In deiner Welt – Kapitel 2

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In deiner Welt – Kapitel 2

Roman von Georg Huber
Kapitel 1 finden Sie >>> HIER

Der Stadtpark war im Verhältnis zu Winston sehr groß geraten. Selbst Großstädte, die Nick einmal mit seinen Eltern oder der Schule besucht hatte, hatten einen kleineren Park als Winston. Die Bewohner Winstons waren gemütliche Menschen.
Wieso sie einen so großen Park brauchten, hatte Nick noch nie verstanden.

Für Stadtmenschen war eine Grünfläche sinnvoll, damit sie sich von dem Stress und dem Verkehr erholen konnten. Aber eine Kleinstadt wie Winston, mit gerade einmal 20 000 Einwohnern, brauchte solch einen Park wirklich nicht. Dennoch war Nick froh, dass es ihn gab. Hier hatte er Ruhe vor seiner Familie, hier konnte er sich in seine eigene Welt zurückziehen.

Viele Menschen trafen sich in dem Park und verbrachten ihre Zeit miteinander.

Meistens waren es Familien, die auf den Wiesen zusammen picknickten, und ältere Menschen, die Schach oder Boule spielten. Der Park war sehr schön gestaltet. Die Idee hierfür hatte ein Bürgermeister Anfang der 1930er-Jahre gehabt. Das wusste Nick, weil einmal pro Woche eine Führung angeboten wurde. Eine Frau, deren Namen er nicht kannte, hetzte dabei mit einer Gruppe von zwanzig bis dreißig Menschen durch die Anlage.

Immer wieder schob sie nervös ihre Brille hoch und stellte sich auf die Zehenspitzen, um einen Überblick zu haben, wer aus der Gruppe gerade was machte. Nick liebte es, sie zu beobachten. In dem Park gab es auch eine kleine Skateranlage, an der sich überwiegend Jugendliche in Nicks Alter trafen und immer wieder die Halfpipe hinauf- und hinunterfuhren.

Nick beobachtete oft die Skater, für die nichts erfüllender zu sein schien, als einen Trick besser als die anderen zu können. Manchmal stellte er sich vor, dass er der Skater war, der den größten Applaus und Zurufe von den anderen Jugendlichen bekam.
Auf der Highschool, die Nick besuchte, gab es auch einige Skater, und diese gehörten zu den beliebtesten Schülern. Sie hatten immer einen großen Freundeskreis, weil jeder sich gerne in ihrer Nähe aufhielt. Und Skater hatten auch immer Freundinnen, wohingegen Nick noch nie eine richtige Freundin gehabt hatte.

Aber wollte Nick so ein Leben überhaupt?

Er beendete seine Tagträumerei, indem er die Musik seines MP3- Players etwas lauter stellte. Heute war nur ein Skater auf dem Gelände und drehte seelenruhig und ohne Beifall seine Runden.
»Bleib stehen!«
Neben der Parkbank, auf der Nick saß, huschte ein kleines Kind, aufgeregt mit den Armen winkend, an ihm vorbei. Es hatte es wohl auf den Brunnen abgesehen, der inmitten der vielen Bänke stand.

»Schatz, stehen bleiben!«, hörte Nick wieder, diesmal besonders betont und jedes Wort lang gezogen.
 Obwohl das Kind noch recht wackelig auf den Beinen war, schafften es die Eltern nur knapp, rechtzeitig am Brunnen zu sein. Nick wollte schon aufspringen und zu dem Kind eilen, als der Vater des Kindes es hochhob.

Es gluckste nur so vor Freude und wollte sofort wieder auf den Boden gestellt werden, um in die Gegenrichtung laufen zu können. Einen Moment lang beobachtete Nick das Kind.
Es hatte eine solche Freude damit, einen Fuß vor den anderen zu setzen, und der Vater offensichtlich damit, so zu tun, als hätte er keine Chance, hinter dem Kleinen herzukommen.
»Sie sind einfach wunderbare Geschöpfe, diese Kleinen, rein und unschuldig, voller Leben und Freude.«

Wie aus dem Nichts aufgetaucht, stand plötzlich eine Gestalt vor Nick.

