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Das Phänomen der heutigen Informations- Bulimie

informationen-internet-mediaDas Phänomen der heutigen Informations- Bulimie

In den letzten Jahren ist mir ein Phänomen aufgefallen, das stetig zunimmt:
Wir konsumieren immer mehr Informationen, vorzugsweise zusammengepresst in hochdosierten Häppchen. Dabei kommt es darauf an, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Informationen aufzunehmen.

Die Watchtime für ein Video, d.h. die Zeit, die man sich langläufig nimmt, um ein Video z.B. auf YouTube oder in den sozialen Medien anzuschauen, beträgt in der Regel drei Minuten. Ein Post muss nicht nur knackig, sondern auch kurz sein, sonst wird er gar nicht erst gelesen…

Möglichst viel Information in wenig Zeit lautet die Devise,

die natürlich absolut auch ihre Berechtigung hat.

Ich ertappe mich selbst dabei, dass es mir etwas davor graust, besonders dicke Bücher zu lesen… Am liebsten lese ich gar nicht mehr, sondern höre Hörbücher, das kann ich „nebenbei“ beim Autofahren tun, bei der Hausarbeit, während ich noch etwas anderes mache. Kluges Zeitmanagement.

Die Frage lautet ja immer: Wie kriege ich alles unter einen Hut? Wie schenke ich all dem, was mir wichtig ist, meine Zeit und Aufmerksamkeit?

Wir leben im Informationszeitalter.

Ich liebe Wissen und Informationen, ich möchte verstehen!
Zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält!“, dieser Satz von Goethe begleitet mich seit meiner Schulzeit und ist eine meiner großen Triebfedern im Leben, die sich auch (nicht nur), über den Konsum von Informationen aufspannt!

Dabei geht es, so ist es in vielen Gesprächen zu diesem Thema deutlich geworden, gar nicht einmal so sehr um die Überzeugung, Wissen sei Macht, sondern um „Wissen schafft Bewusstsein“, „Wissen führt zu Erkenntnis“.

So weit, so gut. Problematisch wird es, wenn wir über die Grenzen des Normalen hinaus gehen, wie immer.
Wenn wir nicht mehr essen, sondern fressen.
Wenn wir über den natürlichen Hunger hinaus konsumieren, bis zum Erbrechen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn hier setzt die Bulimie ein.
Wir fangen an zu „kotzen“.

Ja, keine schönen Worte, ich weiß… aber genauso empfinde ich es,

wenn ich Menschen begegne, die komplett gestaut und vollgestopft zu einem normalen Gespräch überhaupt nicht mehr fähig sind. Die sich erstmal regelrecht entladen müssen, bevor ein normaler Austausch möglich ist.

Ich arbeite seit nunmehr zwanzig Jahren mit Menschen, als Therapeut, als Coach und ich kenne Situationen aus meiner Tätigkeit, wo Menschen sich in einer Sitzung einfach erstmal richtig Luft machen müssen. Die vielleicht über Jahre geschwiegen haben und es dann aus ihnen schwallartig heraus bricht. Seelenstaudämme brechen da, Schleusen werden geöffnet… Aufgestaute Gefühle bahnen sich den Weg in die Freiheit!

Traumata (das Wort „Trauma“ ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Wunde“) kommen aus der Versenkung des Unbewussten hervor und wollen gesehen und geheilt werden.
Sich Luft machen, Dinge aussprechen, Selbsterkenntnis, Austausch, gesehen werden… Ein so wichtiger Bestandteil einer jeden Therapie- und Coachingsitzung!
Wenn etwas „raus“ darf, entsteht Raum und Heilung passiert.
Ein gesunder und guter Prozess.

