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Auswirkungen von Kindheitstrauma und sexuellem Missbrauch auf den Beruf

folgen-trauma-missbrauch2-weepingSpätfolgen von Kindheitstrauma und sexuellem Missbrauch im Erwachsenenalter

Teil 2 von 4: Beruf und Karriere
Menschen, die Trauma wie z.B. sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erleben mussten, leiden meist sehr lange unter den Auswirkungen dieser traumatischen Erfahrungen – manchmal sogar ein Leben lang.
In dieser Serie möchte ich die Auswirkungen von Kindheitstrauma und sexuellem Missbrauch auf den Beruf, die Familie, die Partnerschaft und die Beziehung zu einem selbst beleuchten.
Teil 1 der Serie findest du >>> Hier

Beruf und Karriere – welchen Verlauf nimmt das Leben nach traumatischen Erfahrungen in der Kindheit?

Eine pauschale Antwort kann es hier natürlich nicht geben und jeder Weg und jedes Schicksal sind individuell und abhängig von verschiedenen Faktoren:

  • Wie tief ging das Trauma?
  • Wie lange dauerte der Zeitraum der traumatischen Erfahrungen?
  • Wiederholte sich das Trauma oder konnte es verarbeitet werden?

Besonders Menschen, die sexuellen Missbrauch und Übergriffe in der eigenen Familie erlebten, kämpfen meist besonders schwer, da die Verletzung so tief geht und das Urvertrauen erschüttert wurde.

Die „Welt da draußen“ ist gefährlich!

…lautet so ein Glaubenssatz, der seinen Ursprung tief in der Kindheit hat. „Die Welt“ für ein Baby ist die Mutter, der engste Familienkreis. Kommt es hier und in dieser Zeit zu Übergriffen, hinterlässt dies die Erfahrung: Die Welt ist unsicher und gefährlich.

Der familiäre Schutz, die „Welt des Kindes“ ist nicht oder nur bedingt vorhanden

Vielleicht erkannte die Mutter/die Familie den Missbrauch nicht, der außerhalb dieser stattfand, war nicht offen und empfänglich für das, was das Kind mitteilen wollte und vielleicht gar nicht konnte, weil ihm für das Erlebte die Worte fehlten.

Vielleicht fand der Missbrauch aber auch direkt in der Familie statt und das Kind erlebte unmittelbar und direkt, dass „das Böse“ direkt mit am Mittagstisch sitzt und muss lernen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, zu funktionieren, zu schweigen und das Erlebte in sich hinein zu fressen, im schlimmsten Fall sogar zu verdrängen.

Wenn nun so ein Kind heranwächst, kann es auf der einen Seite viel von dem, was es erlebte, kompensieren, auf der anderen Seite baut es sein Leben auf wackligem Fundament auf. Wacklig deshalb, weil das Urvertrauen in das eigene Leben einem Ur-Missvertrauen gewichen ist. Man ist ständig auf der Hut. Kann niemandem wirklich vertrauen. Kämpft und überlebt mehr, als dass man lebt. Versucht, sich in die Gesellschaft und das Arbeitsleben zu integrieren, was mal besser und mal schlechter gelingt.

Einige Betroffene kompensieren ihr Trauma durch besonders gute Leistungen, sei es in der Schule oder später im Beruf. Endlich gibt es einen Bereich in ihrem Leben, in dem sie die Dinge selbst in der Hand haben und Lob und Anerkennung bekommen. Gesehen werden. Ein lang bestehendes Vakuum scheint endlich gefüllt zu werden.

Hier kann die Tendenz bestehen, den inneren Schmerz mit der Arbeit zu betäuben, sich „weg-zu-arbeiten“ gewissermaßen. Irgendwann droht der Burnout und Zusammenbruch, meist dann, wenn sich das verletzte Innere meldet und seine Aufmerksamkeit einfordert.

