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Astrologie

AstrologieAstrologie und Persönlichkeitszusammenhänge

Die Astrologie (griechisch ἄστρον, astron, „Stern“, λόγος, logos, „Lehre“ – Sterndeuterkunst) beansprucht, aus den Positionen von Himmelskörpern Ereignisse, Schicksal und Persönlichkeitsmerkmale von Menschen deuten und teilweise prognostisch näher bestimmen zu können. Grundlagen für die Deutung sind in der westlichen Astrologie das Horoskop, die Tierkreiszeichen, Aspekte der Himmelskörper (Sonne, Mond und Planeten) aus geozentrischer Sicht, Häuser oder Felder und in manchen Schulen auch einzelne Sterne.

Die Ursprünge der westlichen Astrologie liegen in Babylonien, Assyrien und Ägypten. Den ältesten erhaltenen Beleg stellt der altägyptische Naos der Dekaden aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. dar. In noch heute angewandten Grundzügen wurden im 2. nachchristlichen Jahrhundert die damaligen Ansichten von Claudius Ptolemäus in seinen Tetrabiblos formuliert. Von der westlichen Astrologie zu unterscheiden sind die chinesische, die indische und die alt-amerikanische Astrologie.

Astrologie wurde früher bisweilen als wissenschaftlich erachtet und im Rahmen der artes liberales des mittelalterlichen Fächerkanons an Universitäten betrieben. Schon zu Zeiten des Römischen Reiches begannen Astrologen sich selbst als Mathematiker zu bezeichnen, ein Umstand, der zu heftiger Gegenwehr in der akademischen Gemeinde führte. Mit Beginn der Gründung von universitären Einrichtungen auf europäischen Raum gab es wissenschaftliche Kritik an der Astrologie. Ende des 14. Jahrhunderts verfaßte Heinrich von Langenstein, Gelehrter der Mathematik, Astronomie, Theologie und Philosophie für die Pariser Universität eine kritische Abhandlung über die Astrologie mit dem Titel Contra astrologo conjunctionistas de eventibus futurorum. Die Astrologie sah sich mit dem Problem konfrontiert, im Wissenschaftsbetrieb ihre Berechtigung zu finden und wurde durch die Astronomie verdrängt. Ab der Etablierung des Heliozentrischen Weltbildes durch Kopernikus galt die Astrologie unter Wissenschaftlern zunehmend als unplausibel und als eine der ältesten Formen des Aberglaubens, auch wenn selbst Kepler astrologisch forschend tätig war. In der Folge wurde die Astrologie an allen europäischen Universitäten abgeschafft; den Anfang machte Frankreich im Jahre 1666. Alle späteren Versuche, die Astrologie erneut als Wissenschaft zu etablieren, sind aus Mangel an Beweisen gescheitert.

Etymologie

Die Endung -logie (griech. λόγος, logos, „Lehre“) weist meist auf eine reine Wissenschaft hin, während die Endung -nomie (griech. νόμος, Nomos „Gesetz“) meist anwendungsbezogene Bereiche bezeichnet. Ein historisches Gegenbeispiel dieser Regel ist die naturwissenschaftliche Astronomie, die sich tatsächlich und begrifflich von der nicht-wissenschaftlichen Astrologie abspaltete.

Weltanschauung der Astrologie

Die Annahme, dass die astronomische Momentaufnahme aus geozentrischer Perspektive von Konstellationen zum Geburtszeitpunkt, die in einem Horoskop dargestellt werden, allgemeine und spezifische Aussagen sowohl über die seelisch-geistige Eigenart eines Individuums als auch über dessen Schicksal ermöglichen, beeinflusste von der Antike bis zum heutigen Tag die Weltanschauung der Astrologie. Astrologen meinen, mit Deutungsregeln Ereignisse und Lebensvorgänge sinngebend untersuchen zu können, was von Geburt an bestimmt sein soll, oder was man gestalten oder wie man sein Schicksal verändern oder ihm gar entrinnen könne. Je nach kulturellem Hintergrund haben sich viele astrologische Sichtweisen mit religiösen und philosophischen Vorstellungen vermischt. Eine einheitliche Weltanschauung konnte sich im Laufe der letzten 2000 Jahren deshalb nicht etablieren. Der Bogen spannt sich z. B. zwischen zwei Standpunkten, die dem kausalen oder finalem Gedanken folgen. Der kausale Standpunkt wird u. a. von Claudius Ptolemäus vertreten. Danach haben die Sterne keine Gewalt über die Menschen, sondern sind bei aller Unzulänglichkeit ihrer Erforschung Hinweise auf Gottes Vorsehung und von Gott gesetzte Warnungszeichen, die zur Vorsicht, zu Buße und Gebet aufrufen. Gott kann dann jederzeit die Kausalität durchbrechen. Sinngemäß formulierte ebenso Thomas von Aquin, „Der Weise beherrscht das Gestirn.“

