Mensch-Sein

Sich selbst treu sein

DankeSich selbst treu sein

Oft glauben wir, wenn wir einen anderen um etwas BITTEN, dann ist es damit verbunden, dass diese Bitte auch erfüllt wird. Wird sie es nicht, sind wir häufig vor den Kopf gestoßen und denken: „Wie konnte er mich ignorieren, ich bin enttäuscht“ oder so etwas in dieser Gefühls- und Gedankenform. Wenn wir jemanden um etwas bitten, sollten wir nicht die Erfüllung dieser Bitte mit einschließen, denn wir machen so aus einer Bitte eine Erwartung, vielleicht auch Forderung – auch wenn wir dies nur in Gedanken tun.

Wir senden eine gedanklich aufgeladene Energie in die Welt. Diese Energie ist aufgeladen mit einer einengenden Schwingung, weil wir dem anderen nicht mehr die Freiheit zugestehen – mit unseren Gedanken – eine Bitte unerfüllt zu lassen. Manchmal machen wir uns auch etwas vor, indem wir nur glauben, wir hätten eine Bitte ausgesprochen in ganz neutraler oder liebevoller Form, aber es war unterschwellig schon eine fordernde Energie dabei, die wir unbewusst mit hineingegeben haben.

Es kommt häufig in zwischenmenschlichen, vor allem sehr nahen Beziehungen vor, dass wir zwischendrin sagen etwa: „Lass dies doch bitte sein“ oder „Kannst Du nicht endlich mal…“ oder scheinbar selbstverständliche Sachen, die wir selber als Angriff des anderen werten, wenn er etwas sagt oder tut oder eben gerade nicht sagt oder tut – je nach Situation. Die Steigerung von einem Gefühl ignoriert oder enttäuscht zu sein ist das Gefühl richtig genervt oder gar aggressiv zu werden, weil unserer Erwartungshaltung nicht entsprochen wurde. Wenn wir emotional betroffen sind, weil uns jemand in unserer eigenen Vorstellung, Erwartung enttäuscht hat, führt dies dazu, dass wir uns von uns selbst entfernen. Wir sind so verstrickt in dem vom anderen ausgelösten Gefühl, dass wir eingeschlossen sind in dieser festen und blockierenden Energieschwingung. Das enttäuschte Gefühl lässt und nur auf den anderen schauen, wir sind uns selbst untreu geworden.

Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf etwas, was ein anderer getan oder auch nicht getan hat. Wir knüpfen unser Wohlbefinden an jemand anderen, an die gesamte äußere Situation. Schlimmstenfalls sind wir auf einen Menschen sauer, wütend, ohne zu hinterfragen, welche Gedanken und Gefühle sich hinter einer nicht erfüllten Bitte verbergen. Wir urteilen vorschnell, wenn wir uns verletzt fühlen. Dabei fühlen wir uns nicht wirklich von dem Verhalten, den Worten oder Handlungen des anderen verletzt, sondern von dem, was wir in diese Aktion hineininterpretieren, wie wir das Erlebte werten.

