Himmel & Erde

Heilkraft der „Kriegerin des Herzens“

frau-beten-langes-kleid-womanGebet zur Heiligen Martha – Die Heilkraft der „Kriegerin des Herzens“

Martha, im Evangelium die Schwester des Lazarus und der Maria Magdalena, stand lange im Schatten „größerer“ Heiliger. Die biblische „Nur-Hausfrau“ hat es jedoch in sich: Der Legende nach zähmte sie einen Drachen durch die Kraft ihres liebevollen Geistes. Jesus soll der nach Frankreich emigrierten Freundin in einer Vision versprochen haben, er werde jeden Wunsch erfüllen, den Gläubige im Gebet an sie richten. Aus dieser Prophezeiung entstand das traditionelle „Gebet zu Heiligen Martha“. Monika Herz hat das Gebet widerentdeckt. Sie sieht in ihm ein Geschenk an die Menschheit, das sich wie eine Segenswelle ausbreiten und manche Wunde des Körpers und der Seele heilen kann.
(Monika Herz)

Es begann damit, dass Johanna, die in ihrer Kindheit ebenfalls in meinem Heimatort Hohenpeißenberg gelebt hatte, ein Gebetsheilungs-Seminar bei mir besuchte. Ich war durch mein Buch „Alte Heilgebete“ ein bisschen dafür bekannt geworden, traditionelle Gebete der „Abbeter“ im Alpenraum zu entdecken und zu lehren. Eines Tages erzählte mir Johanna am Telefon, dass sie über ein paar Umwege und Zufälle von einer alten Dame nun auch traditionelle alte Heilgebete übertragen bekommen habe. Allerdings gab Johanna an, sie habe versprochen, die Gebete nicht weiterzugeben, und dieses Versprechen wolle sie nicht brechen.
Eine Ausnahme könne sie allerdings machen. Es sei nämlich ein ganz besonders schönes Gebet in der Sammlung, das Gebet zur Heiligen Martha. Da würde man in dem Gebet selbst versprechen, dass man es verbreiten werde. So kam ich zu dem Gebet. Wie ich es Johanna ein paar Monate zuvor im Seminar beigebracht hatte, erfolgte die Übertragung traditionell von Mund zu Ohr. Genau so erhielt ich nun von Johanna das Gebet übertragen.
Diese kleine Geschichte ist nun etliche Jahre her und seither bete ich jeden Dienstag das Martha-Gebet. Es gibt immer Menschen, für die ich beten möchte und beten darf. Kaum ist ein Problem beseitigt, taucht schon irgendwo ein Neues auf. So ist das halt. Wenn die großen Probleme erledigt sind, ist es Zeit für die kleineren. Dienstag ist für mich zum Martha-Tag geworden. Ich kann mir gut vorstellen, bis zum Ende meiner Tage immer dienstags eine Zeit lang mit Martha zu sprechen.
Die Martha-Gebete wirken gut. Sehr gut sogar. Ich habe so manche Überraschung erlebt.

Warum wirken Gebete?