Auch die an der Psychologie orientierte heutige Astrologie steht der prognostischen Astrologie skeptisch bis ablehnend gegenüber und legt besonderen Wert auf die „Willensfreiheit“ und die „Entwicklungsmöglichkeit“ des Menschen, während das Individuum teildeterministisch an seine astrologisch deutbaren Veranlagungen, Begabungen und Schwächen gebunden sei. Die meisten Vertreter dieser Richtung beziehen sich auf die Tiefenpsychologie nach Carl Gustav Jung, bei dem das Synchronizitätsprinzip eine bedeutende Rolle einnimmt. Danach fallen Ereignisse um ein Individuum symbolisch zufällig so zusammen, dass sie scheinbar eine sinnvolle Aussage ergeben. Astrologen haben diese als akausal bezeichneten Ereignisse auch auf die astronomische Konstellationen erweitertet. Desgleichen soll es sich bei allen Planeten, die nach Göttern (z. B. Uranus oder Neptun) benannt wurden, um eine zufällig richtige Namensgebung handeln, welche durch sogenannte Archetypen eines angenommenen kollektiven Unbewussten bestimmt wurde. Diese Anschauungsweise beeinflusst zentral die Deutung, weil die Astrologie Archetypen im individuellen Umfeld des Geborenen aufzuspüren versucht, die durch eine Analogiekette miteinander logisch verbunden zu sein scheinen. Damit wird die Astrologie von der Idee einer kausalen Einwirkung, wie sie in der Antike den Göttern zugeschrieben wurde, von astronomischen Faktoren auf den Menschen abgelöst. Der Philosoph Hans Driesch sprach von der Astrologie als eine Lehre „akausaler Korrelationen“.

Der finale Standpunkt geht von Bestimmung und Schicksal aus. Das Leben eines jeden Menschen strebe einem bestimmten Ziel zu, entsprechend der anlagebedingten Persönlichkeitsentwicklung. Darunter wird verstanden, dass das menschliche Leben von Anfang an einen Plan enthalte, der sich durch das Wachstum verwirklicht und Verantwortung für das eigene Tun einbezieht. Der Lebensplan sei vergleichbar einem Bauplan eines Hauses, der durch das Bauen, also durch Tätigkeit und Einsatz von Mitteln Wirklichkeit wird. Dieses Erklärungsmodell ähnelt den Ideen der Genetik. Während diese sich auf die Erbfaktoren der Vorfahren bezieht, bezieht sich die finalistische Astrologie auf astronomische Faktoren, die im Horoskop eine Darstellung erhalten.

14Licht_HSCHoroskop, Elemente und Deutung

In der Astrologie werden aus den Positionen der Planeten zueinander (siehe Aspekte) zu einem bestimmten Zeitpunkt (siehe Horoskop) Deutungen nach bestimmten Regeln vorgenommen. Diese leiten sich aus den jeweiligen astrologischen Richtungen, Spezialisierungen und Schulen ab. Beispielsweise wird aus dem Horoskop eines genauen Geburtszeitpunktes Aussagen über Persönlichkeitsmerkmale und schicksalhafte Ereignisse im Leben eines Menschen abgeleitet, oder bestimmte Zeitpunkte, die aus den günstigen oder ungünstigen Konstellationen des Horoskops geschlussfolgert werden, für geplante Unternehmungen besonders vorteilhaft oder nachteilig auf Unternehmungen auswirken können, bewertet. Die Grundlage für das abendländische Horoskop bildet der Tierkreis, der etwa im 4. Jahrhundert in der uns bekannten Form nachgewiesen ist, dessen Beginn sich aus dem Frühlingspunkt ergibt und 0° des Tierkreiszeichens Widder entspricht. Die Berechnung basiert auf den Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden. Der gesamte Tierkreis setzt sich aus zwölf Segmenten zu 30° zusammen, von denen jedes einem Tierkreiszeichen entspricht. Besonders die Verhaltenseigenschaften eines Menschen werden aus dem jeweiligen Sonnenstand in einem bestimmten Tierkreiszeichen gedeutet. Neben den Positionen der Himmelskörper zueinander und den Positionen in den Tierkreiszeichen werden auch die Stellungen in den Häusern zur Deutung herangezogen.

Verschiedene Horoskoparten

Einige geozentrische Horoskopformen im Überblick:

1. Geburtshoroskop: Es ist die Deutungsgrundlage für die Beschreibung der Persönlichkeitsmerkmale und Schicksals eines Menschen oder auch eines anderen Lebewesens.

2. Elektionshoroskop: Es wird auf einen beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft erstellt und soll dabei helfen, günstige „Konstellationen“ für geplante Unternehmungen auszuwählen, die dem Vorhaben günstig gegenüber stehen. In klassischen Astrologie bis in das Mittelalter hinein war diese Art der Astrologie ein wichtiger Zweig, der vor bedeutsamen politischen Ereignissen und auch für den Zeitpunkt einer kriegerischen Handlung als Orakel verwendet wurde.

3. Partnerschaftshoroskop (auch Beziehungshoroskop, Synastrie): Dieses soll Aufschluss über die Beziehung zwischen Menschen und auch Institutionen (Vergleich von Staatshoroskopen) geben, also auch die Beziehung zwischen Geschäftsfreunden, Arbeitskollegen, zwischen einem Elternteil und einem Kind oder zwischen Geschwistern.

4. Zeitungshoroskope: Horoskope, die in Zeitungen und Illustrierten veröffentlicht werden. Als Erfinder gilt der Brite R. H. Naylor. Am 24. August 1930 veröffentlichte Naylor im „Sunday Express“ ein ausführliches Horoskop der neugeborenen Prinzessin Margaret und sagte im selben Beitrag verschiedene Ereignisse für die laufende Woche voraus. Naylor veröffentlichte am 31. August einen Folgebeitrag mit geburtstagsabhängigen astrologischen Vorhersagen für Personen, die im September geboren waren. Am 5. Oktober folgte ein entsprechender Artikel für Personen mit Geburtstag im Oktober. Ab dem 12. Oktober wurde daraus eine wöchentliche Kolumne. Bezüge auf das Tierkreiszeichen enthielt die Kolumne ab 1935. Später teilte Naylor seine Vorhersagen nicht mehr nach Monaten ein, sondern nach dem Datumsbereich des jeweiligen Tierkreiszeichens. Dieses Publikationsformat für Horoskope wurde nach und nach von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften übernommen und ist bis heute in Gebrauch.

