Mensch-Sein

Weil Schatten Schatten werfen …

Angst, DunkelheitWeil Schatten Schatten werfen …

Ich oute mich. Ich habe mein ganzes Leben versucht,  mich nach meinen Idealen auszurichten.
Ideale sind etwas Feines. An und für sich. Sie weisen uns den Weg, wohin wir uns hin-entwickeln sollen/wollen/können/dürfen. Sie sind wie ein Leuchtturm, nach dem wir uns ausrichten, während wie auf haushohen Wellen des Lebens gondeln.

Doch sie sind (meist noch) kein wirkliches Abbild unserer Selbst. Auch, wenn wir das gerne hätten.

Ich habe so lange meine Sonnenseiten ins Licht getragen, bis mich meine Schatten hinterrücks überholten und mir ihre grausliche Fratze ins Gesicht grölten.

Dann wurde ich wach und erkannte, dass ich nur einen Teil von mir erkannt hatte. Den, der mir gefiel bzw. mit dem ich in Frieden mit mir leben konnte. Den anderen, den ich nicht an mochte, nicht damit umgehen konnte, den hab ich geflissentlich übersehen. Doch das klappt bekanntlich nur eine Zeitlang. Selbst wenn diese Zeitlang lang andauern kann. Irgendwann haben sie sich dann gebündelt, die ungeliebten Gesellen meiner Seelenanteile und haben mich überrumpelt, wie Überraschungsgäste das gerne tun. Das war während der Zeit meines Burnouts. Lustig … war das nicht. Aber notwendig. Defintiv.

Im Laufe der Zeit habe ich einiges erkannt, vieles wurde mir bewusst … wie z. B.:

Es ist wundervoll sich nach der Sonne zu strecken, sich nach dem Licht zu richten, das schon in uns leuchtet oder irgendwann mal leuchten könnte. Das ist gut. 

einerseits.

Andererseits birgt es jedoch die Gefahr, dass wir nicht mehr hinsehen – auf unsere eigenen Schattenseiten. auf genau jene Anteile von uns, die … noch nicht ganz so durch-lichtet sind, wie wir das gerne hätten und auch uns und/oder der Welt vorzeigen mögen.

Wenn wir unsere unerlösten, unheiligen, unschönen, durch-schatteten Seiten lange genug negieren, dann kommt irgendwann eine Situation im Leben, die sich dann mächtig in unser Leben drängt  und uns all das brühwarm, kochend heiß und kaum handlebar auf den Tisch knallt … und wir (zumindest am Beginn) relativ hilflos der Wucht dieser dunklen Gefährten ausgeliefert sind, kaum in der Lage, sie zu bezähmen, und noch viel weniger, sie wieder einzusperren in das Verlies der schönen Sonntagsburg – was wir wirklich gerne täten, in diesem Moment. Doch das klappt nicht mehr. (zum Glück!)

Mitunter kommen sie recht ungefiltert hoch im Mantel von Burnout, Depression, Krise, Konflikte-ohne-Ende, oder wie-auch-immer man sie nennen mag, diese Krisen, diese „dunkle Nacht der Seele“.

Diese Schattenseiten (und nicht nur die) lassen sich nämlich nicht einfach durch einen Akt des Willens weg-drücken, weg-denken, weg-blicken lassen.

WENN sie da sind, selbst wenn nur ganz verborgen und im dunklen Kellergeschoß, dann sind sie da. Punkt. Ob wir nun hinblicken oder die Augen verschließen, wie Klein-Julchen, das mit Begeisterung die Hände vor die Augen hält und meint, sie sei nun für die Welt unsichtbar.

Doch die Welt ist geduldig, das Leben, das Universum, das Göttliche.
Es gibt uns immer wieder die Chance etwas zu erkennen und in Folge etwas zu verändern, etwas zu lernen, indem es uns immer wieder damit konfrontiert – im Außen und/oder in unserem Inneren.

Wenn Schattenaspekte da sind, sind sie da und dann haben sie Energie.
Energie löst sich nicht in nichts auf. Energie lässt sich nur verwandeln.
Verwandeln funktioniert jedoch  nur, wenn wir sie – diese Schattenanteile ansehen und als Teil von uns akzeptieren. Nehmen wir z.B.  eine Eigenschaft, die kaum jemand schätzt. Nehmen wir die allseits gefürchtete, abgelehnte und tatsächlich sehr hässliche,  stichelige Schwester NEID. Sollten wir feine Züge ihrer Gestalt in uns wahrnehmen, gefällt uns das meist nicht. Und doch gilt: Hinsehen, Hinspüren und akzeptieren, dass sie in unserer Seele ein Zimmer gemietet hat. Offensichtlich. Ein Zimmer ohne Ausblick und recht verdunkelt. Wenn wir zulassen, dass wir das Gefühl einfach mal in uns fühlen – nichts weiter, nur fühlen – es kennenlernen und dadurch entdecken, dass etwas in uns ist, das uns piekst.

NEID ist nichts Schönes. Es auch nichts, worauf wir stolz sein können. Und – nicht zufällig – schämen wir uns in der Regel für dieses Gefühl – und verdrängen es.
Wenn wir es jedoch mal – unbewertet – einfach mal anblicken und fühlen, lässt uns genau dieses Gefühl erkennen, wohin uns etwas in uns ruft. Es lässt uns wahrnehmen, wo wir gerne wären, aber noch nicht sind. Was wir gerne hätten, aber noch nicht haben.

MISSGUNST hat mit NEID nicht zwangsläufig etwas zu tun.

Missgunst ist die Folge von nicht bewusst wahrgenommenem Neid.
Missgunst missgönnt dem anderen den Erfolg, den wir gerne hätten.

Und das ist natürlich nicht gut. Nicht fein. Nicht schön. Nicht erstrebenswert. In keinem Fall.

DOCH …  sollten wir dieses Gefühl in uns wahrnehmen, dann könnten wir es auch mal – abseits der eigenen Verurteilung – einfach mal … ansehen und entdecken.
MISSGUNST  … ist eigentlich wieder „nur“ ein Zeichen, dass in uns eine Wunde lebt, die nach Heilung ruft. ein Manko, das so weh tut, dass wir es nicht ertragen können, wenn „andere“ das haben, was uns so schmerzlich fehlt. und so gesehen…. ist es wieder, zwar  auf einer sehr tiefen, dunklen ebene, wieder … ein Weckruf unserer Seele, die uns wahrnehmen lassen möchte/könnte … dass wir uns dringend mit uns und der Heilung dieser Narbe beschäftigen sollten.

Sich die eigenen Schattenaspekte wieder zu sich selbst holen – das ist das Ziel.
Das ist auch der Weg der Heilung, der Ganz-Werdung. Nicht indem wir sie ausleben und zelebrieren. Keineswegs. Sondern … indem wir sie in uns wahrnehmen, fühlen und anerkennen, dass auch „das“ NOCH ein Teil von uns ist. Und dann darf sich das Wunder vollziehen, dann beginnt sich etwas in uns zu verwandeln und wir können uns wieder und weiter auf den Weg machen, unsere Ideale, unsere lichten Seiten in immer mehr und immer besser in uns zu kultivieren, zu leben, zu lieben und so der Welt zum Segen werden.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wundervolle Zeit.

Herzlichst, Cornelia Schäfer

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