Er konnte den Mann nicht richtig erkennen, weil die Sonne ihn blendete. Also hielt er sich die Hand vor die Stirn. »Oh, Entschuldigung. Aber ich wollte mich sowieso setzen. Ich darf doch?«

Obwohl Nick eigentlich etwas dagegen hatte, nickte er und nahm seine Sporttasche von der Bank. Kurz, ohne den Kopf zu bewegen, blickte er sich um. Es gab zehn Bänke, die kreisförmig um den großen Brunnen standen, und davon waren vier noch frei. Wieso musste der Mann sich ausgerechnet neben ihn setzen? Als ob der Mann mittleren Alters Gedanken lesen könnte, sagte er:
»Das ist meine Lieblingsbank. Hier habe ich früher oft gesessen und die Menschen beobachtet.«

Nick hatte zwar keine Lust zuzuhören, doch er wollte dem Mann auch nicht das Gefühl geben, mit einer Wand zu sprechen. Daher schaute er den Mann notgedrungen an, während dieser weiter sprach:

»Diese Bank unterscheidet sich in einem wichtigen Detail von allen anderen Bänken.«

Der Mann drehte sich näher zu Nick und zeigte mit dem Finger auf eine Gravur auf der obersten Latte. Da war ein Herz zu sehen, mehr nicht. Kein Name, kein Datum, lediglich ein Herz. Für einen Moment schwelgte der Mann lächelnd in Erinnerungen.
»Ja, es sind die kleinen Details, die das große Ganze so wunderbar machen.«

Der Mann wandte sich wieder Nick zu und lächelte.
»Aber das weißt du sicher schon.«
Eine unbeschreibliche Sanftmut strahlte aus seinen blauen Augen. Sein Ausdruck war so friedlich, wie Nick es noch bei niemandem gesehen hatte. Er machte einen sehr glücklichen Eindruck, dachte Nick, und irgendwie wirkte die Ausstrahlung dieses Mannes imponierend auf ihn.

Ja, dieser Mann war glücklich. Er schien in seiner Mitte zu sein, wie viele Menschen das so gerne ausdrückten. Seine Haut war sanft gebräunt und rein. Eine beigefarbene Leinenhose, die frisch gebügelt aussah, und ein weißes T-Shirt bedeckten sie. Sein kurzes braunes Haar glänzte in der Sonne.
 »Mein Name ist Jack«, unterbrach der Mann Nicks Gedanken. »Und wie heißt du?«

Nick zögerte einen Moment.

Eigentlich ging es diesen Mann überhaupt nichts an, wie er hieß, und er hatte ja auch keine Lust auf eine Unterhaltung mit ihm. Schließlich war er in den Park gekommen, um seine Ruhe zu haben. Doch auf irgendeine Weise hatte Jack Nicks Interesse geweckt. Erwachsene wirkten auf Nick meistens sehr gestresst und unglücklich.

Sie lebten in ihrem Alltagstrott und hatten kaum Freude in ihrem Leben. Nick hatte immer Angst davor, so zu werden wie sie.
Doch dieser Mann wirkte anders.

Nick blickte jetzt genau in das Gesicht des fremden Mannes, der die ganze Zeit dieses sanfte Lächeln auf den Lippen hatte. Es gab nicht die geringste Spur von Sorgen oder Stress in seinem Gesicht. Also gut, dachte Nick.
»Ich bin Nick. Nick Parker.«
»Es freut mich, dich kennenzulernen, Nick.«

Etwas schüchtern lächelte Nick zurück und blickte verstohlen auf den Kiesboden

Es vergingen nur zwei Sekunden, ehe er aufstand und so verhinderte, dass Jack seine gerade begonnene Unterhaltung fortführen konnte. Nick wollte auf keinen Fall unfreundlich sein, und dieser Jack schien auch ein wirklich interessanter Kerl zu sein, doch Nick hatte einfach keine Lust darauf, mit diesem Mann ein Gespräch zu führen. Womöglich würden sie dann irgendwann nur noch auf der Bank sitzen und sich anschweigen.

