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Interview mit Susanne Hühn zu ihrem aktuellen Buch

LiebespaarInterview mit Susanne Hühn zu ihrem aktuellen Buch: 

„Seh ich aus wie deine Mutter?“

SO (Spirit-Online): Seh ich aus wie deine Mutter? Auf den ersten Blick ein eher provozierender Titel – wie bist du darauf gekommen?

SH (Susanne Hühn): Weil ich genau das wollte, denn wie oft stellen Frauen diese Frage tatsächlich an ihre Männer? Ich wollte einen Titel haben, der den Einstieg in das Buch erleichtert und gleich zeigt, worum es mir geht.

SO: Deine Arbeit, die ja auch in das Buch einfließt, beschäftigt sich vor allem mit unserem sog. ‚inneren Kind‘. Oft wird dieser Begriff missverstanden – kannst du bitte noch mal aus deiner Sicht beschreiben, was denn nun dieses innere Kind ist, das jeder Mensch –egal welchen Alters – in sich trägt?

SH: Wenn wir an das innere Kind denken, dann lächeln wir liebevoll oder auch ein bisschen ironisch und meinen damit den Teil, der mit „Das Kind im Manne“ oder „Die innere Prinzessin“ oder „Pippi Langstrumpf“ beschrieben wird. Dieses Kind bekommt ab und zu ein wenig Raum, sie darf sich mal ein Eis bestellen, obwohl die Diätpläne dagegen sprechen, er darf von einem Schaufenster mit Modelleisenbahnen stehen bleiben. Wir sind großzügig, wenn es um die inneren Kinder geht, ja, sie dürfen ab und zu mal spielen, denn sie tragen ja dazu bei, dass wir uns besser fühlen. Unser inneres Kind wird so verharmlost und verniedlicht, dass wir oft erschrecken, wenn wir seine wahre Kraft und seinen immensen Einfluss auf unser Leben, seine dramatischen Verletzungen und die unbändige Freude, die es uns bringen kann, zu spüren beginnen.

Es ist das innere Kind, das leuchtende Augen bekommt, wenn wir uns den verbotenen Eisbecher erlauben, ja. Es ist aber auch das innere Kind, das uns dazu bringt, andere und uns selbst bis zum Exzess zu kontrollieren und zu vereinnahmen oder uns vereinnahmen zu lassen, das so tief einsam ist, dass wir nicht anders können, als Drogen welcher Art auch immer zu nehmen, das diese vage Ungeborgenheit und jene Selbstzweifel, die uns immer wieder vor den Abenteuern des Lebens zurückschrecken lassen, in uns hervorruft. Es ist das innere Kind, das dafür sorgt, dass unsere Beziehungen immer wieder scheitern, weil wir immer wieder an die gleichen Streitpunkte kommen, das uns im Beruf unzufrieden sein lässt, weil wir nicht für unsere Wünsche und Bedürfnisse einstehen.

Wenn es einen Teil in uns gibt, der die Nase von diesem ganzen Leben voll hat, der nicht mehr will, der am liebsten gehen würde, weil sich sowieso alles nicht lohnt, dann ist es meistens der zutiefst verletzte Teil des inneren Kindes. Das innere Kind aber ist es auch, das sich mutig über alle Ängste und Zweifel hinwegsetzt und seinem Herzen treu bleibt, das innere Kind schenkt uns soviel Kraft und Lebendigkeit, dass wir all unsere Aufgaben mit Leichtigkeit und Anmut erledigen könnten. Das innere Kind lässt uns entweder durch das Leben tanzen oder müde dahinschlurfen, je nachdem, wie es ihm geht. Es ist kein einzelner Persönlichkeitsaspekt, sondern ein kompliziert miteinander verwobenes Energiefeld aus vielen verschiedenen Anteilen, die alle eins gemeinsam haben. Sie spüren und erleben die Dinge direkt und unverfälscht, sind die emotionalen Zeugen unserer Vergangenheit.
Hier ist unsere emotionale Wahrheit gespeichert. Das innere Kind ist wie der wahre Emotionalkörper, hier ist all das, was wir uns nicht erlaubt haben, zu spüren, verankert, seien es Liebe, Trauer, Angst, Schock, Wut oder überschäumende Lebensfreude. Das innere Kind ist ein Geflecht aus Erfahrungen, Wünschen, Träumen, Sehnsüchten, Erinnerungen an andere Dimensionen und liebevollere Zeiten, ein Energiefeld, das alles enthält, was du selbst, die an ihre Umgebung angepasste und funktionierende Persönlichkeit, nicht spüren kann, darf oder will. Wie auch immer du deine Kindheit erlebt hast, die Wahrheit ist im inneren Kind gespeichert. Was auch immer du träumst und dir vom Leben zu erhoffen glaubst, es ist dein inneres Kind, welches das Drehbuch schreibt, weil es die Wahrheit kennt, das, was du wirklich und wahrhaftig willst.