Die Fall-Studie

Was mir bei dem Phänomen der Informations- Bulimie begegnet, ist jedoch anderer Natur.
Die Symptome sind ähnlich, der Auslöser dahinter jedoch ein ganz anderer.
Überforderung ist das große Wort und die Energie, die uns zu schaffen macht! Wir platzen an Informationen, können sie gar nicht mehr verdauen, der „Magen“ drückt und wir können oft gar nicht mehr anders als einfach haltlos „erbrechen“.

Wie sieht das aus?

Ich treffe auf Freunde, aber auch auf Bekannte und sogar Fremde, die sich in meiner Gegenwart auf eine Art und Weise öffnen, die ich vorher so nicht kannte. Öffnen nicht im seelischen Sinne, wie ich es durch meine Arbeit kenne, sondern die ihre „Informations-Schleusen“ öffnen und den Überdruck loswerden.

Das ist bei Menschen wie mir erfahrungsgemäß sehr einfach, da ich emotional offen und interessiert durchs Leben gehe und vor allem eines kann: gut zuhören. Diese Aura umgibt mich und wird, wenn ich nicht achtsam bin, von anderen auch als „Abladestation“ und „Mülleimer“ fehlgedeutet, meist nicht in böser und bewusster Absicht.

Endlich ist da jemand, der hat zumindest ein minimales Interesse an mir!“, scheint die Gefühlsreaktion meines Gegenübers zu sein und los geht es!
Non stop wird erzählt, alles durcheinander, oft zusammenhangslos, ohne Punkt und Komma. Oft zehn, zwanzig Minuten lang und ich bin mir sicher, es würde noch länger gehen, wenn ich nicht irgendwann ein Stop einbaue.
Es sprudelt aus meinem Gegenüber heraus, eine Welle von innerem Druck, Überforderung und ich merke, dass der Druck in mir stetig zunimmt.

Ich komme nicht nach. Und mein Gegenüber, merke ich, auch nicht.
Es geht hier auch gar nicht um einen Austausch, um ein „einander wahrnehmen und fühlen“, sondern es geht um Druckabbau. Um ein Loswerden an einem Zuviel an Informationen.

Irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als Studie gewissermaßen:

  1.  Wie lange redet mein Gegenüber, bevor er etwas „merkt“? (Es können Stunden, ein ganzer Nachmittag vergehen und er „merkt“ überhaupt nichts). Beim Verabschieden an der Tür: „Ach, jetzt hab ich gar nicht gefragt, wie es Dir geht!“ Das war der extremste Fall.
  2. Um was geht es meinem Gegenüber?
    Erschreckenderweise weiß er das auch nicht!
    Meine Zwischenfragen: Was willst Du mir damit sagen? Was ist Dir wichtig daran, genau diese Information mit mir zu teilen? Warum bewegt Dich das so? Sie bleiben unbeantwortet! „Hm… gute Frage!
    Ich bin zutiefst erstaunt und zu Weilen entsetzt!
    Warum reden wir dann eigentlich? Was ist die Rolle des Gegenübers, in diesem Falle mir, in dieser Situation? Macht es überhaupt einen Unterschied, ob ich hier sitze oder könnte es auch irgendein anderer geduldiger Zuhörer sein?
    Nach solchen Gesprächen fühle ich mich irgendwie leer und überfrachtet zugleich und wäre da nicht meine Haltung, das Ganze als Studie zu sehen, ich hätte manches Gespräch frühzeitig beendet. Das mache ich übrigens heute, oft schon nach wenigen Sekunden, wenn ich die Energie und Dynamik meines Gegenübers erkenne.

  3. Was passiert, wenn ich eine Gegenfrage zum Thema stelle?
    Meist ist die Person irritiert, dass jemand wirklich nachfragt! Oft ernte ich hier erstaunte Blicke „die hört mir ja wirklich zu!“ Die Person geht tiefer, ist manchmal sichtlich erleichtert, atmet durch, Gefühle kommen durch!
    Oder aber:
    Sie wechselt schnell das Thema und eine erneute Erzählflut beginnt!