Jack könnte genauso gut auch anfangen, Fragen über Nicks Leben zu stellen. Und darauf hatte dieser am allerwenigsten Lust. Etwas beschämt blickte er auf seine Sporttasche, die vor der Bank stand.

»Ähm, ich … also, ich habe noch Training. Ich muss gehen «, stammelte er etwas unsicher und zeigte zur Unterstützung mit dem Finger in Richtung des Spielfeldes.
»Hey, ich verstehe das. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal«, lächelte Jack.
 »Ja, vielleicht«, sagte Nick noch schnell, packte seine Sporttasche und machte sich auf den Weg zum Ausgang.

»Down! Set! Hut! Los, los, los!«

Nick kämpfte sich durch das Gerangel und rannte mit aller Kraft vorwärts. Sein eigenes Schnaufen hörend, versuchte er vergeblich, seinen Quarterback wahrzunehmen, der ihm den Ball zuspielen sollte. Noch im Lauf drehte Nick sich um und sah den Ball auf sich zufliegen. Der Ball flog viel zu hoch, als dass ein anderer ihn hätte fangen können.

Es stand kein Verteidiger in der Nähe, der Nick hätte blocken können. Ein scheinbar leichtes Spiel für ihn. Er spurtete los, den Ball immer im Augenwinkel. Zwei Verteidiger rannten jetzt auf Nick zu. Nur noch ein paar Millisekunden, und er hätte den Ball in seinen Händen gehalten.

»Mist!«, schrie Nick auf, als er bemerkte, dass er das Ei nicht richtig gefangen hatte und es nur zwei Meter hinter ihm auf dem Boden aufgekommen war. Sofort stürzten sich die Verteidiger auf den Ball. Der Spielzug war vorbei.

»Aus! Aus! Aus!«  Der Trainer kam wütend auf das Spielfeld gerannt, direkt auf Nick zu. »Was ist denn los mit dir, mein Gott?«, schrie er ihn an. Den Blick noch auf Nick gerichtet, gab er einem anderen Spieler ein Zeichen, ihm den Ball zu zuwerfen. Dann hielt er den Ball direkt vor Nicks Helm.
»Weißt du, was das ist?«, fragte er Nick gehässig.

Nick gab keine Antwort auf diese Frage, doch in ihm brodelte es.

»Kommt her!«, rief er den anderen Spielern zu, die sich zu einem Kreis versammelten.
»In zwei Monaten fangen die Spiele an. Wollt ihr eine so schlechte Figur wie letztes Jahr abgeben? Wollt ihr wieder so einen Müll zusammenspielen?«, schrie der Trainer und versuchte, mit seinem Blick so viele Spieler wie möglich zu erfassen. Einer der Spieler stupste Nick sehr unsanft von hinten an die Schulter.

»Wenn er den Ball nicht fangen kann, dann wechseln wir ihn eben aus!« Nick zog seinen Helm aus und knallte ihn auf den Boden. Er warf dem Spielkameraden, der ihn gerade bloßgestellt hatte, einen bösen Blick zu und lief in Richtung Tribüne. Immer wieder wurde auf ihm herumgetrampelt. Er hatte keine Lust mehr, sich das noch länger gefallen zu lassen.

Frustriert und wütend kletterte er auf die Tribüne und setzte sich.

