Das Neueste Gesellschaft

Amma: Mata Amritanandamayi – die Umarmung der Liebe

amma-liebe-umarmung-liebespaar-meer-coupleAmma: Umarmung der Liebe

Mata Amritanandamayi wird von ihren “Kindern” auf der ganzen Welt nur Amma, Mutter, gemannt. Die Frau aus Südindien gibt ihren Segen durch eine Umarmung.

Die Frau im weißen Sari hat mittlerweile mehr als 34 Millionen Menschen auf der ganzen Welt umarmt. Auch in diesem Jahr wird sie, wie jedes Jahr, Europa besuchen; daneben auch Asien, Nord- und Südamerika, Kanada, Japan und Australien. Der Kontakt zu ihren Anhängern weltweit ist ihr wichtig, und wer sie sehen will, zahlt keinen Eintritt. Nur Geduld sollte man mitbringen, denn man steht oft lange in der Schlange an. Amma schenkt Lieder zu Ehren der Götter, Meditationen, Vorträge zu spirituellen wie auch tagesaktuellen Themen. Und jedesmal endet ihr Programm damit, dass sie ihren Darshan, den Segen, gibt, und zwar in Form einer innigen Umarmung. Das macht sie lang, manchmal 20 Stunden am Stück – solange, bis ihr Körper seine Dienste versagt und sie ihm einige wenige Stunden Schlaf gönnen muss. Ebenso viele Stunden stehen die Menschen an, um ihre Umarmung zu empfangen.

Die Umarmung: den Segen von Amma empfangen

Der Ablauf folgt einer effizienten Choreografie, für deren exakte Einhaltung ihr Gefolge von Schülern sorgt: Die Person, die den Segen empfängt, legt zuvor Handy und Geldbeutel ab und zieht die Schuhe aus. Wer Amma ein Geschenk machen möchtet, kann sich vor Ort gegen Bezahlung mit Blumen und Ähnlichem eindecken. Sowie man sich ihr auf Knien nähert, sorgen die Schüler mit geübten Griffen, dass der Kopf auf Ammas Schulter und die Arme um ihren Körper zu liegen kommen; nach der Umarmung sorgen sie dafür, dass der Platz für die nächste Person freigemacht wird. Hier ist weder Zeit noch Ort für verlegenes Herumstehen, Zögern und Zaudern.

Dienst am Göttlichen

In einem BBC-Interview wurde Amma einmal nach dem Grund dafür gefragt, diesen doch sehr ungewöhnlichen Darshan zu geben. Sie antwortete, dass es einfach in ihrer Natur läge, ihren Kindern gegenüber auf diese Weise ihre Liebe auszudrücken. Das hat sie schon als junges Mädchen getan, um Menschen zu trösten, die ihr ihre Sorgen anvertrauten. Ein unerhörter Skandal im kastenverhafteten Indien, wo noch heute Berührungen zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit verpönt sind – ganz zu schweigen von Berührungen Angehöriger niedriger Kasten oder gar Kastenloser!

Doch Amma sieht nicht Mann oder Frau, sie sieht den Menschen. Mehr als das: Die Seele, die Gott ist, in einer menschlichen Hülle. Alles ist Gott, sagt sie an anderer Stelle. Ihre Kinder haben alle Konfessionen, sie selbst rät niemandem dazu, die Religion zu wechseln, sondern im Gegenteil dazu, im eigenen Glauben verwurzelt zu bleiben und die Hingabe an dessen essentielle Prinzipien als Dienst am Göttlichen zu praktizieren.

Ausdruck von Liebe und Hingabe durch Umarmung

Sie vergleicht Religion mit einer Banane: Die Schale sei die Religion und dazu da, die Frucht, die Essenz des Glaubens, zu schützen. “Essen Sie nicht die Schale, essen Sie die Frucht.” Seva, der uneigennützige Dienst, der Gott gewidmet wird, spielt eine große Rolle für Amma als tätiger Ausdruck von Liebe und Hingabe.

