Politik

Medien- und Meinungsmacht

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Es ist auch in Demokratien immer wieder erstaunlich, in welchem Ausmaß Leitmedien ähnliche Informationen und Meinungen verbreiten, selbst wenn Kontroverses möglich oder naheliegend ist. Wie sind die übereinstimmenden Meldungen zu erklären? Neben häufig diskutierten Ursachen – u.a. Medienkonzentration; Arbeitsbedingungen für Journalisten, die kaum Recherchen ermöglichen; Abhängigkeit von Unternehmen, die Werbung schalten, und von Werbeagenturen; Gefangensein in der eigenen Kultur und in politischen »Selbstverständlichkeiten«; ideologische Voreingenommenheit – zeigte der Medienwissenschaftler Uwe Krüger (2013) für deutsche Medien einen weiteren Punkt auf: die enge Verbindung von Journalisten zu den politischen Eliten. Er untersuchte die Rolle von Elitenetzwerken, da diese häufig so genannte Spitzenjournalisten mit integrieren. Führt ein enger Umgang dazu, dass die Perspektiven, die Problemanalysen und die blinden Flecken der Politik in die Berichterstattung über diese übernommen werden? Krüger konzentriert sich dabei auf das Thema Auslandseinsätze, da hier die Kluft zwischen Bevölkerungsmeinung und veröffentlichter Meinung besonders augenfällig ist.

In einer umfangreichen Analyse untersuchte Krüger außenpolitische Leitartikel und Kommentare der vier am häufigsten zitierten Journalisten im Ressort Außenpolitik: Josef Joffe (DIE ZEIT), Stefan Kornelius (Süddeutsche Zeitung), Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ) und Michael Stürmer (DIE WELT). Bei den Kommentaren und Leitartikeln dieser vier Journalisten, die häufig in außenpolitischen Netzwerken (z.B. Münchner Sicherheitskonferenz) als Teilnehmer (also nicht als Journalisten) aktiv sind, fand Krüger „große Schnittmengen in ihren Argumenten“.   den von allen vier geteilten Argumentationsmustern (Frames) gehört u.a. der erweiterte Sicherheitsbegriff: Bedrohungen werden in ganz ähnlicher Weise wie in den offiziellen Dokumenten thematisiert; zu ihnen werden – ohne dies kritisch zu diskutieren – Rohstoffe, Handelswege, Finanzkrise, Terrorismus, zerfallende Staaten, organisierte Kriminalität, ökologische Katastrophen und Epidemien gezählt. Ein weiterer Argumentationsstrang lautet, Deutschland müsse das Bündnis mit den USA pflegen und mehr Engagement in der NATO zeigen; Deutschland habe seine militärischen Notwendigkeiten vernachlässigt und die zögernde Bevölkerung müsse überzeugt werden. Krüger fordert dazu auf, die Frage eines „Sicherheitsabstand[es]“  zwischen Journalismus und Politik als Teil der journalistischen Ethik-Kodizes zu diskutieren. Wer sich in Elitennetzwerken trifft, sollte auch Treffen mit Vertretern von Gegenpositionen suchen. Dort wo Journalisten außerdem Funktionen in Organisationen und Netzwerken übernehmen, sollte sich eine Berichterstattung darüber von selbst verbieten.

Friedensjournalismus

Friedensjournalismus ist ein noch junges Konzept mit dem Ziel, den Einfluss der Medien zur konstruktiven, gewaltfreien Austragung von Konflikten zu nutzen. Thematisiert werden die Konfliktgegenstände (einschließlich Konfliktparteien, Konfliktanlass und -geschichte) und wie diese so transformiert werden können, dass ohne Gewaltanwendung eine allseits zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann. Dabei können u.a. folgende Strategien genutzt werden:

  • alle Beteiligte zu Wort kommen lassen und humanisieren;
  • die Interessen und Beweggründe aller Konfliktparteien darstellen;
  • Propaganda, Unwahrheiten ebenso wie Gräueltaten und Leid aller Seiten thematisieren und asymmetrische Kräfteverhältnisse nicht ausblenden;
  • nicht den Gegner, sondern den Krieg als Problem darstellen;
  • versöhnungsbereite politische Eliten und Bevölkerungssegmente zu Wort kommen lassen.

In jedem Fall gilt es, Feindbilder und Fremdbilder genauso kritisch zu reflektieren wie die »eigene« Position, die einer Berichterstattung zugrunde liegt.

Quelle:  wissenschaft-und-frieden.de

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