Wieso ging er denn immer wieder zum Football, wenn er anscheinend nicht das bringen konnte, was der Trainer von ihm verlangte? Innerlich schüttelte er den Kopf. Der Trainer pfiff und schien den anderen Spielern zu sagen, dass das Training nun zu Ende sei. Die Spieler liefen alle vom Feld in die Kabine hinein. Nur einer drehte sich um und gab Nick ein Zeichen, ebenfalls zu kommen. Doch Nick hatte keine Lust, zu den anderen in die Umkleidekabine zu gehen. Es reichte schon aus, auf dem Spielfeld der Buhmann zu sein. Seine Kameraden sollten sich nur umziehen und dabei über ihn herziehen, aber er musste sich das nicht mit anhören. Schließlich wurde es still.

Nur das entfernte Lachen und Reden der anderen konnte er hören. Ein leichter Wind blies Nick ins Gesicht und ließ seine kurzen dunkelblonden Haare tanzen. Es war eigentlich ein schöner Anblick: Die Sonne ging gerade unter und zauberte ein warmes Licht auf das Gras.

Nick saß eine halbe Stunde dort oben auf der Tribüne und genoss die Ruhe um sich herum.

Sein Helm lag einsam auf dem Rasen und wartete darauf, mitgenommen zu werden. Dann stand Nick langsam auf und ging die Treppen hinunter. Er hatte keine Lust mehr, Football zu spielen. Vielleicht würde er ab und an bei Turnieren auf der Tribüne sitzen und den anderen zuschauen. Aber mitspielen wollte er nicht mehr.

Demütig und immer noch enttäuscht hob er seinen Helm auf, klemmte ihn unter den Arm und ging zur Umkleide. Freundlicherweise hatte Nicks Trainer die Tür offen gelassen, sodass Nick sich umziehen konnte. Statt sein Trikot und den Helm im Spind einzuschließen, wie er es sonst immer nach dem Training tat, packte er beides in seine Tasche und verließ schließlich endgültig die Kabine.

Schon als Nick in Richtung Ausgang lief, konnte er Musik vernehmen.

Ein paar seiner Footballkameraden standen vor einem offenen VW-Bus und tranken Bier. Laute Elektronikmusik machte eine Unterhaltung so gut wie unmöglich. Nick hatte ohnehin keine Lust, sich auf ein Gespräch mit ihnen einzulassen. Wenn er ihnen jetzt sagen würde, dass er nicht mehr zum Training käme, würden sie entweder versuchen, ihn zum Bleiben zu überreden, oder, was Nick eher vermutete, ihn auslachen und als »Loser« bezeichnen.

Also nahm er denselben Weg, den er gekommen war, und ging zum Park. So könnten ihn die anderen zwar vielleicht sehen, aber Nick wäre zu weit weg, um blöd angequatscht zu werden. Er war völlig in seinen Gedanken versunken, und so war es ihm nicht möglich, die Abendröte zu sehen, die sich über den Himmel erstreckte. Er blieb zwar kurz auf einem Hügel stehen, jedoch nur, um seinen MP3-Player aus der Tasche zu holen und sich einen Knopf ins Ohr zu stecken.

Hätte er für einen Moment innegehalten und sich den Sonnenuntergang angesehen, wäre er vielleicht glücklich gewesen, wenn auch nur für einen Moment. Er hätte womöglich auch den Frieden gespürt, nach dem er sich immer so sehnte.

Es waren kaum noch Menschen im Park, nur hier und dort begegnete Nick Joggern, die teilnahmslos an ihm vorbeiliefen. Der alte Graham mähte, wie üblich, den Rasen und goss ein paar Bäume und Blumen mit dem Wasserschlauch, der an einen Kanister auf seinem Wägelchen angeschlossen war. Die Menschen im Park ließen Nick in Ruhe, so, wie auch er sie in Ruhe ließ.