Gebetsheilung ist geistiges Heilen. Wenn wir uns darauf einlassen, entwickelt sich mit der Zeit wie von selbst mehr Gelassenheit, Geduld und eine gewisse Heiterkeit. Dieser „neue“ Geist in uns bewirkt dann, dass sich direkt aus dem Raum-Zeit-Gefüge heraus eine Wirklichkeit für uns eröffnet, die tatsächlich leichter wird, gesünder, fröhlicher, freier. Aus heiterem Himmel ist dann eine Krankheit verschwunden, spontan und auf unerklärliche Weise werden Sie gesund, obwohl die schulmedizinischen Prognosen dagegen sprechen.
So etwas gibt es tatsächlich. Ich habe es erlebt. Eine gute Freundin von Miriam, einer jungen Frau aus einem meiner Seminare, war im Italienurlaub an einer Virusinfektion erkrankt. Noch während des Rücktransports fiel sie ins Koma. Die Ärzte taten ihr Bestes, überbrachten aber dem Ehemann nach einer Woche die traurige Nachricht, dass er sich darauf einstellen solle, seine Frau als Pflegefall bis zu ihrem Tod betreuen zu müssen. Man könne nichts mehr tun. Niemand möchte sich eine solche Tragödie auch nur vorstellen, zumal auch zwei kleine Kinder zur Familie gehörten. Miriam kam in meine Praxis, ich gab ihr das Gebet zur Heiligen Martha und gemeinsam fingen wir an, eine 9-Tage-Novene zu beten. Bei einer Novene (von lateinisch novem – „neun“) wird ein bestimmtes Gebethttp://de.wikipedia.org/wiki/Gebet an neun aufeinander folgenden Tagen verrichtet in der Hoffnung so eine besondere Gnade zu erfahren. Nach wenigen Tagen erwachte die Freundin aus dem Koma, die Lähmungen gingen zurück und die Frau wurde wieder gesund. Die Ärzte sprachen von einem Wunder.
Wir freuten uns natürlich sehr, waren aber sogar auch ein wenig erschrocken über einen solch grandiosen Erfolg. Letztlich wissen wir selber nicht, ob es die Gebete zu Martha waren, die geholfen haben oder ob doch irgendwelche andere Umstände eine Rolle gespielt haben. Da aber alle konventionellen Methoden nicht geholfen haben, spricht viel dafür, dass es das Gebet gewesen ist. So gab es noch eine Reihe weiterer, meist weniger spektakulärer Gebetserfolge. Oft schien die Heilige Martha nur einer von mehreren Faktoren gewesen zu sein, die eine Heilung bewirkten. Oft schien Hilfe aus einer Richtung zu kommen, die meine Klientin gar nicht anvisiert hatte. Oder das Gebet bewirkte „nur“ eine sanfte Linderung von Ängsten und Verzweiflung, die Fähigkeit der Patientin, gelassener mit ihrem Leiden weiterzuleben. Die Wirkungen des Gebets zur Heiligen Martha können verschiedenen sein, immer aber sind sie segensreich.
An dieser Stelle ist es natürlich wichtig, ein bisschen über Martha zu erzählen. Martha lebte zur Zeit Jesu und war die Schwester von Lazarus und Maria, die allgemein mit Maria Magdalena gleichgesetzt wird. In der Bibel wird Martha zwei Mal erwähnt. Im Lukasevangelium (Lukas 10,38-42) heißt es: „Als Jesus mit seinen Jüngern weiter zog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu. Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!« »Martha, Martha«, erwiderte der Herr, »du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.«“
Im Johannesevangelium (Johannes11, 17–44) wird von der Auferweckung des Lazarus berichtet. Durch ihr unbegrenztes Vertrauen in Jesus hatte Martha großen Anteil an diesem Wunder: „Als Martha hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb zu Hause. »Herr«, sagte Martha zu Jesus, »wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben! Aber auch jetzt weiß ich: Was immer du von Gott erbittest, wird er dir geben.« »Dein Bruder wird auferstehen«, gab Jesus ihr zur Antwort“ Es ist dieser tiefe Glaube an Jesu, der Martha für viele Christen zum Vorbild machte und der Menschen über viele Jahrhunderte immer wieder motivierte, zu Martha zu beten, um sie als Vermittlerin zwischen dem Anliegen der Gläubigen und der Gnade Gottes in Anspruch zu nehmen.
Gehen wir noch einmal zurück zur Lukas-Geschichte. Martha bekochte also die Gruppe junger Leute, die sich da in ihrem Haus in Bethanien versammelt hatte, und Maria saß bei den Gästen und hörte Jesus zu. Als ich meinem Mann von dieser Passage erzählte, meinte er augenzwinkernd: „Das könnte sich so ähnlich auch bei uns abspielen. Wenn ich mir vorstelle, dass Jesus zu uns nach Hause käme, dann würdest du dich sofort mit glühenden Augen auf ihn stürzen und ihn mit Fragen bombardieren. Deine Schwester Anneliese aber würde ihn erstmal fragen, ob er Hunger hat und ob er etwas zu Essen möchte!“
Wenn wir später die Legendenbildung betrachten, die rund um Martha entstanden ist, dann sieht es so aus, als ob sie aus ihrer Rolle als „Nur“-Hausfrau, die stumm dienend hinter dem Herd steht, weit hinausgewachsen ist. Damit will ich die Tugend des Dienens und den „Dienmut“ (Fußnote: Ursprung des Wortes für Demut) in keiner Weise herabsetzen. Ich war selber lange genug eine „Nur“-Hausfrau und Mutter, um zu wissen, dass das ein Job ist, der deutlich mehr Fähigkeiten und Anstrengung erfordert als so manche bezahlte Stelle. Vielleicht konnte Martha gerade auch deshalb so weit über sich hinauswachsen.
