Gesellschaft

Weihnachten: Ein Weihnachts-Brief

Weihnachten - bunter EngelWeihnachten – das „Fest der Familie“ ?…

Ist das wirklich so ?
Und wer ist eigentlich unsere Familie?

Trotz all unserer Weltoffenheit und unserer „Vernetzung“ existiert in unseren Köpfen leider meist noch ein sehr eingeschränktes Familien-Bild. Denn obwohl viele Menschen ihr Leben eigentlich lieber mit Freunden oder dem LebensAbschnittsPartner verbringen, ist es immer noch ein gesellschaftliches Tabu den “Heiligen Abend” nicht mit der Kleinfamilie bzw. den Blutsverwandten zu verbringen – zumindest für diejenigen, denen Weihnachten überhaupt etwas bedeutet.

Ich spreche nicht davon, dass jemand diesen Tag wirklich gerne mit seinen Kindern und/oder Eltern (oder auch am Strand in Thailand) verbringen möchte, sondern ich sehe in diesem „Familien-Begriff“ eine Abgrenzung und eine Wertung:Weihnachten sind Blutsverwandte / Kleinfamilie wichtiger als Freunde oder Wahlfamilie – an diesem Abend auch (oder nur!) Freunde einzuladen bedeutet einen Tabu-Bruch.

Und diese Enge spüre ich auch, wenn ich mich bei den Menschen in meinem Umfeld umhöre. Da sind Menschen, die eher unkonventionell leben: Allein, in WGs oder in einer Partnerschaft. Aber auch dort ist die WeihnachtsZeit oft ausgefüllt mit „Geschenke- kaufen“ und die WeihnachtsTage sind verplant mit KleinFamilie und VerwandtenBesuchen.

Ich habe gelesen, dass an / um Weihnachten die Selbstmordrate allgemein am niedrigsten ist – nur bei „Singles“ ist sie am höchsten. Außerdem gibt es in dieser Zeit die meisten Einweisungen in die Psychiatrie / Krankenhaus bei alten Menschen. … Erschreckend !!! … Aber verwundert es dich wirklich?

Die Energie, die ich in dieser Zeit wahrnehme ist nicht: Ein Fest der Liebe, und ein “Grenzen öffnen” – mal davon abgesehen, daß daran kaum jemand beim Geschenke einkaufen denkt – sondern eine starke Energie des Abgrenzens, des EinIgelns, des „Wir und Ihr“. Selbst bei den Menschen, die Weihnachten noch an die Geburt von Jesus denken, geht es um ein heiliges (Klein-)Familien- und VerwandtenFest.

Und leider tragen auch jene, die sich in irgendeiner Weise karitativ betätigen, nicht dazu bei diese enge FamilienMauer zu durchbrechen. Denn dort geht es darum, all den Einsamen (d.h. denen ohne Familie!) ein Ersatz-Familien-Weihnachtsfest zu bescheren. Was aber natürlich noch einsamer macht, denn dadurch wird der angebliche Familien-Mangel noch deutlicher:Fehlende Liebe, Nähe und Geborgenheit wird mit fehlender Familie übersetzt.

Ich hoffe für dich (der/die du das liest), ist das nicht so, und du erlebst in deiner Klein- oder Wahl-Familie Liebe, Nähe und Geborgenheit …

Dann bitte ich dich:
Öffne deine Familien-Grenzen …
und lass auch andere an eurer Fülle teilhaben.
Denn deine Familie ist die ganze Welt:
Alle Menschen (und wohl auch Tiere, Pflanzen & Steine)
sind deine Schwestern & Brüder.

Für mich ist Weihnachten kein besonders wichtiges Fest: Jesus ist sicher nicht am 24. 12. geboren (seine Geburt ehre ich jeden Tag!), der kürzeste Tag war schon am 21.12. … und Plätzchen essen und Freunde zu einem Festessen einladen kann ich auch am 19.12. (natürlich kommt da niemand, weil alle mit Geschenke kaufen beschäftigt sind ;-))
Und trotzdem bin ich auch am Heiligen Abend dankbar dafür, dass Menschen um mich sind, die ich liebe und die ich meine Familie nennen darf … und es schmerzt mich sehr, dass so viele Menschen meiner großen Welt-Familie – nicht nur an Weihnachten – ihr Leben in Angst und Not verbringen müssen.

Wenn du dich in diesen Tagen einsam fühlst, möchte ich dich mit diesen Zeilen daran erinnern, dass dieses Gefühl nicht davon kommt, dass du „ohne Familie“ bist, sondern weil du dich getrennt fühlst von der “großen WeltFamilie”.
Und ich möchte dich ermutigen: Nimm dieses WeihnachtsFest zum Anlass eine neue Familie zu gründen: Mit all jenen Menschen, die du gerne in deinem Leben haben möchtest ! (… und wenn das dieses Weihnachten noch nicht klappt: dann hast du noch ein ganzes neues Jahr Zeit dazu!).
Es geht dabei nicht um ein mildtätiges Einsammeln aller Einsamen, sondern deine Einladung den Heiligen Abend (oder dein Leben?) mit dir zu verbringen soll bedeuten: Ich öffne meine Grenzen für dich … meine Grenzen der Angst, des Stolzes, des Mangels, des Selbstschutzes … Diese Einladung ist ein Ausdruck der Liebe.

Ich wünsche dir
ein friedliches, lachendes, (be)sinnliches,
stilles, inniges, fülliges, zufriedenes,
glückseliges Christfest !

Möge deine Liebe Grenzen auflösen.
Möge dein Herz sich weiten
für die ganze große Welt-Familie.
Shalom … Salam … Peace … Frieden …
Amen

(c) Nika Kölbl
www.synthese-is-love.de

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