Planeten (Gestirne)

Die klassische, im geozentrischen Weltbild entstandene Astrologie kennt sieben Gestirne: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn, die über die Tierkreiszeichen herrschen.

Diese Deutung wurde von neuzeitlichen Astrologen nicht nur um die Planeten Uranus und Neptun und den Zwergplaneten Pluto erweitert, gelegentlich werden auch weitere Zwergplaneten und Asteroide, zum Beispiel Ceres und Vesta, herangezogen. Fast jeder Planet gilt als Regent eines oder mehrerer Tierkreiszeichen, deren Eigenschaften in Übereinstimmung mit der Wirkung des jeweiligen Planeten gesehen werden. Die Symbole der Gestirne sind astronomisch und astrologisch mit antiken Göttern oder Heldengestalten verbunden, deren Namen sie tragen (zum Beispiel römisch Venus, griechisch Aphrodite oder mesopotamisch Ischtar). Schon vor der klassischen Antike wurden z.B. in Babylonien einzelnen Himmelskörpern bestimmte Eigenschaften zugerechnet, die dann jeweils als ein Gott in Allegorien und Erzählungen auftraten.

1Suempfe_Florida_ASCTierkreiszeichen

Im tropischen Tierkreis sind die zwölf Tierkreiszeichen, umgangssprachlich auch Sternzeichen genannt, jeweils 30° groß. Die Ephemeriden enthalten für Gestirne die genauen Orte im Tierkreis sowie ihre Höhe zum (gedachten) Horizont. Da sich aufgrund der Präzession der Erdachse die Tierkreiszeichen gegen die Sternbilder verschieben, sind beispielsweise die meisten im Sternzeichen Jungfrau Geborenen tatsächlich auf die Welt gekommen, als die Sonne im Sternbild Löwe stand. Astrologen in der griechischen (westlichen) Tradition arbeiten aber nicht mit den (siderischen) Sternbildern, sondern mit dem (tropischen) Tierkreis. In der indischen Astrologie werden die Sternbilder gegenüber den Tierkreiszeichen bevorzugt. Nach astrologischer Auffassung sind die Namen der Zeichen Symbol der in ihnen enthaltenen Eigenschaften. Die astrologische Verwendung der Elementenlehre, die auf Aristoteles zurückgeht, und noch die mittelalterliche Alchemie (Erde, Feuer, Wasser, Luft) beeinflusste, wurde in griechischer Zeit auf den Tierkreis projiziert. Diese vier Elemente spiegeln sich auch in der Temperamentslehre des Hippokrates wider. Sie sind Ausdruck einer grundlegenden Vierheit, und in der Verbindung mit der Dreiheit, der so genannten Beweglichkeit (das Verhalten ist aktiv, passiv oder reaktiv, also handelnd, erleidend oder zuwiderhandelnd), ergeben sich die zwölf Zeichen, in denen jeweils ein Element mit einem Tierkreiszeichen kombiniert ist (zum Beispiel bei Löwe: passiv mit Feuer). Die zwölf Zeichen sind zudem noch in zwei Geschlechter eingeteilt, abwechselnd aufeinanderfolgend im Tierkreis.

Häuser oder Felder

Der genaue Zeitpunkt und der geographische Ort, für den ein geozentrisches Horoskop berechnet wird, bestimmen die Position der „Häuser“, auch Felder genannt, die sich aus der Momentaufnahme der Erdrotation errechnet. Die Häuser sind die Darstellung des geozentrischen Blickwinkels von einem geographischen Punkt aus auf den Tierkreis. Der Ekliptikgrad, der gerade über den Horizont steigt, wird Aszendent (Asz.) genannt und markiert den Beginn des ersten Hauses. Es folgen drei Häuser bis zum Punkt der unteren Kulmination des Tierkreises, das heißt dem tiefsten Punkt unter dem Horizont, dann drei Häuser bis zum gerade untergehenden Punkt des Tierkreises (Deszendent, DC), drei Häuser zur oberen Kulmination, und schließlich drei Häuser zurück zum Aszendenten. Wegen des Winkels von rund 23°26′ zwischen der Erdbahn-Ebene und dem Äquator sind die Häuser im Allgemeinen auf der Ekliptik unterschiedlich groß.

Bildlich kann man sich die Häuser wie eine in zwölf gleiche Stücke nach der üblichen Art aufgeschnittene Orangenschale vorstellen, wobei Stengelansatz und Blütenrest der Orange genau am Nord- und Südpunkt des Horizonts liegen, eine Schnittlinie von Norden nach Süden den Himmel entlang läuft und unter der Erde wieder zurück nach Norden, eine am Horizont entlang, und auf jeder Seite noch je zwei Schnitte dazwischen liegen. Allerdings wird der Abstand der Planeten zur Ekliptik meist bei der Häuserzuordnung nicht berücksichtigt.

Je nach astrologischer Schule werden die Häuser nach Systemen berechnet, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Das obengenannte ist das System des Campanus. Andere Systeme sind die von Regiomontanus, Placidus de Titis oder Walter Koch.. Beim oft eingesetzten äqualen System werden die Häuser vom Aszendenten aus gleich groß in 30°-Abschnitten dargestellt. Bei den anderen Systemen sind die Häuser je nach der verwendeten Projektionsebene (der Schnittebene im Orangenbild) unterschiedlich groß. Die Deutung der Häuser führt daher je nach System oft zu Aussagen, die nicht miteinander übereinstimmen.

