In deiner Welt, Roman von Georg Huber – Kapitel 1

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georg-huber-in-deiner-welt-roman In deiner Welt – Kapitel 1

Roman von Georg Huber

An alle Lesefreunde, Weltverbesserer, Herzöffner und Taschentuch-Schniefer: Jeden Sonntag wird es ein Kapitel aus dem Buch “In deiner Welt” geben, einer schönen Geschichte voller Leben und Emotionen, die mit einem fulminanten und gefühlsintensiven (so hat es ein Rezensent geschrieben) Ende endet.

??Kapitel 1:??

Nick lag ausgestreckt auf seinem Bett, und obwohl er genau wusste, dass er das nicht tun sollte, hatte er dabei immer noch seine Schuhe an. Es war wohl Teil seines stillen Protestes gegen Regeln jeder Art. Statt nach dem Mittagessen hinauszugehen und sich mit Freunden zu treffen, warf Nick sich auf sein Bett und hörte Musik. Auch dieses Mal hatte er einen Knopf im Ohr.
Sein MP3-Player lag neben ihm auf dem Bett und spielte die Rockmusik ab, die Nick sonst auch immer hörte.

Die Sonne schien durch sein Fenster, der Himmel in Winston war klar an diesem warmen Julitag

Vor einer knappen Woche hatten die Sommerferien begonnen, und man hätte meinen können, dass ein siebzehnjähriger Junge etwas anderes zu tun gehabt hätte, als trübselig auf dem Bett zu liegen und Musik zu hören. Doch dem war nicht so. Wenn man Nick so betrachtete, hätte man denken können, er befände sich in einer vorgezogenen Midlife-Crisis, und irgendwie war er an diesem Tag besonders freudlos. An manchen Tagen, und dieser Tag war einer dieser manchen Tage, wäre er morgens am liebsten gleich im Bett liegen geblieben und hätte bis zum nächsten Morgen weitergeschlafen.

Doch es war Freitag, und Nick hatte Training, Footballtraining, um genau zu sein.

Er spielte in seiner Freizeit in einer Jugendmannschaft. Einmal in der Woche traf er sich nachmittags mit seinem Team und jagte dem Ball hinterher. Obwohl Nick schon öfter darüber nachgedacht hatte, das Footballspielen aufzugeben, liebte er es dennoch, und er war froh, wenigstens ein Mal in der Woche Spaß zu haben, mit seinen Jungs abzuhängen und über Themen zu quatschen, die die Lehrer und die Eltern einfach nicht verstanden hätten.

Die einzige Person, die ihm diesen Spaß manchmal vermasselte, war sein Trainer, der scheinbar frustriert darüber war, dass er seinen eigenen Sohn nicht richtig unter Kontrolle hatte, und diesen Frust an den Spielern ausließ. Es gab eigentlich sowieso nur zwei Arten von Trainern: einmal die frustrierten Familienmenschen, die auf dem Feld ihre sonst nicht vorhandene Macht demonstrieren wollten, und die Trainer, die tatsächlich echtes Interesse an den Jüngeren hatten und sie »auf den richtigen Weg« bringen wollten. Natürlich waren Trainer der zweiten Art wesentlich unangenehmere Zeitgenossen. Wer wollte schon mit jemandem zu tun haben, der sich um einen sorgte?

»Nick Parker!«, schallte es plötzlich von unten.

Obwohl Nick diesen Ruf schon zur Genüge kannte, erschrak er. Zu intensiv hatte er über seinen Trainer nachgedacht. »Nick Parker!«, ertönte es nach wenigen Sekunden wieder. Er kannte diesen Tonfall seines Vaters ganz genau. Vor allem die Tatsache, dass sein Vater seinen Nachnamen hinzufügte, konnte nichts Gutes verheißen. Diese dämliche Angewohnheit, ihn bei seinem vollen Namen zu rufen! Reichte es nicht, dass er Eltern hatte, die ihn nicht verstanden? Musste er auch noch durch den Nachnamen daran erinnert werden, dass er ein Teil der Familie war? Nick riss genervt den Knopf aus seinem Ohr und warf den MP3-Player auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Er wollte einfach nur seine Ruhe haben, doch es war offenbar nicht möglich, sie zu bekommen.

»Ja, ja, ja! Ich habe dich gehört!«, rief er durch die verschlossene Tür zurück.

Frustriert stand er auf, drehte sich einmal im Kreis und versuchte verzweifelt, sich daran zu erinnern, ob er vergessen hatte, irgendetwas zu erledigen. Was konnte sein Vater jetzt bloß von ihm wollen? Mit einem lauten Seufzer, der seine Unwissenheit unterstrich, schloss Nick die Tür auf und lief die Treppe hinunter. Bereits nach wenigen Stufen konnte er ins Wohnzimmer blicken und erkannte die Stiefel von Bob. Diese graubraunen Stiefel erweckten, obwohl sie schon viele Jahre lang getragen worden waren, immer noch den Eindruck, sie wären neu.

