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Dankbarkeit macht glücklich

Dankbarkeit, dankbar sein, bedanktHast du dich heute schon bedankt?

Dankbarkeit macht glücklich – Wer gesund ist, so die allgemeine Erfahrung, weiß seine Gesundheit wenig zu schätzen, sondern nimmt sie als selbstverständlich hin. Und wem es gut geht, glaubt, dass es ihm noch besser gehen sollte. In unseren Breiten hungern wir nicht, haben ein Dach über dem Kopf, reichlich Trinkwasser, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Bedanken wir uns dafür? Dankbarkeit mag vielen Menschen wenig hilfreich und sehr betulich erscheinen, als ein antiquiertes Gefühl wie Scham oder Demut, für das wir aktuell nicht viel Verwendung haben. Dankbar sein, das klingt nach Bedürftigkeit und Unterwürfigkeit, nach finsterem Mittelalter. Im 21. Jahrhundert nimmt man sich dagegen doch einfach, was einem zusteht!

Dankbarkeit = Wertschätzung?

Willkommen in der Welt der Anspruchshaltung! Diese beklagen Eltern an ihren verwöhnten Kindern, die nicht zu schätzen wissen, wie gut sie es haben, und immer mehr wollen, nein: vehement fordern. Und sehen oft nicht, wo die Sprösslinge sich das abgeguckt haben: vielleicht doch bei der Mama, die ständig über ihren gutbezahlten Bürojob jammert, oder dem Papa, der jedes Jahr ein neues Auto least? Der Unterschied zwischen Dankbarkeit und Wertschätzung ist ganz einfach: Für das, was wir glauben, verdient zu haben, auf das wir meinen, einen berechtigten Anspruch zu haben, sind wir in der Regel nicht dankbar. Wertschätzung der Sache gegenüber kann dabei durchaus im Spiel sein – aber es käme uns einfach nicht in den Sinn, uns dafür zu bedanken.

Bedankst du dich für das Gehalt, das jeden Monat auf deinem Konto eingeht? Oder denkst du, dass es doch zu wenig ist für deine harte Arbeit? „Ich wäre ja dankbar für meinen Job, wenn …“  oder „Ich bin schon dankbar, aber …“ sagen wir – und merken nicht, dass Dankbarkeit so nicht funktioniert. Die amerikanische Produzentin, Autorin und Journalistin Janice Kaplan wollte glücklich sein – und fragte sich, was sie dazu wohl bräuchte. Was, wenn sie schon alles Nötige dafür hätte? Sie nahm sich deshalb einfach zu Neujahr vor, die kommenden zwölf Monate bewusst dankbar und wertschätzend zu leben, und zwar in jedem einzelnen Bereich ihres Lebens. Silvester darauf fühlte sie sich glücklicher als je zuvor: Sie hatte dieselbe Ehe, dieselben Kinder, denselben Beruf, denselben Körper – aber alles in der Version „glücklich“. Was war passiert?

Dankbarkeit macht glücklich – das Wunder-Tonic

Dankbarkeit trägt viel zur psychischen Ausgeglichenheit bei. Es ist das Wunder-Tonic, nach dessen Einnahme wirklich alles besser wird. Erlebnisse, so bestätigt die Forschung, wiegen mehr für unser Glücksempfinden als Besitz, der nur dann glückssteigernd wirkt, wenn er mit guten Emotionen verknüpft ist. Dass wir glauben, wir wären glücklicher, wenn wir uns einen bestimmten Wunsch erfüllt haben, ist nur ein Mythos, den uns die Werbung verkauft. Doch wenn wir eine innere Leere mit Konsum stopfen wollen, versuchen wir ein Fass ohne Boden zu füllen.

Es ist erwiesen, dass ab einem gewissen Einkommensniveau eine Gehaltserhöhung nicht glücklicher macht – eine neue Haltung der Verdienstmöglichkeit gegenüber allerdings schon. Janice Kaplan erfuhr, dass Dankbarkeit sogar helfen kann, schlank und stark zu werden. Ein negatives Körperbild reißt uns aus dem Gefühl der Dankbarkeit unserem Körper gegenüber heraus, der uns eine Teilnahme am Leben auf dieser Welt überhaupt ermöglicht – und das wiederum spiegelt sich in der Art, wie wir ihn wahrnehmen. Ein auf Dankbarkeit basierendes Körpergefühl ermutigt dagegen den Körper, in seiner eigenen Bestform zu sein. Darüber hinaus braucht dankbarer Genuss auch mehr Zeit, was mehr Achtsamkeit mit sich bringt. Wer sein Essen schätzt, setzt sich dazu hin, schlingt nicht nebenher im Stehen – und nimmt so rund zehn Prozent weniger Kalorien zu sich. Dass Dankbarkeit erwiesenermaßen das Stresslevel im Körper senkt, wirkt dabei ebenfalls unterstützend.