Ihre Religion, so die Hinduistin, die ihre Arbeit schon als Kind Lord Krishna geweiht hat, sei die Liebe. Selbstlose Liebe zu allen Menschen, vor allem den Armen und Leidenden, und Mitgefühl. Deshalb umarmt sie ohne Ansehen der Person, weshalb sie vielen indischen Amtsinhabern und Würdenträgern, auch und gerade Angehörigen der christlichen Kirche, mehr als suspekt ist. Doch es sind noch mehr, die sie für ihre wohltätige Arbeit, ihre Lehre und Liebe mit Anerkennung und Auszeichnungen überhäufen. Bis zu 15.000 Menschen besuchen an einem Tag ihren Ashram “Amritapuri” in Kerala, der sämtlichen Anhängern, Tagestouristen wie auch spirituell Suchenden offen steht. 2015 hielt Amma die Hauptansprache auf einer Konferenz der UNO, in der sie betonte, dass man auch bei technologischer Recherche das Ziel, Armen und Leidenden zu helfen, nicht aus den Augen verlieren dürfe.

Amma: Die Mutter der unsterblichen Glückseligkeit

Mata Amritanandamayi, die “Mutter der unsterblichen Glücksseligkeit”, wurde vor 65 Jahren als Sudhamani Idamannel geboren und wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. Mit neun fiel ihr die Betreuung ihrer sieben jüngeren Geschwistern zu. Sie teilte das Wenige ihrer Familie mit denen, die noch weniger hatten, und erledigte ihre tagtägliche Arbeit voll Hingabe als Geschenk an Lord Krishna – wie das, was man schon Legende nennen kann, über sie zu erzählen weiß. Großen Ärger bekam sie dadurch, dass sie sich einer arrangierten Ehe vehement widersetzte, ein absolutes Unding in einer konservativen hinduistischen Familie. Sie betete, meditierte und fastete, lebte ihren Glauben – und immer mehr Leute kamen zu ihr, um sich an ihrer anteilnehmenden Liebe zu laben.

Dies war der Beginn der Umarmungen, die das junge Mädchen instinktiv ausführte. Ebenso instinktiv wurde sie bald Amma, “Mutter”, genannt. Mit 22 Jahren erlebte sie ihre erste Vision, und es heißt, sie habe einmal durch Berührung Milch in einen süßen Pudding verwandelt. Irgendwann wurde man auf ihre Besonderheit aufmerksam, und Leute kamen zu ihr, um von ihr zu lernen. Nicht sie, sondern ihre Anhänger haben den Ashram und die gesamte riesige Organisation um sie herum aufgebaut. Und ebenfalls sind es ihre Anhänger, die erzählen, dass Amma Erleuchtung zuteil geworden, dass sie eine lebende Heilige sei.

Die umarmende Heilige

The “hugging saint”, die umarmende Heilige, lehrt, dass sowohl selbstloser Dienst wie auch Hingabe an das Göttliche und die Kultivierung von Qualitäten wie Mitgefühl, Geduld und Selbstkontrolle wesentliche Pfeiler eines spirituellen Lebens sind. Mitgefühl lebt sie in großem Ausmaß: Sie betreibt Hausbauprojekte für Obdachlose und Krankenhäuser, Schulen und Ausbildungsstätten sowie eine Universität, wo nach Möglichkeiten geforscht wird, die menschlichen Grundbedürfnisse gerechter zu erfüllen; sie kämpft für die Gleichberechtigung der Frau, weshalb ihr die Ausbildung von Frauen und Mädchen ein besonderes Anliegen ist; sie finanziert Katastrophenhilfe (aktuell stemmt sie sich mit 1,4 Millionen US-Dollar gegen die Folgen der Überflutungen in Kerala) und Stipendien und sie engagiert sich für Umwelt und Nachhaltigkeit.

Ihre Wohltätigkeitsorganisation Mata Amritanandamayi Math, die UNO-Konsultativstatus hat und in über 200 Zweigstellen weltweit Millionen von Menschen unterstützt, trägt mittlerweile den passenden Namen “Embracing the World”. “Wo Liebe ist, geschieht alles ohne Anstrengung”, erklärt Amma das schier Menschenunmögliche, das sie dank der Arbeit von unzähligen Freiwilligen und einer Fülle an Spendengeldern leistet.

