Spirit-Living

Spiritualität in der modernen Kunst

kunst-farben-paintSpiritualität in der modernen Kunst

Ist künstlerische Arbeit immer eine spirituelle Tätigkeit und wie kann moderne Kunst uns bei der eigenen spirituellen Reise helfen? Dabei geht es hier spezifisch um moderne Kunst und noch genauer: Es geht um die Kunst, die nicht darauf abzielt, einen Gegenstand realitätstreu abzubilden, sondern zu einem spirituellen Medium wird, um den eigenen Geist zu erkunden. Und – wie es viele Künstler sehen – auch eine Verbindung zur universellen, spirituellen Energie aufzubauen.

Kunst ist der Versuch einer Antwort

Dies wird deutlich, wenn wir folgende Frage beantworten: Was macht Kunst? Egal, ob es ein Maler ist, der mit einem Pinsel vor der Leinwand steht, oder eine Schriftstellerin vor ihrer Schreibmaschine: In einem künstlerischen Prozess versuchen Künstler, etwas zu verstehen. Kunst ist immer eine Antwort auf eine Frage. Sie erforscht die Welt und die existentiellen Fragen, die sich jedem von uns stellen: Wer sind wir? Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? 
Es ist wichtig, folgendes zu verstehen: Spirituelle Kunst ist nicht der Versuch, dem Betrachter seine Weltsicht aufzudrängen. Dies macht Propaganda-Kunst. Spirituelle Kunst ist der Versuch des Künstlers, seine eigenen Fragen zu beantworten. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen. Und die Herangehensweise, die uns an dieser Stelle interessiert, ist die Verbindung zum inneren Geist, zum Unterbewusstsein oder – je nach Ansichtsweise – zur universellen, schöpferischen Energie. 
Das ist es, was uns an der modernen Kunst so fasziniert, wenn wir davor stehen und in den Formen und Farben kein Motiv erkennen, uns aber trotzdem nicht von dem Bild losreißen können. Selbst viele unter denen, die ihre Verbindung zum eigenen Geist verloren oder die Fähigkeit nie gelernt haben, merken bei einem guten Kunstwerk oft, dass sie etwas sehr Persönliches, sehr Privates in einem Bild sehen.

Abstrakte Malerei als Weg zur Transzendenz

Künstler, die sich im 20. Jahrhundert der abstrakten Malerei zuwandten, glaubten, über eine abstrakte Form mit dem Betrachter besser kommunizieren zu können als über ein eindeutiges Motiv. Zu den Künstlern, die diese Auffassung teilten, gehörte auch der kontroverse Künstler Yves Klein, dessen Werke unter anderem in der Galerie Gmurzynska ausgestellt wurden. 
Bekannt wurde Klein vor allem für seine einfarbigen Bilder in der Farbe „International Klein Blue“ – eine Farbe, die heute aus der Modeszene nicht wegzudenken ist. Klein war fasziniert vom Unendlichen und dem Unerkennbaren. Linien waren für ihn eine Art Gefängnis der Farbe. In seinen Werken suchte er nach einer direkten Jetzt-Erfahrung und nach Wegen, seine Ideen so direkt wie möglich auszudrücken. 
Als Inspiration für sein berühmtes „Blue Monochrome“ (1961) nennt er folgenden Moment: Mit neunzehn Jahren schaute er eines Tages in den Himmel und erkannte den unendlichen, immateriellen Raum, der das Universum umschließt. Diese Vision versuchte er, in diesem Bild auszudrücken.
Der russische Künstler Wassily Kandinsky, der vor allem für seine Bilder von geometrischen Formen bekannt ist, beschäftigte sich in seiner Malerei hingegen viel mit dem Okkulten. Seine Bilder widerstreben sich aber genauso eindeutigen Motiven. Er glaubte, die Nachahmung der Natur versperre nur den Weg zur Transzendenz. Für ihn war Malerei eine zutiefst spirituelle Tätigkeit, die über kulturelle und körperliche Grenzen hinausging.

Surrealistischer Automatismus als Portal zum Unterbewusstsein

Auch die surrealistische Kunstszene – zu deren berühmtesten Vertreten Salvador Dalí, André Breton und Frida Kahlo zählen – war bestrebt, eine Verbindung zum inneren Geist aufzubauen. Dabei nutzen viele Surrealisten Bretons Technik des Automatismus. Im automatischen Malen, Zeichen und Schreiben sollen die Vernunft und das Denken ausgeschaltet werden, um dadurch das Unterbewusstsein sprechen zu lassen. 
Inspiriert von Freunds Psychoanalyse wollte der Surrealismus das rationale Denken abschütteln, denn Kreativität komme aus den Tiefen unseres Unterbewusstseins und das Unterbewusstsein könne authentischere Werke erschaffen als der bewusste Verstand. Ein Beispiel für eine extreme Form des Automatismus in der Malerei sind André Massons automatische Zeichnungen. Dabei gleitet die Hand frei über das Papier, ohne von dem rationalen Denken kontrolliert zu werden – das ist zumindest das Ziel.
Spannend ist aber auch die Mischung aus Automatismus und geplanten Studien wie in Joan Mirós BildThe Birth of the World“ (1925). Zuerst begann der Künstler, das Bild „automatisch“ zu malen und ergänzte es danach mit Linien und Formen aus früheren Studien. 
Für diese Künstler war der schöpferische Akt der Kunst immer eng verbunden mit Spiritualität. Es war ein Weg, um in das Unterbewusstsein zu gelangen und ein Werk hervorzubringen, das sowohl authentisch als auch universell war.
Ist Kunst ist also immer eine spirituelle Tätigkeit? Nein, das ist sie nicht, denn es gibt so viele Herangehensweisen in der Kunst wie es Künstler gibt. Doch die Spiritualität ist für viele moderne Künstlergruppen genau das, was ihre Schöpfungskraft antreibt. 

Den Artikel kommentieren

*