es sie mit Webmiles, Bonus-Flügen, Aral-Punkten, Apothekentalern, Tauschring- und Regionalwährungen bereits heute gibt. Der Fordismus-Ausspruch „Zeit ist Geld“ entspringt einer starken Vereinfachung und Standardisierung, Zukunftsforscher sprechen schon von „Zeit war Geld“ bzw. „verschiedene Zeiten sind verschiedene Gelder“ (Wikipedia)

Die Verlierer im Kampf um das Geld müssen laut Armutsforscher mit einem erheblich früheren Tod rechnen. Der schöne Schein in unserer ach so heilen kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft trügt doch ungemein.

U.T.