Vertrauen

Vertrauen, Spiritualität und Gott – Teil 1

sonnenuntergang-mann-sunsetVertrauen, Spiritualität und Gott
Teil 1

In den alten Meisterlehren Indiens spielt für die Lehrer-Schüler-Beziehung das Thema „Vertrauen“ eine herausragende Rolle: Es wird gesagt, dass ohne Vertrauen zu Guru, dem Spirituellen Meister, kein Fortschritt in der eigenen Spirituellen Entwicklung möglich ist. Guru wird hier in der Bedeutung von „Spiritueller Lehrer“ oder „Spiritueller Meister“ gebraucht, der uns Führung geben kann auf unserem Pfad der eigenen Spirituellen Entwicklung.

Dieses „Vertrauen in einen Lehrer“ hört sich für uns Westeuropäer oft befremdlich oder sogar bedrohlich an, da sich unser Vertrauen auf unseren engsten Freundeskreis oder Familienkreis beschränkt, und gegenüber den anderen Menschen der Gesellschaft oder Lehrern Vertrauen oft als unangebracht erscheint. Jeder scheint sich selbst der Nächste zu sein, und selbst im Verkauf, der Politik oder im öffentlichen Leben wird oft gelogen.

Wie will man also Vertrauen entwickeln, wenn es unklug scheint, Vertrauen zu entwickeln in unserer Gesellschaft? Wie will man, wenn man kein Vertrauen hat, einen Guru oder spirituellen Meister finden, der einen voranbringt in der eigenen Spirituellen Entwicklung? Ist es etwa besser, keinen Guru zu haben, da man ja nicht weiß, wem man vertrauen kann?

Aus Spiritueller Sicht entsteht Vertrauen aus einer schrittweisen Entwicklung:

1. Gottvertrauen
2. Selbstvertrauen
3. Unterscheidungfähigkeit
4. Vertrauen zu vertrauenswürdigen Menschen
5. Vertrauen zu Guru
6. Spirituelle Entwicklung
7. Verwirklichung und vollkommene Zuwendung zu Gott

Zu jedem dieser Punkte ist etwas zu sagen. Ich möchte hier und in den nächsten Beiträgen zu den Themen Grundsätzlichkeiten ausführen, so dass ein Überblick entsteht.

Gottvertrauen und Selbstvertrauen

Gottvertrauen ist die Grundlage von wahrem Selbstvertrauen.
Das kann man jetzt natürlich glauben oder nicht, ich will den Zusammenhang aber logisch erklären. Aus Spiritueller Sicht gibt es zwei Arten von Selbstvertrauen:
1. Selbstvertrauen, das sich aufs EGO, auf unser „Kleines ICH“ bezieht.
2. Selbstvertrauen aus dem Glauben an Gott, und der Einheit mit der eigenen Seele.

Die erste Form von Selbstvertrauen – das Selbstvertrauen ins eigenen EGO – ist abhängig von unserem Ansehen in der Gesellschaft oder unserem Freundeskreis, von unseren Besitztümern, dem Reichtum, unseren Statussymbolen, unserem Wissen, unseren gezeigten Fähigkeiten und der Anerkennung anderer. Diese Form Selbstvertrauen basiert auf dem „Kleinen Ich“, das sich Identitäten aus den oben genannten Utensilien schafft, wie z.B.
• Ich bin wissend.
• Ich bin reich.
• Ich bin der/die Beste.
• usw.

All diese Identitäten sind zerbrechlich und nicht-ewig. Sie sind so vergänglich wie unser Leben, und sind bereits während dieses Lebens ständigen Angriffen und Herausforderungen ausgesetzt. Andere
„Kleine EGOS“ stehen in ständigem Wettbewerb mit uns, und wir können niemandem vertrauen. Der einzige Weg zu Selbstvertrauen ist hier der Kampf und die Unterwerfung anderer, um sie zur Anerkenntnis unseres „Kleinen ICH“ zu bringen, das sich als „Großes ICH“ aufspielt.
Diese Form von Selbstvertrauen ist ausgesprochen instabil, und irgendwann findet jeder seinen Meister, der besser ist auf dem ausgewählten Gebiet, das man besetzt. Dann hilft es nur noch, andere zu finden, die noch schlechter sind, als man selbst, um ein einigermaßen verbleibendes Selbstvertrauen zu besitzen, das sagt: Zumindest bin ich nicht der/die Schlechteste!

Die zweite Art von Selbstvertrauen stammt, wie oben bereits erwähnt, aus dem Glauben an Gott, und damit aus einem stabilen Vertrauen in die Richtigkeit des Lebens und einer „höheren Führung“ und Bestimmung.
Der Glaube an Gott wird maßgeblich von der Mutter initiiert im Leben eines kleinen Kindes oder Babys. Die Mutter ist die prägende Person im Leben innerhalb der ersten Jahre eines Kindes, und vermittelt dem Kind, ohne darüber zu sprechen, durch ihre inneren Emotionen und ihre äußeren Handlungen ihre Werte.
Wenn die Mutter in dieser Phase ihrem Kind diesen Glauben an Gott vorlebt und nonverbal vermittelt, dann hat das Kind etwas, was ihm eine tiefe innere Form von Sicherheit gibt: Den Glauben an Gott, an die Urquelle, an ewigen Schutz und das ewige Leben der Seele.

Gott, so wird gesagt, ist das einzig Ewige in dieser Welt, alles andere ist „nichtewig“ oder veränderlich. Es hat keinen Bestand. Nur wenn wir unser Vertrauen in die Welt auf etwas Ewigem aufbauen, können wir sicheres Selbstvertrauen aufbauen.
Viele Mütter haben zumindest einen „latenten“ oder „stillen“ Glauben an Gott oder eine größere Macht im Universum, selbst wenn sie in einem atheistischen Umfeld aufgewachsen sind, und dieser Glaube herausgefordert wurde. Sie stellen sich Herausforderungen, wie der Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder, und sorgen für das Überleben ihrer Nächsten selbst in ausweglos erscheinenden Situationen, im Krieg, wenn sie selbst vergewaltigt oder anderweitig mißbraucht werden. All das sind Herausforderungen, die über die Macht eines einzelnen Menschen hinausgehen, und all das wäre nicht möglich ohne ein tiefes Vertrauen ins Leben, oder den Glauben an eine höhere Macht.
Deshalb haben viele Mütter uns diesen Glauben zumindest als „Samen“ mitgegeben, und es liegt an uns, was wir daraus machen:
Wenden wir uns Gott zu, und halten wir ihn für möglich? Oder wenden wir uns von Gott ab, und vertrauen nur unserem eigenen kleinen Selbst? Leben wir spirituell oder atheistisch? Auf dieser Grundlage entsteht unser Vertrauen in die Welt und zu uns selbst.

Im nächsten Beitrag – Teil 2 – lesen Sie zu dem Thema „Unterscheidungsfähigkeit und die Hilfe der alten Weisheitslehren“
zu Teil 2

(c) Rudolf Andreas Graf

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2 Kommentar(e)

  • Der Artikel macht Mut sich Gott zuzuwenden und dem Gefühl in mir nachzugehen, dass es etwas Größeres gibt, dem ich voll und ganz vertrauen kann und will.

    • Liebe Julia, das ist ja ein sehr schönes Feedback. Was genau in dem Artikel hat dich denn berührt und dir das Gefühl gegeben Mut zu schöpfen um dem Gefühl zu folgen das es etwas Größeres gibt? Ich habe diesen Artikel immer wieder
      gelesen und bin schon gespannt auf den nächsten Teil.

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