So, wie den Tierkreiszeichen in der Deutung verschiedene Charaktereigenschaften und den Himmelslichtern (Planeten, Sonne, Mond) verschiedene Eigenschaften zugesprochen werden, so stellen die Häuser unterschiedliche Lebensbereiche dar (ich bin, ich habe, ich denke, ich fühle u. ä.), in denen sich die dort präsenten Tierkreiszeichen und Planeten entsprechend bemerkbar machen sollen. Diese Lebensbereiche werden der Reihe nach in symbolischer Analogie zu den Eigenschaften der Tierkreiszeichen, beginnend mit Widder, den Häusern zugeordnet.

Aspekte

Der Abstand zwischen zwei Horoskopfaktoren, wie z. B. den Planeten, wird durch Winkel ausgedrückt. Einigen Winkel wird eine besondere Bedeutung zugemessen, darunter vorrangig solche, die durch die Teilung der 360 Grad des Kreises durch ganze Zahlen entstehen. Diese Winkel werden als Aspekte bezeichnet und in Horoskopen häufig als Verbindungslinien eingezeichnet. Nach astrologischer Auffassung beschränkt sich die Wirksamkeit der Aspekte nicht auf die exakten Winkelabstände, die praktisch nie gegeben sind. Vielmehr wird um diese herum ein Streubereich, der sogenannte Orbis zugelassen, der je nach astrologischer Schule unterschiedlich groß sein kann. Neuere Auffassungen gehen von einer kontinuierlichen Abnahme der Wirksamkeit mit dem Abstand von exakten Wert aus. Die von Alfred Witte eingeführten Halbsummen berücksichtigen insbesondere die Symmetrieeigenschaften der Aspekte.

Geschichte der Astrologie

„Astronomie und Astrologie waren im Altertum aufs Engste miteinander verknüpft. Eine Unterscheidung der zwei Fachgebiete kannte man damals noch nicht. Die Astronomie besorgte die rechnerischen Unterlagen und die Astrologie die Sinndeutung des rhythmischen Geschehens am Himmel. Die beiden gekoppelten Wissensgebiete waren der Priesterkaste vorbehalten.“ Die Unterscheidung zwischen Astrologie und Astronomie hat sich durch die Etablierung der letzteren als (Natur-)Wissenschaft entwickelt.

Ursprünglich herrschte die Vorstellung, die Gestirne repräsentierten göttliche Herrschergestalten, die in ihrer Ausdeutung als „Staatsastrologie“ das Schicksal der Sterne mit dem Gemeinwesen verknüpften; erstmals in den altägyptischen Tagewählkalendern belegt, später auch in den babylonischen Omenkalendern. Erst in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. gewann der Glaube Gestalt, das Schicksal des Einzelnen sei mit Hilfe des Horoskops ablesbar. Dies ging mit der Mantik und der allgemeinen Individualisierung im hellenistischen Bereich einher.

Im gleichem Maße wie das Christentum sich in Europa ausbreitete und den Polytheismus der Antike zurückdrängte, verwaisten die astrologischen Lehren in der christlichen Hemisphäre. Erst während der Renaissance (14.-17. Jahrhundert) erlebte die Astrologie eine Wiedergeburt und wurde bis in das 17. Jahrhundert hinein als Wissenschaft verstanden. Während des Zeitalters der Aufklärung änderte sich dies jedoch und die Astrologie wurde zunehmend als irrationaler und veralteter Aberglaube angesehen. Neue Popularität erlangte sie im ausgehenden 19. Jahrhundert unter englischen Theosophen durch Alan Leo. In Deutschland fand eine vergleichbare Entwicklung ab den 1910er Jahren statt.

Astronomie und Astrologie früher Kulturen

Als ältester Beleg der Himmelsvorstellungen gilt der „Kamm des Königs Wadj” aus der 1. Dynastie im Alten Ägypten. Genauer fassbar wird die Kosmologie in den Pyramidentexten, die den Aufstieg des verstorbenen Königs zum Himmel schwerpunktmäßig zum Inhalt haben. Der Himmel galt als Ort der wichtigsten Gottheiten, die in ihrer Anfangsphase ikonografisch nur in Tiererscheinungen auftraten. Die Sargtexte des Mittleren Reichs nahmen im Verlauf die Beschreibungen der himmlischen Sphäre aus den Pyramidentexten dekorativ auf. Unter Sesostris III. widmete man sich der Neustrukturierung des sogenannten Nutbuches, das die Ägypter „Grundriss des Laufes der Sterne” nannten und dessen Anfänge bis mindestens in die Thinitenzeit datiert (Anfang des dritten Jahrtausends v. Chr.) wird.

Die Einführung des ägyptischen Verwaltungskalenders beruht auf der früheren Form des Sothis-Kalenders und reicht bis mindestens in das fünfte Jahrtausend v. Chr. zurück.[11] Im heliakischen Aufgang des Sirius, der die Göttin Sopdet verkörperte, erkannte man den Zusammenhang mit der bevorstehenden Nilschwemme. Viele Prognosen für die Politik suchte man aus der Stellung dieses Sternes abzuleiten. Die auf den vier Himmelsrichtungen basierenden Pyramiden sollten als Rampe für die Seele des Pharao beim himmlischen Aufstieg dienen, dessen Ba nach seinem irdischen Tod in der neuen Erscheinungsform der Baktiu als heller Stern bis zur Reteh-qabet (Grenzen des Himmels) aufstieg.

