Ein spiritueller Quantensprung

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naturwissenschaft-physik-spiritualitaet-universeEin spiritueller Quantensprung
Ein Physiker ermutigt zu mehr Spiritualität

von Prof. Dr. Markolf Niemz
In meinem Gastbeitrag für Spirit Online möchte ich erläutern, was mich bewegt, als Physiker spirituelle Bücher zu schreiben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Naturwissenschaft und Spiritualität nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich gegenseitig voranbringen.

Bezüglich der Naturwissenschaften sind wir heute in der komfortablen Lage,

nicht nur unbekannte Zusammenhänge zu erforschen – wir können auch viele Jahrhunderte zurückblicken und dabei erkennen, was es jeweils war, das in der Vergangenheit zu einem Erkenntnisgewinn geführt hat.
Ich möchte nur zwei Beispiele herausgreifen: die Evolutionstheorie von Charles Darwin und die spezielle Relativitätstheorie von Albert Einstein.
Schon Aristoteles hatte Lebewesen im Mittelmeer beobachtet und eine erste Evolutionstheorie für das Leben aufgestellt.
Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte der Franzose Jean-Baptiste Lamarck viele Ähnlichkeiten bei Tieren und folgerte, dass Organismen in der Lage sind, sich an eine veränderliche Umwelt anzupassen, um zu überleben. Unklar blieb jedoch der Zusammenhang zwischen dieser Anpassung und der Entstehung neuer Arten.

Es war Charles Darwin, der im Jahr 1859 die damals vorherrschende Meinung der Kirche endgültig über den Haufen warf, dass jede biologische Art einzeln von Gott erschaffen worden und der Mensch die Krone der Schöpfung sei. Er postulierte die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen und erkannte die natürliche Auslese als den wichtigsten Mechanismus der Evolution: Es überleben nur diejenigen Arten, die in der Lage sind, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen; alle anderen sterben aus.

Wenige Jahrzehnte später gab es eine ähnliche Revolution in der Physik.

Bis zum Jahr 1905 galten Raum und Zeit als zwei voneinander unabhängige Grundstrukturen unserer Welt. Dann wagte Albert Einstein einen völlig neuen Denkansatz, indem er zwei ungewöhnliche Annahmen machte: Die Lichtgeschwindigkeit ist eine Naturkonstante, und die Naturgesetze haben für alle nicht beschleunigten Beobachter die gleiche mathematische Form. Allein aus diesen zwei Annahmen folgerte er, dass Zeit und Raum relativ sein müssen, das heißt, von der Perspektive eines Beobachters abhängen.

Sowohl Darwin als auch Einstein stellten also mit einer originellen, spirituellen Eingebung die traditionelle Lehrmeinung in Frage und ernteten dafür zunächst Spott und Häme. Doch inzwischen hat die Molekulargenetik die gemeinsame Abstammung von Mensch und Menschenaffe eindeutig nachgewiesen: 99 Prozent der Gene von Mensch und Schimpanse sind identisch. Und Einsteins spezielle Relativitätstheorie wurde bereits im Jahr 1919 während einer totalen Sonnenfinsternis eindrucksvoll bestätigt.


BiografieProf-Dr-Markolf-H-Niemz-Autorenfoto

Prof. Dr. Markolf H. Niemz ist Physiker und hat einen Lehrstuhl für Medizintechnik an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

Seine Forschungen zur Lasermedizin wurden 1995 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit dem Karl-Freudenberg-Preis ausgezeichnet.

Weitere Informationen unter:
http://www.markolfniemz.de


Weitere Beispiele für derartige »Quantensprünge«

in der Erkenntnis waren die Entdeckung des Elektromagnetismus, die Krümmung von Raum und Zeit durch Masse/Energie und schließlich die Quantenphysik. Jedes Mal stand eine spirituelle Eingebung am Anfang, und dann entwickelte sich daraus eine bis heute gültige, naturwissenschaftliche Theorie. Was dürfen wir daraus ableiten?

Ohne Spiritualität hätten wir naturwissenschaftlich das Mittelalter noch nicht verlassen und würden vielleicht immer noch glauben, dass die Sonne um die Erde kreist.

Doch Naturwissenschaft und Spiritualität bringen sich gegenseitig voran,

das heißt, es gibt auch einen positiven Effekt von naturwissenschaftlicher Erkenntnis auf unsere Spiritualität. Prominentes Beispiel ist ein Gedankenexperiment von Werner Heisenberg. Es ist in Abbildung 1 skizziert. Ziel ist es, den Ort eines Teilchens exakt zu messen.

