Diskriminierung – ein persönliches Wachstumsfeld

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Diskriminierung-aussenseiter-spielfiguren-discriminationDiskriminierung – ein persönliches Wachstumsfeld

Ich wage zu behaupten, dass wir alle auf die eine oder andere Art und Weise diskriminieren. Nicht absichtlich, natürlich nicht. Aber dennoch. Wir tun es. Wir tun es sogar ständig.

  • Aus Unwissenheit.
  • Aus einem kollektiven Gewohnheitsreflex heraus.
  • Aus Unachtsamkeit und eben nicht genug Achtsamkeit gegenüber dem Menschen, der vor uns ist.

Auch ich tue es und die letzten Wochen haben mir vor Augen geführt, dass ich es sogar viel öfter tue, als ich angenommen habe. Nicht, weil ich ein schlechter Mensch bin. Sondern aus oben genannten Gründen.
Und dass auch ich häufig von anderen diskriminiert werde. Auch aus oben genannten Gründen.

Nicht weiter schlimm. Aber schlimm genug.

Mikroverletzungen“ nennt man das, wenn es nicht wirklich weh tut, aber dennoch piekst. Nicht nur hin und wieder. Sondern ständig.
Wie lästige Mückenstiche.
Gefährlich wird es, wenn sie sich häufen. Wenn sich Aggressionen über Jahre hin aufstauen und dann, irgendwann, ein Tropfen, das Fass zum Überlaufen bringt. Oder – wie es das Zeitgeschehen um das Thema Rassismus gerade zeigt – eben kein Tropfen, sondern ein Mord.
Dann entlädt sich das, was oft über Jahrhunderte gestaut war. Dann brodelt das endlich an die Oberfläche, was schon immer versteckt da war, weggedrückt, weggeschwiegen, verdrängt, nicht gewollt wurde.

Wo stehe ich selbst?

Das Thema ist nicht leicht. Es wirft viele Fragen auf, vor allem bei einem selbst.

Ich bin doch keiner, der diskriminiert! Schon gar kein Rassist!“, habe ich mir gedacht! Und das denkst vielleicht auch Du gerade.
Natürlich nicht!

Einige meiner Freunde sind schwarz oder People of Color, ich selbst habe die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt, war also immer „der andere“, diejenige, die Sprachen erst neu lernen musste, immer wieder „bei Null“ angefangen hat.
Das Privileg des „Weißseins“ hatte ich dennoch immer. Es war mir nie wirklich bewusst.
Ich esse gerne Italienisch und Thailändisch und das Thema „Rassismus“ war für mich nie wirklich wichtig, einfach deshalb, weil ich meinte, eben gerade kein „Thema damit zu haben“.

Und genau das ist oft der große Fehler, den wir machen.
Wir denken, es betrifft die anderen. Und vergessen dabei, dass wir ja ein Teil des Ganzen sind. Und es somit eben auch uns betrifft.

Was passiert hier?

Was passiert eigentlich, wenn wir einen anderen Menschen diskriminieren?
Ist doch klar – denkst Du jetzt vielleicht – ich verletze damit einen anderen Menschen!
Ja, das ist ein Aspekt.
Der erst einmal wichtigste!

Aber dies ist eine zweischneidige Klinge. Du verletzt den anderen, aber auch Dich selbst.

Wenn ich diskriminiere, schneide ich mich dabei nämlich selbst vom Fluss des Lebens ab! Ich trenne mich von dem, was ich als „anders“ empfinde, als „fremd“, als „sonderbar“, „schlechter“, aber auch als „besser“ („die Stinkreichen!“).

Ich ziehe eine klare Linie: Das bin ich und das eben nicht!

  • Meist erhöhen wir uns damit.
  • Wir versuchen uns, zu schützen.
  • Wir isolieren uns.
  • Wir beschneiden uns selbst.

Neulich führte ich ein Interview. Meine Interviewpartnerin nannte mich wiederholt „Du als Opfer“ (weil ich in meiner Kindheit und Jugend Opfer von Gewalt geworden bin).
Sie meinte das mit Sicherheit nicht böse, ganz bestimmt sogar nicht!