Beginnend mit astronomischen Beobachtungen im dritten Jahrtausend v. Chr. schufen die Sumerer im zweiten Jahrtausend v. Chr. mit den Zikkurat Stufentempel in Ur oder Uruk, deren Stockwerke die „sieben Gestirne“ Mond, Sonne, Venus, Merkur, Mars, Jupiter und Saturn symbolisierten und den Priestern die Verbindung zu den Göttern ermöglichen sollten. Sternbilder wurden benannt, beispielsweise wurde der Himmel in drei göttliche Bereiche sowie 18 Mondbahn-Sternbilder unterteilt. Sie glaubten, die Bewegung der Gestirne vollziehe sich durch göttlichen Einfluss. Die Bezeichnung Chaldäer für Babylonier wurde zum Synonym für Astrologe.

In der Spätzeit Ägyptens tauchte eine neue Form der astrologischen Terminologie in der demotischen Sprache auf, die auf altägyptischen Aufzeichnungen als Grundlage aufbaute und mit vereinzelten omenartigen Wertungen aus der Frühzeit verbunden waren; beispielsweise wurden Sonnen- und Mondfinsternisse als „Verschlucken des Himmels” beschrieben. Traditionell wurde bisher die Entstehung von astrologischen Konzepten mit Mesopotamien und Griechenland verbunden, jedoch Ägypten marginalisiert. Das analysierte ägyptische Textmaterial weist in eine andere Richtung. Die mesopotamischen Schriften gelangten zunächst nach Ägypten und vermischten sich mit religiös-astronomischen Vorlagen aus Alexandria. Ein klares Beispiel sind die auch heute noch im Gebrauch befindlichen Symbole der Zodiakzeichen, die in demotischen Quellen gut, in griechischen zunächst nur sporadisch bezeugt sind. Ein weiterer eindeutiger Fall liegt bei den Dekanen vor.

Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein zwölfteiliges System, das wie die Dekanlehre mit der aus Mesopotamien übernommenen Zodiak-Astrologie verschmolz. In dieser Entstehungsphase waren noch zwei konkurrierende Benennungssysteme in Gebrauch: „Awi N” als „Haus des N” und „Niet N” als „Anteil des N”. Herodots Aussagen zum altägyptischen Tagewählkalender bestätigen ergänzend die frühen astrologischen Konzepte:

„Ferner ist von den Ägyptern auch zuerst festgestellt worden, welcher Monat und Tag den einzelnen Göttern heilig ist und welche Schicksale, welches Ende und welchen Charakter die an diesem oder jenem Tage Geborenen haben werden. Griechische Dichter haben diese Dinge ebenfalls übernommen. Und Vorzeichen haben die Ägypter weit mehr herausgefunden als alle anderen Völker.Wenn etwas Auffälliges geschieht, achten sie auf dessen Folgen und schreiben sie auf. Bei einem ähnlichen Vorfall in der Zukunft glauben sie dann, es müssten wieder die gleichen Folgen eintreten.“ Herodot

Die ägyptisch-astrologische Terminologie ist gut in demotischer, griechischer und lateinischer Sprache sowie im Sanskrit bezeugt. Im mesopotamischen Raum sind dagegen diese Formen unbekannt. Als „Erfinder” der speziellen Textstruktur kommen daher nur die Ägypter in Frage.[14] Formulierungen und Satzbau verweisen zudem auf die typischen Muster in den Pyramidentexten. Hinzu kommt der Umstand, dass auch die antiken astrologischen Traktate die Lehren stets auf ägyptische Autoren zurückführen.

Entwicklung der Astrologie in Europa

Entscheidenden Einfluss übte Dorotheos von Sidon im ersten Jahrhundert n.Chr. aus. Im Hellenismus werden zunächst astrologia (der verbreitetere und ältere Begriff) und astronomia nicht klar voneinander geschieden. Die erste begriffliche Trennung erfolgte durch Simplikios. Die Griechen übernahmen die babylonischen Planetennamen.

Über Griechenland fand die Astrologie den Weg nach Rom, wo sie sich als eine von vielen Wahrsageformen großer Beliebtheit erfreute. Gerade die römischen Kaiser griffen gerne auf sie zurück. Wenn sie nicht selbst in der Sterndeutung bewandert waren wie Tiberius, Septimius Severus und Hadrian, hatten sie häufig einen Hofastrologen. Kaiser Augustus ließ sogar sein Sternzeichen, den Capricorn (Steinbock), auf Münzen abbilden. Gleichzeitig versuchten die römischen Kaiser aber auch immer wieder, die private Nutzung der Astrologie einzuschränken. In der Antike fand die Astrologie Einfluss und Aufnahme in Alchemie, Gnosis, Manichäismus und Christentum (etwa im christianisierten Tierkreis der Valentinianer, Zeno von Verona, Priscillianisten oder christliche Horoskope und Monatsprognosen in der Orthodoxie).

Das frühe Christentum bleibt gegenüber der Astrologie in einem widersprüchlichen Verhältnis, da nach Auffassung vieler Kirchenlehrer die Vorherbestimmung des Schicksals dem freien Willen als unbedingter Voraussetzung (conditio sine qua non) des christlichen Glaubens widerspricht, andererseits ein astronomisches Ereignis mit einer astrologischen Aussage bezüglich der Geburt Christi verbunden wurde. Wird die Tätigkeit der „Weisen aus dem Morgenland“ (Matthäus 2) ursprünglich als Kunst angesehen, so sind sie nach Hieronymus docti a daemonibus (von Dämonen belehrt). Erst Beda Venerabilis beschreibt sie als angesehene „Heilige drei Könige“. Tertullian warnt vor der Astrologie. Konstantin der Große bekennt sich dazu. Die Kirche des Mittelalters sieht zu einigen Zeiten in den astralen Mächten sogar den Todfeind des Glaubens.