Andere Betroffene kämpfen mit den posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und führen einen ständigen Kampf, der inneren Verletzung und dem Beruf gerecht zu werden, was mal besser und mal schlechter gelingt. Der Berufsalltag ist immer wieder geprägt von krankheitsbedingten Ausfällen.

Psychosomatische Beschwerdebilder legen den Menschen immer wieder lahm, wie z.B. Migräne, Hauterkrankungen, Magen-Darmerkrankungen, Fibromyalgie uvm. Diese Krankheiten haben meist keine erkennbare organische Ursache, sondern haben ihren Ursprung in der aufgestauten negativen Energie, die der Betroffene durch die Übergriffe erlebte und aufnahm und die nun in ihm tobt und kein Ventil findet.

Dass sich so nur bedingt eine Karriere aufbauen lässt, liegt auf der Hand

Oft sind Betroffene verzweifelt, weil sie ihren Beruf lieben und ihr Bestes geben wollen, es kräftemäßig und gesundheitlich aber nicht schaffen, konstant zu arbeiten.
Oft kommt es hier zu Schuld- und Schamgefühlen. Minderwertigkeit und große Unzufriedenheit können eine Rolle spielen.

„Es fühlt sich so an, als ob man einen Marathon läuft, allerdings mit verstauchtem oder sogar angebrochenen Fuß…“

beschreiben Betroffene oft diese Situation.

Oft bleibt Betroffenen dann nur der Weg der Krankschreibung. Lange Therapien folgen. Immer wieder der Versuch, zu arbeiten, was mal besser und mal schlechter gelingt. Erneute Zusammenbrüche und Krankheit. Weitere Therapien.

Die Leidenswege sind vielfältig und oft lang

Am Ende steht für viele die Entscheidung, in Rente zu gehen. Der ungeheure äußere Druck lässt nach. Eine Lösung ist es für die meisten allerdings nur bedingt. Auch finanziell sieht es meist eher schlecht aus, da für die meisten die Rente minimal ist und staatliche Unterstützung wie durch Fonds und Opferentschädigung oft nur schwer zu erhalten sind.
Besonders bei letzterem ist es meist nötig, Gerichtsprozesse gegen die Verursacher des Traumas zu führen, was langwierig und kräftezehrend ist und nur sehr selten von Erfolg gekrönt ist, da in der Regel keine Beweismittel vorhanden sind bzw. die Taten verjährt.

Außerdem wollen sich die meisten Betroffenen gar nicht zur Ruhe setzen!
Man will ja arbeiten! Seinen Weg gehen! Sein Berufsleben aufbauen, vielleicht sogar Karriere machen! …und schafft es nicht. Oder nur bedingt.
Ein Teil der Aufmerksamkeit, der Energie, bleibt oft bei dem Trauma hängen, der Wunde und später sogar noch bei der Narbe.

Hier seinen Frieden zu finden und einen tieferen Sinn in der Situation zu erkennen, braucht oft Zeit und Geduld

Viele Betroffene fühlen sich doppelt gestraft: Durch das Schicksal des Traumas in der Kindheit und durch die Spätfolgen, die wie ein langer Arm aus der Vergangenheit in die Gegenwart reichen.

Aber es gibt auch hier Lösungen und ganz besondere Wege, die Menschen hier finden und beschreiten. Einige engagieren sich im sozialen Bereich, werden ehrenamtlich tätig und helfen anderen, denen es ähnlich ergeht und die mit Schwierigkeiten in ihrem Leben zu kämpfen haben. Das große Mitgefühl und die Fähigkeit, sich in das Schicksal anderer hinein versetzen zu können, macht die Hilfe dieser Menschen ganz besonders wertvoll.

Vom Gelittenen zum Helfer

… so könnte dieser Weg beschrieben werden. Ein Weg, der Betroffenen das Geschenk von Sinnhaftigkeit machen kann. Die Erfahrung, anderen Menschen tatsächlich helfen zu können, stärkt das Selbstwertgefühl. Zudem wächst man an der Hilfe, die man anderen schenkt, erkennt sich in dem Gegenüber, versteht psychische Zusammehhänge, die man im Gegenüber leichter erkennt als bei sich selbst und wächst über die ständige Auseinandersetzung mit dem Thema genau an dieser Problematik.