Unser bedürftiges, verletztes Gefühl signalisiert uns, dass wir vom anderen stehen gelassen wurden, dass er uns übergangen hat, nicht zugehört hat und/oder dass er hätte doch sollen oder können….. Dabei hat der andere in diesem Moment, in dieser erlebten Situation so gehandelt, wie es ihm dieses ganze Szenario erlaubt hat. Er hatte nicht vor, jemanden zu verletzen, er hat anhand dem Muster gehandelt, was angesprungen ist durch seine innere Resonanz auf etwas Gedachte, Gefühltes, im Außen erlebtes. Er hat spontan und für sich selbst angemessen gehandelt. Er mag auch außerstande gewesen sein, netter, rücksichtsvoller oder einfühlsamer zu agieren oder zu reagieren, weil er beeinträchtigt war von seiner eigenen Interpretation der Dinge. Wir wissen es nicht, weil wir nicht in einen anderen Menschen hineinsehen können. Wir können uns von diesen Verstrickungen befreien, wenn wir davon ausgehen, dass jeder in jedem Moment sein Möglichstes tut. Das, was ihm innerhalb seiner Möglichkeiten zur Verfügung steht. Wenn wir uns vom dem, was uns im Außen dargeboten wird, verletzt fühlen, dann ist das eine Folge unserer eigenen Bewertung, das Geschehene als gegen uns gerichtet zu beurteilen. Ein unfreundliches oder aggressives Verhalten ist die Folge inneren Aufruhrs und persönlicher Unzufriedenheit. Wenn eine Person eine Arbeit verrichtet, ohne sich dort wohl zu fühlen, dann hat diese Person eine innere Kündigung ausgesprochen. Diese innere Kündigung wird nach dem Gesetz wie Innen so Außen sicherlich auch eine tatsächliche Kündigung nach sich ziehen, selbst herbeigeführt oder anders herum. Bevor dies geschieht, werden andere als Frustventil benutzt, was teils bewusst, teils unbewusst abläuft. Wenn wir in die Schusslinie von einem anderen geraten, der uns seine innere Kündigung seines Arbeitsplatzes spüren lässt, dann ist er nicht in der Lage, anders zu handeln, weil sein innerer Aufruhr diesem Menschen keine anderen Möglichkeiten zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stellt. Aber haben wir auch nur ansatzweise etwas damit zu tun ? Offensichtlich nicht. Soweit, so gut – aber können wir dies immer aus der nötigen Distanz erkennen ? Meistens nicht oder nicht ausreichend.

Wir sind emotional selbst zu stark betroffen. Ich selbst bin in diese Situation gekommen. Ein mir Nahestehender macht eine stark fordernde Erfahrung durch, die auf allen Seinsebenen extrem ist, psychisch wie körperlich. Ich bin zwangsläufig in die Schusslinie von Unmut geraten, denn häufig sind die Grenzen gegenüber einem Nahestehenden weiter ausgedehnt als Fremden gegenüber, man lässt sich leichter gehen. Das kann beides sein, ein Vorteil wie auch ein Nachteil, je nach Situation und Zusammenhang. Ich selbst habe mich wiederholt verletzt gefühlt und bin hier an Grenzen gestoßen, immer wieder. Bis mir klar wurde, dass ich es bin, die anders damit umgehen sollte. Es nützt nichts, wenn ich sage, er möge doch bitte endlich damit aufhören, seine schlechte Laune an mir und/oder anderen auszulassen. Mir wurde bewusst, dass ich mit dieser Bitte nicht weiter komme, dass ich ihm etwas aufdränge, etwas von ihm verlange, was er in dieser Situation gar nicht erfüllen kann. Er stößt situationsbedingt so sehr an seine Grenzen, dass er nicht auch noch ein Musterbeispiel in Selbstbeherrschung sein kann. Seine Kapazität in dieser Hinsicht ist ganz einfach erschöpft. Er braucht keine Bitten und schon gar kein Verlangen von mir und anderen, sondern Hinwendung und Verständnis. Die emotionale Betroffenheit meinerseits fordert Verständnis – für mich und den anderen. Ich und der andere sind eins: Habe ich Verständnis für mich, habe ich es auch für andere – und umgekehrt.

Mir fiel auf, dass diese Lektion nicht neu ist, sondern dass sie in einem anderen Gewand erneut auf mich zukam, und zwar, weil ich sie noch nicht hinreichend in die Praxis umgesetzt hatte. Sie war auf dem Weg von der Theorie in die Praxis hängen geblieben. Meine Quellen von Wissen wurden blockiert durch emotionale Nähe und Betroffenheit zugleich. Ich machte den Fehler, den wir wohl alle immer mal wieder begehen: Du-Botschaften und Vorwürfe, die aus wiederholt nicht erfüllten Bitten entstanden sind. Dann wurde mir klar: Ich erwarte womöglich etwas von einem anderen, was ich selbst in gleicher Situation auch nicht anwenden/geben könnte. Ich bin in ein Ungleichgewicht geraten, mit dem anderen, mit mir selbst. Wenn ich meinem Gegenüber Mitgefühl sende, gelange ich in eine Beobachterposition. Ich komme in die positive Energie von Verständnis für beide: Mich selbst und den anderen. Ich kann so die emotionale Betroffenheit leichter von mir fernhalten. Ich kann dem anderen etwas geben, statt durch eine ausgesprochene Bitte etwas von ihm nehmen zu wollen.