Renaissance und Humanismus brachten unter Rückbezug auf die hellenistische Form die Astrologie zu ihrer vollsten Blüte; andererseits häufte sich auch die rationalistische Kritik gegen sie. Friedrich II., die Päpste Julius II., Paul III. und Leo X. sowie viele reformatorisch geprägte Personen (Albrecht Dürer) vertrauten der Astrologie. Martin Luther dagegen hielt nicht viel von den Astrologen: „Es ist ein Dreck um ihre Kunst.“

Bis zur Renaissance waren Astronomen häufig zugleich gläubige Astrologen (Tycho Brahe, Johannes Kepler). Es wird immer wieder die Meinung geäußert, Kepler beispielsweise hätte Horoskope aus rein wirtschaftlichen Gründen erstellt. Es stimmt zwar einerseits, dass er prognostische Horoskope ablehnte (in seinen Worten über die Supernova 1604: In Politischen sachen und menschlichen Hendeln acht ich / dieser stern hab trefflich viel zubedeuten / zwar nit seiner Natur nach / sondern per accidens / wegen der Menschen gemüther), glaubte andererseits jedoch, dass die gantze Natur / und alle deren crefften („animales facultates“) eine verborgene art haben / die „aspectus“ der himlischen liechtstralen zumerckhen vnd sich nach denselben zureguliren. Die astrologischen Diskussionen der Zeit jedenfalls tat er in seinen wissenschaftlichen Werken als ohne vernünftige Basis seiend ab. Seit Isaac Newton die Planetenbewegungen durch die Gravitation erklärte, legten naturwissenschaftlich gebildete Menschen den Glauben an die Astrologie nach und nach ab; bei Dichtern hielt sich der Glaube an die Astrologie jedoch bis in die Romantik hinein (z. B. bei Goethe oder Schlegel).

Nach einer Periode, die vor allem von naturwissenschaftlichem Fortschritt geprägt war, während der sich nicht nur die allgemeine Auffassung änderte, sondern auch die Astrologie fast in Vergessenheit geriet, war es besonders Evangeline Adams (1865-1932), die die Astrologie wieder in der westlichen Welt populärer machte. Sie siedelte sich 1900 in New York an und beriet als Astrologin viele Personen, darunter auch Millionäre wie J. P. Morgan, den Sänger Enrico Caruso oder den britischen König Edward VII. 1914 wurde sie wegen Wahrsagerei angeklagt, jedoch freigesprochen.

Einbezug von später entdeckten Planeten

Die im Altertum nicht bekannten Planeten Uranus, Neptun und Pluto werden seit ihrer Entdeckung in die Horoskopdeutung miteinbezogen. Umstritten ist, ob und inwiefern die Götternamen, welche die Astronomen den neu entdeckten Planeten gegeben haben, in Beziehung zu ihrem Symbolwert stehen.

4_neu_WolkenNeuere Richtungen der Astrologie

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tauchte unter dem Namen Kosmobiologie die Richtung einer „naturwissenschaftlichen und angewandten medizinischen Astrologie“ auf. In Abgrenzung zur klassischen Astrologie wurde definiert, Kosmobiologie berücksichtige Vererbung, Boden, Milieu; betone das Moralische und behaupte nicht, die Zukunft deuten zu können.

In seinem 1926 erschienenen Buch Astrologie als Erfahrungswissenschaft legte Herbert von Klöckler eine statistische Untersuchung von Korrelationen zwischen astrologischen Faktoren und Ereignissen wie Unfällen, Morden, Selbstmorden oder Ehescheidungen vor. Zu den Unterstützern einer solchen „wissenschaftlichen“ Astrologie gehörten der Biologe Hans Driesch und der Paläontologe Edgar Dacqué.

Seit den 1980er Jahren wird auch die Richtung einer „Neo-Astrologie“ verfolgt, die sich auf statistische Untersuchungen bezieht und auf „wissenschaftlich gesicherte Phänomene wie sie die wechselseitige Anziehung von Sonne und Planeten oder die Auswirkung von Sonneneruptionen, die zur Entwicklung von Theorien dienen, welche den Einfluss extraterrestrischer Phänomene erklären und Vorhersagen möglich machen, die experimentell getestet werden können“ .

Astrologie in anderen Kulturen

Amerika

In Amerika kannten Azteken und Mayas einen Mondkalender (Maya-Kalender), er diente u. a. zur Berechnung ihrer religiösen Feste (Sonnenkult, Götterkult, Menschenopfer). Der Himmel untergliederte sich in 13, die Unterwelt in neun Regionen, entsprechend 13 Tages- und neun Nachtstunden. Cuzco entwickelte sich zum wirtschaftlichen und kulturellem Zentrum. Von hier aus wurde das Reich in vier Himmelsrichtungen aufgeteilt. Eine von den Azteken oder Mayas betriebene Astrologie (wozu die Berechnung der Positionen gehört) ist nicht bekannt.

