Informationsgesellschaft als Geschäftsmodell und Machtinstrument

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Informationsgesellschaft als Geschäftsmodell und Machtinstrument. Information als Billig Ware? 

Dass Information das neue Gold ist, ist bekannt. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, was für viele von uns nichts Neues ist. Dass dieses Phänomen nicht nur den wirtschaftlichen Bereich betrifft, sondern auch unseren zutiefst privaten Lebensbereich, überrascht nicht. Das wissen wir nicht erst seit Ex-Präsident Trumps Twittereskapaden, mit denen er versuchte, die Welt vor sich herzutreiben.[1] Auch Elon Musk ist spezialisiert auf Tweets mit wenigen Worten. Sie führen  zur Hochschaubahn bei Börsenkursen und rufen die Behörden auf den Plan – vor allem wenn mehrere Unternehmen in einer Spekulationsrally betroffen sind.[2] Und sei es eine Empfehlung, die dann beim betreffenden Unternehmen hell on wheels erfreulicherweise hervorruft.[3]

Doch lassen Sie uns zum Thema Information ein bisschen persönlich werden.

Wie wirkt das Phänomen der Inforationsgesellschaft im Lebensalltag?Stellen Sie sich die berühmte Gewissensfrage: Wie wäre ein Leben ohne Handy oder Smartphone? Wie ist das, wenn das Internet mal ausfällt oder man für einige Tage keinen Zugriff auf Ihre Informationen haben? Was machen Sie als erstes, wenn Sie sich zum Frühstückstisch setzen? Vielleicht kurz die Mails checken und sehen ob die Welt noch steht? Ein Blick in die Nachrichten, diverse Berichte, Sendungen, News, vielleicht auch Breaking News und Pushmeldungen. Was, wenn Ihre Frage durch Google nicht beantwortet wird und es eine Lücke in der Information gibt? Wäre das ein Schlag gegen die Informationsgesellschaft?

Wenn dann ein frecher Blogger, bei dem man den Mord nicht hinbekommen hat, mit seinem Team einen selten akribisch recherchierten Beitrag zu Baugelüsten von Präsidenten veröffentlicht,[4] bei dem Augenrollen nicht mehr ausreicht? Dann ist man mitten drin in der Frage, ob Information als Ware und als Machtinstrument nicht auch Teil eines neuen Geschäftsmodells ist. Auch noch so mächtige Präsidenten können sich der Informationsgesellschaft in all ihren Spielformen entziehen. Sie nutzen sie und sie werden von ihr benutzt.

Die Antwort auf diese durchaus provokante Frage – Ist Information als Ware und Machtinstrument Teil eines neuen Geschäftsmodells – hat weitreichende Implikationen. Diese Antwort ist der Kern unserer Informationsgesellschaft. Sie trifft uns auch als Gesellschaft als Ganzes.  Die Wirkungen gehen weit über Google, Blogger, Präsidenten und Co hinaus. Das sind ein paar Brocken aus unserem mittlerweile weit verbreiteten Alltagsleben, in der Nachrichten und Mitteilungen aller Art dominiert, wir uns darüber freuen oder auch explodieren, wenn uns etwas informationsmäßig gegen den Strich geht.

Wir sind mitten drinnen in einem Gestrüpp aus Aufklärung und bewusster Irreführung. Daher ist ein sehr gut gepflegtes Unterscheidungsvermögen wesentlich.

Man kann mit Fug und Recht schreiben: Die Informationsgesellschaft und das Unterscheidungsvermögen gehen Hand in Hand. Merken wir das im Lebensalltag? Wenn unser Emailfach von Spams geflutet wird, wird es rasch offensichtlich. Wir sind damit vertraut, dass Big Techs wie Facebook unsere Daten absaugen und weiterverkaufen. WhatsApp hat dies auch versucht und wollte es mit einer neuen Datenrichtlinie einhegen.[5] Den Nutzern schmeckte das Vorgehen nicht und sie wanderten in Massen z.B. zu Signal. Dieser Messengerdienst wurde ausdrücklich von Branchengrößen wie Elon Musk und Edward Snowden ob der Datensicherheit empfohlen.[6]

Gerne will ich weiter in die Tiefen von Nachrichten, von gezielter Aufklärung und ebenso gezielter Verschleierung eintauchen, weil wir uns in einem Epochenwechsel und in einem Zeitalter befinden.[7]

Ich will tiefer eintauchen, weil wir die weitere Entwicklung als Menschheit in unseren Händen haben. Wir sind nicht nur Teil der Informationsgesellschaft. Wie formen sie auch durch unser Nutzungsverhalten.

