Alternative Heilmethoden

Transpersonale Psychologie und Holotropes Atmen – Teil 4

teil-4-holotropes-atmenTranspersonale Psychologie und Holotropes Atmen
Teil 4 

 Zu Teil 3

Perinatale und pränatale Erfahrungen

Im holotropen Bewusstseinszustand reichen die Erfahrungen weit über die gewöhnlich erinnerbare Lebensgeschichte hinaus, sodass plötzlich Szenen rund um die Geburt und von noch früher auftauchen und machtvoll an die Oberfläche drängen können. Eine Teilnehmerin beschreibt dies so:
„Es ist heiß und eng und unbehaglich. Ich bin gefangen, in mir und überhaupt. So heiß und so eng. Ich spüre einen Druck auf meinem Kopf und mein Körper reagiert automatisch. Er grunzt und tobt und presst auf diesen Druck. Der Druck wird stärker und mein Körper presst stärker und die Kraft kommt und es presst mich, ich presse mich, Druck und Pressen und Kraft und Zorn und Gewalt und kein Halten mehr kein Denken Gewalt ich muss hier raus hier raus raus… Draußen Zorn, Gerüche, Schleim, viel Schleim, in Mund und Nase, Schleim, Gerüche, Licht, Zorn. Die Unterlage ist hart, es kratzt, ich liege am Rücken und schaue ins Licht, schaue in ein Gesicht. Ich werde gewiegt, ich bin immer noch zornig, ich werde getröstet, geschnäuzt, mein Zorn schmilzt dahin, ich bin müde und gleichzeitig empört ob all der Unpässlichkeiten, ich bin müde, es ist angenehm, es ist tröstlich.“
Danach sagt sie: „Das war meine Geburt, mein Gott, wie realistisch…
Wie konnte das passieren, wieso mir? Ich, die immer die Kontrolle über meinen Körper hatte, wie konnte mein Körper Dinge tun, die ich nicht befohlen habe? Wie erstaunlich.“
Das Wiedererleben von unverarbeiteten Geburtserfahrungen kann in einer eindrücklichen Weise erfolgen. So kann es plötzlich zu Erstickungsgefühlen, Todesängsten, Überlebenskämpfen, sowie Visionen von Dunkelheit oder Eingeschlossensein kommen.
Die massive Konfrontation mit Tod- und Wiedergeburtsprozessen, vor allem beim Durchschreiten der perinatalen Matrizen, kann auf das Leben eine sehr positive Wirkung haben, weil tiefe Ängste abgebaut werden. Geburt und Tod als Wandlungs-, Durchgangs- und Entwicklungsmetaphern können dadurch besser verstanden und in den Alltag integriert werden Wenn Sie sich mehr mit den perinatalen Matrizen beschäftigen möchten, ist das Buch „Geburt, Tod und Transzendenz“ von Stanislav Grof (1985) sehr zu empfehlen. 

Nach dem intensiven Durchleben von Geburtserfahrungen kommt es häufig auch zu Lichtvisionen und dem Gefühl totaler Befreiung. Geburtsphänomene können auch mit den Themen Tod, Sexualität und Spiritualität gekoppelt sein. Auch wenn Grof vielleicht das Geburtserleben im Verhältnis zu den anderen natürlichen Wachstumskrisen etwas überbetont hat, können wir davon ausgehen, dass die Geburt ein mächtiger Wendungspunkt in der menschlichen Existenz ist, der uns durchaus, durch seine leiblich-sinnliche und bildhaft-symbolische Dramaturgie, bedeutsame Hinweise auf Lebensmuster geben kann.
Aber nicht nur die Geburt, sondern auch die einzelnen Entwicklungsschritte im Mutterleib sind so einzigartig, dass es einem Wunder gleichkommt. Wenn wir uns vorstellen, dass nach drei Wochen das Herz zu schlagen beginnt und nach acht Wochen sämtliche inneren und äußeren Organe angelegt sind. Dies ist wiederum nicht nur ein rein physiologischer Prozess, sondern auch ein seelischer. Ein Teilnehmer erlebte in dramatischer Weise seine eigene Herzbildung mit. Danach fühlte er sich von freifließender Liebe überschwemmt. Aber auch schwerwiegende negative Erlebnisse, etwa ein Tritt in den Bauch der Mutter während der Schwangerschaft, können erinnert und im geschützten Rahmen der Sitzung heilsam integriert werden. Ein Erfahrender berichtete auch, dass er seine eigene Zeugung miterleben durfte und danach sein Schicksal besser annehmen konnte.

