Gesellschaft

Über den heilsamen Umgang mit Kinder – und Jugendlichenseelen Teil 2

Kinder mit Begeisterung

Vortrag von
Isabel Segarra-Hallmeyer,
Praxis für spirituelle
Psychotherapie
& geistige Heilung

 

Liebe, Vertrauen, Wertschätzung  &  Annahme

Über den heilsamen Umgang mit Kinder – und Jugendlichenseelen Teil 2

Hier geht es zu Teil 1

Alle guten Dinge sind drei! Ich möchte Ihnen noch ein letztes wichtiges Universales Gesetz ins Bewusstsein rufen, nämlich dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt. Was bedeutet das: „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit“?

Nun, ganz einfach gesagt: es bedeutet, dass das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit bewusst lenken, wachsen wird. Auf den Umgang mit unserem Kind übertragen bedeutet dies, dass wenn wir uns auf die Schwächen unseres Kindes fokussieren, seine Schwächen wachsen werden.
Wenn wir uns hingegen auf seine Stärken fokussieren, werden seine Stärken wachsen. Das klingt sehr simpel und es klingt nicht nur simpel, es ist simpel. 
Selbst wenn Ihnen das überhaupt nicht bewusst sein sollte: Sie ernten jeden Tag die Früchte dieses Gesetzes – auch im Umgang mit Ihrem Kind.

Konzentrieren Sie sich auf die Stärken Ihres Kindes! Auf die Schönheit seines Wesens, auf seine Talente und Fähigkeiten, … z.B. auf die Leichtigkeit, mit der es liest, oder auf seine Hilfsbereitschaft anderen gegenüber. Das ist der größte Gefallen, den Sie Ihrem Kind tun können, denn damit leisten Sie Ihren Beitrag dazu, dass diese Gaben wachsen.
Wenn Sie Ihr Augenmerk hingegen auf die Schwächen Ihres Kindes richten, sagen wir mal …auf seine Schwierigkeiten in Mathematik, oder auf seine zuweilen unbeholfene Art im Umgang mit anderen Kindern, dann schwächen Sie Ihr Kind ohne das zu wollen. Denn auch hierbei gilt: worauf immer Sie Ihre Aufmerksamkeit lenken, wird wachsen. In diesem Fall sind es dann eben leider die Schwächen die wachsen und nicht die Stärken.

Vor einigen Jahren wurden in Deutschland zu diesem Thema Untersuchungen von Psychologen veröffentlicht.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Kinder, die von ihren Eltern als fähig und begabt eingestuft wurden, – und zwar unabhängig davon, wie intelligent oder talentiert sie tatsächlich waren -, sich wesentlich besser entwickelten als Kinder, deren Eltern sie für minder begabt hielten.
Genialität pflegt sich sich nicht immer bereits im Kindesalter zu zeigen, wie etwa im Fall von Wolfgang Amadeus Mozart oder der Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter, die beide sogenannte „Wunderkinder“ waren.
Denken Sie beispielsweise an Albert Einstein, der heute als Inbegriff eines Genies gehandelt wird: eine veritable Hochbegabung war weder in seiner Kindheit noch in seiner Jugend abzusehen.
Einstein begann erst im Alter von 3 Jahren zu sprechen und verließ aus Trotz mit 15 Jahren das Gymnasium in München, das er damals besuchte, ohne Abschluss.
Oder denken Sie an Winston Churchill, den bedeutendsten britischen Staatsmann des 20. Jahrhunderts und Nobelpreisträgers für Literatur des Jahres 1953.
Als Kind ließ sein Lehrer ihn vor den Schulstunden ein paar Mal um das ganze Schulhaus laufen, weil er sonst vor lauter Bewegungsdrang nicht dem Unterricht zu folgen vermocht hätte. (Wäre Churchill im 21. Jahrhundert Kind gewesen, wäre er aller Voraussicht nach als hyperaktiv diagnostiziert worden).
Darüber hinaus blieb Churchill im Laufe seiner schulischen Karriere an britischen Eliteschulen mehrfach sitzen.
Oder denken Sie an Nelson Mandela, den Träger des Friedensnobelpreises des Jahres 1993 und erster schwarzer Präsident Südafrikas der Jahre 1994-1999.
Mandela hat als erwachsener Mann ein Jurastudium beendet – mit 5 Jahren war er ein Hirtenjunge.