Dankbarkeit kennt keinen Mangel

Das Wort „Danke“ ist rundum positiv, impliziert es doch, dass wir bereits erhalten haben. Und es ist auch leicht, dankbar zu sein, wenn alles nach Wunsch verläuft. Was aber, wenn  es klemmt? Wir freuen uns über Trinkwasser aus dem Hahn – doch wenn der tropft und der Klempner uns versetzt oder zu viel berechnet, bleibt oft diese Freude auf der Strecke. Wir haben die Angewohnheit, uns ständig mit anderen zu vergleichen – und zwar nicht mit jenen, denen es schlechter geht, sondern den anderen, denen es augenscheinlich viel besser geht als uns, die attraktiver sind, einen Traumjob haben, die Musterehe. Neben unschönem Neid, der ja bekanntlich Falten macht, erzeugt das ein Gefühl des Ungenügens, das wir als Mangel empfinden: Wir sind zu wenig hiervon, dafür zu viel davon …

Wir wären ja dankbar, wenn alles so wäre, wie wir uns es vorstellten! Doch wie Wilhelm Busch schon schrieb: „Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er’s verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten.“ Und Diogenes sagte etwas eleganter, dass, wer sich nicht mit wenigem zufriedengibt, niemals zufrieden sein wird. Wir sind eben auch sehr versiert darin, uns auf das Schlechte, weniger Wünschenswerte einer Sache oder Situation zu konzentrieren.

Jammern als Motivation

Wenn wir diesen Blickwinkel verändern, verändern wir alles. Wohlgemerkt: Es darf schon mal gejammert werden, denn irgendwo muss der Frust ja hin! Wer Jammern als Motivation benutzt, etwas zu verändern, ist auf der Gewinnerseite. Aber dann sollte auch wieder gut sein, denn überverschüttete Milch zu klagen ist nicht nur völlig sinnlos, sondern sogar schädlich. Es macht es uns nämlich unmöglich, Zufriedenheit zu erfahren, dieses schöne Nebenprodukt der Dankbarkeit. Stell dir einen Moment lang vor, wie du wohl dastündest, wenn du ein rundum zufriedener Mensch wärest. Wärst du anders als jetzt? Würdest du dich anders kleiden, anders verhalten – anders fühlen?

Dankbarkeit und Mangelempfinden schließen einander aus. Es liegt allein an uns, wofür wir uns entscheiden.

Dankbarkeit ist anziehend

Viele Menschen berichten, dass bei ihnen positives Denken nicht funktioniere, weshalb das vielzitierte „Gesetz der Anziehung“ gar kein universelles Gesetz sein könne, da es sonst ja für alle gelten würde. Was sie dabei übersehen, ist die Energiefrequenz ihrer Gedanken: Wenn man einen negativen Gedanken durch einen positiven ersetzt, dabei aber auf derselben Energiefrequenz bleibt, kann sich natürlich nichts verändern. Es gibt einige wenige Qualitäten, die uns sofort, schnell und fast mühelos auf ein wesentlich höheres energetisches Level heben. Liebe ist eine davon, Dankbarkeit eine andere – und für viele die praktikablere. Es fällt oft leichter, für die netten Nachbarn dankbar zu sein, als die lauten und lästigen zu lieben.

Wenn man sich also eine neue Wohnung wünscht, sollte man für die vorhandene dankbar sein – nicht, um dann am Ende doch „in ihr sitzenzubleiben“, sondern um das Energielevel im Bezug auf das Wohnen ganz allgemein zu erhöhen, so dass eine neue, bessere Wohnung Platz im Leben findet.

Wir haben die Wahl

Autorin Pam Grout, die eine „unverschämte, gnadenlose, radikale Dankbarkeit“ propagiert, schreibt: „Solange wir uns nicht auf die Frequenz der Dankbarkeit einstimmen, ist unsere Verbindung mit der übergeordneten Wahrheit blockiert.“ Und diese Ebene der Wahrheit ist Heimat für alles Gute, Schöne und – eben Wahre. Zwischen uns und sie schieben sich oft Stimmen in unseren Köpfen, die uns erzählen, dass wir nicht gut genug wären, dass nicht genug für alle da sei etc. Grout zeigt in ihrem „30-Tage-Trip zur Dankbarkeit“, dass man diese getrost ignorieren kann. Ziel ist trotz des Titels „Sei dankbar und werde reich“ keineswegs materieller Reichtum, sondern vielmehr, den bereits vorhandenen, inneren Reichtum wahrzunehmen und durch Wertschätzung zu multiplizieren.