Erfahrungen jenseits der gewöhnlichen Grenzen von Person, Zeit und Raum (transpersonale Erfahrungen)

Durch das Betreten der transpersonalen Erfahrungsräume wird ein Prozess in Gang gesetzt, der das Leben nach innen und nach außen vollkommen umgestalten kann. Die empirisch rationale Welt tritt etwas zur Seite, um einer Welt Platz zu schaffen, von der enorme Impulse ausgehen. Anna Maurer (1998, 2002) hat dies in ihren beiden spannenden Büchern „Auf dem Wege zum Selbst“ und „Feuer und Flamme“(, in denen sie die Auswirkungen von Atemerfahrungen auf die konkrete Lebenspraxis schilderte, eindrucksvoll gezeigt.
Der Erfahrende gewinnt auf dieser Ebene u.a. Einsichten in die umfassendere Bedingungen der individuellen Existenz, in Schöpfungs- und Entwicklungsprozesse, feinstoffliche Regulationsmechanismen und archetypische Zusammenhänge.
Die Vielfältigkeit der Erfahrungen kann nur angedeutet werden, da diese Welt eine schier unendliche Reichweite umfasst.

  1. Transzendenz von Körper, Raum und Zeit: Dazu gehören außerkörperliche Erfahrungen, wenn sich zum Beispiel jemand von oben sieht oder durchs All fliegend erlebt. Dann Zeitreisen, in die Zukunft oder Jahrhunderte zurück. Besuche von anderen Kontinenten und Kulturen, so etwa das Miterleben eines indianischen Stammesritus.
  2. Hellsehen: Einmal hat jemand in der Atemsitzung seinen Vater liegend in der Computertomographieröhre gesehen und als er heimkam, stellte sich heraus, dass der Vater genau zu diesem Zeitpunkt einen Hirnschlag erlitt. Auch Präkognitionen wie das Vorhersehen einer neuen Arbeitsstelle oder eines zukünftigen Partners sind neben anderen paranormalen Phänomenen immer wieder vorgekommen.
  3. Identifikation und Kontakt mit Tieren und Naturformen, etwa so: Ich bewege und fühle mich wie eine Riesenechse, bewege mich langsam durch eine ackerschachtelhalmbewachsene, weitläufige Vulkanlandschaft. Der volle Mond scheint von einem dunkel-dämmrigen wolkenlosen Himmel. Ich fühle mich eins mit allem was mich umgibt, tappe langsam, alles beäugend vor mich hin. Irgendwann lege ich mich zum Sterben auf den Boden. Dies geschieht ganz selbstverständlich und völlig angstfrei. Mein Körper verbindet sich, immer schwerer werdend, mit der Erde. Mein Geist bewegt sich über Jahrtausende in die Zukunft zu der Gestalt, die ich jetzt bin. Gleichzeitig nehme ich ein überzeitliches Etwas wahr, das diese beiden Gestalten verbindet. Ich empfinde eine tiefe Liebe für diese Riesenechse.
  4. Verbale Phänomene wie das Sprechen in unbekannten Sprachen.
  5. Kontakt zu Verstorbenen und mögliche Todeserfahrungen. Eine Todeserfahrung beschreibt eine Seminarteilnehmerin folgendermaßen: Ich werde auf einem Brett von tibetischen Mönchen getragen. Mein Körper ist ganz leicht. Die Mönche singen. Es ist eine Verabschiedung. Ich sehe eine Frau die sehr weint und mich selbst als toter tibetischer Mönch auf dem Brett liegen.
    Dann werde ich verbrannt. Ich spüre das Feuer in meinem Rücken, es ist nicht unangenehm. Ich spüre auch, wie meine Knochen sich während des Verbrennens biegen. Alles weitet sich, mein Körper fühlt sich noch leichter an. Ich komme ins Licht. Es ist ein ganz tolles und behagliches Gefühl. Das letzte Bild dieser Sitzung ist, dass ich noch einmal als Wesen auf die Erde komme. Dieses Wesen ist in einer hellblauen Statue verpackt.
  6. Mögliche Reinkarnationserfahrungen: Wenn ich im Anschluss eines Vortrags immer wieder gefragt werde, gibt es nun frühere Leben oder nicht, antworte ich meistens: „Es gibt sie und es gibt sie nicht, je nachdem, wie es der Erfahrende nach der Durcharbeit sieht.“

