Mensch-Sein

Über die Liebe

Herz-gefroren-Scheibe-heartÜber die Liebe

ist viel geschrieben und sicher noch mehr geredet worden.
Wo auch immer Menschen in dieser Welt sind – sie suchen Liebe, sie versuchen, lieben zu lernen, sich der Liebe zu öffnen.
Leider gibt es bei diesen schönen Bestrebungen des Öfteren das eine oder andere Problem.
Viele sind der Ansicht, Liebe sei das, was ein jeder Mensch darunter versteht. Liebe sei also „beliebig“. Jeder hätte demnach „seine“ Art von Liebe.
Ist das ein sinnvoller Standpunkt in einer Welt, in der wir uns begegnen, aufeinander einlassen, aufeinander einstimmen müssen, um nicht vereinzeln, isoliert, einsam und damit auch ungeliebt zu sein?
Wie können wir einander konkret erfahrbar und nicht nur im Geiste lieben, wenn jeder das anders versteht und macht, den gemeinsamen Nenner nicht sucht, sondern lieber »bei sich und seiner eigenen Wahrheit« bleibt?
Liebe ist ein Phänomen, das in Beziehungen auftritt. So viel ist sicher.
Beziehungen sind vielschichtig und wandelbar.
Was heute noch in einer Partnerschaft funktioniert, muss vielleicht morgen gründlich überprüft und neu gestaltet werden, um den sich ändernden Anforderungen und Lebensperspektiven noch Raum zur Entfaltung geben zu können.
So ist es auch wichtig, der Liebe immer wieder auf neue Art angemessen Ausdruck zu verleihen. Die Sprache der Liebe des Partners sprechen, verstehen und respektieren zu lernen. Welche Art von Liebesbeweis erreicht denn meinen Partner? Wie ist es mit mir? Was brauche ich selbst, um mich so richtig warm und kuschelig geliebt zu fühlen.
Liebe äußert sich unterschiedlich, doch »ist« das Eine. Denn der Zustand, der duch das passende liebevolle Verhalten bewirkt wird, das »in Liebe sein«, ist für alle gleich.
Liebe beschreibt die zärtliche, konstruktive, fürsorgliche und gütige Qualität einer Beziehung. Gleich, ob zu einem anderen Menschen, einem Tier, einer Pflanze, ja sogar zu bestimmten Dingen – »mein« Kuschelkopfissen … .
Liebe ist, wenn Du das Leid des Anderen wie das Deine fühlst – und sein Glück Dich glücklich macht. Das hat mit der Einheit zu tun, die Liebe anstrebt. Liebe lässt sich als »Gravitation« verstehen, die die Seelen zurück in die Einheit zu bringen versucht.
Liebe ist der Kitt, der die Welt zusammen hält. Sie ist die Zentripetalkraft, die Bestrebungen des Egos zur Individualisierung, der Zentrifugalkraft, ausbalanciert.
Denn im Übermaß führt die Individualisierung zur Vereinzelung, zu Einsamkeit, zum Zerfall der Beziehungen.
Liebe heilt, weil die Seele in einem Feld der Liebe auch gerne Gast auf Erden sein mag.
Wenn die Seele lieben darf und geliebt wird, dann gefällt es Ihr auch, im Körper, ihrem Tempel zu wohnen.
Liebe sorgt für ein gemeinsames Morgen, auf das sich jeder freuen kann. Durch sie findet ein Prozess des Zusammen-Wachsens in beiden Bedeutungen des Begriffs statt.
Ist Liebe wirklich beliebig definierbar? Ist meine Liebe anders als Deine? Wenn ja, wie können wir uns denn dann trotzdem treffen und uns lieben? Wir alle kennen doch die Erfahrung, in Liebe zu sein. Irgendetwas muss dann doch da sein, was uns Liebende, Liebe Suchende auf einen Nenner bringt – zumindest ab und an. Sonst gäbe es diese bekannte, berühmte, ersehnte Erfahrung nicht.
Liebe bedeutet, mit jemandem glücklich zu sein. »Glücklich Sein« ist ein spiritueller Zustand, der weit über einfache Freude hinaus geht. Und dieser Zustand hat auch mit der Empfindung zunehmender Einheit zu tun.
Glück ist eine vielschichtige Zufriedenheit, eine Fröhlichkeit, die nicht unbedingt Gründe braucht, sondern nur die Wahrnehmung der Lebendigkeit, des Lebensflusses und das tiefe Einlassen auf die Strömung des Lebens. Je tiefer ich das Leben annehme, je mehr ich es in allen seinen Facetten liebe, vom Herzen verstehe, und weiß: Es ist gut so! – Desto mehr Glück ist da.
Liebe und Glück sind ein Paar. Glück entsteht aus Liebe – ohne Liebe gibt es kein Glück. Damit Liebe sich zeigen kann, braucht es Wahrnehmung, Bewusstsein.
Wie will ich denn jemanden lieben, den ich gar nicht wahrnehme?
Je besser ich den Anderen wahrnehme, desto mehr kann ich ihn lieben – oder sie, natürlich. Wenn ich ihn liebenswert finde.
Das liegt an meinen Maßstäben, Ängsten, Vorurteilen, Assoziationen, Prägungen.
Doch ist das Alles? Nun, in Beziehungen geschehen immer wieder Verletzungen.
Auch, wenn eine tiefe Liebe da ist. Denn wer sich liebend öffnet, begegnet dem Fremden, wird manchmal verstanden, manchmal nicht, manchmal unterstützt, manchmal nicht.
Verletzungen geschehen. Doch wenn Liebe reif ist, der Liebende reif ist, ist auch Bereitschaft zur Vergebung da. Zu vergeben ist wichtig, auch sich selbst, wenn Liebe Raum haben soll. Vergebung bedeutet nicht: „Alles ist wie vorher und es war richtig, mir weh zu tun.“ Durch Vergebung lösen wir uns von einer negativen emotionalen Fixierung auf die Vergangenheit. Wir werden wieder frei für die Gegenwart, das sich wandelnde Leben, den Anderen, der sich ja oft auch wandelt.
Liebe ist ein Kind der Freiheit. Wenn ich das verstanden habe, funktioniert Liebe. Wenn ich einsperren, beschränken, reglementieren, sanktionieren will, funktioniert Liebe nicht.
Dann ist nur noch die Überschrift „Liebe“ da, doch in Wahrheit geht es nur um die Ansprüche des Egos, seinen Besitz auszudehnen, den Anderen zu beherrschen, seinen Vorstellungen anzupassen, zu kontrollieren. Und die sind üblicherweise nicht gerade auf Spirituelles ausgerichtet. Denn das Ego ist ja für den materiellen Kleinkram zuständig.
Liebe ist ein Geschenk »von Oben«. Den Raum im täglichen Leben, die Qualitätszeit, für die intensive Erfahrung mit dem Anderen, mit dem wir in Liebe verbunden sind – den Raum, und die Zeit müssen wir immer wieder schaffen. Gegen den Druck unserer Verpflichtungen, unserer anderen Wünsche und Bedürfnisse.
Deswegen hat gelebte Liebe, Liebe im Alltag, mit Arbeit zu tun.
Allerdings: Arbeit, die viel Glück schenkt.


Walter LübeckDer Autor:

Walter Lübeck ist seit über 1987 als Autor, Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung und spirituelle Heilweisen und Coach weltweit tätig. Aus seiner Feder stammen 25 Bücher, die in 20 Sprachen erschienen sind.
Weitere Informationen über die Arbeit von Walter Lübeck…
Die Website: www.rainbowreiki.de
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