Erwachen des Erleuchtungs-Geistes

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Das Erwachen des Erleuchtungs-Geistes

Der indische Jesuitenpater und ZEN-Meister Arul Arokyiasamy ist in seinem hohen Alter von bald 87 Jahren immer noch ständig unterwegs, um Menschen auf dem „Weg zum Erwachen“ zu begleiten.

Am 21. Mai 1936 kam er in Burma als Sohn einer armen indischen Familie zur Welt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs Vertreibung nach Indien, wo sein Großvater, Anhänger eines muslimischen Heiligen einige Jahre lang die Erziehung übernahm. Der junge Arul besuchte in Madurai/Tamil Nadu eine von Jesuiten geführte Schule und trat später selbst in die Societas Jesu ein. Einige Zeit lebte er als Bettelmönch und Einsiedler; die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes versorgten ihn mit Nahrung.  Er begegnete dem Benediktinermönch Henri Le Saux „Abhishiktananda“ (1910 – 1973), der ihn mit der spirituellen Weisheit von Sri Ramana Maharshi (1879 – 1950) vertraut machte.

Ama Samy, wie er heute allgemein genannt wird,

hatte in Indien Hindu-Ashrams und buddhistische Meditationszentren aufgesucht, weil ihn die christliche Spiritualität allein nicht erfüllte. Mit Hilfe des Jesuitenpaters und ZEN-Meisters Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 – 1990) ging er nach Japan und konnte in Kamakura bei Yamada Koun Roshi (1907 – 1989) eine umfangreiche ZEN-Schulung durchlaufen; seit 1982 ist er der einzige autorisierte ZEN-Meister Indiens, in der Heimat von Gautama Siddharta, dem Buddha, dem Erwachten.

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© Ama Samy – dem Autor von Ama Samy zur Verfügung gestellt

„ZEN ist ein wunderbarer Weg und eine Praxis, die zum Erwachen und Mitfühlen anleitet. ZEN erhebt für sich den Anspruch, Gut und Böse zu transzendieren. Von der Leere an sich kann man natürlich behaupten, dass sie jenseits eines Dualismus von Gut und Böse ist, doch im phänomenalen Bereich, in der Realisierung als Form, geht es sehr wohl um Dualität wie auch um Gut und Böse. In diesem Bereich lassen sich Ethik und Moral, lässt sich die Verantwortung gegenüber uns selbst sowie gegenüber anderen und der Welt nicht ausklammern…“

Man wird erinnert an die Worte des persischen Sufi-Meisters Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1207 – 1273):

 „Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Ort, und dort treffen wir uns“.

Unser ursprüngliches Wesen (Essenz, Sein),

das vom Schleier der Unwissenheit  (Sanskrit: „Avidya“) verhüllt ist, verlangt nach Offenbarung. Das englische Wort für Offenbarung: „revelation“ bedeutet genau genommen Entschleierung, bis der Meister mir dann sagen kann: 

„Das bist Du” (Sanskrit: „Tat Tvam Asi“), d.h. das Absolute ist mit Dir wesenseins). Das Ursprüngliche Sein ist frei von Vorurteilen, vorgefassten Begriffen und verfügt über die Qualität der Leere (Sanskrit: “Sunyata“) Die für das Absolute charakteristische Leere transzendiert jegliche Form und Dualität auf die Ebene des Seins, des „ich bin“ (Sanskrit: „Aham“).

Der voll erleuchtete Geist, der ganz leer gewordene Mensch, birgt vollkommen das Universum in seiner Totalität in sich. Er ist fähig, alles aufzunehmen, ohne Vorliebe oder Vorurteil. Er spiegelt alles in seiner Einzigartigkeit wider und schätzt jedes Einzelding als solches. Und er ist fähig, auf jedes so zu reagieren, wie es in jedem Umstand ihm entspricht. Eine derartige universale Verfügbarkeit ist nur dem ganz leer gewordenen Menschen möglich.

Jesuitenpater Ama Samy hat im süd-indischen Perumalmalai/Kodaikanal das „Bodhi-Zendo“, sein spirituelles Zentrum, gegründet, wo er außer seinen Reisen in die Welt die meiste Zeit mit seinen Schülern und Schülerinnen verbringt.

