Vertrauen

Vertrauen ist wie Liebe …

stein-figuren-wald-moos-jizo„Vertrauen ist wie Liebe; entweder bedingungslos oder gar nicht.“

Die meisten glauben, dass sie nur dann vertrauen können, wenn der andere dies auch verdient. Aber das ist kein Vertrauen. Man kann nicht vertrauen, wenn man sich in Sicherheit befindet. Sobald wir unser Vertrauen davon abhängig machen was der andere tut anstatt davon, was der andere Ist, werden wir niemals erfahren, was Vertrauen wirklich ist. Man kann jedem Wesen vertrauen, aber fast keinem Menschen. Menschen sind eben nicht perfekt und genau so, wie wir es gerne hätten. Jeder hat seine Themen und dunklen Seiten die ihn begleiten. Das bedeutet aber nicht, dass wir deswegen schlechte Menschen sind! Und das, was anderen hilft vertrauenswürdiger zu werden ist, wenn man ihnen vertraut schon bevor sie es sich verdient haben.

Schau Kinder an, sobald man ihnen zeigt, dass man ihnen vertraut, wächst ihre Eigenverantwortlichkeit, stimmt’s? Ja, und genau so funktioniert es auch bei Erwachsenen. Menschen denen man nicht vertrauen kann, sind schwache Menschen, nicht böse Menschen. Und schwache Menschen benötigen Unterstützung. Aber wer schafft es schon jemandem zu vertrauen, der nicht vertrauenswürdig ist? Zu Vertrauen ist daher eine echte Kunst die nur wenige beherrschen. Weil nahezu alle Menschen sich nur dort zu vertrauen trauen, wo sie sich sicher fühlen. Um also mit Vertrauen umgehen zu können gilt es, mit Unsicherheit klar zu kommen. Zumindest für den, welcher vertraut. Dem welchem vertraut wird, darf man nichts voransetzen. Keine Bedingungen und keine Begrenzungen auferlegen. Es ist wie Liebe.

Entweder wir lieben – und dann ist es ganz egal, was der andere tut oder nicht – oder wir lieben nicht. Schauen wir auch hier zu den Kindern. Wer eigene Kinder hat der weiß, was ich meine. Einerlei was sie tun oder wie brutal sie manchmal sein können, man liebt sie einfach. Wenn ich durchschnittliche Beziehungen beobachte, dann wird mir sofort klar, warum es auf Dauer nicht funktionieren kann. Jeder gibt vor den anderen zu lieben aber gleichzeitig stellen sie einen Katalog voller Bedingungen auf. Wird einer dieser Punkte übertreten, dann heißt es gleich: Du liebst mich nicht oder ich liebe Dich nicht mehr! Als ob jemals ein Mensch Herr über die Liebe sein könnte. Nein, wir sind höchstens die Meister der Erwartungen, Bedingungen und gegenseitiger Begrenzungen. Ja, so lange wir alles unter Kontrolle haben, funktioniert es. Aber eben, wer hat schon immer alles unter Kontrolle? Keiner von uns.

Wer bedingungslos vertrauen können will, der muss also lernen, mit seinen eigenen Gefühlen klar zu kommen. Man kann betrogen werden ja, das gibt’s. Aber wer sagt denn, dass ich deswegen nicht mehr vertrauen kann?! Wenn wir bedingungslos lieben so, wie wir unsere Kinder lieben, dann geht das doch auch…

Wenn ich von meinem Partner nicht verlange, dass er treu zu sein hat, wie kann ich ihn dann dafür verantwortlich machen, mich verletzt zu haben? Wie kann man jemand der Grenzüberschreitung anklagen, wenn man keine Grenzen errichtet? Aber lieber geben die Menschen vor, ihre Geliebten nicht mehr zu lieben, als dass sie sich dem Schmerz nicht die einzigen zu sein, stellen. Lieber bearbeiten sie ein Problem, welches gar nicht existiert, als dass sie sich mit dem konfrontieren, worum es hinter den Kulissen geht.

