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Kaninchen in Radiosendung erschlagen. Empörte Reaktionen

KräuterKarnismus macht die Opfer unsichtbar

Kaninchen in Radiosendung erschlagen. Empörte Reaktionen

Sozialpsychologin Dr. Melanie Joy erklärt, warum unser Umgang mit Tieren so widersprüchlich ist. 
 
In der letzten Woche sorgte ein Radiomoderator in Dänemark für Aufsehen, als er in einer Live-Sendung das Kaninchen Allan erschlug. Als Begründung gab er an, die „Heuchelei” im Tierschutz sichtbar machen zu wollen. Auch in vielen deutschen Medien wurde gefragt, ob die Aktion gerechtfertigt sei und warum sie so viel Empörung produziere, obwohl doch täglich Millionen Tiere für menschliche Zwecke getötet würden.
 

Mitgefühl ist die naheliegende Reaktion

Warum reagieren viele Menschen so empört, wenn ein einzelnes Kaninchen erschlagen wird, obwohl sie doch jeden Tag mit den toten Körpern zahlreicher Tiere – auch denen von Kaninchen – konfrontiert sind, ohne dies überhaupt zur Kenntnis zu nehmen? Der US-amerikanischen Sozialpsychologin Dr. Melanie Joyzufolge, ist das Auffallende nicht die Reaktion, die Menschen auf den Tod von Allan zeigen. Auffallend ist vielmehr ihre Ignoranz in Bezug auf den Tod unzähliger anderer Tiere.
 

Karnismus macht die Opfer unsichtbar

Dr. Joy beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit den Beziehungen zwischen Menschen und Tieren, besonders mit der Psychologie des Fleischessens. Von ihr stammt der Begriff “Karnismus”. Mit diesem bezeichnet sie ein unsichtbares System aus Überzeugungen, das Menschen von klein auf darauf konditioniere bestimmte Tierarten zu essen.
Karnismus durchdringe alle Gesellschaftsstrukturen und forme unsere Normen, Gesetze, Überzeugungen und unser Verhalten. Weil er die vorherrschende Ideologie in Bezug auf unseren Umgang mit Tieren sei, bleibe er unsichtbar und lasse sich dadurch nur schwer erkennen, geschweige denn angreifen. Er verschleiere die vielen Opfer der Fleischindustrie und schaffe Mythen, die seine Existenz rechtfertigen.
“Die Reaktion auf das Töten von Allan, ist eigentlich die natürliche Reaktion, die wir zeigen, wenn Tiere leiden”, so Dr. Joy. “Karnismus macht seine Opfer unter anderem dadurch unsichtbar, dass er sie entindividualisiert. Dies ist bei Allan nicht der Fall. Er wird als Individuum wahrgenommen und konfrontiert Menschen direkt mit seinem Schicksal.”
 
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