Hierzu legt Heisenberg es unter ein Mikroskop. Um es sehen zu können, schaltet er eine Lampe ein. Doch jetzt überträgt das Licht einen Teil seiner Energie auf das Teilchen und versetzt es so ungewollt in Bewegung.

Allein der Versuch, das Teilchen zu beobachten, zwingt es, seinen Ort zu verändern. Natürlich findet auch der umgekehrte Effekt statt: Das Beobachten verändert kontinuierlich Heisenbergs Gehirn; es entstehen neue Zellverknüpfungen, die das Beobachtete in sein Gedächtnis speichern.

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Abb. 1: Versuch, den Ort eines Teilchens (rot) exakt zu messen

Was lernen wir daraus?

Es gibt im Kosmos keine passiven Objekte; alles wechselwirkt mit seinem Umfeld. Unbeteiligte Zuschauer – wie in der klassischen Physik – existieren nicht mehr. Alles hängt mit allem zusammen. Der Kosmos und jedes in ihm lebende Wesen sind ein unteilbarer, sich kontinuierlich entfaltender Prozess. Der britische Mathematiker und Philosoph Alfred North Whitehead und seine Prozessphilosophie lassen grüßen!

Mit dieser naturwissenschaftlichen Erkenntnis sind wir sogar in der Lage, ein uraltes philosophisches Rätsel zu lösen (Abbildung 2): Was kam zuerst – das Huhn oder das Ei?
Ich war noch ein Teenager, als ich mich zum ersten Mal mit diesem Rätsel konfrontiert sah. Damals dachte ich wie fast alle Menschen, dass es keine vernünftige Lösung haben kann. Falls das Huhn zuerst da war, woraus soll dieses allererste Huhn geschlüpft sein? Falls das Ei zuerst da war, wer soll dieses allererste Ei gelegt haben?

 

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Abb. 2: Was kam zuerst – das Huhn oder das Ei?

Tatsächlich gibt es aber eine Lösung,

und diese Lösung ist verblüffend einfach, wenn Sie mal den Dreh herausgefunden haben. Sie lautet: Es gibt weder das Huhn noch das Ei. Hühner von heute unterscheiden sich genetisch von denen, die vor hundert oder vor Millionen Jahren gelebt haben. Das gilt auch für Eier. Hühner und Eier entwickeln sich mit jeder Generation weiter. Deshalb schlage ich in meinem neuen Buch “Die Welt mit anderen Augen sehen” vor, von Verbformen (»huhnend«, »eiend«) zu sprechen.

Unsere Substantive haben einen großen Nachteil – sie verschleiern, dass sich das Leben entfaltet!
Huhn und Ei sind also nicht zwei, sondern ein großes, sich entfaltendes Ganzes. Was wir eben über Hühner und Eier gelernt haben, ist kein Einzelfall. Charles Darwin lehrt uns in seiner Evolutionstheorie, dass alles Leben ein großes, sich entfaltendes Ganzes ist. Somit war es Darwin, der – ohne es zu wissen – das Fundament geschaffen hat, auf dem wir heute die Huhn-oder-Ei-Frage korrekt beantworten können.

Doch die eigentliche Pointe kommt erst jetzt:

Seit Charles Darwin wissen wir, dass selbst der Mensch vom Tier abstammt. Folglich sind wir gut beraten, auch uns Menschen als Verbformen zu begreifen – als »Menschende«. Wir sind mitnichten Individuen. Mit jeder Erfahrung, die wir machen, verändern wir uns. Wenn das keine revolutionäre, spirituelle Erfahrung ist, was dann?

Ich kann nicht verstehen, weshalb die meisten von uns Charles Darwin zustimmen, dass keine biologische Art individuell erschaffen wurde – und dennoch an der Individualität jedes Menschen festhalten.

Es wäre ein spiritueller Quantensprung, wenn es uns endlich gelingt, nicht mehr von »Ausländern«, »Ungläubigen« und »Selbstverwirklichung« zu sprechen, sondern uns als ein großes Ganzes – als Menschheit – zu begreifen.


DIE WELT MIT ANDEREN AUGEN SEHENProf-Dr-Markolf-H-Niemz-Buchcover

von Prof. Dr. Markolf Niemz
Ein Physiker ermutigt zu mehr Spiritualität
(Gütersloher Verlagshaus, Juli 2020)

Markolf Niemz, international ausgewiesener Biophysiker und Bestsellerautor, stellt in diesem Buch unser Weltbild auf den Kopf. Wir sind es gewohnt, den Erkenntnissen der Naturwissenschaften zu trauen.

Details zum Buch

29.07.2020
Prof. Dr. Markolf Niemz
MABEL – Mannheim Biomedical Engineering Laboratories
Heidelberg University
http://www.markolfniemz.de

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