  4. Was passiert, wenn ich eine persönliche Frage stelle: „Einmal abgesehen davon, wie geht es Dir?
    Schwierig. Noch ist viel zu viel Druck in der Person, als dass man über Gefühle sprechen könnte!
    Der ganze angestaute Informationsberg muss erstmal weg, bevor wir auf dem Grund angekommen und loslegen können!

  5. Was passiert, wenn ich hinein „grätsche“ und einfach selbst erzähle? Mein Gegenüber hört mir nicht zu, ist in Gedanken woanders, wartet auf eine Lücke, um selbst „hinein grätschen“ zu können.
    Hm… danke ich und notiere mir in Gedanken diesen Punkt.

Nebenbei wird das Handy gecheckt, hektisch gescrollt…

Betroffen macht mich das. Was ist los mit uns?
U.a. hat mich dies inspiriert, meinen letzten Beitrag „Hetzen und Stress“ zu verfassen.

Praktische Tipps – einfach noch dazu!

Ich sehe Menschen, die überfordert sind.
Menschen, die überladen sind und nicht wissen, wie damit umgehen!
Ich sehe Gefühle, die begraben sind unter Informationsbergen und Seelen, die darunter ersticken.

Ganz schwierig sind Momente der Stille.
Ich persönlich liebe es immer wieder, in die Natur, den Moment, die Stimmung hinein zu lauschen, hinein zu spüren. Wahr-zu-nehmen, was gerade passiert! Das Leben nämlich!

Ich möchte nicht nur wissen, was mein Gegenüber alles so aufgenommen hat, sondern was ihn wirklich bewegt, wie er sich fühlt, was in ihm lebt!

Mit meinen besten Freunden gibt es immer wieder auch Momente der Stille,

die so angenehm und wunderschön sind, weil sich in ihnen so unglaublich viel zeigt, was mit Worten oft gar nicht auszudrücken ist.
Dann lächeln wir uns an und wissen. Wir spüren, wir erleben gerade das Gleiche.
Solche Phänomene erlebe ich übrigens nicht nur mit guten Freunden, sondern auch mit Wildfremden! Momente, in denen sich zwei offene Herzen begegnen und das Gleiche fühlen!

Wie alles, was uns im Außen begegnet, hat es natürlich auch etwas mit einem selbst zu tun!
Diese unbequeme Frage musste ich mir natürlich auch stellen!
Das Spieglein an der Wand, was will es mir sagen?

Ich machte mich auf den Weg und begann, mich selbst zu beobachten:

Wo war ich genau so? Wann war ich genau so?
Und ich entdeckte ähnliche Aspekte bei mir, wenn auch nicht in dieser extremen Form.
Es passierte immer dann, wenn ich reizüberflutet zu wenig in Kontakt mit mir selbst war. Wenn ich mir selbst nicht genug zuhörte und ein Überdruckventil brauchte!
Dann wurde ich zur Quasselstrippe…

Zum Glück habe ich ein geduldiges online Tagebuch, das ich im wahrsten Sinne des Wortes „zutexten“ kann! Und gleich zwei sehr gute Coaches und Berater, die offene Ohren und Herzen haben und mit denen kostbarer, tiefer, ausbauender Austausch stattfindet…

Und hier bin ich auch schon bei meinen Tipps für Dich,

solltest Du gelegentlich unter Überforderung und innerem Druck leiden:

