Mensch-Sein

Die Suche nach der Liebe

herz-mauer-steine-heartDie Suche nach der Liebe

Wir alle tun es, und das ständig! Selten beschäftigen wir uns nicht mit der Liebe. Wahrscheinlich ist das auch gar nicht möglich. Selbst, wenn wir glauben, wir suchen sie nicht, zeigt uns die Außenwelt, dass wir uns irren. Das beginnt mit Erwartungshaltungen an andere und endet mit der Sehnsucht nach einem Partner.

Liebe als Überlebenselixier

Bei dem Kaspar-Hauser-Versuch wurden Säuglinge lediglich physisch versorgt. Sie bekamen zwar Nahrungsmittel, aber keine  Aufmerksamkeit und Liebe. Angeblich hatte dieser Liebesentzug weitreichende Folgen. Man konnte eine gesteigerte Aggressivität beobachten. Die Babys schreiten öfter als vergleichsweise andere und waren unruhiger. Man behauptete sogar, dass die fehlende Liebe zum Tod der Säuglinge führte. Die Liebe ist also existenziell für das menschliche Überleben. Solange wir nicht dazu in der Lage sind, uns selbst zu versorgen, sind wir auf Außenstehende angewiesen. Und wenn man es genauer betrachtet, bekommen wir auch heute alles geliefert. Wer von uns könnte sich ohne einen Supermarkt, Restaurant und Lebensmittelhändler selbst versorgen? Ähnlich verhält es sich fälschlicherweise mit der Liebe, die wir nach wie vor im Außen suchen.

Gib mir bitte Liebe

Wir suchen sie deshalb bei anderen, weil wir nie gelernt haben, uns selbst Liebe zu schenken. Unser heutiges Erziehungsmodell richtet sich danach zu reglementieren und zu bestrafen. Wenn wir etwas „Falsches“ getan haben, sind wir gleich ein schlechter Mensch, anstatt es lediglich als Fehlverhalten anzuerkennen. Und da wir das als Kind unzählige Male verinnerlicht bekommen haben, glauben wir es auch. Wir sind bemüht, stets „gut“ zu sein, um dafür als Gegenleistung ein wenig Liebe zu erhalten. Besonders Menschen mit Helfersyndrom haben in ihrer Kindheit sehr wenig Aufmerksamkeit erfahren, so dass sie nun hoffen für ihre Hilfe etwas zurück zu bekommen – nämlich Liebe. Leider funktioniert dieser Deal nicht. Egal wieviel ein Helfer gibt, er wird nie die Liebe finden, die er sich wünscht. Der Grund darin, liegt an der Suche im Außen.

Was wir im Außen suchen, werden wir im Inneren nicht finden

Was wir aussenden kehrt zu uns zurück. So lange wir einen Mangel an Liebe verspüren und dieser sehnsüchtig hinterher trauern, werden wir das Gefühl des Kummers noch vergrößern. Manchmal wundern wir uns, weshalb andere Menschen so unfreundlich zu uns sind. Wir schimpfen und verurteilen, weil uns andere schlecht behandeln. Doch wie gut behandeln wir uns selbst? Solange wir nicht bereit sind, uns selbst als wunderbaren Menschen zu erkennen, mit all seiner Liebenswürdigkeit, wird uns das auch selten jemand anderes widerspiegeln. Das Gute ist, dass wir jeden Tag neue Entscheidungen treffen können und schon heute damit beginnen können, uns selbst zu lieben.

Erste Schritte zur Selbstliebe

  1. Der wichtigste Punkt ist, sich selbst zu akzeptieren. Wir machen Fehler und sind alles andere als vollkommen. Trotzdem können wir uns so annehmen wie wir sind. Es gibt keine perfekten Menschen und dürfen deshalb auch diesen Anspruch an uns selbst ablegen.
  2. Wenn wir uns unsere täglichen Gedanken bewusst machen würden, würden wir bemerken, wie wenig liebevoll wir mit uns sprechen. Wir kritisieren, beschimpfen und verurteilen uns selbst und das viele Stunden am Tag. So scharf wir mit uns umgehen, würden wir nicht mal mit unseren Feinden sprechen.

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.“ (mündliche Lehre der Gesetze und religiösen Überlieferungen des Judentums nach der Babylonischen Gefangenschaft)

  1. In Geduld üben. Eine Veränderung und Bewusstwerdung benötigt ein wenig Zeit. Der Weg ist lohnenswert, den wir mit ein wenig mehr Gelassenheit angehen dürfen.
  2. Sich selbst sein bester Freund werden. Der Mensch, der uns immer am nächsten steht, sind wir selbst. Das war so, das ist so und das wird auch immer so sein. Daher sollten wir uns darin üben, uns selbst wertzuschätzen und uns gut zu behandeln.
  3. Dankbarkeit für das, was ist. Viele Dinge des Tages, nehmen wir als selbstverständlich. Sobald wir beginnen, nicht nur uns, sondern auch das, was wir besitzen mit anderen Augen zu betrachten, steigert sich die Freude und damit auch die Selbstliebe.
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