Körper, Geist, Seele

Die Spätfolgen in der Familie bei sexuellem Kindesmissbrauch

folgen-trauma-missbrauch3-weepingNach Missbrauch in der Kindheit eine Familie gründen?!

Teil 3 von 4: Familie
Menschen, die Trauma wie z.B. sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit erleben mussten, leiden meist sehr lange unter den Auswirkungen dieser traumatischen Erfahrungen – manchmal sogar ein Leben lang.
In dieser Serie möchte ich die Auswirkungen von Kindheitstrauma und sexuellem Missbrauch auf den Beruf, die Familie, die Partnerschaft und die Beziehung zu einem selbst beleuchten. 
Teil 1 der Serie findest du >>> Hier
Teil 2 der Serie findest du >>> Hier

Die Familie – unser Hort und Ort der Geborgenheit

Hier schlagen wir Wurzeln. Hier sind wir verwurzelt und von hier aus breitet der Baum unseres Lebens seine Äste aus, trotzt den Lebensstürmen und wiegt sich im Wind…

Egal, ob man das Trauma als Kind direkt in seiner Familie erlebt hat oder außerhalb von ihr – eines bleibt: Das Urvertrauen ist gestört. Die Familie, die doch Halt und Geborgenheit spenden sollte, konnte oder wollte diese Aufgabe nicht erfüllen.

Dies hinterlässt große Wunden und später Narben. Denn wir brauchen eine Familie, eine Gemeinschaft, in der wir leben. 

Überleben tut man in der heutigen Zeit vielleicht auch alleine, nur leben, wahrhaft leben tut man alleine auf Dauer nicht.

In früheren Zeiten sind Menschen, die aus einer Gemeinschaft verstoßen wurden, schlicht und einfach verhungert, da das Überleben als Einzelkämpfer fast unmöglich war. Heute  verhungert man aufgrund unserer sozialen Strukturen „nur noch“ seelisch. Emotional.

Ein stilles Leid, das viele teilen…

Gerade Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend Trauma, sexuellen Missbrauch und Gewalt erleben mussten, haben oft ein gespaltenes Verhältnis zu dem Konzept Familie. Auf der einen Seite ist da die Angst, in solchen Strukturen erneut verletzt zu werden. Auf der anderen Seite ist da diese schier unendliche Sehnsucht nach Nestwärme, Halt und Geborgenheit.      

Oft ist diese Sehnsucht so groß, dass sie blind macht und Menschen sich Gruppierungen anschließen, die genau mit diesen Qualitäten locken, wie zum Beispiel Sekten, wo sie oft aber nur ausgenutzt und letztendlich erneut traumatisiert werden.

In weniger dramatischen Beispielen öffnen sich Betroffene in einer Gruppe, die für sie Familienersatz darstellt und erleben oft ähnliche Verletzungen wie die in der Kindheit.
Wie ist das möglich?

Erneute seelische Öffnung

Durch die neue seelische Öffnung ist nicht nur das Herz offen, sondern auch die alten Wunden liegen frei. Im Grunde ist dies eine ideale Voraussetzung, um an diesen Verletzungen zu wachsen und sie zu heilen. Und genau dies passiert auch, wenn positive Erfahrungen gemacht werden. Im negativen Fall erfährt man allerdings keine Hilfe, sondern erlebt eine Retraumatisierung, wenn die emotionale Schwäche ausgenutzt wird und man in ähnlichen Strukturen landet wie einst in der Familie.

Wichtig ist, bei dem Prozess der Aufarbeitung kompetente Begleitung an seiner Seite zu haben. Das gleiche gilt, wenn man als Betroffener für sich feststellt, dass in einer Gruppe nicht nur alte Verletzungen berührt werden, sondern die Gefahr droht, erneutes Trauma zu erleiden.

Es ist besonders am Anfang ein stetes Pendeln zwischen Nähe suchen und sich wieder zurück ziehen, alleine sein.

Der Wunsch nach Anschluss und Nähe wechselt sich ab mit Rückzug in alte Verhaltensmuster, wenn wunde Punkte berührt werden. Das Alte ist zwar einsam und kalt, aber immerhin bekannt.

Doch immer wieder entsteht aus der Isolation und Einsamkeit heraus der Wunsch nach Gemeinschaft. Es kommt zur erneuten Öffnung und aus dem Berühren alter Punkte und dem bewussten Umgehen mit diesen geschieht Wachstum! Positive Erfahrungen werden gemacht, Stärkung findet statt und gibt Kraft, sich mutig weiter zu öffnen!

Das ist der Idealfall und ich möchte jeden Betroffenen dazu ermutigen, genau für diese Öffnung, für dieses Gefühl und sein Recht auf ein Leben in sozialen Verbänden zu kämpfen!

Die eigene Familie

So wie viele Menschen irgendwann den Wunsch verspüren, eine eigene Familie zu gründen, empfinden es auch Betroffene von Trauma. Hier ist noch vermehrter der Wunsch da, Dinge anders zu machen, liebevoller und offener zu sein als die eigenen Eltern und es einfach besser zu machen als man es selbst erlebt hat!

Vielen gelingt genau das und kreieren ein schönes, warmherziges Zuhause, in dem nicht nur der Nachwuchs aufwächst, sondern auch das eigene innere Kind Nestwärme erfährt und heilen kann.

Aber auch hier werden oft alte Wunden berührt. Die eigenen Kinder führen einem durch ihr glückliches Sein vor Augen, wie sehr man selbst gelitten hat. Man sieht sich in der eigenen Tochter, dem eigenen Sohn gespiegelt.