  1. Hol Dich ein Tagebuch und hol es nicht nur, sondern benutze es auch, mindestens zehn Minuten jeden Tag! Es hilft…
  2. Hol Dir Berater, Coaches, Heiler, Helfer, die Dich unterstützen und helfen, leicht, glücklich und freudvoll durch Dein Leben zu gehen und Deine Projekte zu verwirklichen! Und: warte NICHT, bis Du Hilfe brauchst, sprich überfordert und krank bist, sondern hole sie Dir auch und ganz besonders dann, wenn alles soweit im grünen Bereich ist! So mache ich das! Ich gönne mir diese Unterstützung, nicht um vom Minus-Stadium auf ein Null-Level zu kommen, sondern um noch leichter und freudiger im Plusbereich meines Lebens arbeiten zu können!
  3. Sport. Ja, ich weiß, ganz basic. Bewegung verbrennt das Stresshormon Adrenalin. Auspowern. Mist loswerden und dabei auch noch dem Körper Bewegung und Gesundheit schenken! Und NEIN, dabei eben keinen Podcast hören, kein Input, sondern Output! Lass es raus! Spüre Deinen Körper! Spüre Deine Energie!
  4.  Konzentration: Ein Buch lesen und dabei bleiben! Dinge zu Ende bringen.
  5. Weniger scrollen!
  6. Weniger Whatsapp und Facebook Gruppen und Nachrichten!
  7.  Weniger Multi-Tasking. Wirklich präsent sein mit dem, was man tut (wir machen manchmal ja nicht nur zwei, sondern drei und vier Sachen gleichzeitig).
  8. Zeit für Stille und Ruhe. Meditation. Wir leben zwischen Yin und Yang, Aktivität und Passivität. Wie viel Zeit der Ruhe, Regeneration und des Loslassens schenkst Du Dir?
    Sind Input und Output in der Waage?

  9.  Sich Zeit schenken, nach innen zu hören. Was geht in mir vor? Was bewegt mich? Was brauche ich? Was fühle ich??
  10.  Die Sehnsucht nach Informationen nicht nur durch äußere Quellen stillen, sondern auch durch das Hinwenden zur eigenen inneren Quelle! Die Weisheit sprudelt aus Dir heraus, wenn Du Dich ihr zuwendest!

Achtsamkeit ist auch hier das große Zauberwort…

Nicht nur ein bewusster Konsum von Informationen, sondern auch ein bewusstes Teilen von Informationen.

Denke, bevor Du sprichst“ ist ein Satz, den ich mir öfters sage, wenn ich mich ertappe, unbedingt und sofort etwas erzählen zu wollen!

Ich frage mich:
Was ist meine Intention hinter dem Teilen dieser Nachricht/Information? Was treibt mich an?
Ist die Person gerade überhaupt offen für Neues? (Ganz wichtig, denn ansonsten habe ich das Phänomen der „Perlen vor die Säue“ und bin enttäuscht, dass mein Gegenüber die Information gar nicht aufnehmen konnte)

Bewusstere Kommunikation

Und ich habe gelernt, Grenzen zu setzen. Ich lasse mich weniger überfahren und grolle anschließen!

Fragen wie:
Warum erzählst Du mir das?
Was willst Du mir damit sagen?
Willst Du einfach erzählen oder möchtest Du, dass ich dazu auch etwas sage?

Sind mittlerweile zum Standard geworden!

Aber auch Sätze wie:

  • Ich fände es toll, wenn Du mich ausreden lässt!
  • Können wir noch kurz bei diesem Thema bleiben, bevor Du zum nächsten wechselst?
  • Du bist mir wichtig, magst Du mir das Ganze in einem ruhigen Moment erzählen, wenn ich Zeit habe und für Dich offen bin und nicht kurz vor meinem Termin?
  • Ich möchte Dir gerne etwas erzählen, was mir sehr wichtig ist. Wann hast Du Zeit, mir zuzuhören?
  • Ist es ok für Dich, mir einfach nur zuzuhören, ohne mir Ratschläge zu geben und ohne dazwischen zu grätschen und mir von Dir zu erzählen?
  • Später bin ich gerne bereit, Dir aufmerksam und intensiv zuzuhören!

Unsere innere Haltung ist das entscheidende und der Grad an Bewusstheit, den wir mit einbringen!

08.02.2020
Ursula Schulenburg
www.institut-schulenburg.de
Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin, Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.

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