Die „Legenda Aurea“ (lateinisch: Goldene Legenden) war das bekannteste und am weitesten verbreitete religiösen Volksbuch des Spätmittelalters. Die Sammlung von Heiligenlegenden stammt von dem Dominikaner Jakobus de Voragine (1228/29–1298), dem Erzbischof von Genua. Nach den „Goldenen Legenden“ wurde Martha zusammen mit Maria Magdalena, Lazarus, der Maria des Keophas und zwei Dienerinnen auf einem Schiff ohne Steuer und ohne Segel dem Meer ausgesetzt. Durch ein Wunder landete das Schiff sicher in einem französischen Fischerdorf in der Nähe von Marseille. Das Dorf erhielt deshalb den Namen Saintes-Maries-de-la-Mer. Maria Magdalena blieb dort bis zu ihrem Tod als Einsiedlerin, in Höhlen lebend, als Predigerin und weise Frau verehrt. Martha aber sei weiter gezogen ins Rhonetal bis zu dem Örtchen Nerluc (heute Tarascon) in Südfrankreich.
Das Dorf litt unter einem Drachen, der von den Bewohnern Tarasca genannt wurde. Tarasca zertrampelte die Ernte, tötete Tiere und machte auch vor unschuldigen Jungfrauen nicht Halt. Martha lebte in dieser Zeit allein im Schutz einer Höhle am Ufer des Flusses. Nachts in den Höhlen, wenn die Angst sich in ihrem Herzen ausbreiten wollte, begann sie zu singen. Die Ankunft einer Heiligen, die nachts wunderschöne Loblieder in den Himmel hinauf sang, sprach sich auch in dem bedrohten Örtchen herum. Die Bauern suchten Martha auf und baten um Hilfe wegen des Drachens. Martha versprach, zu helfen. Nun begann Martha nachts in den Höhlen noch viel inniger zu singen. Sie begann auch rhythmisch in die Hände zu klatschen und zu tanzen.
Der Drache hörte von fern die wundersamen Melodien. Er kam näher und wurde von dem Gesang so betört, dass er sich schließlich der Heldin seines Herzens zu Füßen legte. Martha nahm ihren Hüftschleier und legte ihn dem Drachen um den Hals. Der Drache war gezähmt, er liebte von nun an seine Martha und folgte ihr überall hin. Als die beiden sich jedoch in der Nähe des Ortes Nerluc zeigten, konnten die Bewohner ihre Rachegefühle nicht bändigen und töteten den Drachen mit Steinen. Martha flehte vergeblich um sein Leben. Später, als die Leute des Dorfes die Lehre von der Feindesliebe, die Martha mitgebrachte hatte, verstanden hatten, tat es ihnen leid, dass sie den Drachen getötet hatten.
Eine weitere Legende erzählt vom Tod Marthas. Acht Tage vor ihrem Sterbetag hörte Martha eine unfassbar schöne himmlische Melodie. Sie wusste: Die Engel singen ihrer Schwester Maria Magdalena ein Sterbelied und begleiten so ihre Seele in die Ewigkeit hinein. Martha spürte eine große Sehnsucht, ihrer Schwester zu folgen, und in dem Moment erschien ihr Jesus in strahlendem Licht. Er versprach ihr, dass sie in wenigen Tagen ebenfalls ihre letzte Reise antreten dürfe. Martha aber wollte nicht nur an ihr eigenes Glück denken, sondern fragte Jesus, was denn aus ihren Schülerinnen und ihren Gefährtinnen werden solle, wenn sie nicht mehr da wäre. Denn Martha hatte eine Gemeinschaft gegründet, in der sie den einfachen Frauen aus dem Volk die Weisheitslehren erklärte. Als Jesus Marthas Sorge um ihre Schülerinnen erkannte, versprach er: „Jedes von Herzen kommende Gebet, das deine Anhängerinnen zu dir sprechen, werde ich persönlich erfüllen!“ Daraufhin konnte sich Martha beruhigt und frohgemut ihrem eigenen Sterbeprozess hingeben.
Wie wir zu Martha beten können
Wir sollten uns für das Gebet in Ruhe zurückziehen und uns etwa eine halbe Stunde Zeit nehmen. Wann genau die beste Zeit ist, müssen wir natürlich selber herausfinden. Bevor ich mich hinsetze und zu beten beginne, mache ich in der Regel eine Verbeugung. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass ich an eine Kraft glaube, die Verehrung verdient, die größer ist als ich und in deren Obhut ich mich stelle. Dann hülle ich mich quasi in ein „heilsames Feld“ ein, indem ich ein Kreuzzeichen mache und mir vorstelle, dass ich von allen guten Kräften und von allen Richtungen beschützt bin. Oft darf ich währenddessen spüren, wie sich ein feiner Hauch, ein Segen wie von oben kommend, in dem so erzeugten Energiefeld ausbreitet. Mein Beitrag ist zunächst nur die Absicht, für die Gesundheit und für das Wohl meiner Familie und meiner Patienten zu beten. Die Absicht, die Motivation ist wie ein Strahl, wie eine Bewegung, die den Geist ausrichtet, damit er in Beziehung geht zur Heiligen Martha und schließlich empfänglich wird für die Heilkraft, die von ihr auszugehen vermag.
Das Gebet zur Heiligen Martha (überlieferter Grundtext)
Das Gebet zur Heiligen Martha wird an neun aufeinander folgenden Dienstagen gebetet, während eine geweihte Kerze brennt.
Dieses Gebet ist so kraftvoll, dass vor dem Ende dieser neun Dienstage, Dir, was auch immer Du erbittest, geschenkt werden wird, gleichgültig wie schwierig es auch sein mag.

