Die größten Fallen und Schatten der Persönlichkeitsentwicklung

persoenlichkeitsentwicklung-imflusssein-fallen-schatten-natureWieso Persönlichkeitsentwicklung nur der Anfang deiner spirituellen Reise ist

Das Leben ist eine spirituelle Reise mit vielen Weggabelungen. Je nachdem, welche Entscheidungen du an diesen Gabelungen triffst, wächst du entweder – oder du drehst dich im Kreis.
In diesem Artikel geht es um einen ganz bestimmten Abschnitt deiner Lebensreise.
Du wirst im Folgenden lernen, was du tun kannst, um die Fallen, denen du auf diesem Lebensabschnitt begegnest, zu vermeiden.

Was ist Persönlichkeitsentwicklung? 

Manche Menschen wachsen mit einem nahezu makellosen Selbstbewusstsein auf.
Gute Gene, harmonische Kindheitserfahrungen sowie ein intaktes Elternhaus haben bei ihnen für einen perfekten Start gesorgt. Deshalb fällt es jenen Menschen nicht besonders schwer, ihr Leben im Erwachsenenalter mit Bravour zu meistern:

  • wie man sich in herausfordernden Lebenssituationen zurechtfindet,
  • wie man entschlossen seinen Weg geht,
  • wie man sich selbst behauptet,
  • wie man ein zufriedenes Leben führt

– sie scheinen es intuitiv zu wissen.

Leider werden die wenigsten Menschen mit solchen Voraussetzungen ins Leben geworfen. Im Gegenteil – die meisten unter uns sind werden immer wieder von den Folgen kleinerer und größerer Traumata der Vergangenheit heimgesucht:

  • Einige haben in ihrer Jugend großes Leid oder eine vernichtende Enttäuschung erlebt. Als Reaktion darauf bauten sie sich einen emotionalen Schutzpanzer auf, der sie vor einer erneuten Verletzung schützen sollten. Und obwohl diese Taktik funktionierte, hatte sie auch einen Nachteil: Echte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, war ihnen nun nicht mehr möglich.
  • Andere haben es nie gelernt, sich von anderen Menschen richtig abzugrenzen. Die Folge davon ist ein Leben, dass nicht den eigenen Regeln, sondern denen unserer Mitmenschen gehorcht.
  • Wieder andere (und das ist wahrscheinlich die Mehrheit unter uns) tragen viele kleine und größere innere Wunden mit sich herum. Ob diese uns bewusst sind oder nicht – Tag für Tag leiden wir darunter. Negative Gefühle, die in unseren Körpern gespeichert sind, sorgen für innere Unruhe. Schädliche Gedanken und inadäquate Glaubenssätze zerstören unser Selbstwertgefühl. Und Verhaltensweisen, denen wir nur aus Gewohnheit nachgehen, halten uns an einem Ort fest, an dem wir eigentlich gar nicht sein wollen.

Wenn wir Glück haben, kommen irgendwann der Punkt, an dem es uns reicht.

Wir fangen nun an, nach Lösungen für unsere Probleme zu suchen. Wir lesen Ratgeberbücher, besuchen Seminare und eignen uns ausgeklügelte Morgenroutinen an. Wir lernen neue Leute kennen und versuchen, unser Leben im Innen wie im Außen umzukrempeln.

Kurz – wir betreiben Persönlichkeitsentwicklung.
Und damit sind wir (wenn wir es richtig machen) zunächst sogar erfolgreich.
Wo verbergen sich dann also die eingangs erwähnten Fallen?

Die Schattenseiten der Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung ist wie ein Pflaster.

Wenn du irgendein Problem in deinem Leben hast, holst du dir die passenden Ressourcen – zum Beispiel ein Coaching, ein Video, ein Buch oder ein Online-Produkt. Du lässt dich davon inspirieren und versuchst, die darin enthaltenen Weisheiten in dein Leben zu integrieren.
Und früher oder später (na gut – meist sehr viel später als du ursprünglich erwartet hattest) ist dein Problem gelöst.
Die Wunde ist geheilt. Und das Pflaster kann ab.
In der Theorie zumindest.

