Mensch-Sein

Gründe, warum Lösungsvorschläge abgelehnt werden

Warum Lösungsvorschläge oft nicht positiv aufgenommen werden

Lösungsvorschläge, die wir aus guter Absicht einem Mitmenschen unterbreiten, werden manchmal eher zurückgewiesen, als wohlwollend aufgenommen. Ein eigenes Beispiel. Eine Freundin von mir möchte gerne ihre Bücher auf dem englischsprachigen Markt veröffentlichen. Ich las eine ihrer Kurzgeschichten, welche sie nach eigener Übersetzung nach Schottland geschickt hatte, und welche dort sogar auf einer Internet-Seite veröffentlicht worden war. Daraufhin konnte ich ihr das Feedback geben, ihre Sprachkenntnisse seien meiner Meinung nach überzeugend und gut genug, um ihre Bücher selbst zu übersetzen. Dieses würde ihr die internationale Veröffentlichung sicherlich erleichtern. Anstatt meinen Vorschlag aufzugreifen, reagierte sie negativ und erinnerte mich daran, dass sie bereits zuvor ausdrücklich doch schon erwähnt hatte, dass ihr Englisch nach eigener Einschätzung nicht gut genug sei für eine Buch-Übersetzung und ob ich eine Gedächtnislücke hätte. Sie konnte die Veröffentlichung in Schottland auch nicht wohlwollend annehmen und beklagte sich zudem, kein Geld für eine Übersetzung zur Verfügung zu haben. Nachdem meine gut gemeinte Anteilnahme nach hinten los ging, machte ich mir Gedanken, was die tiefere Ursache sein könnte und ich erinnerte mich auch an andere ähnliche Erlebnisse. Ich kam zu dem Schluss, dass viele Menschen Vorschläge, wirklich wie Schläge aufnehmen, die einem vor den Kopf geschlagen werden. Man kann die Worte Vorschlag und VorschlagHAMMER miteinander vergleichen. Hinzu kommt noch: Je mehr jemand mit eigenen Unzufriedenheitsgefühlen zu kämpfen hat, desto mehr erlebt er einen gut gemeinten Vorschlag oder eine gedankliche Anregung/Inspiration, um die er nicht ausdrücklich gebeten hat, als Besserwisserei oder Bevormundung. Es regt sich in ihm das Gefühl „warum bin ich nicht selbst darauf gekommen ?“ Es entsteht ein Gefühl der Unterlegenheit gegenüber der Person, die den Vorschlag unterbreitet hat. Niemand ist gerne unterlegen.

Losgelöst vom Gefühlsgeflecht Unter-/Überlegenheit und Machtverhältnisse sollten wir die in uns verankerte Eigenverantwortung berücksichtigen. Sie ist in unserer Seele und unserem Geist abgespeichert als eine hohe Instanz. Unser höheres Selbst erinnert uns daran. Diese Energie durchströmt uns und erinnert uns über unser Gefühl daran, dass wir selbst eine Lösung finden sollten anstatt unsere Verantwortung nach außen abzugeben. Kommt von außen eine Lösung an uns heran, überprüft diese höhere Instanz, ob sie für uns zutrifft. Wir fühlen uns in dem Fall inspiriert. Hier finden wir einen Zusammenhang: Wenn wir unzufrieden sind und nicht so eng mit unserer höheren Quelle verbunden sind, werten wir Lösungsvorschläge eher als Angriff. Unser Ego sagt uns dann, dass der andere etwas besser weiß und unser Ego versucht auch, uns in Unterlegenheits-/Überlegenheitsperspektiven zu verstricken. Aus seiner Sicht ist es schwerer die Mitte zu finden.

Losgelöst von Ego-Konzepten und in Verbundenheit mit unserem höheren Selbst können wir intuitiv erkennen, ob ein Rat von außen eine Inspiration ist, die zu uns passt oder ob es sich um eine Idee handelt, die wir aus verschiedenen Gründen nicht annehmen können oder wollen. Dennoch wird unser höheres Selbst kein negatives Gefühl verursachen, sondern unabhängig davon ob wir die Inspiration einer Person annehmen oder nicht, ihre gute Absicht als solche werten und wir sind erfüllt von Dankbarkeit für die Anteilnahme eines anderen Menschen, der es gut mit uns meint.

Das obige Beispiel meiner Freundin zeigte, dass sie in dem Moment, wo sie mit meiner Inspiration konfrontiert wurde, gefühlsmäßig mit ihrem Ego und nicht mit ihrem höheren Selbst verbunden war. Ihr Ego signalisierte ihr Unzufriedenheit darüber, dass sie nicht genug Geld für eine Übersetzung zur Verfügung hatte. Es schnitt sie von eigener Freude ab, und zwar Wertschätzung und Freude über ihre außerordentlich sicheren Englischkenntnisse. Sie versagte sich aus der Ego-Perspektive von vornherein die Möglichkeit, einen Versuch mit einer eigenen Übersetzung zu wagen. Sie hatte Angst vor Versagen, traute sich zu wenig zu, unterschätzte sich. Meine Inspiration wurde so zum Vorschlaghammer, weil eine Ego-Perspektive in eigenen Grenzen hängen bleibt, zu wenig offen ist für wohlwollende Inspirationen. Wenn wir gut gemeinte Anregungen als Angriff, als Besserwisserei und/oder Überlegenheit des Gegenübers werten, sollten wir überprüfen, ob wir zu sehr mit unserem Ego verknüpft sind und uns fragen, was würde in Loslösung davon unser höheres Selbst zu dieser Idee, die von außen an uns herangetragen wird, sagen. Wie würde es damit umgehen ?

Sind wir in der anderen Position, dass ein gut gemeinter Rat von jemanden abgelehnt wird, können wir diesen Menschen leichter erreichen, wenn wir ihn liebe- und verständnisvoll mit seinem höheren Selbst wieder in Kontakt bringen und wenn wir eine Inspiration finden, wie er selbst zu einer Lösung finden kann, sofern der Betroffene uns eine Schwierigkeit anvertraut hat. Wir können so einem Menschen anbieten, ihn bei einer eigenen Lösungsfindung zu unterstützen, sofern dieser es wünscht. Jemanden ungefragt eine Lösung zu unterbreiten, eine Lösung aus unserer eigenen Sicht, für die diese Person in dem Moment nicht zugänglich ist, macht dann aus einem Vorschlag einen Vorschlaghammer im Gefühl desjenigen, der von seinem Ego bestimmt wird.

Bedenken wir auch, dass niemand gerne Schwächen zugibt, niemand gerne unterlegen ist. Dies hängt damit zusammen, dass die Mehrheit aus Gewohnheit aus dem Ego heraus agiert, denkt, fühlt. Es gehört eine größere Portion Bewusstseinsarbeit dazu, sich mit dem höheren Selbst zu verbinden und den Einfluss des Egos zu transformieren. Wenn wir selbst einen Schritt in Richtung Transformation unseres Egos unternommen haben, können wir einerseits leichter einem anderen Hilfe zur Selbsthilfe geben, Inspiration zur Eigenverantwortung, eigenen Lösungsfindung und andererseits können wir auch eine Inspiration, die von jemandem an uns herangetragen wird, wohlwollend und dankbar annehmen.

(c) Karin Aveon

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