Vielleicht wollte sie mir damit sogar zu verstehen geben, dass sie Mitgefühl für mich hätte, mich möglicherweise sogar als jemand sieht, der Ahnung von dem Thema hat.
Angekommen ist es bei mir aber ganz anders.
Ich fühlte mich diskriminiert. In eine Schublade gesteckt. Sie war „normal“, ich „anders“. Sie irgendwie „heiler“ als ich und damit „besser“. Ich ihr unterlegen. Irgendwie weniger…

Spannende Erfahrung!

Diskriminierung aus Unwissenheit.

Aus mangelnder Empathie.

Ehemaliges Opfer“ wäre schon besser gewesen oder „Betroffene“ oder „Überlebende“ oder einfach „Du“.

Aber das kam eben nicht. Da wurden sich keine Gedanken gemacht, sondern einfach alte Gewohnheiten und Mechanismen weiter gelebt, die alte Wortwahl nicht überdacht.

Und ähnlich müssen sich Menschen fühlen, die ich – einfach aus Interesse, weil ich selbst lange im Ausland gelebt habe – frage, wo sie herkommen und freundlich bemerke, dass sie gut deutsch sprechen (Sprachen lernen ist eine Kunst für sich, weiß ich!)
Nett gemeint, klar. Aber die Frage ist: Ist es auch so angekommen?

Wie ich heute weiß, auch aufgrund der brillanten Bücher „Exit Racism“ von Tupoka Ogette und „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters, sind solche Äußerungen diskriminierend und lösen oft alte und tiefe Verletzungen aus, werden als Diskriminierung wahrgenommen.
Du bist anders“. Vielleicht sogar „ich bin besser“.

Feinfühligkeit und Offenheit im Umgang mit anderen. Auch wieder einmal ein ganz großes Thema für mich!

Noch einmal nachdenken, bevor man unüberlegt und unachtsam irgendetwas von sich gibt, was man immer gesagt und getan hat und was ja auch nicht böse gemeint ist. Aber oft eben böse ankommt.

Ein Übungsfeld, XXL.

Denn Ganze geht ja weiter.
Diskriminierung macht auch vor alten Menschen nicht Halt.

Erst neulich erzählte mir eine Altenpflegerin, wie viel Diskriminierung alte Menschen täglich erleben. Tröpfchenweise. Mikroverletzungen.
Alt“ ist in unserem Wortgebrauch sehr oft verbunden mit „eben nicht mehr neu“ und „nicht mehr jung“, wobei „neu und jung“ natürlich „gut“.

Wie mögen sich da alte Menschen, in deren Anwesenheit man solche Parallelen zieht, wohl fühlen?

Die sind alt und kriegen nichts mehr mit“, ist mit Sicherheit schon lange keine Mikroverletzung mehr.

Ähnliches erfahren Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, Menschen verschiedener sexueller Orientierung, ja, auch Mütter mit Kindern „die ist ja nur Mutter“ habe ich neulich in einer Konversation mitgehört, bei offenem Fenster auf einer Fähre. Und, richtig heftig, aber witzig gemeint: „Frauen werden alt, Männer reifen!“

Das ist bestimmt eine Transe“.
Wie behindert ist das denn?
Du Spast!“
Die Mutti soll mal den Rand halten.
Der wirft den Ball wie ein Mädchen!“, auf dem Sportplatz bei Kindern.
Oder neulich im Fitnessstudio, der eine Mann zu dem anderen „du trainierst wie eine Pussy“.
Hier wird die Frau nicht nur auf ihr Geschlechtsteil reduziert, sondern dieses auch als Gegenstand für negativen Vergleich heran gezogen.

Was soll das?
Männlich, jung, weiß, heterosexuell“ ist Trumpf?

Das Kontrastfeld

In letzter Zeit führe ich viele Diskussionen. Manche produktiver als andere. Manche in besserem Ton als andere.
Ich übe.
Und mal gelingt mir das Ganze besser und mal schlechter.
Aber allemal besser, als einfach den Mund halten.

Als Kind hat man manch einem von uns auf den Weg gegeben: Einfach weghören! Nicht so ernst nehmen! Da steht man drüber!

Wirklich? Will man das denn?
Ich nicht.

Nichtstun ist auch eine Entscheidung. Und diese Entscheidung fühlt sich für mich nicht gut an.

Wo bleibt denn da die freie Meinungsäußerung?“, wies mich neulich jemand zurecht, als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass eine Äußerung von besagter Personengruppe wohl als diskriminierend aufgenommen werden würde.

Natürlich.
Die haben wir. Freies Land.