Nick fluchte leise und biss sich auf die Lippe.

Bob war Polizist und außerdem der beste Freund seines Vaters. Das konnte natürlich kein Mensch gebrauchen, einen Polizisten im Freundeskreis der Eltern. Eine leichte Panik stieg in Nick auf, und kurz ballte er eine Hand zu einer Faust. Er war am vorherigen Abend mit Freunden in der Stadt gewesen, und dabei war ihm ein kleines Missgeschick passiert.

»Nick!«, rief sein Vater jetzt noch lauter.
»Ist doch gut, ich bin hier!«, gab Nick völlig entnervt zurück und stieg die letzten Treppenstufen hinab.
»Setz dich bitte!«
Welch schöne Runde: Nicks Vater saß mit Bob im Wohnzimmer, und zu allem Übel stellte Nicks Mutter noch ein Tablett mit Kaffee und Keksen auf den Tisch.
»Hi, Bob!«, begrüßte Nick den Freund seines Vaters, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Nicks Vater atmete lange und hörbar aus.
»Was hast du gestern Abend gemacht?«
Nick, der sich mittlerweile auf der Couch niedergelassen hatte, schaute verlegen auf den Boden.
»Ich war mit Freunden in der Stadt, das weißt du doch.«

Es bestand ja noch die klitzekleine Chance, dass sein Vater etwas anderes meinen könnte, also war die Devise:

nicht zu viel verraten.

»Und du hast gestern Abend in der Stadt nicht zufällig Rosies Ladenscheibe eingeworfen?«, fragte sein Vater ihn gehässig. Es war also heraus, und es gab keine Ausreden mehr. Das musste ja passieren; Bob hatte also davon Wind bekommen und es seinem Vater erzählt. Irgendjemand musste Nick gesehen haben.

»Ich höre!«, sagte Nicks Vater nüchtern und gab Nick kaum die Möglichkeit nachzudenken. »Es war ein Unfall!«
»Ein Unfall?«
Nicks Vater stand auf und stütze sich auf den Tisch.
»Robert, setz dich!«, sagte Nicks Mutter und legte sanft die Hand auf die Schulter ihres Mannes.
»Jetzt hör dir doch erst einmal an, was dein Junge zu sagen hat!«

Sechs Augen starrten Nick an, der am liebsten einfach seine Sachen geholt und das Haus verlassen hätte.

Und das am allerliebsten für immer.
»Ich habe einen Stein nach Steve geworfen und die Scheibe getroffen.«
Verschämt blickte Nick wieder nach unten.
»Es war keine Absicht, mein Gott!«
»Das unterstellt dir auch niemand, Schatz, aber kannst du nicht einfach mal ein bisschen aufpassen?«

Nick rollte mit den Augen.

Die ständige Verständnistour seiner Mutter ertrug er am allerwenigsten.
»Ich kann es jetzt nicht ändern«, brachte Nick noch hervor, bevor er schließlich aufstand, um wieder in seinem Zimmer zu verschwinden.

»Nick, du bleibst jetzt hier!«, fluchte sein Vater noch hinterher, doch Nick hatte bereits wenige Sekunden später die Tür zugeknallt. Zurück in seinem Zimmer, legte er sich auf sein Bett und steckte sich die Knöpfe seines MP3-Players in die Ohren.

»Catherine, was haben wir bloß falsch gemacht? Wir haben dem Jungen doch immer alles gegeben, was er gebraucht hat.«
Nicks Vater schüttelte ungläubig den Kopf und murmelte leise vor sich hin.

»Robert, mach dir keinen Kopf«, beruhigte Bob seinen Freund.
»Du hast gut reden! Du kommst doch alle paar Monate hierher und erzählst mir von Dingen, die mein eigener Sohn in seiner Freizeit verbrochen hat!«

Bob zuckte mit den Schultern.

»Hast du eine Vorstellung, was andere Jungs in seinem Alter machen? Dagegen ist dein Sohn harmlos.«
»Das ist mir egal. Er ist siebzehn Jahre alt und hat sich an die Regeln zu halten!«
»Robert, dein Junge hat im Moment keine Perspektive. Er weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Das ist alles.«

Bob nahm sich einen Keks und schielte durchs Fenster hinaus in den Vorgarten. Es war Zeit für ihn zu gehen. »Okay«, sagte er und stand schließlich auf. Mitfühlend warf er einen Blick in Richtung Treppe.