»Hey, warum so schwer bepackt?«,

hörte Nick auf einmal und drehte sich nach links, von wo er die Stimme vernommen hatte. Dort saß immer noch Jack, auf derselben Parkbank wie am Nachmittag. Er hatte wohl nichts Besseres zu tun, als den ganzen Tag auf dieser Bank zu sitzen, dachte Nick verwundert und blieb doch stehen. Für einen kurzen Augenblick dachte Nick nach, ob er einfach weiterlaufen und diesen komischen Kerl ignorieren sollte, doch ein Teil in ihm antwortete bereits.

»Football. Das ist meine Ausrüstung«, erwiderte Nick knapp auf Jacks Frage. Wie immer lächelte Jack.
»Das ist doch toll. Es gibt kaum etwas Schöneres, als sich körperlich zu ertüchtigen.«

Wieder schien es so, als ob Jack für einen kurzen Augenblick in seinen Erinnerungen schwelgte. Obwohl Nick noch ein paar Meter entfernt war, konnte er Jacks Gesicht deutlich sehen und musste innerlich lächeln. Dieser Mann war schon ein merkwürdiger Zeitgenosse, doch irgendwie gefiel Nick seine offene, herzliche und verrückte Art.

Wider Erwarten ging Nick die paar Meter auf Jack zu und setzte sich, ohne eine Aufforderung, neben ihn auf die Parkbank. Es schien, als ob Jack in diesem Moment ein bisschen mehr lächelte als sonst.

»Ich habe aber beschlossen, mit dem Spielen aufzuhören! «, brach es aus Nick heraus. Über sich selbst verwundert, zog er für einen Moment seine Augenbrauen nach oben. Doch er hatte keine Zeit, über seinen gerade ausgesprochenen Satz nachzudenken.
»Wieso hast du das beschlossen? Macht es dir denn keinen Spaß mehr?«

Nick blickte sich um und dachte einen kurzen Augenblick lang nach.

»So würde ich das nicht direkt sagen. Es macht mir schon Spaß. Ich mag es, wenn ich abends erschöpft nach Hause komme und dann unter die warme Dusche springen kann.«
»Ja, das habe ich auch immer geliebt. Aber wieso willst du dann aufhören?«, fragte Jack neugierig weiter. Der alte Graham lief an den beiden vorbei und grüßte mit einem Winken. Nick winkte höflich zurück, bevor er weitersprach.

»Keine Ahnung. Ich fühle mich einfach wie ein Versager, weil ich nicht so gut spiele wie die anderen. Außerdem schnauzt mich der Trainer immer an, wenn ich etwas falsch mache. So einen Trainer braucht wirklich kein Mensch!«
Innerlich zuckte Nick zusammen. Er konnte nicht glauben, dass er sich wirklich neben diesen Mann auf die weiße Bank gesetzte hatte und ihm das gerade offenbarte.

»Das mit dem Trainer verstehe ich«, antwortete Jack verständnisvoll und nickte dabei.
 »Der wird wohl ganz schön frustriert sein mit seinem Leben«, lachte er schließlich, ohne dabei irgendwie verachtend zu wirken. Nick lächelte schließlich auch, weil genau das ja auch schon seine Vermutung gewesen war.

Wer so mit seinen Spielern umging, musste wahrlich ein frustrierter Mensch sein.

»Aber, weißt du, wobei ich dir nicht ganz folgen kann, ist, dass du mit dem Football aufhören willst, nur weil du vielleicht nicht so gut bist wie die anderen.«

»Ja. Mein Dad würde auch sagen, dass ich mich mehr anstrengen sollte. Aber ich schaffe es einfach nicht. Vielleicht bin ich einfach nicht dafür gemacht, Football zu spielen.«
Nick zuckte mit den Schultern. Verträumt blickte Jack in die untergehende Sonne und zog sein beigefarbenes Hemd, das die ganze Zeit auf seinem Schoß gelegen hatte, über sein T-Shirt.

