Hochsensibilität 2.0 – Mehr als nur ein Persönlichkeitsmerkmal

aurum-cordis-LibelleHochsensibilität 2.0: Mehr als „nur“ ein Persönlichkeitsmerkmal!

Warum hochsensible Menschen die Pioniere eines gesellschaftlichen Bewusstseinswandels sind und welche Rolle ihre Spiritualität dabei spielt

In den vergangenen Jahren trendete der Begriff „Hochsensibilität“ auf allen Kanälen. Als Gründerin von Aurum Cordis, Deutschlands erstem Kompetenzzentrum für Hochsensibilität, begrüßte ich einerseits die öffentliche Zuwendung, die mein Herzensthema auf einmal bekam. Andererseits verdeutlichte mir die mit dem Hype häufig einhergehende Aussage, Hochsensibilität sei doch nur eine weitere „Modediagnose“, dass mein tiefes Anliegen, Hochsensibilität als ein Persönlichkeitsmerkmal mit hoher gesellschaftlicher Wirkung zu etablieren, nur noch dringlicher wurde.

Inmitten einer teilweise recht oberflächlichen Berichterstattung lag eine riesige Aufgabe vor mir, der ich mich unter anderen in meiner Rolle als Herausgeberin und Co-Autorin des 2018 erschienenen „Fach.Buchs Hochsensibilität – Worauf es in der Begleitung Hochsensibler ankommt“ stelle.

Der Dreiklang Hochsensibilität, Bewusstseinsentwicklung und Spiritualität

In meinem Kapitel „Ein multidimensionaler Blick auf das Phänomen Hochsensibilität“ beschäftige ich mich mit einem Zusammenhang, der in der öffentlichen Diskussion bislang weitestgehend ausgeklammert wurde: dem Dreiklang von Hochsensibilität, Bewusstseinsentwicklung und Spiritualität. Tatsächlich befasst sich die Mehrheit derer, die im Bereich der Hochsensibilität tätig sind oder darüber berichten, vornehmlich damit, was diese spezielle Beschaffenheit für den einzelnen Menschen bedeutet.

Vieles wurde darüber gesagt und geschrieben, was das individuelle Leben mit Hochsensibilität so besonders, und vor allem so herausfordernd macht. Während anfangs der Fokus häufig auf die vermeintlichen Schwächen gelegt wurde – etwa das Ausgeliefertsein an eine permanente Reizüberflutung, eine besonders hohe Lärmempfindlichkeit und so weiter – wurden zunehmend jedoch auch die vielen Gaben und Potentiale hochsensibler Menschen beleuchtet.

Zum Beispiel ihre ausgeprägte Empathie-Fähigkeit oder ihre intensive vernetzte Wahrnehmung,

die sie in die Lage versetzt, Probleme auf unterschiedlichen Ebenen zu erfassen, um dann auf einem übergeordneten Level zu einer neuen Lösung zu kommen.

Doch welche Rolle spielt das Phänomen Hochsensibilität selbst auf einer solchen übergeordneten Ebene, sprich in und für unsere Gesellschaft? Dieser Fragestellung bin ich in den vergangenen Jahren intensiv nachgegangen, inspiriert durch meine langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit hochsensiblen Menschen. Inzwischen bin ich überzeugt: Hochsensibilität ist, weit über ein individuelles Persönlichkeitsmerkmal hinaus, eine essenzielle und dringend benötigte Zukunftskompetenz in unserer von Unsicherheit und Komplexität geprägten Gesellschaft.

Dabei ist die natürliche Fähigkeit vieler hochsensibler Menschen, Kraft aus einer tiefen spirituellen Verankerung zu ziehen, eine wichtige Komponente, diese Kompetenz zum Leben zu erwecken und für sich und die Welt gewinnbringend einzusetzen. Doch schauen wir uns zunächst das Thema Bewusstseinsentwicklung unter dem Einfluss von Hochsensibilität etwas genauer an:

Spiral Dynamics und Hochsensibilität: Ein faszinierender Zusammenhang

Besonders eindringlich lässt sich die Erkenntnis, dass Hochsensibilität und Bewusstseinsentwicklung in enger Beziehung zueinanderstehen, am Beispiel der „Spiral Dynamics“ veranschaulichen.
Dabei handelt es sich um ein auf breiter empirischer Basis gewonnenes Modell zur menschlichen Bewusstseinsentwicklung. Es wurde erstmals von dem US-amerikanischen Psychologie-Professor Clare Graves entworfen und später von seinen Schülern Don Beck und Christopher Cowan weiterentwickelt.

Später nahm auch der bekannte Bewusstseinsforscher Ken Wilber die Spiral Dynamics in sein Werk auf und erweiterte ihren Gesamtzusammenhang um einige Aspekte. Im Prinzip geht es um eine spiralige Darstellung der stufenweisen Entwicklung der Denk- und Bewusstseins-strukturen der Menschen, die auf einem analogen Weltbild beruht.