Denn in der Praxis fängst du nun an, dich an den Kick der Persönlichkeitsentwicklung zu gewöhnen. Ständig suchst du nach neuen Wegen, dich selbst zu verbessern. Dauernd suchst du nach weiteren wertvollen Lebenstipps. Und eh du dich versiehst, bist du in der Sucht gefangen.

Dass es sich bei den Techniken der Persönlichkeitsentwicklung lediglich um Pflaster handelte, hast du längst vergessen.
Und das ist aus dreierlei Gründen tragisch:

1. Du hast kein Gespür mehr dafür, wie gut es dir geht

Nehmen wir mal an, dass du in der Vergangenheit Probleme mit dem anderen Geschlecht hattest. Als du diese Probleme nicht mehr ertragen konntest, hast du dir einige Dating-Ratgeber gekauft.

  • Was sorgt dafür, dass du beim anderen (oder gleichen) Geschlecht attraktiv wirkst?
  • Wie gelingt es dir, den jenen Partner in dein Leben zu ziehen, mit dem es wirklich funkt?
  • Wie schaffst du es, eine gesunde, zufriedenstellende Beziehung mit diesem Menschen aufzubauen?

Vielleicht hat es einige Monate oder Jahre gedauert, bis du diese Fragen für dich beantwortet und die Antworten in dein Leben integriert hast. Eins ist jedoch sicher – die meisten deiner Dating-Probleme gehören der Vergangenheit an.

Anstatt diesen Umstand wertzuschätzen, hast du dich jedoch so sehr an das Verbessern und Optimieren gewöhnt, dass du noch immer in jedem Buchladen nach einem Beziehungsratgeber schaust. Oder dir im Internet die neusten Verführungstipps aneignest.

Indem du dies tust, verlierst du nicht nur das Gespür für all den Überfluss, der bereits in deinem Leben ist. Du vergisst auch, was du alles schon erreicht hast.

2. Du kommst nicht mehr zur Ruhe 

Früher oder später sorgt dein Bedürfnis nach Selbstoptimierung und zwanghafter Persönlichkeitsentwicklung dafür, dass du ausbrennst. Denn wenn du nicht erkennst, wie gut es dir jetzt schon geht, wirst du dich nie vollständig und ganz fühlen. Aus jenem Gefühl heraus erwächst der Wunsch, noch mehr machen oder noch mehr sein zu müssen.

Und da du dieses „Mehr“ nie genau definiert hast, rennst du für immer einer Sache hinterher, die unerreichbar scheint.

Die Folge davon ist eine ständige psychische und körperliche Anspannung.

3. Du zerstörst dein Selbstbewusstsein

Wenn du anfängst, an dir zu arbeiten, wird dein Selbstbewusstsein zunächst einmal wachsen. Du wirst feststellen, dass du Herr oder Herrin deines Lebens bist. Zu erkennen, wie viele positive Veränderungen du aus eigener Kraft herbeiführen kannst, ist ein äußerst befriedigendes Gefühl.

Sobald die Persönlichkeitsentwicklung zu einer Sucht wird, kehrt dieser Effekt sich jedoch um.

Denn je mehr Domänen du in deinem Leben findest, die du noch verbessern kannst, desto mehr Beweise findet dein Unterbewusstsein dafür, dass du jetzt noch nicht genug bist.

Und das Gefühl, nicht genug zu sein, ist der Kern eines brüchigen Selbstbewusstseins.

„Schön und gut“, magst du jetzt denken. „Und wie löse ich dieses Problem jetzt?“
Die Antwort auf diese Frage ist denkbar einfach. Und dennoch alles andere als leicht.

Übe dich im Loslassen

In den letzten Jahren hat das, was wir allgemeinhin Spiritualität nennen, einen wahren Boom erlebt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Magazin, in dem dieser Artikel veröffentlicht ist.

