Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Vier magische Werkzeuge

AMORC - Der MagierWissen – Wollen – Wagen – Schweigen ~ Vier magische Werkzeuge

Die sog. „vier magischen Werkzeuge“, Wissen ‒ Wollen ‒ Wagen ‒ Schweigen, sind eng mit der Tarot-Karte des Magiers verbunden und entsprechen den vier mystischen Elementen. Man spricht auch von den „vier Säulen des Tempels“, den „vier okkulten Kardinaltugenden“ oder den „vier magischen Waffen des Helden“. Diese vier Werkzeuge des Magiers liegen vor ihm auf dem Tisch, in Form von Kelch, Stab, Schwert und Münze. Doch gilt es vorsichtig zu sein mit dem Begriff der Magie bzw. des Magiers. Viele Leute stellen sich unter Magie vor, zu fliegen, jemanden in einen Frosch zu verwandeln oder anderen derartigen Unsinn. Viele Seiten unbrauchbarer Erklärungen über Magie finden sich in diversen Lexika, die uns aber auch keine wirkliche Hilfe sind. Beginnen wir daher beim Tarot, schließlich ist es der Bilder-Schlüssel eins, der uns den Magier und seine vier Werkzeuge zeigt.

Der Schlüssel Eins ‒ der Magier

Der Magier ist der Kanal der Lebenskraft. Seine rechte erhobene Hand mit dem Stab vermittelt uns, dass er die von oben kommende kosmische Kraft mit der linken Hand in den fruchtbaren Garten des Unterbewusstseins weiterleitet und zum Gedanken formt. Er ist die Bewusstseinskraft, die alle kosmische Energie lenkt und in Tätigkeit versetzt. Hier wird schon deutlich, dass der Magier nicht aus eigener Kraft handelt, sondern ein Lenker der kosmischen Kräfte ist. Der Magier handelt nicht aus sich selbst heraus; er dient als Kanal, durch den die Lebenskraft zum Ausdruck kommt. Der Magier ist ein Wesen höchster Reinheit, Selbstbewusstsein in kosmischer Verbundenheit. In diesem Sinne beruht Magie auf der seelischen Reife des Inneren.
Der Tarot-Karte des Magiers ist die Zahl eins zugeordnet, geometrisch als Punkt dargestellt. Das steht für Konzentration und Aufmerksamkeit, für ein Eingrenzen des Gesichtsfeldes.
Der Magier verkörpert die schöpferische Konzentration, die zum Gedanken konzentrierte Idee. Er ist das Symbol für die absolute Konzentration die jeder Schöpfung vorangeht. Im Menschen symbolisiert der Magier das Selbstbewusstsein, das durch bewusste Konzentration gelenkt wird. Der Mensch fasst einen Entschluss, einen Gedanken, eine Idee, die er verwirklichen will, und konzentriert sich völlig darauf. Diese Tätigkeit ist der Anfang eines schöpferischen Vorganges, der erste Impuls. Hier wird der Punkt der schöpferischen Konzentration im Kreis geformt, der objektive bewusste Gedanke, der jeder Schöpfung vorangeht. Als kosmische Kraft ist der Magier Ausdruck des aktiven, positiven männlichen Prinzips. Dieses Prinzip wird durch die Konzentration schöpferisch tätig und regt das passive, empfangende weibliche Prinzip, das Unterbewusstsein entsprechend an. Der Magier, das Oberbewusstsein befruchtet das Unterbewusstsein, die Hohepriesterin mit seiner Idee, so dass eine Frucht entstehen kann, die Kaiserin …

Die auf der Karte dargestellten Rosen sind veredelt und rot, sie symbolisieren das gereinigte Verlangen und verweisen auf ein liebendes Handeln. Die Rose, eine Blume mit fünf Blütenblättern, verweist auf die Fünf als Zahl des irdischen Menschen, der in der Welt von Assia lebt, der Welt des Tuns, in der wohlwollendes und liebevolles Handeln gefragt sind. Die weißen Lilien stehen für Reinheit und Weisheit, sowie für die kosmischen Gesetze und Prinzipien, durch die das Universum erhalten wird. Lilien haben sechs Blütenblätter und verweisen so auf die Kosmische Ordnung. Rote Rosen und weiße Lilien ‒ im unteren Garten in Reinheit und mit Weisheit in kosmischer Verbundenheit aktiv handeln, ein Motiv das auch durch den roten Übermantel und das weiße Unterkleid des Magiers zum Ausdruck kommt.
Der erhobene Stab des Magiers ist ein Symbol für seine Fähigkeit, die natürlichen Kräfte, mit denen er arbeitet, zu lenken; gemäß dem hermetischen Grundsatz: „Wie oben so unten“. Entsprechend steht der Magier als Mittler zwischen dem oberen und dem unteren Garten. Der untere Garten steht auch für das Unterbewusstsein, das durch aufmerksame Handlungen des Selbstbewusstseins, des Magiers kultiviert wird. Die linke Hand des Magiers zeigt auf die Erde in einer Geste der Konzentration; die geschlossenen Augen des Magiers deuten auf eine verinnerlichte Konzentration. Der Tisch verweist in seiner rechteckigen Form auf einen Pfad, den Weg der Entwicklung und bildet das Feld der Aufmerksamkeit, die Werkbank des Magiers.
Die braune Farbe steht für die ungereinigte Erde, die Welt des Tuns, in der sich die Handlungen des Magiers vollziehen. Auf seinem Pfad der Entwicklung stehen dem Magier seine vier Werkzeuge zur Verfügung, dargestellt als Kelch, Stab, Schwert und Münze. Sie repräsentieren Wasser, Feuer, Luft und Erde ‒ Wissen, Wollen, Wagen, Schweigen.