Erfahrungen aus möglichen früheren Leben können zu einer tiefgreifenden Befreiung von Verstrickungen und Schuldgefühlen führen, wenn wir in unseren Lebensentwürfen das karmische Drama unbewusst inszenieren. Dies kann natürlich, in systemischer Denkweise, mit überlieferten Themen und Aufträgen von Ahnen zusammenhängen oder mit individuellen Problemen, in denen wir uns mit kollektiven Mustern identifizieren. Aber es könnte sich auch um unabgeschlossene Situationen möglicher früherer Inkarnationen handeln, wie es folgende Erfahrung nahe legt:
„Ich spüre, dass ich wieder atmen muss, atme sehr heftig. Plötzlich halte ich einen vom Körper abgetrennten Kopf in der Hand. Blut fließt heraus. Ich habe getötet, ich habe Macht! Während dieser Episode habe ich das Gefühl in einem anderen Leben zu sein. Das abgetrennte Haupt sehe ich ganz deutlich vor mir. Schwarzes Haar, bärtig, blutüberströmt. Triumphierend halte ich es, von anderen bejubelt. Es ist, als wäre all dem ein Kampf auf Pferden vorangegangen. Das abgetrennte Haupt ist so deutlich neben mir, dass ein starkes Empfinden des Grauens aufsteigt. Ich schreie: „Nein!“ Ein Gefühl, von Schuld und tiefer Reue bringt mich zum hemmungslosen Weinen. Ich empfinde Erlösung.
Durch diese Einsichten kann das eigene Schicksal vielleicht wertschätzender angenommen werden, da wir uns dann nicht mehr nur ausgeliefert oder ohnmächtig fühlen, sondern es als aktiven Beitrag zur inneren Entwicklung verstehen können.

  1. Ausflüge in mythologische Welten
  2. Reinigungs- und Heilungsrituale
  3. Identifikation mit kollektiven Erfahrungen wie etwa das Unheil der Juden oder das Einssein mit allen Hungernden dieser Erde.
  4. Begegnung mit kollektiven Archetypen und Wandlungssymbolen
    Bislang vernachlässigte Persönlichkeitsaspekte können dadurch bekräftigt werden.
    Dazu wiederum eine kurze Erfahrungssequenz:

„Ich befinde mich im Bauch der Erde, tiefe Erdtöne klingen in mir. Ich habe den Wunsch, mich von meinen Fesseln zu befreien, meine Anima zu befreien und zu erlösen. Es ist schwer, die Hindernisse und Ketten, Verbote und Schranken abzuwerfen. Ich tanze einen Befreiungstanz – es ist ein ekstatischer Tanz, der sehr viel Kraft kostet. Neben der starken Anstrengung verspüre ich viel Wut, Trauer, aber auch manchmal Lust. Nach langer Anstrengung ist es soweit – ich fühle mich befreit – zur Frau erwacht… Ich fühle mich verbunden mit allen Frauen – mit dem Weiblichen. Es ist ein großes Glücksgefühl – ein ozeanisches Gefühl…“
Auch kollektive Rituale, wie sie in Übergangszeremonien, Trauerprozessen, schamanischen Reisen und Einweihungsfesten in den verschiedenen Kulturen vorkommen, dehnen ihre innewohnende Wandlungskraft auf jene aus, die im Holotropen Zustand damit in Kontakt kommen. Die kollektiven Energien sind scheinbar im Raum anwesend und helfen bei der Durcharbeitung ähnlicher persönlicher Themen. Der bewusstseinsnahe Zugang zur Menschheits- und Kulturgeschichte und ihrer Innovationsdynamik besitzt eine enorme Heilwirkung.

