Vertrauen

Vertrauen, Spiritualität und Gott – Teil 2

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Vertrauen auf der Basis von Unterscheidungsfähigkeit|
Vertrauen, Spiritualität und Gott – Teil 2

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Im letzten Beitrag haben wir die 7 Aspekte oder 7 Stufen von Vertrauen aus Spiritueller Sicht der alten Meisterlinien besprochen.
Hier noch einmal zur Erinnerung:
1. Gottvertrauen ✔️
2. Selbstvertrauen ✔️
3. Unterscheidungsfähigkeit !
4. Vertrauen zu vertrauenswürdigen Menschen
5. Vertrauen zu Guru
6. Spirituelle Entwicklung
7. Verwirklichung und vollkommene Zuwendung zu Gott

Den Zusammenhang und die Basis von wahrem Selbstvertrauen im Vertrauen zu Gott haben wir im letzten Beitrag besprochen.

Heute möchte ich auf das Thema „Unterscheidungsfähigkeit“ eingehen:

Aus Spiritueller Sicht der alten vedischen Meisterlehren kann weiter gehendes Vertrauen zu Menschen, zu Guru, im Rahmen Spiritueller Entwicklung und der Zuwendung zu Gott nur auf der profunden Basis von Unterscheidungsfähigkeit zwischen 

• „niedrigem menschlichen Verhalten“ und unethischem Verhalten einerseits sowie 
• „hohem menschlichen Verhalten“ oder ethischem Verhalten andererseits entstehen.

Eine solche Unterscheidungsfähigkeit wächst auf der Basis von „Gyan“ – Heiligem Wissen oder „ewigem Wissen“.
Die alten vedischen Lehren unterscheiden hier zwischen „menschlichem Wissen“ und „Heiligem Wissen“. 

Menschliches Wissen ist vergänglich. Es sagt z.B. aus, wie Computer gebaut werden, oder wie schulmedizinische Behandlungen vollzogen werden, oder wie Maschinen gebaut werden, oder andere Dinge, mit denen der Mensch sich beschäftigt, und wozu er seinen Intellekt benutzt. Dieses Wissen ist vergänglich, und wir können schon in den Studien- oder Ausbildungsgängen an Universitäten oder Schulen sehen, wie schnell sich das Wissen wandelt. Es ist heute innerhalb weniger Jahre überholt, und wer sich nicht ständig weiter bildet, ist bald nur noch auf dem Wissensstand von vorgestern.

Heiligen Wissen hingegen kommt von Gott und ist ewig. Es enthält Grundsätze über ewige ethische Werte, und Wissen darüber, wie der menschliche Körper, die menschlichen feinstofflichen Körper, wie das Bewusstsein und das Universum funktionieren. Es enthält Wissen über Karma und kosmische Anziehung, über Heilige Eltern-Kind-Beziehungen und über Heilige Beziehungen. Es enthält Wissen über Berufung und „Dharma“ – die Heilige Pflicht des Menschen gegenüber Gott und den Mitmenschen, die uns lieb sind. Es enthält auch Wissen über unethisches und „dämonisches Verhalten“, sowie Wissen über die Höherentwicklung und Erkenntnis der eigenen Seele.

Insbesondere das Wissen über göttliche Ethik führt dabei zu Unterscheidungsfähigkeit, da auch diesem Wissen „anstrebenswertes Verhalten“ sichtbar wird, was allen Menschen etwas nützt, und nicht nur dem Egoismus einzelner Menschen. Daraus – aus dem Wissen über Heiliges Verhalten – können wir dann erkennen, welche Menschen sich wahrhaftig „göttlich-ethisch“ verhalten, und welche Menschen das nur vorgeben, oder nicht einmal vorgeben, und sich offen egoistisch verhalten.

Egoistischen Menschen oder nur scheinbar ethischen Menschen kann man nicht vertrauen, da sie nicht verläßlich in höherem Sinne sind. Spätestens wenn es herausfordernde Zeiten gibt, kümmern sie sich nur um sich selbst – gerade dann, wenn wir ihre Unterstützung am meisten bräuchten. 