Der Kelch ‒ Wasser ‒ Wissen

Wissen bedeutet nicht das Anhäufen von Zahlen und Fakten, das wäre reine Information. Dies alleine wird dem Schüler bei seinem Aufstieg nicht helfen. Vielmehr wird das Wissen durch Anwendung verlebendigt ‒ Wasser ‒ Leben. Nur die praktische Umsetzung führt zu eigenen, persönlichen Erfahrungen und zu einer harmonischen Entfaltung. Nur durch Anwendung des Gelernten kann wahres Wissen entstehen. Dies führt zu Verstehen und letztlich Weisheit. So entspricht die Weisheit der okkulten Kardinaltugend des Wissens, das heißt, dem Erlangen von wahrer Selbsterkenntnis und Einsicht in das Wesen aller Dinge.

Der Stab – Feuer – Wollen

Beim Wollen handelt es sich um ein gereinigtes Verlangen und weniger um eine äußere Kraft, die vermeintlich alle Hindernisse überwinden kann. Man könnte von der verbindenden Kraft der Liebe sprechen; auch die Hingabe entspricht in diesem Sinne der okkulten Kardinaltugend des Wollens. Das wesentliche Ziel ist die bewusste Verbindung mit dem Höheren Selbst als unserem direkten Verbindungsglied zur göttlichen Urquelle. Damit allerdings auch der äußere sterbliche Teil unseres Wesens als ein geeigneter Empfänger der höheren Einflüsse wirken kann, gilt es diesen Teil unseres Wesens zu reinigen und ein gereinigtes Verlangen zu entwickeln, um dem Höheren zu dienen. Der etwas altertümliche Begriff von der „Reinigung unserer Sünden“ zeigt in Richtung der erforderlichen Reinigung und ethisch-moralischen Charakterschulung. Nur wenn der veredelte Charakter auch im alltäglichen Leben zum Ausdruck gelangt, kann von einem gereinigten Verlangen gesprochen werden, dem „magischen Wollen“, um als Agent der Schöpfers zu dienen.

Das Schwert – Luft – Wagen

Die okkulte Kardinaltugend des Wagens entspricht der Fähigkeit, den magischen Willen durch Anwendung des Wissens zur Tat werden zu lassen.
Sobald wir den Schritt zur Tat wagen, werden mit Sicherheit Hindernisse auftauchen. Da einem mit der Tat auch die entsprechende Kraft zur Durchführung derselben zufließt, gilt es, Hindernisse nicht mit dem äußeren Willen zu überwinden, sondern durch Introspektion und Abstimmung auf unser Höheres Selbst daran zu reifen ‒ ein Vorgang, der einem häufig als Prüfung erscheint. Der Mensch spiegelt seine eigene Umwelt wider, und die Umwelt wiederum ist jene Grundlage, auf der sich der Mensch zum Ausdruck bringt. Eines bedingt das andere. Betrachten wir die Welt als Spiegel, um noch nicht als in uns liegend erkannte Anteile unserer Persönlichkeit anzunehmen und zu integrieren. Die scheinbaren Widerstände verhelfen uns zu unserer Stärke und unterstützen die Erneuerung, wie auch Unreines verwandelt wird, um den Prozess im alchymistischen Schmelzofen am Laufen zu halten.