Ich grabe auch deshalb tiefer ein, da 2021 ein Schicksalsjahr für die Menschheit ist. Wir sind alle aufgefordert, verantwortungsvoll und bewusst mit Mitteilungen, mit Auskünften, mit Berichten, Antworten und Orientierungsimpulsen umzugehen. Das eigene Wohlergehen und das Wohlergehen der Gemeinschaft ist stärker denn je miteinander verbunden. Wir haben es – jeder und jede Einzelne – in unseren Händen. Ein verantwortungsbewusst gelebte Informationsgesellschaft – das könnte ein gesellschaftliches Ziel sein. 

Aufklärung bedeutet auch, zu wissen, was es so mit Informationen, Nachrichten, Daten, Berichten, News, Breaking News, Hintergrundberichten etc. auf sich hat. Nicht alles, was über die diversen Kanäle aufgetischt wird, genügt dem Wahrheitsanspruch. Die oft zitierten faked news sind ein integraler Bestand einer Informationsgesellschaft. Man kann schreiben – sie sind der dunkle Teil.

Es geht mir darum, Sie zum Nachdenken anzuregen. Ich will Ihnen bewusst machen, wo wir als Menschheit stehen und was damit verbunden ist. Es ist ein offener Prozess. Alle sind herzlich zur Gestaltung eingeladen.

Was ist Information?

Sie werden möglicherweise denken – das ist doch klar. Das was ich täglich lese. Doch das ist ein wenig zu kurz gegriffen. Wahrnehmung ist mit allen fünf, und manches Mal auch mit dem berühmten sechsten Sinn möglich; d.h. lesen mit den Augen oder den Händen ist nur eine Möglichkeit, Information aufzunehmen. Sie bewegen sich oft unbewusst in diesem manchesmal als Schlagwort abgetanenen Phänomen der Informationsgesellschaft. Informationen gehören einfach so dazu. 

Ganz generisch: Informationen sind bewertete Daten. Es ist ein Austausch zwischen Sender und Empfänger. Daten sind nicht unbedingt Wissen. Daten sind unbewertete Information. D.h. erst durch das Verhältnis aus Sender und Empfänger und den Bewertungsprozess werden Daten zu Information.[8]

Warum erwähne ich das? Weil es um den Bewertungsprozess geht, der mit dem Sende- und Empfangsvorgang verbunden ist.

Sie meinen, das ist graue Informationstheorie? Mitnichten. Wenn Sie diese Zeilen, die ich an Sie richte, lesen, findet unbewusst in Ihnen ein Bewertungsvorgang statt. Sie stimmen einigem zu. Bei anderen Aspekten werden Sie erstaunt die Augenbrauen heben. Manches lehnen Sie ab. Das ist der – sehr oft unbewusst – ablaufende Bewertungsprozess. Es ist lebensnah, was sich abspielt. Zumeist spielt es sich in einem ab. Doch die Bewertung kann durch Meinungsäußerung auch nach Außen verlagert werden. Dies kann beispielsweise eine Retweet von Beiträgen über verurteilte Blogger und Regimekritiker sein.

Aus der Bewertung von Daten wird Information. Die Bewertung impliziert auch einen Machtaspekt. Zustimmung und Ablehnung sind mit Macht im Sinne von etwas entsteht oder entsteht nicht. Macht ist ein wesentlicher Faktor, um aus purer Information etwas Größeres wie eine Bewegung entstehen zu lassen.

Was bedeutet Macht?