Unser aller Lieblingstante

Amma, die Unermüdliche, vielleicht sogar Erleuchtete, die allen Menschen gleichermaßen Liebe schenkt, sieht aus wie unser aller Lieblingstante: ein freundliches, rundes, immer lächelndes Gesicht, umrahmt von dunklen Locken, die sie in einem lockeren Dutt trägt; ein weicher Körper, in dessen Armen man sich geborgen und wohl fühlt – und in denen manche regelrechte Erweckungsmomente erfahren. Doch dabei ist es eine Tante, die ein Imperium der Liebe anführt; die spirituell lebt und pragmatisch handelt; die Millionen verwaltet und Millionen berührt gleichermaßen. Und die nie müde wird, Gott in allem zu sehen und Liebe zu allem zu spüren.

Kein männlicher Guru, der von uns abverlangt, dies oder jenes zu tun, zu geben, zu sein. Sondern eine verständnisvolle Mutter, die sagt: “Wir können nicht warten, bis andere Menschen sich ändern. Wenn wir das tun, wird nichts geschehen. Auch wenn sich andere Menschen nicht ändern, sollten wir bereit sein, uns zu ändern. Wir müssen tun, was wir tun können.”
Und es gibt kaum jemanden im riesigen Subkontinent Indien, der mehr tut als sie.

Zitate von Amma:

„Ein ständiger Strom von Liebe fließt von mir zur gesamten Schöpfung.“

„Die Natur ist unsere erste Mutter. Sie nährt uns unser ganzes Leben lang. Unsere leibliche Mutter gestattet uns vielleicht, ein paar Jahre auf ihrem Schoß zu sitzen, aber Mutter Natur trägt unser Gewicht geduldig unser Leben lang. Sie singt uns in den Schlaf, nährt uns und streichelt uns. Genauso wie ein Kind seiner leiblichen Mutter verpflichtet ist, sollten wir eine Pflicht und eine Verantwortung gegenüber Mutter Natur empfinden.“

„Das Erwachen und selbstbewusste Auftreten der Frauen ist eines der dringendsten Bedürfnisse unserer Zeit. Dies gilt für alle Frauen – nicht nur für jene in den Entwicklungsländern. Frauen in Ländern, in denen der Materialismus vorherrscht, sollten zur Spiritualität erwachen, und Frauen in Ländern, in denen sie gezwungen werden, in den engen Wänden der Tradition zu bleiben, sollten zu modernem Denken erwachen.“

„Das grenzenlose Potential, das Frauen und Männern innewohnt, ist gleich. Wenn Frauen es wirklich wollen, ist es nicht schwierig, die Fesseln der Regeln und Konditionierungen abzustreifen, die die Gesellschaft ihnen auferlegt hat. Die Begrenzungen, denen Frauen zu unterliegen glauben, sind nicht real. Frauen müssen die Stärke aufbringen, über sie hinaus zu gehen. Die nötige Kraft dafür besitzen sie bereits.“

„Wissen heißt aber auch, alles zu umarmen, alles als eine Einheit zu erkennen, das ist eine kulturelle Notwendigkeit. Das passiert gerade nicht, deswegen gibt es so viel Krieg, Terrorismus und Konflikte. Wahres Wissen sollte dazu führen, dass die Menschen wirklich glücklich sind.“

03.08.2019
Martina Pahr
Autorin, Bloggerin und PR – Expertin

cover-martina-pahr-sorge-fuer-dichBuchtipp:

Martina Pahr: „Sorg für dich selbst, sonst sorgt sich keiner! Wie du dir selbst höchste Priorität im Leben einräumst.“
mvg Verlag
Softcover, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7474-0069-2

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

Den Artikel kommentieren

Den Artikel kommentieren

Mit deinem Newsletter erhältst du viele Neuigkeiten und Anregendes aus der großen Welt der Spiritualität

Briefkasten-Himmel-wolken-mailbox

zur Newsletter-Eintragung
E-Mail Adressen sind bei uns sicher | wir geben Adressen niemals weiter


Anzeigelion-tours