Spirituelle Erfahrungen

Im spirituellen Erwachen wird der Suchende gefunden, denn er ist für die Offenbarung des Göttlichen bereit. Das kosmische Bewusstsein durchströmt den Menschen, begleitet von intensiven Gefühlen der Liebe, des Glücks, der Demut und der Hingabe. Es geht durch und durch. „Wir spüren es in unseren Knochen und werden davon tief bewegt“ sagte Prof. Orlinsky bei einem Vortrag in Bad Kissingen. Er bekommt augenblicklich Antworten auf die Fragen „Wer bin ich und weshalb lebe ich?“ im Sinne eines umfassenden Evidenzerlebnisses. Der Erfahrende erlebt sich von etwas Größerem getragen und verbunden mit allem. Er wird sich des Göttlichen bewusst und bricht von innen her auf. Dies ist nicht nur für die spirituelle Entwicklung von Bedeutung, vielmehr werden dann auch Lebensentscheidungen auf einer breiteren inneren Basis getroffen und ganz generell fühlt sich der Erfahrende freier und ausgeglichener. Den Alltag fasst er nach Herrigel (vgl.1992, S.39) nicht nur anders auf, sondern auch anders an. Die persönliche Entwicklung gewinnt unter dem Einfluss spiritueller Erfahrungen an Fahrt und Radikalität. Dürckheim spricht u.a. von der kurativen Kraft numinoser Erlebnisse. Eine Begegnung mit einem Guru oder einer Heiligen im holotropen Zustand kann sogar zu Spontanheilungen führen.

Unter anderen wurden folgende spirituelle Erfahrungsaspekte berichtet:

  1. Existenzielles Seins- und Sinngefühl verbunden mit universaler Liebe, tiefem Mitgefühl und umfassender Gelassenheit
  2. Lichterscheinungen und Flow-Zustände
  3. Erfahrungen von All-Einheit und All-Verbundenheit
  4. Initiationserlebnisse wie etwa Kundalinierweckungen.
  5. Innere Schau von Lebenszusammenhängen und spirituellenGesetzmäßigkeiten
  6. Konfrontation mit dem Ego und Egotodphänomenen wie z.B.Visionen von Zerstückeltwerden oder Verbranntwerden
  7. Öffnung von Chakren
  8. Begegnung mit dem Transpersonalen Selbst oder verwirklichten Wesen

Eine Teilnehmerin schildert ein unermessliches Gotteserlebnis:
„…. Dann tritt zwischen den aktiven Atemphasen immer wieder Ruhe ein. In diesen Ruhephasen geht der Körper von sich aus einerseits in bestimmte Positionen und andererseits spüre ich ihn nicht mehr und gleite in andere Bewusstseinszustände still und lautlos hinein… Es ist so viel Licht da, göttliches, strahlendes Licht. Seine Gegenwart ist überwältigend. Die Arme heben sich und beide Hände legen sich mit den Handrücken über die Stirn und über das dritte Auge. Die Hände schützen mich noch vor der überwältigenden Macht und Schönheit Seines Lichts. Es ist zu viel für mich und Tränen der Seligkeit, des Überwältigtsein brechen aus. Dann heben sich die Hände im Liegen über den Kopf. Das ganze Sein ist ausgebreitet, Ihm entgegen. Frieden, Seligkeit, Glück, Liebe, Schönheit, eingetaucht in das Eine, aufgehoben, wie eine Blüte, die sich ganz öffnet, sich Ihm entgegenhaltend…. Tränen strömen unentwegt, tiefes Weinen dringt aus dem Innersten, ein hoher erschütternder Ton des Weinens steigt gerade und hoch auf in den Himmel. Es ist nicht Schmerz über Irdisches, es ist Erschütterung und Erlösung, die Überwältigung durch Seine Schönheit – unglaublich (der Kopf schüttelt sich leicht hin und her), unglaublich, dass so viel Schönes und Erhabenes existiert, unauslöschbar.“