Jetzt mag der Ein oder Andere von ihnen vielleicht denken: „Mozart, Einstein, Churchill, Mandela … das sind ja ganz schön abgehobene Beispiele …!“
Für die „Zweifler“ unter ihnen habe ich noch ein paar besondere „Schmankerl aus dem wirklichen Leben“ …, und zwar ein Dossier zum Thema Schule aus der Zeitschrift „Brigitte“ vom Juli 2008, das sich der ketzerischen Frage widmet: „Kann man bei Zehnjährigen voraussagen, ob sie das Zeug zum Akademiker haben oder nicht?“
In diesem Artikel sind 10 Kinder aufgeführt und abgebildet, die wider anderer Prognosen alle studiert haben. Meine „beiden Lieblinge“ sind Dr. Johann H. Claussen (Jahrgang 1965), der die Empfehlung Sonderschule bekam und heute als Hauptpastor und Probst arbeitet. Und Herr Professor Dr. Oliver Nellen (ebenso Jahrgang 1965), den man auf die Hauptschule schicken wollte und der heute Professor für Mathematik und VWL ist.

Warum erzähle ich Ihnen das? Sicherlich auch, um Sie etwas aufzuheitern, aber vor allem um Ihnen eines vor Augen zu führen:
Jedes Kind, und ich betone jedes, trägt die Anlage, den Keim in sich, eines Tages einen bedeutsamen Beitrag zum Bestehen dieser Gesellschaft  und  zur  Veränderung  dieser Welt  zu  leisten.  Und ein großer Teil seiner Entwicklung steht und fällt damit, wie wir mit ihm als Kind umgehen und welche Grundlagen wir ihm mit auf den Weg geben.

Unsere Kinder lieben uns über alles und deshalb trachten sie – sowohl bewusster- als auch  unbewusstermaßen –  danach,  dass es uns gut gehen möge. Sie stellen sich sozusagen in unseren Dienst. Und das tun sie aus reiner Liebe.
Alle Kinder, und ich betone an dieser Stelle noch einmal das Wort „alle“, verfügen über eine ausnehmend große Sensibilität und Sensitivität. Sie erspüren jede Stimmung,  jede  noch  so  kleine  Stimmungsschwankung,  jede Befindlichkeit  ihrer beiden Elternteile. Wir als Eltern müssen unsere wahre Befindlichkeit gar nicht erst aussprechen, bzw. wir können etwas völlig Gegenteiliges behaupten – unsere Kinder  spüren in jedem Fall ganz genau, ob unsere Aussagen wahr oder unwahr sind. Wir  können ihnen nichts vormachen.

Wenn es Ihnen schlecht geht, spürt Ihr Kind das und es wird versuchen, für Sie einen Ausgleich zu schaffen. Ihr Kind spürt Ihre Freude, Ihre Lebenslust, Ihre innere Zufriedenheit ebenso wie Ihre Traurigkeit, Ihre Bedürftigkeit, Ihren Schmerz und Ihre Angst. Es kommt alles unverfälscht bei ihm an.
Und es wird – ohne dass es sich dessen bewusst ist – alles tun, was in seiner Macht steht, um Ihnen die Last, die Sie tragen, abzunehmen. Wir sehen dieses Phänomen bei Familienaufstellungen, wie Kinder  sich die Last Ihrer Vorfahren aufladen
(Buchempfehlung: Prof. Franz Ruppert: „Trauma, Bindung und Familienstellen;“ Schwerpunkt: die transgenerationale Traumaweitergabe).

Genauso wie Ihr Kind spürt, wie es Ihnen tief in Ihrer Seele geht, spürt es auch ganz genau, was Sie von ihm „halten“. Was Sie an ihm „bemängeln“, was Sie sich von ihm wünschen, bzw. was Sie von ihm erwarten. Und genau diese Erwartungen setzen ein Kind furchtbar unter Druck. Erinnern Sie sich doch einmal kurz an Ihre eigene Kindheit zurück und daran, wie vereinbar die Erwartungen Ihrer Eltern an Sie mit dem waren, was Sie als Kind wirklich wollten bzw. in der Lage waren zu erfüllen! Erinnern Sie Sie in einer ruhigen Minute doch einmal daran, wie es Ihnen als Kind mit den Erwartungen Ihrer Eltern an Sie gegangen ist!

Ich möchte an dieser Stelle Eines ganz klar festhalten:

Kinder sind nicht dazu da, den Vorstellungen und Erwartungen ihrer Eltern gerecht zu werden.