Demnach sind mit jeder Bewusstseinsstufe oder -ebene eine sich stetig erweiternde Zahl von Entsprechungen verbunden.

Diese beziehen sich auf Lebenseinstellungen, Werteverständnis und Grundüberzeugungen, die sich wiederum auf Sprache, Kunst, Architektur, Erziehung, Führungsverhalten usw. niederschlagen.

Die Grundaussage der Spiral Dynamics ist, dass die Menschheit grundsätzlich in der Lage ist, ihre Umwelt durch neue konzeptionelle Modelle so zu gestalten, dass alle neu entstandenen Probleme bewältigt werden können. Die spiralförmige Darstellung verdeutlicht, dass die Stufen sich nicht abwechseln, sondern sich überlagern und gegenseitig umfassen, und der weitere Verlauf nach oben hin offenbleibt: Individuen als auch Gruppen entwickeln sich in ihren Wertvorstellungen kontinuierlich weiter. In jeder neuen Phase erreichen sie ein tieferes Verständnis für sich selbst und später auch für die eigene Umwelt.

Die integrale Bewusstseinsströmung steht in den Startlöchern

Blicken wir auf die aktuelle Situation unserer Gesellschaft, stehen sich insbesondere drei Wertvorstellungen resultierend aus drei verschiedenen Bewusstseinsebenen gegenüber: Der konservative, auf klaren Regeln und klassischen Hierarchien beruhende Ansatz ist zwar der älteste von diesen dreien, aber vor allem in einigen Teilen der Arbeitswelt noch sehr präsent.

In der Mitte finden wir eine sehr rationale, stark auf Wissenschaft und Leistung ausgerichtete Haltung, die in den vergangenen Jahrzehnten allmählich durch eine Haltung abgelöst wird, die den Fokus auf Verbindung, Gleichberechtigung und Fürsorge setzt. Wie es das Bild einer Spirale suggeriert, findet dieser „Ablöseprozess“ aber eben nicht linear statt, sondern beginnt mit einer Durchmischung des Vorhandenen mit neu auftauchenden Bewusstseinsstufen.

Und so steht auch schon eine weitere Strömung längst in den Startlöchern: Sie macht sich auf den Weg, die derzeitig scheinbar widersprüchlichen Haltungen in einem integralen und flexiblen Lebenskonzept zusammen zu fassen, in dem Wissen und Kompetenz an die Stelle von Macht, Status oder ausschließlicher Gruppensensitivität tritt. Es zeichnet sich also in der Tat ein „Trend“ ab. Doch was hat nun also Hochsensibilität damit zu tun?

Hochsensible besitzen die Fähigkeit, aus einer Metaebene auf Geschehnisse zu blicken

Bei Aurum Cordis haben meine MitstreiterInnen und ich in den vergangenen Jahren beobachtet, dass wir in der Beschreibung des Aufkommens dieser integralen Bewusstseinsströmung einen großen Teil der hochsensiblen Menschen wiederfinden, die wir in ihrer persönlichen (Bewusstseins)-entwicklung begleiten. Sie verfügen über eine stark vernetzte Wahrnehmung und die damit verbundene Fähigkeit, aus einer Metaebene auf Geschehnisse und Situationen zu blicken.

Gleichzeitig sind sie sowohl durch frühere Erfahrungen als auch durch ihr gegenwärtiges Umfeld mitunter gehemmt und häufig unsicher, ihre Potenziale und den darin verborgenen Reichtum zu leben. Im Sinne der Spiral Dynamics beinhaltet der „Bewusstseinsfundus“ vieler hochsensibler Menschen nämlich genau die Ideen und Lösungswege, die beschritten werden müssen, um die Gesellschaft buchstäblich auf das nächste Level, sprich die nächste Bewusstseinsebene zu heben.

Hochsensible Menschen scheinen also wie ein Seismograph den Übergang in die nächste Stufe anzuzeigen, indem sie das „Aufeinanderprallen“ verschiedener Bewusstseinsinhalte differenziert wahrnehmen und, häufig noch im Verborgenen, nach neuen integralen Lösungen streben.

Der Still(e)punkt: die Kraft der spirituellen Ebene

In der Begleitung hochsensibler Menschen stelle ich immer wieder fest, dass ihnen die Einordnung ihres persönlichen „So seins“ in einen größeren Gesamtzusammenhang wie die Spiral Dynamics hilft, sich in innerhalb ihrer umfassenden Wahrnehmung zu orientieren. Es ist möglich, verschiedene Themen und Situationen auch aus unterschiedlichen Bewusstseinsebenen zu betrachten; viele Hochsensible erleben diesen Umstand zunächst als diffuse Diskrepanz.