Was aber bedeutet Spiritualität überhaupt?

  • Es bedeutet, neurotische Muster, an denen sich dein Körper und Geist festhält, auf eine sanfte Art und Weise loszulassen.
  • Es bedeutet, mit voller Gegenwärtigkeit im Moment zu sein – und das, was ist, einfach anzunehmen.
  • Es bedeutet, mehr zu fühlen. Und dem Leben mit frischer Wachheit und Lebendigkeit zu begegnet.

Dieser Zustand steht ganz und gar im Widerspruch zur inneren Hetzjagd ständiger Selbstoptimierung, die du veranstaltest, wenn du es mit der Persönlichkeitsentwicklung übertreibst. Wenn du dies tust, bist du nämlich so sehr mit deinem hypothetisch perfekten Zukunfts-Ich beschäftigt, dass du Fülle und Perfektheit des gegenwärtigen Moments vollkommen vergisst.

Was passiert aber, wenn du stattdessen anfängst, zufrieden mit dir selbst zu sein?
Wenn du dir die Vollkommenheit deiner Unvollkommenheit auf tiefer Ebene bewusst machst?
Wenn du mit der Gegenwart Frieden schließt?

Dann lädst du nicht nur eine Vielzahl spiritueller Erfahrungen in dein Leben ein. Du befreist dich auch von deinem Bedürfnis nach grenzenloser Weiterentwicklung.

Die letzte Falle 

Du weißt jetzt, dass du dich irgendwann von den Stützrädern der Persönlichkeitsentwicklung trennen musst. Du weißt, dass das Loslassen und die Annahme der Gegenwart wichtige Komponenten wahrer Spiritualität sind.

Eigentlich könnte ich diesen Artikel hier beenden. Mache ich aber nicht.
Denn sobald du anfängst, den spirituellen Weg einzuschlagen, wird dich früher oder später ein Bumerang der Ironie treffen.
Denn so sehr dir der Schritt in Richtung Gelassenheit und Selbstannahme hilft – auch er kann dich auf die falsche Fährte lenken.
Wenn du dich von einem Extrem (zwanghafte Selbstoptimierung) zum anderen (zwanghaftes Im-Hier-Und-Jetzt-Ok-Sein) bewegst, vergisst du irgendwann folgende Tatsache:

Die Pflaster der Persönlichkeitsentwicklung hatten ihre Berechtigung.

Auch wenn du einige deiner Wunden geheilt hast – andere schmerzen immer noch.
Sofern du dich also ganzheitlich weiterentwickeln möchtest, kommst du nicht umhin, zwei paradoxe Wahrheiten in Einklang miteinander zu bringen:

  1. Du bist perfekt so, wie du bist. Nur die Gegenwart zählt. Der Schlüssel zum Glück liegt in der Annahme und im Loslassen.
  2. Veränderung ist gut. An dir zu arbeiten und Heilung für deine Wunden zu finden, ist gut. Genauso, wie es gut ist, dich durch neue Ziele und Projekte zu motivieren.

Bei näherer Betrachtung wirst du feststellen, dass es sich bei diesen Wahrheiten nicht wirklich um Widersprüche handelt.
Schlage deshalb einen Weg ein, der das beste aus beiden Welten vereint.
Fühle und sei gegenwärtig. Aber erlaube es dir trotzdem, die Herausforderungen deines Lebens auf spielerische Weise anzunehmen.

11.10.2018
Anchu Kögl

Anchu Kögl
Autor, Querdenker und Weltreisender
http://anchukoegl.com/
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1 Kommentar

  1. Hallo Anchu, Toller Artikel. Seit zwei Tagen beschäftige ich mich genau mit diesem Thema. Dein Artikel kommt also genau richtig. 🙂
    Die beiden Paradoxe zum Schluss habe ich wie folgt für mich formuliert: „Nutze das was ich schon habe und verbessere es!“
    Danke!
    LG Stefan

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