Wenn man solche Dinge verstehen will, dann gilt es unaufhörlich hinter die eigenen Kulissen zu schauen und sich selbst so gut wie keinen anderen zu kennen. Mit sich selbst meine ich, sein eigenes Bewusstsein. Da gilt es zu wissen, wie ich bin und weshalb ich so bin und, dass dies nicht die einzige Möglichkeit ist zu Sein. Man muss wissen, dass niemals ein anderer dafür verantwortlich ist, wie ich mich fühle! Klar, manchmal scheint es wirklich der Fall zu sein, dass uns jemand bestimmte Gefühle auslöst. Aber eben: Auslöst! Und es kann keiner etwas in uns auslösen, was nicht schon vorher in uns drin gewesen ist. Wir werden von anderen also nur getriggert, mehr nicht. Wir alle haben solche Triggerpunkte an welchen wir sehr emotional reagieren. Aber wenn wir sie kennen und genau wissen, woher diese stammen, dann werden sie uns nicht mehr dazu verleiten, die falschen Menschen dafür verantwortlich zu machen.

Ich sage nicht, dass es nicht weh tut ich sage bloß, dass nicht jener dafür verantwortlich ist, der uns dies scheinbar durch seine Handlungen zugefügt hat. Keiner kann etwas zu uns hinzufügen. Wir sind schon vollkommen. Dies ist die spirituelle Sicht der Dinge und selbst dann immer noch korrekt, wenn sich unser ganzes Innere dagegen aufbäumt. Es ist also gut zu wissen, dass es einen großen Unterscheid zwischen Gefühl und Emotion gibt. (Siehe mein Text: ‚Emotion ist nicht Gefühl’.) Lieber kämpfen die Menschen mit Emotionen als sich unangenehmen Gefühlen hinzugeben welche sie noch nicht meistern konnten. Dies verursacht unendlich viel Leid in der Welt. Und das müsste nicht sein! Echte Gefühle zu integrieren ist demnach oft schmerzvoller, als den wildesten Emotionen zu begegnen. Dazu braucht es wahre Größe und nicht bloß Kraft. Daher sind emotionale Menschen niemals wirklich stark. Reine Kraft ohne Stärke wird ganz schnell brutal und rücksichtslos. Und genau dies zeichnet den schwachen Menschen aus. Sie sind laut, emotional, ungehalten, aggressiv, verletzend, persönlich und selbstbezogen. Große Menschen können selbst in herausfordernden Zeiten bei sich bleiben selbst dann, wenn die anderen schon längst außer sich sind.

Wer nicht außer sich sein will, der muss in sich gehen! Aber wer in sich bleiben will, der muß dauerhaft bei sich sein und dies meine Lieben, will gelernt sein. Das geht nicht von heute auf morgen. Es ist das Resultat jahrelanger Selbsterforschung die einen dazu befähigt, konstant und auch unter Stress in seiner Mitte bleiben zu können. Nur wer sich selbst wirklich tief erfahren hat und sich selbst durch und durch kennt und auch durchschaut ist in der Lage dazu. Erst dann, wenn die eigene Selbsterforschung uns zu dem Punkt gebracht hat uns selbst wirklich so zu lieben, wie wir wirklich sind. Denn nur hier erwacht das Vertrauen in sich selbst. Ein echtes, gesundes und tiefes Selbstvertrauen ist also die Basis dessen, vertrauen zu können. Also bearbeiten wir besser uns selbst als die anderen wenn uns das bedingungslos zu vertrauen schwer fällt.

Tja, liebe Freunde, es gäbe noch viel zum Thema Vertrauen zu sagen, aber ich denke, das ist für die meisten von uns schon mal herausfordernd genug.

In diesem Sinne…, vertrauensvolle Grüsse,

Bruno Würtenberger

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