Ich kann ihm meinen Standpunkt, meine Entscheidung geben, also mitteilen und sagen in etwa: „Wenn ich mit einem Verhalten von dir nicht so gut umgehen kann in dem Moment, dann sei bitte darauf vorbereitet, dass ich mich davon distanziere. Ich möchte nicht darauf einsteigen, weil ich nicht gegen mich und mein Gefühl handeln möchte“. Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen, die ich an den anderen weitergebe. Ich bleibe in meiner Mitte und kann verhindern, von Emotionen überrollt zu werden. Ich mache mir ein für mich anstrengendes und forderndes Verhalten eines anderen nicht zu eigen. So bleibe ich mir treu. Ich verletze mich selbst, wenn ich den anderen animieren will, sich anders zu verhalten. Gleichzeitig fühlt der andere sich auch verletzt, weil der andere und ich immer eins sind. Wir berücksichtigen häufig diese universelle und einheitliche Ebene zu wenig. Alles, was ich einem anderen Menschen zumute, von ihm erwarte, füge ich mir gleichzeitig selbst zu. Wenn wir uns darüber nicht bewusst sind, setzen wir beide Seiten unter Druck: Uns selbst und den anderen auch.

Durch diesen unbemerkten energetischen Druck fördern wir zwischenmenschliche Konflikte. Wenn wir uns über diese Mechanismen bewusst werden, können wir Druck und Eigendruck reduzieren. Wir sollten uns darüber bewusst werden, dass diese Mechanismen wiederholte Beziehungskiller sind, unabhängig davon, ob es sich um Freundschaften, Arbeitsbeziehungen, Familie oder Partnerbeziehungen handelt. Wenn ich dem anderen mit Liebe, Verständnis und Offenheit begegne, bin ich gleichzeitig in der Schwingung der Selbstliebe, der allumfassenden universellen Einheit. Alles, was ich anderen gebe, gebe ich mir in dem Moment selbst. Das gilt für alles, das Angenehme wie auch das Unangenehme. Deshalb ist Liebe und Selbstliebe eins, sowie Mitgefühl, Achtsamkeit, Rücksichtnahme, Dankbarkeit etc.

Es sind alles Formen von Liebe und Selbstliebe. Es ist die genaue Bedeutung der uralten Bibel-Weisheit: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Es ist allumfassend zu verstehen. Es ist auch allumfassend zutreffend auf alle universellen Gesetze: Alles was ich gebe, kehrt zu mir deshalb zurück, weil wir eins sind und weil das Universum nicht trennt zwischen mir selbst und anderen Menschen. Ich liebe und vertraue allumfassend oder eben nicht. Tue ich es nicht, habe ich mich, andere, die Welt verlassen. Ich bin nicht mehr in Verbindung. Wenn ich eine Trennung der allumfassenden Verbundenheit vorziehe, gilt es für alle Seinsebenen. Damit bin ich einsam, blockiert, nicht mehr im Fluss. Emotionale Betroffenheit wirft uns auf unser Ego zurück. Unser Ego versucht uns der universellen Verbundenheit nur allzu oft zu entreißen, ohne das wir es wollen oder merken. Wenn wir uns über jemanden ärgern, aufregen, jemandem die Schuld zuweisen, wenn unmerklich eine Bitte in den Bereich von Erwartung abgleitet, dann versucht uns das Ego aus der universellen Einheit herauszureißen und uns in der niedrigen Schwingung von Einsamkeit, Angst und letztendlich Trennung festzuhalten – das Gegenteil von Liebe. Wir können immer dann in die Liebe zurückkehren, wenn wir bei uns selbst beginnen und bei uns bleiben. Wir sind unsere eigene zentrale Kraftquelle unbegrenzt; wir können frei entscheiden augenblicklich zu ihr zurückzukehren – wenn wir uns treu bleiben, unserem Gefühl, welches den Weg weist zur universellen Verbundenheit und zur unversiegbaren übergeordneten Kraftquelle, die in jedem Moment mit unserem Seelenlicht verbunden ist.

Karin Aveon

 

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