Das innere Kind wird oft gleichgesetzt mit Lebendigkeit und kindlichem Übermut oder aber, in der verletzten Form, mit Einsamkeit und innerer Leere, aber es ist sehr viel mehr als das, es ist äußerst vielschichtig und hat eine dunkle und eine helle Seite. Das innere Kind – oder besser die inneren Kinder – und ihre ganz besondere Kraft kennenzulernen, ist eine der am meistens befreienden Erfahrungen, die du nur machen kannst.

Susanne Huehn

SO: In deinem Buch beschreibst du sehr anschaulich und gut verständlich und nachvollziehbar einzelne Schritte – du nennst sie Tore – um sich des inneren Kindes bewusst zu werden und unsere Verhaltensweisen in einer Beziehung auf eine andere Ebene zu bringen – im besten Fall die des gesunden Erwachsenen.
Welche Tipps kannst du Menschen geben, die deine Ratschläge beherzigen und umsetzen, ihr(e) PartnerIN jedoch nicht?

SH: Einer geht immer voran. Wenn ein Partner sich verändert, dann folgt der andere unweigerlich oder die Beziehung wird sich auf die Dauer trennen, weil die Energieunterschiede zu groß werden. Es lohnt sich immer, zu reifen und selbstverantwortlicher zu werden. Je sicherer wir im inneren Erwachsenen stehen, desto besser können wir den Partner in Liebe einfach so sein lassen, wie er eben ist, weil wir weniger bedürftig werden. Innere Freiheit und echte Selbstverantwortung dienen einer Beziehung auch dann, wenn nur einer diesen Weg geht. Oft genug wird gerade dadurch der Weg auch für den anderen frei.

SO: Oft hört es sich so an, als wäre das innere Kind störend in einer Beziehung. Was ist denn aber mit den Situationen, in denen die inneren Kinder der Partner miteinander spielen, z.B. eine Kissenschlacht machen oder sich mit Schneebällen bewerfen?

SH: Ich hoffe wirklich nicht, dass es sich in meinem Buch so anhört! Das ungehütete, bedürftige Kind ist störend, weil es unbewusst die Beziehung führt und versucht, vom anderen zu bekommen, was es braucht. Dabei greift es durchaus auch zu unlauteren Mitteln wie Manipulation. . Das liebevoll gehütete und beschützte innere Kind dagegen ist ein großartiger, sehr lebendiger und zärtlicher Anteil, der jede Beziehung ungemein bereichert!

SO: Dein Buch ist so lebendig und lebensnah, oft sprichst du auch von dir selbst. Hat es dich Überwindung gekostet, sehr persönliche Dinge von dir in deine Bücher einfließen zu lassen?

SH: Nein. Ich achte sehr darauf, dass ich nur das schreibe, was ich auch verarbeitet habe. Ich mache mich nicht wirklich verletzlich, das wäre dem Leser gegenüber nicht fair. Wenn ich über persönliche Dinge schreibe, dann, um dem Leser zu dienen. Ich spüre sehr genau hin, ob ich diese Geschichte oder eine persönliche Erfahrung wirklich preisgeben will oder nicht und frage auch immer meinen Mann. Ich teile sehr gern Persönliches, um zu zeigen, hey, ich akademisiere nicht, sondern ich lebe, was ich sage. Aber ich schreibe nur über das, was in mir in echtem Frieden und damit nicht mehr verletzlich ist.

SO: die nahende Weihnachtszeit stellt ja für viele Partnerschaften und Familien eine große Herausforderung dar. Hast du noch Tipps, die du unseren LeserINNEN mit auf den Weg geben kannst?

SH: Ja. Kümmert euch gut um euer inneres Kind, gerade zu Weihnachten. Wir kaufen Geschenke, wir sorgen uns darum, dass es jeder schön hat – doch was ist mit unserem inneren Kind? Wie wäre es, wenn wir dieses Jahr einmal wirklich auf uns selbst hörten? Es gibt in jedem von uns ein inneres Kind. Dieses innere Kind wünscht sich nichts sehnlicher, als geliebt und wahrgenommen zu werden.

Und wie könnte man seinem inneren Kind eine schönere Liebesbezeugung geben, als ihm ein Herzensgeschenk zu erfüllen? Sei es ein materielles Geschenk, ein bestimmtes Lied, das gespielt wird, eine Unternehmung oder einfach einen echten Moment der Stille.

SO: Ich danke dir sehr für deine Hinweise und Antworten, auch in Namen unserer LeserINNEN und wünsche dir einen freudvollen Jahresausklang.

SH: Das wünsche ich allen Lesern und Leserinnen auch und ich freue mich sehr auf alles, was das neue Jahr mit sich bringt. Es wird großartig! Ich wünsche uns allen eine gesegnete Vor-Weihnachtszeit und wunderschöne, friedvolle Tage.

Das Interview mit Susanne Hühn, Autorin, Beraterin und Seminaranbieterin führte Heike Schonert für spirit-online.de.

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