Gebet zur Heiligen Martha
Oh Heilige Martha, du Wunderbare.
Ich nehme Zuflucht zu deiner Hilfe,
mich ganz auf dich verlassend,
dass du mir in meinen Nöten helfen
und in meinen Prüfungen beistehen wirst.

Zum Dank dafür verspreche ich dir,
dieses Gebet überall zu verbreiten.

Bei der großen Freude, welche dein Herz erfüllte,
als du in deinem Heim in Bethanien
den Heiland der Welt beherbergtest,
flehe ich zu dir um Fürbitte für mich und meine Familie,
dass wir den lieben heiligen Vater in unserem Herzen bewahren
und also das Heilmittel unserer Bedürftigkeit zu erlangen verdienen.

Vor allen bei dieser Sorge, die mich gegenwärtig bedrückt …
(hier das Anliegen nennen)

Heilige Martha, du Helferin in aller Not.
Bitte besiege die Schwierigkeiten,
so wie du den Drachen besiegtest,
bis er zu deinen Füßen lag.
Amen

Im Anschluss an das Martha-Gebet beten wir:

ein “Vaterunser”

ein „Ave Maria“

ein “Ehre sei dem Vater”

drei mal “Heilige Martha, bitte für uns”
Wer das Gebet ursprünglich verfasst hat, ist nicht bekannt. Natürlich gäbe es zu jedem der Verse viel zu sagen. Eine ausführliche Deutung sowie mehr Details zur Legende der Heiligen Martha können Sie meinem Buch „Das Gebet zur Heiligen Matha“ entnehmen.
Besonders wichtig ist der folgende Gedanke: Martha ist das Urbild, der Archetypus der geistigen Kriegerin. Wenn ich das Martha- Gebet anwende, dann identifiziere ich mich mit diesem Urbild. Obwohl ich äußerlich still und friedlich dasitze, erhebe ich mich quasi innerlich, um aktiv tätig zu sein. Der Geist der „spirituellen Kriegerin“ wird sozusagen in mir geboren, erwacht und richtet sich auf. Ich erzeuge in mir mit so viel Kraft, wie ich aufbringen kann, eine gute, heilsame Absicht. Nicht zuletzt ist der Drache Marthas Begleiter. Das „Untier“, als Symbol für das Böse, für alles Kranke und Schädliche, ist von Marthas Gesängen bezaubert. Die Kriegerin Martha hat das Böse mit Schönheit besiegt – vollkommen gewaltfrei! Liebe, so gut Du es vermagst. Liebe sogar Deine Feinde! Das ist der Weckruf des Martha- Gebets für die Welt!
Ein großes Herz ist die größte Waffe! Wenn wir immer mehr werden, die Dienstags den Archetypus der „Kriegerin des Herzens“ in uns wachrufen, dann kann sich unser Gefühl von Zufluchtnahme, von Geborgensein, von Vertrauen, von Gewaltfreiheit wie eine Welle des Heilsamen vielleicht über den ganzen Planeten ergießen. Ich gehöre zu den Menschen, die sich so etwas vorstellen können. Sie vielleicht auch? Wer weiß, vielleicht werden wir mehr!

Das Gebet zur Heiligen Martha, Nymphenburger Verlag
Monika Herz, Roland Rottenfußer: „Gesundbeten mit Heiligen“. Kailash Verlag, 224 Seiten, € 14,99

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