Und sie sind genauso wenig dazu da, den Eltern Anerkennung zu verschaffen – das ist definitiv nicht ihre Aufgabe. Mit dieser Zielsetzung sind sie nicht auf die Welt gekommen!
Wir dürfen auch von unseren Kindern keine Anerkennung für unsere Liebe und unsere Leistungen erwarten – das gehört einfach „zum Job“, den wir als Eltern tun:
sie lieben und uns um sie kümmern so gut wir können. Der Lohn für unseren Job sind erwachsene Kinder, die ihr Leben meistern.

Lassen Sie uns nicht mit den – ich möchte fast schon sagen sagen „altbewährten“-  Methoden wie Liebesentzug arbeiten, oder indem wir unserem Kind sagen oder nonverbal vermitteln, wie „enttäuscht“ wir von ihm sind, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Das kann nicht nur äußerst schmerzhaft für das Kind sein, sondern es ist darüber hinaus hoch manipulativ ihm gegenüber. Wir appellieren damit an sein tiefstes, an sein grundliegendstes Bedürfnis: nämlich uns zu gefallen, uns keinen Kummer zu bereiten, uns zur Freude zu agieren und zu gereichen.

Die Botschaft, die das Kind aus Aussagen wie: „Ich bin so enttäuscht von Dir!“ für sich ableitet, lautet: „Ich genüge nicht!“ oder „Ich muss mich noch mehr anstrengen!“ Es wird den „Fehler“ bei sich suchen und nicht in unseren – möglicherweise –  überhöhten Erwartungen oder Anforderungen. Wenn ein Kind so etwas erst einmal von sich denkt oder fühlt, kann sich das zu einer Art Selbstläufer entwickeln, und es wird unter Umständen bis ins hohe Erwachsenenalter hinein das Gefühl haben, nicht zu genügen bzw. sich noch mehr anstrengen zu müssen.

Ich führe Ihnen hier nur exemplarisch vor Augen, wie groß unsere Macht als Eltern ist: wir haben die Möglichkeit und die Wahl, unsere Kinder nachhaltig zu stärken – oder sie nachhaltig zu schwächen.

Wir verankern bei unseren Kindern Glaubenssätze, die ein ganzes Leben lang wirken können. Auch an dieser Stelle lade ich Sie ein, sich in einem ruhigen Moment daran zu erinnern, mit welchen Glaubenssätzen Sie von ihren Eltern als Kinder gefüttert wurden bzw. was davon noch heute in Ihnen aktiv ist!

Natürlich ist es unablässlich, dass wir unser Kind darauf hinweisen und mit ihm darüber reden, wenn es sich fehl verhalten hat, aber bleiben Sie dabei in einer  achtungsvollen Haltung dem Kind gegenüber. Sagen Sie ihm klar und deutlich, was Sie über das Vorgefallene denken und empfinden.
Das „kleine A&O“ der Kommunikation legt uns nahe, im Zuge eines fairen Austauschs in Ich-Botschaften statt in Du-Botschaften zu sprechen. Ein Beispiel hierfür:
Ihr Kind hat, sagen wir mal… Mist gebaut (..Sie wissen ja, ..das soll unter Kindern vorkommen…), und Sie konfrontieren das Kind mit seinem Fehlverhalten. Dann sagen sie ihm doch bitteschön: „Ich finde das nicht okay, was Du gemacht hast!“
Das ist eine klare Aussage. Ausgehend von diesem Statement können Sie beide jetzt miteinander klären, was genau schief gelaufen ist.
Sie geben Ihrem Kind die Chance für einen Erkenntnisprozess und signalisieren ihm gleichzeitig eine klare Grenzsetzung. Das Kind wird hierbei nicht in seinem Sein angegriffen, sondern nur auf sein Handeln aufmerksam gemacht. Es bewahrt seine Würde.
Kinder machen Fehler – das ist ihr Recht. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie mit den Folgen ihrer Handlungen bzw. mit dem Ausgleich des Fehlers zu konfrontieren: „Wie willst Du das wieder geradebiegen?“

Wenn wir hingegen mit einer Aussage wie: „Ich bin so enttäuscht von Dir – ich dachte, das wüsstest Du besser!“ reagieren, dann erliegen wir damit nicht nur der Versuchung, unser Kind zu manipulieren. Wir vergeben darüber hinaus die Chance, mit dem Kind auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen und einander in Fairness und Respekt zu begegnen.
Darüber hinaus machen wir ihm ein schlechtes Gewissen: Wir suggerieren dem Kind, es hätte es ja besser wissen müssen! Und wir suggerieren ihm, dass etwas nicht okay mit ihm ist. Das ist nicht nur kränkend für das Kind, sondern darüber hinaus unterminieren wir mit solchen Aussagen sein Selbstwertgefühl.