Die Münze – Erde – Schweigen

Die vierte okkulte Kardinaltugend des Schweigens entspricht der Verwirklichung dieser drei Prinzipien in der materiellen Welt. Das Schweigen ist vermutlich das am wenigsten verstandene der „vier magischen Werkzeuge“. Manche verstehen sie als Anweisung, niemals ein Wort über eigene Erfahrungen auf spirituellen Weg zu verlieren. Doch so ist das nicht gemeint, auch wenn magische oder spirituelle Erfahrungen von einer äußerst intimen und persönlichen Natur sind. Das Wahren unseres Schweigens bewahrt uns davor, unser Ego aufzublasen und wahrt die Heiligkeit und die Kraft der eigenen spirituellen Erfahrungen. Wenn wir anfangen damit anzugeben, dann nähren wir den Hunger unseres äußeren Selbst und wir werden von unserem höheren Ziel abgelenkt; die konzentrierte Kraft zur Verwirklichung zerfließt. Schließlich bewirken wir nichts aus uns selbst. Unser Ziel besteht darin, als selbstbewusster Lenker die von oben kommenden Kräfte in den unteren Garten des Unterbewusstseins und der Natur zu lenken. Das Schweigen entspricht der Verwirklichung. Alles Erforderliche wurde bereit getan. In unserem Garten wurden die Samen gelegt, diese wurden genährt und gewärmt und wachsen nun von selbst. Die Früchte unseres Gartens wachsen und reifen von selbst im Schweigen.

Richten wir uns also voller Vertrauen auf das Kommende aus und arbeiten daran. Dies tun wir, indem wir in unserem Garten mit unseren Werkzeugen für gute Bedingungen sorgen und nicht durch das tägliche Ausgraben der Samen, um nach deren Wachstum zu sehen. Solange wir mit unserem Inneren abgestimmt bleiben und uns in Harmonie mit dem Kosmos befinden, werden auch scheinbare Rückschläge uns lediglich stärken, um die Kräfte zur Verfügung zu haben, die zum Beschreiten unseres Weges erforderlich sind. Dieser Weg beginnt mit dem Magier.

„Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“
Meister Eckart

So entspricht der Magier der ersten Stufe der Bewusstwerdung nach dem Heraustreten aus dem Narren, dem Beginn der Schöpfung. Die dem Magier zugeordnete hebräische Letter Beth bedeutet Haus und gilt als Symbol für die Schöpfung. Nicht von ungefähr beginnt der Schöpfungsbericht der Genesis mit diesem zweiten der hebräischen Buchstaben und verweist durch dessen Zahlenwert auf die Dualität der Schöpfung. Der Narr brachte den Magier hervor, dieser baut das Gebäude der Schöpfung. Auf der Ebene des Menschen wird das Haus der Persönlichkeit gebaut, der Tempel des Geistes wird errichtet. Daher spricht man von den vier Säulen des Tempels als den vier Werkzeugen des Magiers. In uns selbst liegen alle kosmischen Kräfte verborgen und warten auf Verlebendigung und bewusste Lenkung. Im äußeren Bild verbirgt sich das Unsichtbare, das innere Wesen; es umfasst das Bewusste und das Unbewusste.

Neu beginnen … 

Wo die reinen Quellen rinnen,
ist das ew’ge Neubeginnen!
Unsre Tage sind verloren,
wenn wir nicht wie neugeboren
alte Vorurteile lassen,
höhere Entschlüsse fassen,
neuen Weg zu Menschen finden,
enger uns mit Gott verbinden,
andre zu der Quelle führen,
bis auch sie den Aufschwung spüren
und das Wasser weiterreichen …
Solches Glück ist ohnegleichen,
eint den Himmel mit der Erde,
mit dem Schöpferwort „Es werde!“
Wo die reinen Quellen rinnen,
ist das ew’ge Neubeginnen!
Ephides

In diesem Sinne nehmen wir die vier magischen Werkzeuge als ein Bild und Gleichnis der Natur und unseres Selbst, das uns aufzeigt, von welchen Kräften wir umgeben sind, Kräfte, die auch in uns selbst walten und wirksam sind. Alles was in dieser Schöpfung vorhanden ist, wird von ein und derselben Kraft in verschiedenen Erscheinungsformen gelenkt.

„Aller Anfang ist hingeordnet auf Vollendung.“
Thomas von Aquin

Als Lenker kosmischer Kräfte versinnbildlicht der Magier den gereiften Menschen, der mithilft am Großen Werk und die Entfaltung alles Bestehenden bis zur Vollkommenheit führt. Ziel der Heldenreise des Magiers ist die Tarot-Karte mit der Bezeichnung „Die Welt“ in der Bedeutung von freudiger Heimkehr in den kosmischen Reigen. So steht die dieser letzten Karte zugeordnete hebräische Letter Tav für Siegel und Zeugnis der Erfüllung des Großen Werkes der Befreiung des Menschen.

(c) AMORC

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