Oft ist es leichter, einen anderen in den Arm zu nehmen, für ihn da zu sein und Trost zu spenden, als für sich selbst…

Doch heilen diese Fürsorge nicht nur das Gegenüber, sondern auch Stück für Stück den, der sie spendet. Die positive und liebevolle Energie fließt durch den Helfenden hindurch und oft darüber hinaus auch noch zu ihm zurück.

Einige Betroffene wählen sogar irgendwann den Beruf des Helfers und beginnen mit einer Ausbildung zum Heilpraktiker, Life Coach oder Lebensberater. Formate und alternative Heilmethoden gibt es viele.

Hier besteht die Möglichkeit, kreativ tätig zu werden und das, was in einem ist, auf vielfältige Art und Weise auszudrücken und nach außen zu bringen und Hilfesuchende auf ihrem Weg zu unterstützen.

Ein Weg, den ich eingeschlagen habe ist der des Therapeuten. Gemeinsam mit gleichfalls Betroffenen gründeten wir einen Opferschutzverein in Hamburg und Berlin mit einer Begegnungsstätte in Leese. Andere Menschen aktiv bei der Überwindung ihres Traumas zu helfen, hat mich zusätzlich gestärkt und meinem Leben einen tiefen Sinn gegeben. Auch ich war lange Zeit krank geschrieben, musste kämpfen, mein Berufsleben aufzubauen, aber es hat trotz großer und kleiner Stolpersteine geklappt.

Von der Misere zur Mission

…ist mein Motto, das ich mit anderen Betroffenen teile!

Aktiv werden, in welchem Rahmen auch immer, gibt bereits ein frisches Gefühl und fördert die Vorwärtsdynamik. Möglichkeiten gibt es viele, auch und gerade mit Trauma seinen beruflichen Weg zu gehen, auch wenn man als Betroffener immer wieder auch Ruhezeiten braucht und vielleicht „dünnhäutiger“ und sensibler ist.

Die Wunde mag verheilt sein, eine Narbe jedoch bleibt… Zumindest ist das meine Erfahrung und die anderer Betroffener mag natürlich ganz anders sein.
Sich immer wieder Auszeiten zu nehmen ist Teil des „Berufes“, der Arbeit an sich selbst, die zu der „normalen Arbeit“, dem Job, dazu kommt.

Hier in dem Beruf auch eine Berufung zu sehen fällt nicht leicht. Jedoch kann hier ein Schlüssel für mehr inneren Frieden und Akzeptanz des eigenen Schicksals liegen.

Die Arbeit an sich selbst, die Arbeit an der Überwindung des Traumas nicht nur für sich selbst (auch wenn das am Anfang mit Sicherheit der Fall ist), sondern für ein größeres Ganzes, für das Kollektiv.

Manch einer fühlt sich ermutigt, das Erlebte und den Heilungsweg aufzuschreiben, in Buchform oder in Blogbeiträgen. Bilder zu malen, sich künstlerisch auszudrücken. Ja, vielleicht sogar in die Öffentlichkeit zu gehen, offensiv mit dem Erlebten umzugehen, um andere Betroffene zu ermutigen, ja zu sich zu sagen und Schritt für Schritt weiter auf ihrem Weg zu gehen.

Das ist Teil meiner Arbeit und selbst gewählten Aufgabe, Teil meiner Mission, die mich glücklich macht und dem Erlebten darüber hinaus auch einen tieferen Sinn gibt…

Schau dir auch hier das dazugehörigen YouTube Video an:


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Teil 3 dieser 4-teiligen Artikelserie findest du ab 08. Januar ’19 hier auf Spirit online.

22.12.2018
Ursula Schulenburg

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online
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