Es gibt aber auch einen Schattenaspekt des Ganzen, ein großes Tabu

Tragen Betroffene das Trauma noch in sich, unverarbeitet und vielleicht sogar verdrängt, ziehen sie nach dem Resonanzgesetz oft Partner an, die wie ein Gegenstück zu dem eigenen inneren Trauma sind, sprich Menschen, die in sich eine ähnliche Verletzung tragen oder sogar die Anlagen, selbst Täter zu sein.

Dies sind dann die sogenannten „toxischen Beziehungen“ oder „missbräuchlichen Beziehungen“, in denen sich alte Beziehungsmuster zeigen und sich auf die junge Familie ausbreiten.

Immer wieder berichten verzweifelte Mütter (und auch Väter) darüber, dass sich ihr Partner irgendwann zu verändern begann, negativ wurde und es sogar zu Gewalt und Übergriffen auf die Kinder kam, die sie meist nicht zu verhindern wussten. Genau diesen Umstand verstehen die meisten Betroffenen selbst nicht:

Wieso um alles in der Welt hat man nichts gemerkt?
Oder weitergehend:
Wieso bin ich nicht aufgestanden und aktiv geworden?

Hierzu muss man wissen, dass Menschen, deren eigenes Trauma unverarbeitet in ihnen schlummert, in ähnlich traumatischen Situationen oft so reagieren, wie sie es zum Zeitpunkt der Traumatisierung getan haben. D.h. mit Hilflosigkeit, Ohnmachtsgefühl bis hin zur totalen inneren und äußeren Lähmung, sprich Handlungsunfähigkeit und Verdrängung. Da werden Hämatome und andere eigentlich sichtbare Zeichen nicht erkannt und wahrgenommen und sogar mit Gereiztheit und Aggressivität auf das durchschimmernde Leid der eigenen Kinder reagiert, weil der eigene sich auftuende Abgrund nicht ertragen wird.

Im schlimmsten Fall wird der Betroffene selbst zum Täter an seinen Kindern

Das in ihm abgespeicherte „Täterprogramm“ aktiviert sich. Auch wenn es Betroffene nicht wahrhaben wollen, so trägt doch jedes Opfer auch die Anlage zum Täter in sich durch die aufgenommenen Energien und Gefühle während der Taten und Übergriffe.

Selbstverständlich liegt es immer in der Hand eines jeden einzelnen, wie er mit diesen Energien und Programmierungen in sich umgeht und was er zu leben entscheidet!
Im Zweifelsfall ist es immer richtig, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, um mit diesen Gefühlen und Erfahrungen nicht alleine zu sein.

Familienformen

„Familie“ kann in verschiedensten Formen gelebt und erfahren werden! Wenn man also in der Geburtsfamilie nicht das findet, wonach man sucht, stehen einem dennoch viele Türen und Möglichkeiten offen!

Es gibt Wahlfamilien, Menschen und Gruppierungen, denen man sich zugewandt fühlt.
Und Seelenfamilien, in denen man eine ganz besondere Seelenverwandtschaft erlebt und Gemeinsamkeiten.

Letztendlich ist man immer eingeladen, genau das zu kreieren, wonach man sich sehnt und auf der Suche ist!

Warum also nicht einen Freundes- Gleichgesinnten- Kreis gründen? Aktiv werden und genau eine solche „Familie“ ins Leben rufen? Anderen Menschen und Betroffenen genau die Nestwärme, Geborgenheit und Rückendeckung schenken, die man sich selber wünscht?

Das, was wir verschenken, fließt als Energie auch immer durch uns selbst hindurch!

Unser Gehirn unterscheidet energetisch nicht zwischen schenken und bekommen.

In dem Moment, wo wir einem anderen ein Zuhause schenken, fühlen wir uns selbst Zuhause…

Genau auf dieser Philosophie basierend, sind schon etliche Vereine, Organisationen und Gruppen entstanden. Ich selbst bin Gründungsmitglied eines Vereins, der sich um Betroffene von sexuellem Missbrauch und Gewalt kümmert und habe in diesem ein seelisches Zuhause gefunden und schenke gleichzeitig anderen die Erfahrung von Zugehörigkeit, Geborgenheit, Schutz und Nestwärme.

Viele Selbsthilfegruppen sind auf diesem Wege entstanden.

Und vielleicht, wenn Du Dich hier angesprochen fühlst, ist dies der Moment, noch mehr Deine innere und äußere Isolation aufzugeben und Dich wieder und weiter zu öffnen für andere Menschen! Vielleicht ist dies eine Einladung, Dich einer bestehenden Gruppe anzuschließen oder selbst eine ins Leben zu rufen!

Das Leben mit anderen Menschen ist zu schön, um darauf zu verzichten…

Schau dir auch dieses YouTube Video zum Thema: „Nach Missbrauch in der Kindheit eine Familie gründen?!“ an.

Teil 4 dieser 4-teiligen Artikelserie findest du ab 22. Januar ’19 hier auf Spirit online.

08.01.2019
Ursula Schulenburg

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online
Empfehlung

Online Ausbildung- Meistere Dein Leben und werde Life Coach

Einjährige Online Ausbildung zum lizenzierten Lifecoach

Ursula-schulenburg-coaching-ausbildung

>>> Mehr erfahren

Den Artikel kommentieren

Mit deinem Newsletter erhältst du viele Neuigkeiten und Anregendes aus der großen Welt der Spiritualität

Briefkasten-Himmel-wolken-mailbox

zur Newsletter-Eintragung

E-Mail Adressen sind bei uns sicher | wir geben Adressen niemals weiter


Anzeigelion-tours