»Ich finde nicht, dass du dich mehr anstrengen solltest. Ich meine eher das Gegenteil«, schmunzelte Jack und wandte sich Nick noch deutlicher zu. »Es ist doch völlig egal, ob es Spieler gibt, die einen Ball besser werfen oder fangen, die besser rennen oder besser blocken können.«
»Hm«, antwortete Nick, nicht ganz verstehend, worauf dieser Jack hinauswollte.
»Wieso hast du mit dem Football angefangen?«, forschte Jack weiter.
»Nun, weil ich Sport treiben wollte. Ich wollte etwas Sinnvolles tun.«
 »Und wieso hast du nach dem Probetraining weitermacht?«
»Weil es mir Spaß gemacht hat!« erwiderte Nick wie aus der Pistole geschossen.
»Siehst du. Weil es dir Spaß gemacht hat.«

 Jack neigte seinen Kopf leicht zur Seite und lächelte.

»Geht es nicht genau darum? Spaß zu haben?«
 »Das ist wahr«, bestätigte Nick nachdenklich. »Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich weiterhin mit ein paar der Spieler und vor allem mit dem Trainer Zeit verbringen muss, vergeht mir dennoch der Spaß.«
»Möchtest du meine Meinung dazu wissen?«, erkundigte sich Jack vorsichtig.
»Schießen Sie los!«, forderte Nick ihn auf.

»Also, ich sehe das so:

Stell dir vor, du wärst ein selbstbewusster Junge, der sich seiner Stärken und auch seiner Schwächen bewusst wäre. Was glaubst du, wie du dann auf deinen Trainer reagieren würdest?«

Nick wunderte sich über den Verlauf dieses Gespräches. Er kam nicht darauf, was Jack ihm mit dieser Frage mitteilen wollte.
»Keine Ahnung, was dann wäre. Wie würde ich denn dann reagieren?«  Jack grinste wieder bis über beide Ohren und erhob seine Stimme.
»Es wäre dir egal, dass dein Trainer dich kritisiert. Und auch, dass andere besser spielen als du.«
Jack streckte seine Füße aus und lehnte sich gemütlich an die Banklatten. Dann drehte er seinen Kopf und blickte Nick lächelnd an.
»Oder was meinst du?«

 »Das kann ich schlecht sagen. Ich bin ja nicht so, wie Sie mich gerade beschrieben haben.« Jack stand langsam auf und nahm einen tiefen Atemzug. Seinen Blick auf die fast untergegangene Sonne gerichtet, sagte er schließlich: »Es ist Zeit für mich, zu gehen, Nick.« Er drehte sich um und reichte Nick die Hand. »Es war mir eine Freude, dich hier getroffen zu haben.«
Nick stand ebenso auf und nahm seine Sporttasche in die Hand.

Zögernd reichte er Jack die Hand.

»Ja, mir auch.«
»Tschüss, Nick. Wir sehen uns«, rief Jack noch und ging den Weg entlang.

Nick schwang seine Tasche über die Schultern und blieb noch für einen Moment stehen. Er hatte gerade angefangen gehabt, sich auf eine Unterhaltung mit diesem Mann einzulassen, doch auf einmal war dieser aufgestanden und gegangen. Verblüfft schüttelte Nick den Kopf und schlenderte schließlich ebenfalls zum Ausgang. Was für eine merkwürdige Begegnung das doch gewesen war.

Doch für den Moment wollte Nick gar nicht zu sehr darüber nachdenken. Er hatte sich den ganzen Tag den Kopf zermartert, und jetzt wollte er einfach nur in sein Bett, damit der Tag endlich ein Ende finden konnte. Er würde schnell noch ein Brot mit ins Zimmer nehmen, um einem Gespräch mit seinen Eltern aus dem Weg zu gehen, und dann schlafen. Einfach nur schlafen.

Weiter geht es am  Sonntag den 31.März 2019


Den Roman
In deiner Welt
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von Georg Huber
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24.03.2019
Alles Liebe für euch!
Euer Georg 
Weitere Informationen zu Georg Huber findest du unter 
www.jeomra.de

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