China

In China, dem astronomischen „Reich der Mitte“, in dem die Sterne nie untergehen, wurde der Kaiser als Sohn des Himmels verehrt. Mindestens seit dem vierten Jahrh. v. Chr. beschäftigten sich chinesische Kosmographen mit der Katalogisierung von Sternbildern und der Aufzeichnung der Gestirnsbewegungen. An den fürstlichen Höfen der Kriegsherren hielten Astrologen ständig Ausschau nach zukünftigen Ereignissen, die sich am Himmel abzeichneten. Während der 2. Han-Dynastie (25-225 n. Chr.) entstanden unterschiedliche Schulen, nach welchen das Weltbild zu erklären versucht wurde. Eine der ältesten Auslegungen bezeichnete den Himmel als einen beweglichen Baldachin (t’ien kai) unter welchem die Erde in Gestalt einer viereckigen, geköpften Pyramide bewegungslos ruht. Die chinesische Astrologie schuf einen 28-teiligen, den kaiserlichen Palästen zugeordneten Mondkalender wie auch einen zwölfgeteilten Tierkreis. In der Chinesischen Astrologie nimmt eher der Jupiter als die Sonne eine zentrale Rolle ein, wodurch mittels Abstraktion auch die bekannten und in ganz Ostasien volkstümlichen „Jahr der Ratte“, „Jahr des Hasen“ etc. zustande kommen. Schon vor Christi Geburt beobachteten chinesische Astrologen den Halleyschen Kometen, ab 28 v. Chr. Sonnenflecken.

Indien

Die indische oder vedische Astrologie wird Jyotisha genannt. Sie beruht auf bestimmten Schriften aus dem Corpus der Veden (2. Jahrtausend v. Chr.). Sie war fester Bestandteil der höheren Gelehrsamkeit und wird auch heute noch praktiziert. Die indische Astrologie bezieht viele Fixsterne in ihre Deutungen ein und bevorzugt die realen Sternbilder. Die 12 gleichnamigen, jeweils 30° großen Tierkreiszeichen werden nicht benutzt.

Kritik

Die Kritik an astrologischen Modellen betrifft verschiedene Aspekte, nämlich naturwissenschaftliche Grundlagen und die empirische Untermauerung. Letztere – gäbe es allgemein akzeptierte aussagekräftige empirische Daten, die für eines der astrologischen Systeme sprächen – bedeutete allerdings die Widerlegung anderer astrologischer Systeme, z. B. bei der Deutung von Persönlichkeitsmerkmalen. Denn die grundlegenden zeitlichen Perioden (die Durchgänge von Himmelskörpern durch langsam driftende tropische Sternzeichen in der westlichen Astrologie oder durch fixe siderische Sternbilder der indischen Astrologie oder der jährliche Wechsel der chinesischen Tierzeichen) schließen einander aus.

In der Wissenschaftstheorie gibt es vereinzelt allerdings auch Auffassungen, die besagen, dass die Verfahren der Wissenschaften sich keinem gemeinsamen Schema fügen. So hat der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend seinem Buch Erkenntnis für freie Menschen bewusst sein Horoskop vorangestellt, um deutlich zu machen, dass nach seiner Auffassung der Bürger selbst die Maßstäbe der Tradition bestimmt, der er angehört.

Die heutige Astrologie ist ein häufiges Objekt der wissenschaftstheoretischen Diskussion um den Begriff der „Pseudowissenschaft“

Universitäten des Mittelalters

Astrologie wurde im Mittelalter im Rahmen der artes liberales des Fächerkanons an Universitäten betrieben. Mit Beginn der Gründung von universitären Einrichtungen auf europäischen Raum gab es wissenschaftliche Kritik an der Astrologie. Ende des 14. Jahrhunderts verfasste Heinrich von Langenstein, Gelehrter der Mathematik, Astronomie, Theologie und Philosophie für die Pariser Universität eine kritische Abhandlung über die Astrologie mit dem Titel Contra astrologo conjunctionistas de eventibus futurorum. Die Astrologie sah sich mit dem Problem konfrontiert, im Wissenschaftsbetrieb ihre Berechtigung zu finden und wurde durch die Astronomie verdrängt. Ab der Etablierung des Heliozentrischen Weltbildes durch Kopernikus begannen Georg Joachim Rheticus und Johannes Kepler die polytheistischen Vorstellungen widerstreitender Einflüsse der Planeten durch eine an mathematischen Harmonien ansetzende Astrologie zu ersetzen. Bisherige empirische Misserfolge wurden auf die Fehler der vorkopernikanischen Astronomie geschoben. Gleichwohl galt die Astrologie unter Wissenschaftlern zunehmend als unplausibel und als eine der ältesten Formen des Aberglaubens. In der Folge wurde die Astrologie an allen europäischen Universitäten abgeschafft; beginnend 1666 in Frankreich. Alle späteren Versuche, die Astrologie erneut als Wissenschaft zu etablieren, sind gescheitert.

Fehlende naturwissenschaftliche Grundlage

Im Jahre 1975 veröffentlichte die amerikanischen Zeitschrift The Humanist eine Erklärung mit dem Titel Einwände gegen die Astrologie. Einleitend steht, dass „Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche … sich mit der zunehmenden Beliebtheit der Astrologie in vielen Teilen der Welt beschäftigt [haben]. […] die Unterzeichneten – Astronomen, Astrophysiker und Naturwissenschaftler anderer Fachrichtungen – möchten die Öffentlichkeit vor einem ungeprüften Vertrauen zu den Vorhersagen und Ratschlägen warnen, die Astrologen privat und öffentlich machen und erteilen. Wer an die Astrologie glauben möchte, sollte sich vor Augen halten, daß es für ihre Lehren keine wissenschaftliche Grundlage gibt.“

Unterzeichnet wurde diese Erklärung von 186 Wissenschaftlern. 18 der Unterzeichner sind Nobelpreisträger.