Ebenso kränken und demotivieren können wir unsere Kinder mit einer hingezischten Du-Botschaft wie: „Du machst aber auch nur Mist!“
Was beim Kind dabei hängen bleibt ist: „Ich tauge nichts, denn ich mache ja nur Mist!“ Die Sinnhaftigkeit bzw. die Folgen einer solchen Selbsteinschätzung liegen auf der Hand: es wird sich minderwertig fühlen.

Dabei geht ja nicht darum, dass das Kind blöd ist, sondern dass es etwas Blödes gemacht hat – das ist ein Riesen-Unterschied. Sie sehen an diesem Beispiel, wie wichtig es ist, das Handeln vom Sein zu trennen!

Erziehung bedeutet Führung und Anleitung. Und ich halte ein Plädoyer dafür, Kinder zu führen und anzuleiten, denn sonst fehlt den Kindern die Orientierung. Führung wiederum ist nicht möglich ohne Grenzsetzungen. Meine Beobachtung aus der Praxis ist, dass viele Eltern sich heutzutage sehr schwer tun mit dem Führen ihrer Kinder.
Der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff erklärt die  Schieflage in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, die heutzutage zu beobachten ist, in einem Interview mit dem „Spiegel“ (Heft 14/2009) folgendermaßen:

„Uns Erwachsenen fehlt Orientierung, Anerkennung und Sicherheit. Das Kind bietet sich zur Kompensation an. Wenn mich draußen keiner liebt, soll mich mein Kind lieben. Wenn mir keiner sagt, ob ich gut oder schlecht bin, ist mein Kind mit seinem Verhalten der Beweis dafür, dass ich gut bin, Wenn es in der Schule zurechtkommt, bin ich eine gute Mutter, sonst eine schlechte. Das führt zu einer Machtumkehr. Das heißt, der Erwachsene wird jetzt bedürftig, und das Kind soll die Bedürfnisse erfüllen.“

Mit diesem Zitat schließe ich auch den Kreis zu meiner Aussage, die ich relativ zu Beginn meines Vortrags getroffen habe: dass bedürftige Erwachsene nicht in der Lage sind, die Bedürfnisse ihrer Kinder zu erfüllen.

Wenn ich von Führung im Rahmen der Erziehung spreche, dann meine ich damit nicht, dass wir unseren Kindern unsere Anforderungen und Erwartungen „überstülpen“, und über ihren Kopf hinweg für sie entscheiden wie ihr Weg auszusehen hat, sondern dass wir sie dabei unterstützen und anleiten, ihren eigenen Weg zu gehen.

Und die Wege unserer Kinder können – und dürfen – ruhig auch einmal steinig sein. Werden Sie nicht panisch, wenn´s einmal steinig wird! Und vor allem: Lassen Sie sich unter keinen Umständen dazu hinreißen, Ihrem Kind  „aus Liebe“ alle Steine aus dem Weg räumen! Ich weiß, dass das verführerisch ist, aber machen Sie sich bitte bewusst, dass Sie ihm damit keinen Gefallen tun.
Das Leben wartet immer wieder mit steinigen Wegen auf, das wissen Sie. Unseren Kindern den Weg zu ebnen, indem wir ihnen die Steine aus dem Weg räumen, ist der falsche Ansatz. Damit nehmen wir ihnen die Chance, ihre Stärken, ihre Fähigkeiten, ihr Potential zu entwickeln.
Der Journalist Uli Hauser, selbst Vater eines Kindes, wurde in einem „Spiegel“-Interview2 (Heft 51/2008) gefragt, ob denn Erziehung heute schwieriger sei, und er antwortete:
„Zumindest sind die Rollen nicht mehr so klar wie früher. Während manche Eltern die Phase ihrer Jugend bis weit in die Vierziger hinein ausdehnen, sollen Kinder möglichst früh erwachsen sein. Bei ersten Problemen werden dann Erziehungsberater und Psychologen zu Rate gezogen. Dabei verändert sich der Mensch doch permanent, nur unseren Kindern gestehen wir das komischerweise nicht zu; wir haben keine Geduld mehr mit ihnen.“

Ausblick auf den 3. Teil:

„….. Sie brauchen Eltern, die authentisch sind, die den Mut haben, Fehler auch einzugestehen. Die sagen: „Hör mal, das war nicht okay von mir, was ich da gemacht oder gesagt habe, und das tut mir leid!“ ….. „

Hier geht es zu Teil 3

291-151-Segarra(c) Isabel Segarra-Hallmeyer
www.bewusstsein-und-heilung.de

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