Gesellschaft Zeitlose Weisheit - Die Rosenkreuzer

Vom Wert der Utopie für eine bessere Zukunft

vom-Wert-der-Utopie-AMORCDer Ruf der Rosenkreuzer ‒ Vom Wert der Utopie für eine bessere Zukunft

Es ist kein Geheimnis, die Menschheit befindet sich in einer tiefen Krise, und immer mehr Menschen scheinen dies zu spüren. Man könnte meinen, wir hätten die Kontrolle über unser Leben verloren, individuell und kollektiv. Und dennoch sind die Rosenkreuzer in Bezug auf die Zukunft optimistisch. Dem weit verbreiteten Pessimismus auf allen Ebenen stellen sie bewusst eine positive Utopie gegenüber. Die schwierige Phase, die wir derzeit durchlaufen, bildet demnach einen Übergang, der es der Menschheit ermöglichen sollte, über sich hinauszuwachsen und „neu geboren“ zu werden.

Zeit der Entscheidung

Die Menschheit steht an einem Scheideweg. Wir sind ernüchtert und beginnen zu erkennen, dass es keine Garantie für eine angenehme Zukunft gibt, schon gar nicht, wenn wir so weiter machen wie bisher. Auf der Ebene des Individuums verspüren wir unsere eigenen Befindlichkeiten, Gefühle der Bedeutungslosigkeit, der Frustration und der persönlichen Unsicherheit. Die globalen Dimensionen der Krise verstärken die persönliche Verunsicherung, sei es durch die Auswirkungen der Finanzkrise, die erneute Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen mit den bekannten Folgen, durch zunehmende soziale und wirtschaftliche Spaltung unserer Gesellschaft oder durch Umweltkatastrophen und ökologische Probleme.

Das dem Alt-Griechischen entstammende Wort Krise bedeutet so viel wie Entscheidung, Wendepunkt, laut Duden eine entscheidende Wendung. John F. Kennedy erläuterte einst in einer Rede, dass die Chinesen zwei Pinselstriche verwenden, um das Wort Krise zu schreiben. „Ein Pinselstrich steht für Gefahr, der andere für Gelegenheit. Sei Dir in einer Krise der Gefahr bewusst, aber erkenne die Gelegenheit“, so Kennedy. Begreifen wir also die Krise als notwendige Chance, unsere selbst verschuldete Not zu wenden und so eine bessere und glücklichere Zukunft herbeizuführen. Die Rosenkreuzer denken, dass diese individuelle und kollektive Regeneration der Menschheit gelingen kann, sofern wir uns entschließen, unser Bewusstsein neu auszurichten und unserem individuellen und kollektiven Verhalten eine neue Orientierung zu geben.

In diesem Sinne benötigen wir utopische Entwürfe, um uns überhaupt erst vorstellen zu können, wie eine bessere Gesellschaft und ein tatsächlich gerechtes und nachhaltiges Wirtschaften aussehen können. Da unsere gesamte sog. Realität in Raum und Zeit aus vom Bewusstsein geschaffenen Erscheinungen besteht, sollten wir uns auf eine gemeinsame Utopie ausrichten, im platonischen Sinne dieser Bezeichnung. Nach Platon „ist die Utopie die ideale Gesellschaftsform, zu der sich die Menschheit hin entwickeln soll. Vielleicht ist es unmöglich, sie auf Erden zu realisieren, aber auf sie sollte ein Weiser all seine Hoffnung setzen.“ Die Rosenkreuzer appellieren an den guten Willen aller und jedes Einzelnen, damit ihre Utopie eines Tages zum größten Wohl für die gesamte Menschheit zur Wirklichkeit werde. Vielleicht wird dieser Tag nie kommen, doch wenn wir unsere Sehnsucht nach Verwirklichung dieser Utopie leben und beginnen uns entsprechend zu verhalten, dann kann die Welt nur besser werden.

Die Utopie der Rosenkreuzer

Gott aller Menschen, Gott allen Lebens,

In der Menschheit, von der wir träumen,

Sind die Politiker zutiefst humanistisch und wirken im Dienst des Allgemeinwohls,

Verwalten die Verantwortlichen für Wirtschaft und Finanzen das Staatsvermögen mit Umsicht und im Interesse aller,

Sind die Wissenschaftler geistig orientiert und schöpfen ihre Eingebungen aus dem Buch der Natur,

Sind die Künstler inspiriert und drücken in ihren Werken die Schönheit und Reinheit des Schöpferplanes aus,

Sind die Ärzte von der Liebe zum Nächsten durchdrungen und pflegen ebenso sehr die Seelen wie die Körper,

Wird es weder Elend noch Armut geben, denn jeder bekommt, dessen er bedarf, um glücklich zu leben,

Wird die Arbeit nicht mehr als Zwang erduldet, sondern vielmehr als Quell zur Entfaltung und des Wohlseins empfunden,

Wird die Natur als der schönste Tempel überhaupt erkannt und die Tiere als unsere Geschwister auf dem Weg ihrer Entwicklung,

Gibt es eine Weltregierung, die sich aus den Regierenden aller Nationen zusammensetzt und im Interesse der gesamten Menschheit walten wird,

Ist die Spiritualität ein Ideal und eine Lebensform, die aus einer Weltreligion schöpft, welche mehr auf der Kenntnis kosmischer Gesetze aufbaut als auf Gottesglauben,

Sind die menschlichen Beziehungen in der Liebe, Freundschaft und Brüderlichkeit begründet, so dass die Welt in Frieden und Harmonie lebt.