Eine der Schwierigkeiten in unserer Zeit ist, dass sich menschliche Vorstellung über ethisches Verhalten mit tatsächlicher Göttlicher Ethik mischen, und so die Unterscheidungsfähigkeit verloren geht. Ein gutes Beispiel betrifft die Erziehung von Kindern:

Als hohes ethisches Verhalten in unserer Zeit bei der Erziehung von Kindern gilt in unserer Gesellschaft oft Gewaltlosigkeit und freie Erziehung, die die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt. Dagegen ist nichts zu sagen, es wird jedoch oft interpretiert als 
• „alles darf sein“ und 
• „ich setze dem Kind keine Grenzen“ sowie 
• „gehorchen ist eine überholte Qualität“.

Wenn wir jedoch in die alten Heiligen Lehren vedischer Gesellschaften schauen, dann sehen wir, dass hohe geistige und seelische Verwirklichungen hoch entwickelter Seelen immer auf der Basis von Disziplin, Dienst und Demut entstanden sind, die ihre Basis in einer emotional reglementierten Erziehung in der Kindheit hatte. Es wurde bereits in der Kindheit durch die Eltern hohes ethisches Verhalten vorgelebt, und dem Kind wurde nicht gestattet, „unheilige“ Emotionen einfach so auszuleben, wie z.B. Ärger, grenzenlose Lust, Aggression, Gier oder Neid. Diese Emotionen gelten in unserer Zeit jedoch als „normal“, und werden oft geduldet unter dem Deckmantel „gewaltfreier Erziehung“. In den heiligen vedischen Gesellschaften wurde dem Kind an dieser Stelle beigebracht, sich selbst zu reglementieren, und diese Emotionen nicht auszuleben, und die anderen Menschen im Umfeld nicht zu schädigen. Und wie gesagt – die Eltern lebten dem Kind das vor, und waren Autoritäten für das Kind, und verhielten sich entsprechend. Es wurde klar gesehen, dass das Kind kein „Freund auf Augenhöhe ist“, sondern eine eigenständige Seele in einem menschlichen Körper, die Ausbildung und Führung in hohen ethischen Werten braucht, und tief im Inneren, auf seelischer Ebene, auch danach verlangt, und nur dadurch wachsen kann.

Es gibt noch viele weitere Bereiche, die durch Heiliges Wissen in anderem Licht erscheinen, als in unserer Gesellschaft bekannt, wie z.B.:

• Berufung – woher habe ich meine Talente, wie erkenne ich sie, was haben sie mit meinen Vorleben und was haben sie mit meinem Verdienst (ethisch und auch geldlich) zu tun
• Beziehung – was hat der Verstand und die höhere Intelligenz mit höheren Formen der Liebe zu tun, die über den reinen Instinkt hinausgehen
• Gesellschaft – was hat „Strafe“ und „Anweisung“ mit der Führung und dem Prosperieren von Gesellschaften zu tun
• Führung von Menschen – Was sagt der Entwicklungsgrad von Seelen über die menschlichen Qualifikationen aus, und wie kann man die seelische Qualifikation von Menschen erkennen
• Gewalt und Gewaltlosigkeit – Wann ist Gewalt angebracht, und warum, und ist es überhaupt angebracht, und was ist die Basis von Gewaltlosigkeit 
• usw.

Jedes dieser Themen und noch vieler anderer Themen ist über das Studium der Heiligen Schriften und der Heiligen Lehren der alten Gesellschaften und Meisterlinien in tiefer Bewusstheit zu ergründen, und zu jedem dieser Themen kann man ganze Bände von ethischem Verhalten schreiben, die sich von unserer westlichen Lesart unterscheiden.

Das interessante daran ist, dass dieses alte Heilige Wissen – Gyan – einen Widerhall in unserem Inneren findet, und wenn wir uns darauf einlassen, wissen wir, dass es „richtig ist“. Es ist in sich selbst schlüssig, und erinnert uns tief in unserem Inneren an etwas, was wir auf seelischer Ebene längst wissen, aber vergessen haben.

Im nächsten Beitrag geht es um Vertrauen gegenüber Menschen, und wie wir auf der Basis dieses Heiligen Wissens, das heute beschrieben wurde, tatsächlich Vertrauen entwickeln, geben und bekommen können, sowie darum, wie wir uns schützen vor „nicht vertrauenswürdigen“ egoistischen Menschen.

(c) Rudolf Andreas Graf

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