Der Umgang mit Erfahrungen

Erfahrungen aus holotropen Atemsitzungen, wie ich sie berichtet habe, haben einerseits eine starke innere Wirkung für die betreffende Person und werden andererseits von Außenstehenden oft äußerst skeptisch aufgenommen. Dies hat damit zu tun, dass die Erfahrung auf eine Außenwelt trifft, die in ihrer weltanschaulichen Voreingenommenheit oft unfähig ist, ihr inneres Wesen begreifen zu können. Wir können nicht Erfahrungen in veränderten Bewusstseinszuständen mit den Kriterien einer szientistisch orientierten Erkenntnistheorie untersuchen. Gefordert ist vielmehr ein hohes Ausmaß an Flexibilität, Einfühlung, Liebe und Achtsamkeit und eine Einstellung, die möglichst frei von Vorurteilen und Ressentiments ist. Man muss die Erfahrungen für sich selber sprechen lassen und – wie es Metzger(1975, S.12) treffend ausdrückt:
“ Das Vorgefundene einfach hinnehmen, wie es ist, auch wenn es ungewohnt, unerwartet, unlogisch, widersinnig erscheint und unbezweifelten Annahmen oder vertrauten Gedankengängen widerspricht. Die Dinge selbst sprechen lassen, ohne Seitenblicke auf Bekanntes, früher Gelerntes, Selbstverständliches, auf inhaltliches Wissen, Forderungen der Logik, Voreingenommenheiten des Sprachgebrauchs und Lücken des Wortschatzes. Der Sache mit Liebe und Ehrfurcht gegenübertreten, Zweifel und Misstrauen aber gegebenenfalls zunächst vor allem gegen die Voraussetzungen und Begriffe zu richten, mit denen man das Gegebene bis dahin zu fassen versuchte.“
Erfahrungen sind lebendige Kunstwerke, die nur über einen inneren Zugang in ihrer Aussage und Botschaft zu enträtseln sind. Auch Problemlösungen sollten nicht vorschnell erzwungen werden, sondern es ist wichtig, die Erfahrung in ihrer inneren Dynamik reifen zu lassen bis sich von selbst Lösungen ergeben.
Im Umgang mit den berichteten Erfahrungen tritt auch zwangsläufig die Frage auf, inwieweit sie real sind oder ein Kunstprodukt der Phantasie darstellen. Damit stoßen wir an unüberwindliche Hürden. Denn einerseits gibt es viele Erfahrungsberichte, die nachträglich durch Außenbefragungen bestätigt worden sind. Andererseits gibt es natürlich auch Visionen, die eher Bilder im Sinne von Tagträumen sind und sich nicht durch außenreale Begebenheiten bestätigen lassen. Die Frage nach dem Realitätsgehalt von Erinnerungen und Vorstellungen ist so alt wie die Psychotherapie selbst. Denkt man an Freud, so waren es die Verführungsszenen, auf die er seinen Ödipuskomplex aufbaute, die er zunächst für real hielt und später als Phantasien ansah. Wenn man davon ausgeht, dass jedwede Erfahrung eine psychische Realität besitzt und sie dementsprechend behandelt, ist es nicht so wichtig, ob ihr Inhalt wissenschaftlichen Objektivitätskriterien entspricht.