So möge es sein!

vom-Wert-der-Utopie-AMORCSehnsucht und Verwirklichung

Handelt es sich bei dieser Utopie lediglich um ein Hirngespinst, um Wunschdenken bar jeder Realität, geboren aus dem schier unerträglichen Kontrast zu unserer Lebenswirklichkeit? Ist diese Utopie nur Ausdruck der Sehnsucht nach einer besseren Welt? Oder handelt es sich um einen Plan, die Zukunft zu gestalten?

Eine Utopie (griechisch utopía „die Nicht-Örtlichkeit“; aus altgriechisch ou- „nicht-“ und tópos „Ort“) ist eine Wunschvorstellung, die sich dadurch auszeichnet, dass sie zwar denkbar und in vielen Fällen wünschenswert, vor dem jeweiligen historisch kulturellen Hintergrund jedoch in vielen Fällen noch nicht oder nicht mehr realisierbar erscheint. Sie ist die Beschreibung einer Welt, eines Ortes, an dem derartige Vorstellungen verwirklicht sind. Im Sprachgebrauch wird Utopie auch als Synonym für einen gesellschaftlich überwiegend als unausführbar betrachteten Plan, ein Konzept oder eine Vision, benutzt. Die Tragik der Unrealisierbarkeit utopischer Vorstellungen scheint ein elementarer Aspekt der Utopie zu sein. Tragisch ist dabei, dass sich ‒ sowohl auf der Ebene des Fiktionalen als auch bei Versuchen der politischen Umsetzung einer Utopie ‒ die Absicht der gesellschaftlichen Verbesserung leicht in ihr Gegenteil verwandeln kann.

In der Utopie der Rosenkreuzer klingen Gedanken der Achtsamkeit, Toleranz, Verantwortlichkeit, Fürsorge und Wohlwollen an. Darin erkennen wir diese Utopie als Ausdruck von etwas Edlerem, Höherem, von etwas, das wir als Grundlage nutzen können, unsere Welt zu veredeln. So weit liegen die beiden Betrachtungen folglich gar nicht auseinander ‒ der wesentliche Unterschied liegt in konträren Ansichten bezüglich der Realisierbarkeit der in einer Utopie zum Ausdruck kommenden Vorstellungen. Ein positives Menschenbild begründet sich auf der Ansicht, dass der Mensch als Individuum und die Menschheit als Gemeinschaft zur Höherentwicklung fähig sind. Dieses Vertrauen auf eine Veränderung zum Wohle aller Menschen hat Auswirkungen auf unsere Sicht im Hinblick auf die Realisierbarkeit einer Utopie. In Utopie der Rosenkreuzer geht es nicht um ein traumhaftes Trugschloss, das Gegenteil ist der Fall.

Die äußere Form ist die einer mystischen Anrufung, in die alle Menschen einstimmen können ‒ also etwas, was landläufig auch als Gebet oder Fürbitte verstanden wird. Der innere Kern führt uns zu den notwendigen Schlussfolgerungen aus den Betrachtungen in den einzelnen Abschnitten dieser Utopie. Es sind die erforderlichen, notwendigen Konsequenzen aus der Position, die die Rosenkreuzer zum aktuellen Erscheinungsbild unserer Welt beziehen. Wir finden hier Gedankenanstöße, unsere christlich sozialisierte, humanistische Ethik umzusetzen. Unsere gemeinsame Welt durch eine entsprechende geistige Ausrichtung und aufbauendes Verhalten zu veredeln, kann zur Entfaltung der in dieser Utopie verborgenen Welt führen. Die große Frage lautet: Wie?

Es geht nicht darum, als Einzelner die Welt auf den Kopf zu stellen oder aus den Angeln zu heben. Es geht auch nicht darum, als einer von derzeit ca. 7,5 Milliarden Menschen alle Probleme dieser Welt zu lösen. Was kann also der Einzelne tun? Jeder Einzelne ist Teil der Gemeinschaft. So ist zum Beispiel jeder einzelne Mensch Teil des übergeordneten Organismus der einen Menschheit. Die Menschheit ist mit anderen Lebensformen wiederum Teil des einen Lebens. Also geht es erst einmal darum, uns als Teil dieser Weltgemeinschaft zu begreifen. Eine korrekte altruistische Haltung bedeutet, unsere Absichten, Gedanken und Sorgen, sowie unser Handeln auf das Wohlergehen aller zu richten. Ohne altruistische Handlungen kann ein Körper nicht bestehen, das Leben selbst kann nicht bestehen.