Durch die spiralige Betrachtung stellt es jedoch keinen Widerspruch dar, z.B. eine Situation an einem Arbeitsplatz aus einem anderen Bewusstsein heraus zu beurteilen als etwa ein familiäres Ereignis. Unabhängig davon, ob jemand hochsensibel ist oder nicht, kann er mitunter auch mehrere Standpunkte zu ein und demselben Thema einnehmen, was zu einer tiefen Verunsicherung darüber führen kann, welcher Haltung er vertrauen kann. In der Begleitung geht es darum, das Paradox zu verstehen und flexibel mit ihm umzugehen.

Ein wichtiges Werkzeug ist dabei das Aufsuchen einer inneren spirituellen Instanz. Bei Aurum Cordis sprechen wir auch vom Gewahrsein des spirituellen Still(e)punktes. Er ist die oftmals lang gesuchte Verbindung zu sich selbst – ein innerer Freiraum, der es gestattet, Situationen neu zu bewerten und aktiv Entscheidungen zu treffen. Für mich ist er der Knackpunkt für ein Leben in Balance in einer aus den Fugen geratenen Welt.

Der Zugang zu dem immerwährenden Still(e)punkt lässt sich erlernen:

Er verschafft uns nicht nur ein ungekanntes Maß innerer Freiheit und Unabhängigkeit, in ihm liegt auch der Schlüssel, die Zukunftskompetenz Hochsensibilität zum Leben zu erwecken.

Es geschieht aus diesem Still(e)punkt heraus, wenn hochsensible Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ein Bewusstsein dafür entwickeln, aus welcher Ebene heraus sie gerade handeln. Tiefe Erkenntnisse über das eigene Handeln stellen sich ein, ein neuer Wirkungs- und Entscheidungsspielraum eröffnet sich. Darüber hinaus

entwickelt sich auch ein Gespür für die Motive der Mitmenschen, und damit einhergehend ein tieferes Verständnis für das gesellschaftliche Miteinander und seine Fallstricke.

Kompetenzzentrum für Hochsensibilität: Förderung des integralen Bewusstseins

Ein solch buchstäblicher Entwicklungsweg ist also immer auch ein spiritueller Wachstumspfad. Auf diesem Pfad brauchen hochsensible Menschen Begleiter, die wissen, wie es sich anfühlt, sich auf mehrdimensionalen Ebenen zu bewegen und die gelernt haben, sich trotz aller daraus resultierenden Herausforderungen sicher auf ihnen zu bewegen.

So können sie hochsensible Menschen unterstützen, ein eigenes inneres Navigationssystem zu entwickeln, mit dem sie sich im „Außen“ nicht selbst verlieren, sondern mit ihrer persönlichen Spiritualität als Quelle ihres Handelns sicht- und hörbar werden dürfen. Im Kompetenzzentrum für Hochsensibilität verstehen wir Hochsensibilität als ein Phänomen, das den Übergang in ein integrales Bewusstsein beschreibt.

Die Entdeckung und Förderung dieses integralen Bewusstseins bilden den Rahmen für unser vielfältiges Angebot. Wir sind davon überzeugt, dass in einer integralen Betrachtung der modernen Welt der Schlüssel für die Lösung der unterschiedlichsten Problem- und Fragestellungen unserer Zeit liegt. Alle Weiterbildungen, die wir bei uns im Hause anbieten, bauen auf dieser Erkenntnis auf.

17.02.2020
Jutta Böttcher
Autorin, Gründerin des deutschlandweit ersten Kompetenzzentrums für Hochsensibilität Aurum Cordis
www.aurum-cordis.de

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Fach.Buch Hochsensibilität:
Worauf es in der Begleitung Hochsensibler ankommt

Das Fach.Buch Hochsensibilität richtet sich ganz konkret an eine medial bislang eher vernachlässigte Gruppe: Die Begleiter hochsensibler Menschen, sprich Therapeuten, Ärzte, Pädagogen und Coaches.
Das multidisziplinäre Werk möchte die Menschen, denen das Thema Hochsensibilität in der täglichen Praxis begegnet, ermutigen und sie dabei unterstützen, gemeinsam mit ihren Patienten und Klienten die besonderen Herausforderungen in der Begleitung hochsensibler Menschen zu meistern.

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Fach.Kongress
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aurum-cordis-Seminar-MuschelDiese Ausbildung zum spirituellen Wegbegleiter hat nur ein Ziel:
Menschen, die spirituell innerlich auf der Suche sind, dahin zu begleiten, dass sie nach langer Suche endlich innerlich ankommen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gehen sie den inneren Weg, können sich über die Erfahrung austauschen und miteinander wachsen.
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Dieser Kongress führt Sie mit zahlreichen Videolektionen sowie übersichtlichen Grafiken, Schaubildern und Tabellen durch die Komplexität des Themas – verständlich und praxisnah.

 

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