Ich werde doch wohl noch sagen dürfen, was ich will?!
Wir leben in einer Demokratie!

Ja, du darfst sagen, was du willst und ja, wir leben in einer Demokratie!
Und genau das ist ja unsere große Verpflichtung. Diese Freiheit zu wählen!

Wir dürfen wählen, immer wieder und wieder, ganz frei, wer wir sein wollen!

Und das tun wir, bewusst oder unbewusst, auch durch das, was wir sagen! Was wir, mal achtsamer und mal unachtsamer, von uns geben!

Das Kontrastfeld ist da, damit wir die Möglichkeit haben, uns zu definieren!“ habe ich von meinem spirituellen Lehrer Neale Dondald Walsch gelernt.
Es ist ein Geschenk. Eine Herausforderung. Eine Einladung.

Wer will ich sein angesichts dieser Situation?,

lautet die Aufgabe.

Speziesismus

…bedeutet, laut Wikipedia:
„…(aus Spezies (= Art) und -ismus) bezeichnet die moralische Diskriminierung von Geschöpfen ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Dies schließt ein, dass das Leben oder das Leid eines Lebewesens nicht oder weniger stark berücksichtigt wird, weil es nicht einer bestimmten Spezies, wie etwa der Spezies des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens), angehört.“

Das gleiche Leben wir auch bei Tieren. Täglich.

Das eine Tier streicheln wir, hegen und pflegen es, schließen sogar eine Tierkrankenversicherung für den geliebten Vierbeiner ab! (ja, ich auch). Und das andere, das ist uns einfach egal. Nein, natürlich sind wir keine Tierquäler! Nein, wir selbst würden auch keiner Fliege etwas zu Leide tun, naja, die Fliegenklatsche hängt vielleicht bei dem einen oder anderen noch irgendwo rum…

Also, wir würden keiner Kuh etwas zu leide tun, keinem Schwein, keinem Huhn… aber wir zahlen eben für jemanden, der es tut. Der das Tier in furchtbaren Bedingungen hält, ihm das Neugeborene entreißt und es gewaltvoll auf die Schubkarre schmeißt, um es abzutransportieren (Milchbauern ziehen keine Kälber groß) usw. Jeder Erwachsene weiß, wie es in der Massentierhaltung aussieht.

Und wenn wir in lauen Sommernächten grillen, dann denken wir eben nicht an das arme Schwein, das in seinem Leben die Sonne das erste Mal gesehen hat durch die Schlitze des Transporters, der es zum Schlachthof fuhr…
Daran denken wir nicht. Das wollen wir nicht wissen, obwohl wir es wissen. Das drücken wir weg…
„Ist ja nur ein Tier“, auch das würden wir so nicht sagen, aber wir denken es.
Wir denken es.

Ahura Mazda…

Ich erinnere mich an einen Unterricht in der vierten Klasse, Waldorfschule. Es ging um das alte Indien.
Ahura Mazda, ein Schöpfergott, wurde von seinem Schüler gefragt:

Was ist in der Welt das Beste? Was das Zweitbeste? Was das Drittbeste?

Und – diese Worte hallen immer noch, fast vierzig Jahre später, in meinem Kopf und Herzen, als wäre es gestern gewesen:

Ahura Mazda antwortete:

Das Beste sind gute Gedanken.
Das Zweitbeste sind gute Worte.
Das Drittbeste sind gute Taten.

Puh… da muss ich heute immer noch und immer wieder tief, ganz tief durchatmen!

Das Beste sind gute Gedanken…
Das heißt aber auch: Das Schlechteste sind eben schlechte Gedanken.

Egal, ob ich diese Lehre für mich nun annehmen möchte oder nicht, eines ist sicher:

Unsere Gedanken sind Energie.
Unausgesprochene Worte.
Und sie haben Kraft.
Schöpferkraft.

Wenn ich also denke, ist doch „nur“… dann fängt da die Diskriminierung schon an.

Und was das für andere, aber auch für mich bedeutet… das wissen wir ja jetzt.

Das große, göttliche Übungsfeld ist eröffnet!
Springen wir hinein und definieren uns durch unsere Gedanken, Worte und Handlungen täglich und immer wieder selbst!

Was für eine Aufgabe…

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22.06.2020
Ursula Schulenburglogo-schulenburg
www.institut-schulenburg.de
Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin, Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.

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