Mensch-Sein

Warum ich trotzdem ein Optimist bin…

2_Schloesser_AlenaWarum ich trotzdem ein Optimist bin…

Diese Existenz ist inherent leidvoll – das besagt auch die erste der „Vier Edlen Wahrheiten“ des Buddha 1. Aber wir brauchen Buddha nicht, um das zu erkennen. Es sieht in der Welt nicht sonderlich blumig aus. Selbst wenn wir ein relativ komfortables Leben führen, leiden wir doch und trotzdem suchen wir unser Glück immer wieder im Außen. Wenn man aber sein Leben tiefgründiger analysiert, wird man sehen, dass man in äußeren Umständen das Glück nicht finden wird, weil alles vergänglich ist.

Diese Sichtweise kann einen natürlich pessimistisch stimmen. Und rein objektiv betrachtet mag es auch keinen Grund zum Optimismus geben. Wenn aber alles entsteht und wieder vergeht, dann gibt es eigentlich auch keinen Grund zum Pessimismus. Oder anders gesagt: Die Welt ist einfach so, wie sie ist – eiden findet nur in unserem Geist statt. Optimismus oder Pessimismus sind eine Einstellungsfrage – eine Entscheidung, die wir treffen können.

Das Leben ist kein Hollywoodfilm

Wenn ich also sage, ich bin ein Optimist, heisst das nicht, dass ich daran glaube, dass im Endeffekt alles gut ausgehen wird. Das Leben ist kein Hollywoodfilm. Ich werde sterben und davor krank und/oder alt werden. Krank sein, alt sein und sterben sind bestimmt nicht schön. Und davor wird mir noch vieles anderes widerfahren, was mir nicht behagen wird. Ich sehe ja, wie ich selbst in meinem recht komfortablen und eigentlich sehr erfüllten Leben, immerzu die Gelegenheit habe zu leiden: Stress im Job, Stress in der Familie, Krankheit, finanzielle Sorgen, der Wunsch nach Anerkennung, unerfüllte Wünsche, oder Wünsche, die in Erfüllung gehen und mich dann doch nicht erfüllen, Ungewissheit und natürlich die allgegenwärtige, wenn auch oft subtile Todesangst. All das sind stetige Begleiter in meinem Leben. Und natürlich geht’s mir von außen betrachtet sehr gut, besser als einem Großteil der Menschheit – schon alleine, weil ich nicht in der dritten Welt geboren worden bin.

Ich kann also schon ausreichend leiden, wenn ich mir mein Leben ansehe. Und wie viel mehr kann ich erst Leiden, wenn ich mich auf das leidvolle Leben und Sterben anderer Menschen und Lebewesen fokussiere! Man braucht sich nur die Nachrichten reinziehen, und schon wird einem das volle Leidesprogramm geliefert. Und das Perverse ist, dass wir irgendwie darauf stehen – wir fühlen uns zu Hause in unserem Leid.

Wie kann man da optimistisch bleiben?

Es gibt Optimisten und Pessimisten in der Welt. Manche sind prinzipiell eher glücklich, manche eher traurig. Wenn die äußere Existenz aber inherent leidvoll ist und man da auf Dauer nichts ändern kann, dann kann es nicht an den äußeren Umständen liegen, ob jemand ein Optmist oder Pessimist ist. Dann kann es nur an der Person selber liegen. Ja, klar, manche haben’s im Leben schlechter erwischt, manche besser… aber wir wissen von ein paar Menschen Bescheid, die selbst in den Nazi-Konzentrationslagern ihre prinzipielle positive Weltansicht nicht verloren haben. Wenn das dort geht, dann sollte es in unserem Leben doch auch gehen.

Das heisst, dass wir unsere Geisteslage nicht auf äußere Umstände schieben können und dürfen. Wir müssen Verantwortung für unsere Gedanken und Gefühle übernehmen und aktiv daran arbeiten, diese positiver zu gestalten. Und wir müssen uns immer wieder dafür entscheiden, die Welt möglichst positiv zu sehen. Nicht aus einer verklärten, pink gefärbten Fehlsicht der Welt, sondern aus der Einsicht heraus, dass wir es in unserer Hand haben, wie wir die Welt erleben.

Wenn man zur positiven Veränderung in der Welt beitragen will, wird einem mit einer positiven Sichtweise auch gut gedient sein. Wenn man innerlich aufgewühlt ist, wird man auch in seinen äußeren Aktivitäten nur für Aufwühlung sorgen. Nur aus dem inneren Glück heraus, kann man nachhaltig für Glück sorgen. Und das nachhaltigste Glück ist, wenn man anderen Menschen dazu verhelfen kann, ihren Geist zu transformieren und eine positive Sicht der Welt zu kultivieren. Doch das kann man nur, wenn man selber diese Sichtweise verinnerlicht hat, in anderen Worten, wenn man selber Erleuchtung erlangt hat.

Ich möchte diesen Artikel mit einem Gebet des Buddha aus dem Dhammapada beenden, dass den Namen „We are what we think“ bzw.„Mind precedes all mental states“ trägt. (Es gibt verschiedenen textlichen Variationen des Gebets).

„We are what we think
All that we are arises with our thoughts
With our thoughts we make the world.
Speak or act with an impure mind
And trouble will follow you
As the wheel follows the ox that draws the cart.

We are what we think
All that we are arises with our thoughts
With our thoughts we make the world.
Speak or act with a pure mind
And happiness will follow you
As your shadow, unshakable.“

Diese Version hier gibt’s von Sogyal Rinpoche auch mit Musik vertont – das finde ich sehr inspirierend!

Sean.

  1. „Das (unerleuchtete) Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll: Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden; Kummer, Lamentieren, Schmerz und Verzweiflung sind Leiden. Gesellschaft mit dem Ungeliebten ist Leiden, das Gewünschte nicht zu bekommen ist Leiden. Kurz, die fünf Aneignungen (skandha, khandhah) sind Leiden.“ (Wikipedia

 

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