Meditation

Wenn ich meditiere

rauch-sitzend-buddhaWenn ich meditiere,

bleibt für mich die Welt stehen. Nun nicht ganz, stellenweise taucht sie mal kurz wieder auf, wenn zum Beispiel meine Nase juckt oder ich plötzlich merke, dass ich versuche zu entscheiden, ob ich nach der Sitzung besser einen sinnlich-aromatischen italienischen Kaffee, natürlich arabica und in der Espressomaschine gebrüht, und trotzdem leider nicht so gesund und spirituell förderlich oder einen äußerst gesunden, exotisch schmeckenden und spirituell inspirierenden Grünen Tee aus Japan genießen sollte.
Abgesehen von solch störenden Nebensächlichkeiten bleibt die Welt aber meistens für mich stehen. Das tut gut und ich glaube zu begreifen, warum Mikao Usui seinen Schülern empfahl, sich am Morgen und am Abend in der Gassho-Meditation zu üben und dabei die Reiki-Lebensregeln in Alt-Japanisch wie Mantren, besondere Worte zur gezielten Anwendung spiritueller Kräfte, zu rezitieren.
Es ist erstaunlich, wie durch eine doch recht kurze Zeit der Meditation Ruhe und Frieden entstehen, die Welt zu einem freundlichen Ort wird; auch, wenn sie noch vor Momenten eher wie ein Raubtier erschien, das zähnefletschend nach Beute jagte. Und das nur, weil ich in mein Hara, einen Punkt des physischen und psychischen Gleichgewichts knapp unterhalb meines Bauchnabels atme, auf den Erleuchtungspunkt achte, einen etwa ein Cent großen Bereich, dort gelegen, wo sich die Kuppen meiner Mittelfinger berühren, und einige japanische Sätze, eben die Reiki-Lebensregeln von Mikao Usui, rezitiere.
Und dann, wenn ich mir lange genug Zeit nehme, oder wenn auf einer Meditationssitzung aus unerfindlichen Gründen ein besonderer Segen ruht, gibt es eine Zeit, in der die Dinge einfach aufhören, zu sein. Das Denken, das Fühlen, die Emotionen, Bilder – alles weg! Mitunter taucht dann ein großes Licht auf und ich erinnere mich später an diese Flamme und daran, Licht gewesen zu sein. Einen Blick zu meinem wahren Selbst geworfen zu haben, wie ich glaube. Mit dem Göttlichen Funken in mir vereint gewesen zu sein. Doch diese Einblicke gibt es erst später, wenn ich erfrischt und erstaunt aus der Meditation erwache und mir vorzustellen versuche, was ich erlebt habe, was ja doch nicht wirklich vorzustellen ist. Denn alle Bilder sind unzulänglich, wenn durch sie das EINE dargestellt werden soll.

Was soll ich meinen Schülern über Sinn und Zweck der Meditation sagen? „Meditiert, bis die Schwarte kracht! Es lohnt sich, weil ihr dann irgendwann einige Zeit nicht mehr da seit, sondern in der Einheit aufgeht.“ Wer das nicht erfahren hat, findet diese Aussicht eher erschreckend, arrogant oder langweilig – je nach Art des Charakters. „Es ist besser als Sex!“. Das könnte ich sagen. Doch das stimmt nicht. Denn beim Tantrischen Sex sind ja gerade diese Momente des Verschmelzens, des Auflösens der vom Ego aus Angst vor der Selbstaufgabe errichteten Grenzen, der totalen Vereinigung und des Aufgehens im Ozean der Einheit so genial. Sozusagen ein in der Software und Hardware des Menschen eingebauter Gottesdienst. Vielleicht erkläre ich einfach: „Meditiert fleißig und wartet ab, wie es euch damit geht! Führt regelmäßig Tagebuch über Eure Lebenseinstellungen und Erfahrungen und dann vergleicht mal nach einem Vierteljahr regelmäßiger Meditation die Art Eurer derzeitigen Tagebucheinträge mit denen, die ihr zu Beginn niedergeschrieben habt.“

Meditation erschließt sich am besten durch Erfahrung – kein Zweifel. Doch jemanden, der damit wenig Erfahrung hat, zu regelmäßiger, längerer Meditationspraxis zu bewegen, geht meiner Ansicht nach am Einfachsten, wenn sich der Verstand, der so gerne logisch tut, zu der Ansicht kommt, dass es gute Gründe gibt, diese ungewohnte und exotische Sache zu machen.
Solange der Verstand etwas nicht will, weil er den Nutzen nicht einsieht, wird er den entsprechenden Weg blockieren. Na klar, wenn das Gefühl so stark bewegt ist, dass es stärker ist, als der Verstand, wird dieser erst einmal den Kürzeren ziehen. Doch das ist ein Strohfeuer, wenn der Betreffende nicht ständig von Außen wieder neu gefühlsmäßig motiviert wird. Das kann schnell zu Abhängigkeit führen und ist ganz sicher kein Merkmal eines erwachsenen, eigenverantwortlichen Menschen.
Immerhin gibt es eine Menge von sehr interessanten wissenschaftlichen Forschungen zum Thema. Wer das Internet-Suchsystem Google mit seiner Scholarship-Funktion benutzt, hat schnell mehrere Hundert Einträge beisammen. Und Bücher gibt ja mittlerweile auch reichlich, in der Meditation von der wissenschaftlichen Seite, und zumeist recht wohlwollend, betrachtet wird.

Manchmal bin ich etwas traurig, dass eine so phantastische Sache wie die Meditation, die die Grenzen unserer Existenz überschreitbar macht und dem Individuum ermöglicht, seine Göttlichkeit zu erfahren, von so vielen Menschen nur akzeptiert und geübt wird, wenn sie zu einer Entpannungsübung degradiert und von einer Wissenschaft in ihren Wirkungen vermessen wird, deren Grudprinzipien es gar nicht zulassen, der Begegnung mit dem Göttlichen entgegenzusehen.
Ich glaube, ich meditiere erst mal eine Weile. Zuviel Logik, zuviel Worte für so etwas Einfaches.
Danke, lieber Mikao Usui für die Gassho-Meditation und Deine genialen Lebensregeln. Gerade, weil ich Beides nicht komplett verstehen kann, helfen sie mir, dem sorgsam gepflegten Gefängnis meines Verstandes/ Egos zu entfliehen.

Die Gassho-Meditation von Mikao Usui: Wie schön es ist, endlich zu sich zu kommen.
Ein Beitrag von Walter Lübeck, Copyright © 2008 by Walter Lübeck


Walter LübeckDer Autor:

Walter Lübeck ist seit über 1987 als Autor, Seminarleiter für Persönlichkeitsentwicklung und spirituelle Heilweisen und Coach weltweit tätig. Aus seiner Feder stammen 25 Bücher, die in 20 Sprachen erschienen sind.
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1 Kommentar

  • Ein wunderbar menschlicher Beitrag, der zeigt dass Meditation für jeden möglich. Besonders der letzte Absatz des Artikels hat mir sehr gefallen.

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