Sie berichtet aus ihrer Erfahrung: „Dankbarkeit zu zeigen und all die guten Dinge in Ihrem Leben zu schätzen, ist die Einstiegsdroge zu einem höchst ungewöhnlichen Leben. Sie ist die Supermacht, die Sie auf die Frequenz hebt, auf der Schönheit und Freude und Kreativität regieren.“ Dankbarkeit ist ein Ticket, wenn man so will. Eine Express-Fahrkarte „nach oben“. Wenn du die Wahl hättest, unermeßlich reich zu seinoder dich immer unermeßlich reich zu fühlen, egal, wie viel du an Materiellem besitzt – wofür würdest du dich entscheiden?

Eben. Und das Beste: Wir alle haben diese Wahl.

Dankbarkeit ist kein Gefühl

Für den christlichen Zen-Meister Bruder David Steindl-Rast ist sie nichts weniger als eine Haltung dem Leben gegenüber. „Wir alle wollen glücklich sein“, stellt er fest. „Doch nicht das Glück macht uns dankbar – sondern Dankbarkeit macht uns glücklich.“ Immer mehr Leute, so sein Eindruck, erkennen, dass es nicht einzelne Dankbarkeitserfahrungen sind, auf die es ankommt, sondern ein generell dankbares Leben. Dafür können wir uns bewusst machen, dass jeder Moment mit all seinen Möglichkeiten ein Geschenk ist – etwas, das wir nicht verdient, gekauft oder auf das wir irgendeinen Anspruch haben, sondern etwas sehr Wertvolles, das uns einfach so frei gegeben wird. Jeder Augenblick bietet eine kostbare Gelegenheit, und wenn man die eine versäumt, kommt schon die nächste ums Eck. Diese Gelegenheiten laden uns ein, etwas zu tun – sehr oft nur, einfach das Gegebene zu genießen.

Manchmal aber auch mehr: kreativ werden, aktiv werden. Dankbarkeit, davon ist der Benediktinermönch überzeugt, kann die Welt revolutionieren, und gerade steigt sie wie eine Welle an. Seiner Ansicht nach sind wir aktuell an einem Wendepunkt des menschlichen Bewusstseins und erkennen immer mehr, wie wichtig Dankbarkeit ist und wie sehr sie die Welt verändern kann. „Wer dankbar ist, hat keine Angst“, so Steindl-Rast. Und wer keine Angst hat, wird nicht gewalttätig, sondern handelt aus einem Gefühl des Genügens und der Fülle heraus. Das verändert die Machtpyramide, die aktuell unsere Gesellschaft strukturiert, und verwandelt sie in einer gewaltfreien Revolution zu einem Netzwerk.

3 Schritte wie wir dankbarer leben

Der spirituelle Lehrer hat auch eine einfache Methode in drei Schritten parat, mit der wir dankbarer leben und die Fülle an Geschenken des Lebens ernten können: Innehaltenin dem, was wir tun, um nicht diesen einzigartigen Augenblick zu versäumen. Innewerden und so das jeweilige Geschenk mit Achtsamkeit erkennen. Antworten, indem wir die Gelegenheit, die sich bietet, nutzen. Er selbst erzählt, wie er bei seiner Rückkehr aus Afrika immer dankbar und glücklich über das kostbare Wasser, das ohne zu versiegen strömt, und die Elektrizität ist. Doch je länger er in dieser Fülle lebe, desto selbstverständlicher werde sie.

Da sein Motto ist, nichts zu erwarten und nichts für selbstverständlich zu nehmen, hilft er sich dann damit, kleine Zettel an Wasserhahn und Lichtschalter anzubringen als Stoppzeichen im Außen für das Innehalten. So können wir unser Herz für die gebotenen Gelegenheiten öffnen – auch die Gelegenheiten, anderen zu helfen. „Ein dankbarer Mensch hat genug Vertrauen, um dem Leben eine weitere Chance zu geben, um offen zu bleiben für Überraschungen.“

Zum Schluss drei Anregungen, die immer wieder als äußerst hilfreiche Übungen für Dankbarkeit genannt werden und bei regelmäßiger Anwendung garantiert sehr schnell eine erkennbare Veränderung bewirken werden: Täglich – oder auch wöchentlich – drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist. Dank nicht nur geben, sondern auch selbst akzeptieren. Und schließlich: keinen Dank von anderen erwarten. Und nicht vergessen: Dankbarkeit macht glücklich!

Danke, liebe Leserin, lieber Leser, für deine Aufmerksamkeit und die Zeit, die du diesem Text geschenkt hast!

Inspiration & Information

Pam Grout: „Sei dankbar und werde reich“, Irisiana Verlag
Janice Kaplan: „Das große Glück der kleinen Dinge“, rororo

ZITATE:

Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen.
Marcus Tullius Cicero

Freude ist die einfachste Form der Dankbarkeit.
Karl Barth

Wer nicht danken kann, kann auch nicht lieben.
Jeremias Gotthelf

13.07.2019
Martina Pahr
Autorin, Bloggerin und PR – Expertin

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