Gesellschaft

Behandelt Homosexuelle bitte nicht wie Galileo Galilei

Homosexualitaet-homosexualityBehandelt Homosexuelle bitte nicht wie Galileo Galilei

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist Thema im Bundestag. Mal wieder. Sollen homosexuelle Paare heiraten dürfen? Ich möchte viel lieber fragen: Warum nicht? Homosexualität müsste doch mittlerweile so selbstverständlich in unserem Leben angekommen sein, dass auch die Ehe für Schwule und Lesben kein Thema sein sollte. Die Diskussion im Bundestag zeigt aber eindeutig, dass es das noch ist. Dreiviertel der Bevölkerung ist für die Homo-Ehe. Das zeigen Umfragen. Einige Politiker sind es noch nicht. Das zeigen abstruse Statements vor allem von CDU- und CSU-Politikern. Wer versucht, gegen die Ehe für alle zu argumentieren bemüht meistens Adam und Eva und unsere Fortpflanzung. In der Bibel wäre von Adam und Johannes die Rede gewesen, wenn Gott die gleichgeschlechtliche Liebe gewollt hätte und wir würden aussterben, wenn es nur noch homosexuelle Paare gäbe.
Als würden mit der Einführung der Ehe für alle plötzlich Homosexuelle aus Erdlöchern gekrochen kommen, die sich bisher nur gut versteckt oder gut getarnt hatten. So ein Quatsch. Das einzige, was passieren würde, wäre ein bisschen mehr Frieden in unserem Land. Das mag zunächst etwas theatralisch klingen, doch die Akzeptanz anderer und die Akzeptanz anderer Lebens- und Liebesweisen ist für mich die Grundlage von Frieden. Und damit setzt das Thema Homo-Ehe ganz grundsätzlich bei der Würde des Menschen an. Zeigen nicht Tausende Scheidungen und Alleinerziehende, dass man die Ehe kritisch sehen kann, auch wenn sie ganz gottgewollt von Mann und Frau gelebt wird?

Aber auch das sollte egal sein.
Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wie er leben möchte. Deshalb werden Zigaretten nicht verboten, deshalb ist Bungee-Jumping erlaubt und deshalb dürfen sich junge Frauen für Germany’s next Topmodel bewerben. Es gäbe viele gute, vernünftige, durchdachte Gründe alles drei zu verbieten. Aber warum sollten wir? So wenig wie sich die Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Sager in den Büros langfristig durchsetzen, so wenig wird es den Politikern gelingen, die sich noch vehement gegen die Ehe für alle stellen. Wäre es nicht so ein wichtiges Thema für all die liebenden Menschen, die nicht heiraten dürfen, dann wäre es lustig. Denn da wo christlich drauf steht, steckt selten zeitgemäßes Denken drin. So wie sich das C in den Parteien heute an längst infragegestellte und in vielen Punkten überholtes Geschlechterverständnis klammert, so wenig wollte es die Kirche vor einigen Jahrhunderten einsehen, dass sich nicht das gesamte Universum um die Erde dreht. Damals waren es nicht die Homosexuellen, die darunter leiden mussten (Interessante Notiz am Rande: Homosexuelle gab es auch damals schon), sondern der Wissenschaftler Galileo Galilei. Seine Thesen über die Bahnbewegungen der Erde wurden von der Kirche als Gotteslästerung abgetan und Galileo Galilei verlor sein Ansehen als Wissenschaftler. Glücklicherweise wurde er nach einer gewissen Zeit von der katholischen Kirche rehabilitiert. Und „eine gewisse Zeit“ ist hier mit ungläubiger Ironie formuliert. Denn erst 1992 wurde Galileo Galilei vom Vatikan rehabilitiert.

Lasst uns das bitte beim Thema Homo-Ehe abkürzen
und so vielen Menschen ein paar Jahrhunderte früher ein freies Leben schenken, in dem sie selbst entscheiden können, wie sie lieben wollen, wen sie lieben wollen und wen sie heiraten wollen. Sich selbst für oder gegen die Ehe entscheiden zu können. Sich vielleicht irgendwann einen Rosenkrieg vor einem Richter zu liefern, weil es doch nicht funktioniert hat und Kinder zu adoptieren, wunderbare oder ganz furchtbare Eltern zu sein – das alles hat mit der Würde des Menschen zu tun, die wir uns alle für uns selbst wünschen, vermeintlich bei jedem anderen unangetastet lassen und das auch endlich tun sollten.
(c) Stefanie Menzel


stefanie-menzel-headStefanie Menzel
Ziel ist, praxis- und alltagstauglich Bewusstsein für neue Dimensionen zu schaffen und Zugang zur Gestaltungskraft im Leben zu eröffnen. Zu diesem Zweck hat sie die Heilenergetik und in diesem Zuge die Sinnanalytischen Aufstellungen entwickelt. 

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