Abschlussbetrachtungen

Das Holotrope Atmen oszilliert zwischen therapeutischen und spirituellen Prozessen. Es heilt alte Wunden, löst Verstrickungen, erweitert das Bewusstsein und ist offen für spirituelle Erfahrungen.
Zu welchem Thema uns die innere Weisheit in der Arbeit mit veränderten Bewusstseinszuständen auch immer hinführt, es wirkt sich auf allen Seinsebenen aus, im Hinblick auf mehr Durchlässigkeit, Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe, sich selbst und anderen gegenüber.
Spiritualität ist kein Privileg einer höheren Bewusstseinsstufe oder einer spirituellen Gemeinschaft, sie gehört zum Wesen des Lebendigen und ist in jedem Moment zugänglich und nie aufdringlich, wenn wir nur etwas tiefer atmen und unser Herz öffnen.
Das Holotrope Atmen verbindet Therapie und Spiritualität im Sinne einer tiefgreifenden und umfassenden Bewusstseinstransformation – auf dem Wege zur Ganzheit.
Dabei ist es allerdings wichtig, dass wir uns selber gegenüber geduldig und achtsam sind gerade im Umgang mit einem so vielversprechenden Verfahren.
In diesem Sinne möchte ich meine Ausführungen mit den Worten von Gurumayi Chidvilasananda (1994), dem derzeit lebenden Oberhaupt der Siddha Yoga Tradition, beschließen:
„Viele Leute möchten in ihrer Entwicklung immer große Sprünge machen. Das ist schon recht, doch bedenke, dass du dabei die Schönheit jedes einzelnen Schrittes übersiehst. Jeder kleine Schritt hat seinen eigenen inneren Plan. Möchtest du ihn nicht kennen lernen? Wenn du achtsam Schritt für Schritt in deiner inneren Entwicklung weitergehst, machst du die Erfahrung, dass du innerlich stärker wirst und dir wird auch bewusst, was du für das große Ziel getan hast.“

Literaturverzeichnis
Dittrich, Adolf: Ätiologie-unabhängige Strukturen veränderter Wachbewusstseinszustände. Berlin 1996, VWB.
Grof, Stanislav: Die Welt der Psyche. München 1993. Kösel.
Grof, Stanislav: Geburt, Tod und Transzendenz. München 1985, Kösel.
Gurumayi Chidvilasananda: Transform your vision into one of wisdom. In Darshan Nr. 82. South Fallsburg 1994.
Herrigel, Eugen: Der Zen-Weg. München 1992. O. W. Barth.
Holler, Johannes: Das neue Gehirn. Südergellersen 1991. Bruno Martin.
Horney, Karen: Neurose und menschliches Wachstum. München 1975. Kindler. 20
Jacobson, Edith: Das Selbst und die Welt der Objekte. Frankfurt am Main 1992. Suhrkamp.
James, William: Die Vielfalt religiöser Erfahrungen. Zürich 1982. Ex Libris.
Jung, C. G.: Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten. Olten/ Freiburg i. B. 1971. Walter.
Ludwig-Körner, Christiane: Der Selbstbegriff in Psychologie und Psychotherapie. Wiesbaden 1992. DUV.
Maslow, Abraham: Die Reichweite der menschlichen Natur. In: Integrative Therapie 3(1994), S.200-2008. Junfermann.
Maurer, Anna: Auf der Suche nach dem Selbst. Wien 1998, Ibera.
Maurer, Anna: Feuer und Flamme. Wien 2002, Ibera.
Metzger, Wolfgang: Psychologie. 5. Aufl. Darmstadt 1975. Steinkopff.
Müller, Rüdiger: Evolution als Nachvollzug-Jean Gebsers Erkenntnisse über den Weg zur Bewusstwerdung. In: Loomans, Pieter (Hrg.): Meditation und transpersonale Psychotherapie. Petersberg 1999, S. 39-60, Via Nova.
Schoen, Stephen: Gestalttherapie und buddhistische Lehren. In: Gestaltkritik 2 (1995).
Vaughan, Francis: Die Reise zur Ganzheit. München 1990. Kösel.
Walch, Sylvester: Dimensionen der menschlichen Seele. Düsseldorf 2002. Walter.
Walch, Sylvester: Dimensionen der menschlichen Seele. 3.Aufl. Düsseldorf 2007. Patmos.
Wilber, Ken: Integrale Psychologie. Freiamt 2001. Arbor.

sylvester-walchAdresse:
Dr. Sylvester Walch
Bachstr. 3
87561 Oberstdorf
Tel.: 0049(0)83226611
Mail: sylvester@walchnet.de
Page: www.walchnet.de

Dr. Sylvester Walch: SEMINARE – AUS&WEITERBILDUNGEN – VORTRÄGE:
www.walchnet.de

holotropes-atmen-maerz-2017Einzelseminare Holotropes Atmen

Alle Beiträge des Autors auf Spirit Online

 

Den Artikel kommentieren

*