Jeder Einzelne kann seinen Teil beitragen, um seine und damit auch unsere gemeinsame Welt in aufbauender Weise zu wandeln. Nur aus dem Zusammenführen der einzelnen kleinen Wirkungen zu einem großen Ganzen kann die große ersehnte Änderung entstehen ‒ quasi eine neue Welt. Dies geschieht auf genau die gleiche Weise wie unsere aktuelle Welt erschienen ist. Die Utopie der Rosenkreuzer kann daher kaum „von oben“ verordnet werden, selbst dann nicht, wenn alle Menschen dies begrüßen würden. Wir alle, jeder Einzelne muss das Ziel seiner Sehnsucht leben und zum Ausdruck bringen. Sonst bleibt unsere Utopie ein Traum.

Stufen des Wandels

Da ein Kollektiv immer aus einzelnen Einheiten gebildet wird, kommt jedem von uns persönlich eine ganz besondere Verantwortung zu. Wenn ein einzelner Mensch seine Haltung gegenüber anderen verändert, bewirkt er eine Veränderung in der gesamten Menschheit, löst eine Kette von Ereignissen aus, einen Prozess zunächst unbewusster, positiver Veränderungen, der sich schließlich im Bewusstsein aller Menschen realisieren kann. Natürlich ist es immer leichter, etwas zu erkennen und als sinnvoll und wahr zu erachten, als das eigene Handeln danach auszurichten. Wenn wir jedoch ehrlich zu uns selbst sind, so kennen wir alle unsere Fehler, Ängste und Unzulänglichkeiten sehr genau und gerade dadurch werden wir fähig, uns bewusst positiv auszurichten und unser Leben in tief empfundener Verbundenheit bewusst zu gestalten. Jeder Einzelne von uns trägt als Teil des Ganzen die Verantwortung für seine eigene Entwicklung und damit für die Entwicklung der gesamten Menschheit.

Um den erforderlichen Wandel herbeizuführen, sollten wir die Welt als Spiegel betrachten, um noch nicht als in uns liegend erkannte Anteile unserer Persönlichkeit anzunehmen und zu integrieren. Der Mensch spiegelt seine eigene Umwelt wider, und die Umwelt wiederum ist jene Grundlage, auf der sich der Mensch zum Ausdruck bringt. Eines bedingt das andere. Doch die Unterscheidung zwischen selbst und Umwelt hängt von unserer Identifikation ab. Gelingt es uns, die vermeintliche Trennung zu überwinden, so erweitert sich unser selbst, aus der Umwelt wird eine Mitwelt. Heben wir die illusorische Trennung zwischen uns Menschen als Individuen auf, so entsteht eine grundlegende Menschlichkeit von selbst. Auf einer weiteren ins Kosmische reichenden Integrationsstufe wird ein spirituelles Leben der Menschheit erblühen.

Unser Wunsch und unsere Hoffnung

Die Menschheit als Ganzes ist dazu bestimmt, die ideale Gesellschaft zu verwirklichen, die viele Weise der Vergangenheit in utopischen Entwürfen gefordert haben und auf die viele einzelne Menschen mehr oder weniger bewusst hoffen. Die Zeiten stehen nicht mehr auf Teilung, welcher Art auch immer, sondern auf Zusammenschluss, Zusammenführen von Unterschieden im Dienst des Gemeinwohls. In diesem Sinne wünschen wir uns mehr denn jemals zuvor, dass die Menschheit zu einer grundlegenden Menschlichkeit zurückfindet, um in sich selbst wiedergeboren zu werden und sich auf den Weg zu einer auf allen Ebenen erneuerten Menschheit zu begeben. Die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts riefen bereits vor 400 Jahren mit ihren heute als historisch geltenden Manifesten zu dieser Erneuerung auf. Sie wurden von der starren, konservativen Haltung der Religion, der Politik und der Wirtschaft jener Epoche zurückgewiesen, und dieser bahnbrechende Appell wurde nur von den Freidenkern gehört. In Anbetracht der aktuellen Weltlage haben die heutigen Rosenkreuzer mit ihren gegenwärtigen Manifesten im neuen Jahrtausend diesen Aufruf öffentlich erneuert, in der Hoffnung, dass er dieses Mal eine positive Reaktion bei vielen Menschen hervorruft. Das aktuellste dieser Manifeste, die in diesem Jahr wiederum weltweit veröffentlichte, ist eine Allegorie: „Die Neue Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz 1616 – 2016“ führt uns durch einen alchemistischen Traum in Richtung der Vision von einer besseren Welt.

(c) Text und Bild: AMORC

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