»Bevor du gehst, Bob, was ist jetzt mit der Scheibe? Wir bezahlen sie natürlich, aber hat das Konsequenzen für Nick?«, fragte Catherine noch schnell. Bob lief zur Tür und dachte für einen Moment nach.

»Das kann ich dir jetzt noch nicht sagen, aber es könnte sein, dass er Sozialstunden leisten muss. Bei mutwilliger Zerstörung fremden Eigentums greift das Gesetz ein bisschen härter durch in dieser Stadt. Aber ich werde das für euch regeln und mit Rosie und dem Gericht sprechen.«

Catherine setzte sich entkräftet an den Tisch und ließ den Kopf in ihre Hände sinken.

»Oh, Nick, was soll ich bloß mit dir machen?«, murmelte sie. Sie war den Tränen nahe. »Mach dir keine Sorgen, Catherine. Es war ein Unfall, mehr nicht. Ein paar Sozialstunden werden ihm nicht schaden.«

Fürsorglich blickte Bob seine Freunde ein letztes Mal an, winkte und verschwand. Robert seufzte, warf einen kurzen Blick in seine Ledertasche und stand auch auf. »Ich muss noch einmal zu einem Kunden. Du weißt, der alte Webber ist nicht so einfach zu handhaben.« Nicks Mutter nickte, zwang sich zu lächeln und räumte schließlich das Tablett vom Tisch. Sie legte das Geschirr in die Spüle, als Robert sie von hinten umarmte und ihr den Nacken küsste.

»Jetzt mach dir keine Sorgen!«
»Ich verstehe einfach nicht, wieso er so unzufrieden ist. Ich würde ihm doch so gerne helfen, aber er lässt mich nicht an sich ran.«

»Schatz, vielleicht hat Bob ja wieder einmal recht und Nick macht nur irgendeine Phase durch. Vielleicht findet er etwas, was ihn begeistert, und taut wieder ein bisschen auf.«

Nicks Mutter drehte sich um und blickte ihren Mann verständnislos an.

»Aber das geht doch jetzt schon so lange!«
Er legte seine Hände auf ihre Schultern und massierte ihr den Nacken.
»Was soll ich dir sagen? Ich weiß doch selbst nicht, was los ist.«
Catherine nickte, und schließlich drehte Robert sich um und ging zur Tür.
»Soll ich Henry abholen, oder machst du das?«

Catherine schüttelte den Kopf.
»Brauchst du nicht. Jenny bringt ihn nach Hause.«

»Okay, bis später. Es dauert nicht lange«, sagte Robert und ging mit dem Autoschlüssel in der Hand zur Tür hinaus. Nick suchte indessen eilig seine Trainingskleidung zusammen. Er hatte zwar noch eine Stunde Zeit, bevor das Training anfing, und mit seinem Fahrrad bräuchte er nur fünf Minuten zu fahren, doch er entschloss sich, durch den Park zu gehen und sich etwas von dem Stress zu erholen.

Er ging öfter in den Park, setzte sich dort auf eine Bank, lauschte seiner Musik und beobachtete unauffällig die Menschen, die sich um ihn herum aufhielten. Das half ihm dabei, sich nicht zu viele Gedanken zu machen, und ausnahmsweise war es dann nicht er, der beobachtet wurde.

Er war dann einfach nur ein Junge, der seine Musik hörte, nicht mehr und nicht weniger. Nick schlich leise die Treppe nach unten, um sich zu vergewissern, dass er sich jetzt nicht noch auf eine Diskussion mit seinem Vater einlassen musste. Als er schließlich keine Stimmen mehr hörte und auch niemanden auf der Couch sah, ging er die letzten Stufen hinunter und direkt zur Haustür.

»Hey, Nick, hast du einen Moment Zeit zu reden?«, fragte ihn seine Mutter, die, wie sonst auch immer, mit Aufräumen beschäftigt war.
»Nein, Mum, ich muss gehen. Ich treffe mich vor dem Training noch mit einem Freund.«

Das war zwar eine Lüge, aber die einzige Möglichkeit für ihn, sich vor dem Gespräch zu drücken.

Seine Mutter würde nur wieder anfangen zu weinen, und Nick hätte dann wieder diese zermürbenden Schuldgefühle in sich. Darauf hatte er einfach keine Lust.

»Okay, Schatz. Bis später.«
»Bis später!«, rief Nick noch zurück und verschwand.

Weiter geht es am  Sonntag den 24.März 2019


Den Roman
In deiner Welt
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von Georg Huber
gibt es als Ebook >>>  HIER

21.03.2019
Alles Liebe für euch!
Euer Georg 
Weitere Informationen zu Georg Huber findest du unter 
www.jeomra.de

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