Die Naturwissenschaften beschäftigen sich heute daher nicht mit der Überprüfung astrologischer Erklärungen. Die Gravitationswirkung oder Lichtwirkung, die Planeten auf den Menschen ausüben, ist so gering, dass man davon ausgeht, dass sie keine nachweisbare Auswirkung auf das menschliche Leben haben können.

Keine Beweise für astrologische Einflüsse

Einige wissenschaftliche Studien zeigten, dass es keinen feststellbaren Zusammenhang gibt zwischen Deutungselementen der Astrologie und menschlichen Eigenschaften wie Intelligenz oder Persönlichkeit, wie sie in der Psychologie typischerweise begrifflich operationalisiert werden. Bei der Voraussage künftiger Ereignisse schneiden Astrologen nicht besser ab als bei zufälligem Erraten. Eine der bekanntesten Untersuchungen ist der Doppel-Blindtest von Shawn Carlson, der 1985 in der Fachzeitschrift»Nature«publiziert wurde.

Ein dänisch-deutsches Forscherteam um Peter Hartmann wertete in einer großangelegten Studie die Daten von insgesamt mehr als 15.000 Personen statistisch aus: ein Zusammenhang zwischen Geburtsdatum – und damit auch dem so genannten „Sternzeichen“ (dem Tierkreiszeichen, in dem zum Zeitpunkt der Geburt die Sonne steht) – und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen konnte nicht nachgewiesen werden. „Damit könne zwar nicht die Astrologie als Ganzes widerlegt werden, doch ein direkter Zusammenhang zwischen der Geburt in einem bestimmten Tierkreiszeichen und der Persönlichkeit existiere höchstwahrscheinlich nicht, schließen die Forscher.“

Im Jahre 1979 stellte Kelly in einer kritischen Untersuchung fest, dass (1) die große Mehrheit der empirischen Studien, die zu dem Zweck durchgeführt wurden, die astrologische Lehre zu überprüfen, deren Behauptungen nicht bestätigen konnte und (2) „die wenigen stützenden Studien weiterer Klärung bedürfen“ („the few studies that are positive need additional clarification“).

Darüber hinaus betonen verschiedene Autoren entscheidende methodische Schwächen scheinbar stützender Studien wie z.B. selektive Auswahl der Testpersonen, Ungenauigkeiten bei der Geburtszeit oder zu geringe Probandenzahlen. Für die positiven Befunde solcher Studien fanden die Forscher alternative Erklärungen, z.B. tendieren Personen mit astrologischen Kenntnissen dazu, sich gemäß den Vorgaben ihres jeweiligen Sternzeichens zu verhalten.

Astrologische Zwillinge, das sind Personen, die zum selben Zeitpunkt geboren sind, sollten nach Auffassung vieler Astrologen und Kritiker der Astrologie der beste Test für die Leistungsfähigkeit der Astrologie sein. In einer umfangreichen, wissenschaftlich durchgeführten Studie konnten keine Korrelationen zwischen Geburtsdatum und signifikant höheren Ähnlichkeiten bei astrologischen Zwillingen – im Vergleich zu anderen Personen – festgestellt werden.

Psychologie

Wo Prophezeiungen gemacht werden, bestehen Möglichkeiten der selbsterfüllenden Prophezeiungen. Die Kenntnis und innere Aneignung der beschriebenen Motivationen könne zur tatsächlichen Umsetzung führen. Dies reiche bis ins Unbewusste und daraus folgender Bevorzugung nach Art eines Temperaments. So lassen sich nach Dawkins anschließend Korrelationen zwischen astrologisch vorhergesagten und tatsächlichen beobachteten Verhaltensweisen finden. Aus Sicht der Naturwissenschaften lassen sich solche faktischen Beobachtungen nicht als Begründung für die Stichhaltigkeit der Astrologie heranziehen.

Neben der Selbstprojektion finden sich in der Psychologie weitere Theorien, etwa die Fremdprojektion (ähnlich dem Erlernen der Geschlechterrolle), sowie dem Bejahungsfaktor bei schwammigen Aussagen (sogenannter Barnum-Effekt), die die Selbstbestätigung über das Horoskop in Frage stellen. Diese Bejahungstendenz ist beispielsweise gegeben bei Persönlichkeitsbeschreibungen, die Gegensätze in einem ausgewogenen Verhältnis gegenüberstellen, z. B.: „Sie sind ein im Grunde kontaktfreudiger Mensch, aber manchmal ziehen Sie sich zurück und wollen mit niemandem reden.“ Für diese Effekte gibt es jeweils fundierte Studien, die deren teils starke Wirkung beschreiben. Ähnlich wie mit der physikalischen Kritik bleibt für den astrologischen Anteil hier nur ein kaum messbarer Hauch eines äußeren Einflusses übrig. Mögliche Beobachtungen sind vielmehr der Ausdruck des Erlernten als direkte Folge der Prägung der Psyche durch das astrologische Modell. In diesem Zusammenhang hat eine Untersuchung, die im Jahr 1978 von den Psychologen Mayo, White und Eysenck durchgeführt wurde, gezeigt, dass abhängig vom jeweiligen Wissen um Gestirnstände Personen, die dieses Gedankengebäude kennen und für sich auch als wichtig betrachten, auch Stellungen der Planeten widerspiegeln. Diese Auffälligkeiten verschwanden jedoch genau dann, wenn Personen getestet wurden, die keine astrologischen Behauptungen kannten.

Quelle Wikipedia

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