„Das Erwachen ist eine Verwirklichung, keine besondere Erfahrung.

Manche ZEN-Geschichten und ZEN-Lehrenden führen uns auf einen Irrweg, wenn sie behaupten, das Erwachen sei eine Durchbruchserfahrung. Im Wesentlichen gibt es zwei Arten solcher Vorstellungen: entweder es wird behauptet, das Erwachen bestünde darin, die buddhistischen Ideen von Interdependenz, Unbeständigkeit und Nicht-Selbst nachzuvollziehen. Oder man sagt, das Erwachen sei eine – plötzlich oder allmählich entstandene – nicht-konzeptuelle Erfahrung.

Doch Erwachen ist ein Erwachen zur Leere. Leere ist unendliche Offenheit, ein unkonditioniertes und unendliches Mysterium, und keine besondere oder bedingte Erfahrung kann das Unbedingte und Grenzenlose erfassen. Erwachen ist die Realisierung der Leere als dem eigenen Selbst, das sich in seiner Soheit als bedingungslos und bestätigt erfährt, und ebenso die bedingungslose Anerkennung und Bestätigung anderer Menschen und der Welt in ihrer Soheit. Das Herz-Sutra verkündet: LEERE IST FORM, FORM IST LEERE. Die Übertragung im ZEN ist eine Bestätigung dieser Realisierung, nicht die Anerkennung einer bestimmten Erfahrung…

Viele ZEN-Lehrer reduzieren ZEN-Meditation auf eine Art Psychotherapie, doch das ist ein falscher Anwendungsbezug. Im ZEN geht es um Erwachen und Befreiung, und beides verlangt nach einer Überschreitung des individualistischen Selbstkonzepts. Die ZEN-Meditation kann heilsam und befreiend sein, doch ZEN ist weder eine Methode noch eine Technik, sondern vielmehr eine religiöse Sache, eine Sache des Vertrauens und Transzendenz.

Unsere Bodhi-Sangha ist überkonfessionell, interreligiös und an keine bestimmte Religion oder Ideologie gebunden. Für mich bedeutet Transmission bodhicitta, das Erwachen des Erleuchtungsgeistes. Bodhicitta stellt diejenigen Ideen von Transmission infrage, die auf bestimmte Methoden, Techniken, Rituale und Symbole hinauslaufen, darunter auch das ‚reine’ Sitzen oder das Lösen von Koans. Die Transmission in Form von bodhicitta ist unergründlich und kosmisch – und zugleich eine persönliche Realisierung.“

16.03.2023
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher, Buchautor und Publizist

www.KARDIOSOPHIE-NETWORK.de


Über Roland R. Ropers

Erwachen des Erleuchtungs-Geistes Roland Ropers 2021

Roland R. Ropers geb. 1945, Religionsphilosoph, spiritueller Sprachforscher,
Begründer der Etymosophie, Buchautor und Publizist, autorisierter Kontemplationslehrer, weltweite Seminar- und Vortragstätigkeit.
Es ist ein uraltes Geheimnis, dass die stille Einkehr in der Natur zum tiefgreifenden Heil-Sein führt.

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Buch Tipp:

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Weg-Weiser zur kosmischen Ur-Quelle

von Roland R. Ropers und
Andrea Fessmann, Dorothea J. May, Dr. med. Christiane May-Ropers, Helga Simon-Wagenbach, Prof. Dr. phil. Irmela Neu

Die intellektuelle Kopflastigkeit, die über Jahrhunderte mit dem Begriff des französischen Philosophen René Descartes (1596 – 1650) „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) verbunden war, erfordert für den Menschen der Zukunft eine neue Ausrichtung auf die Kraft und Weisheit des Herzens, die mit dem von Roland R. Ropers in die Welt gebrachten Wortes „KARDIOSOPHIE“ verbunden ist. Bereits Antoine de Saint-Exupéry beglückte uns mit seiner Erkenntnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Der Autor und die sechs Co-Autorinnen beleuchten aus ihrem individuellen Erfahrungsreichtum die Vielfalt von Wissen und Weisheit aus dem Großraum des Herzens.

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