Macht ist eines der aufregendsten Konzepte im Rahmen des menschlichen Zusammenlebens. Es hat viele Bezugspunkt und Ausdifferenzierungsmöglichkeiten, die man auf den ersten Blick gar nicht für möglich hält oder vergisst.[9] Im öffentlichen Diskurs ist Macht oft negativ belegt. Dabei ist es ein neutrales Konzept. Denn: es ist wiederum unsere Bewertung, die es in die eine und die andere Richtung treibt. In der Informationsgesellschaft finden wir neue Formen von Macht.

Macht kann man also über vielerlei Schienen und Instrumente ausüben:[10]

  • Militärisch-politisch (dies ist das bekannteste Verständnis von Macht)
  • Wirtschaftlich (eine bekannte Vorstellung von Macht)
  • Idee – kulturell und gesellschaftlich (die klassische Propaganda)
  • Per Zwang – power to coerce (politisch, wirtschaftlich, militärisch)
  • Per Überzeugung – power to persuade
  • Gefühl (charismatisch, Wort, Bild, Einzelpersonen und Masse)
  • Geschichte und die Vergangenheit (Narrative, Erzählungen, Mythen, Geschichten)
  • Social Media (Candystorms/Shitstorms)
  • Klassisch: Militärisch-politisch; wirtschaftlich
  • Subtil: Idee – kulturell und gesellschaftlich; Zwang (politisch, wirtschaftlich, militärisch); Gefühl (charismatisch, Wort, Bild, Einzelpersonen und Masse); Geschichte und die Vergangenheit (narrative); Social Media und Flash Mobs (das kann sich dann schon mal an einer großen Börse abspielen, wie Gamestop beweist; es kann jedoch auch so sein, dass Menschenmengen in einer Großstadt via Social Media von einem Ort an den anderen geschickt werden, damit die Ordnungskräfte möglichst im Dunklen gehalten werden)
  • Soft power-Hard power (ähnlich wie subtil und klassisch)

In jedem der Beispiele finden Sie implizit und explizit Information als wesentlichen Bestandteil. Man könnte schreiben – Information und Macht sind untrennbar miteinander verbunden. Manche betrachten die beiden Synonym, was ich nicht empfehle. Sie laufen  mit der Gleichstellung Gefahr läuft, eine eingeschränkte Sichtweise auf das höchst differenzierte Verständnis von Macht zu erhalten. Information als Instrument wird verwaschen und als Ausrede für vieles benutzt. Doch es ist unbestreitbar, dass sich in der Informationsgesellschaft neben der klassischen Propaganda neue Spielformen von Macht auftun. Wenn man sich beispielsweise die Demonstrationen zugunsten von Alexej Nawalny ansieht und analysiert, mit welchen Medien die Demonstranten die Polizeikräfte zeitweise vor sich hertrieben (trotz massiver Absperrungen und Gewaltanwendung), dann ist das auch ein Ausdruck von neuen Machtaspekten, die in einer Informationsgesellschaft fast normal geworden sind. 

Information und Macht, samt der oft vergessenen Verantwortung sind Teil eines größeren Ganzen, mit dem wir uns täglich auseinandersetzen müssen.

Ist der Algorithmus ein Instrument zur Steuerung von Inhalten und Massen?

Der Algorithmus, als die künstliche Intelligenz im Programm, ist mittlerweile in digitalen Medien zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Man könnte sogar schreiben: der Algorithmus ist der neue Gottseibeiuns der Informationsgesellschaft. Leicht mystisch, immer von einem gewissen Flor an Gehimnis umgeben. Nachrichten müssen so formuliert sein, dass sie der Algorithmus verarbeiten kann. Als Autor ist es zu kurz gedacht, dass Künstliche Intelligenz Inhalte und Massen steuert. Doch irgendwie ist da schon ein Körnchen Wahrheit, ein kleines zumindest. Algorithmen entstehen aus einem Wechselspiel zwischen Inhalten, Leserinteressen und Programmen. Wenn man als Autor gelesen werden will, hilft es, sich mit Algorithmen immer wieder auseinanderzusetzen. Sie geben einen Eindruck dessen wieder, was Leser aktuell interessiert. Algorithmen sind die Sonne im System der Informationsgesellschaft. Um sie dreht sie das meiste.

Doch man darf sich einen wichtigen Punkt immer vor Augen halten: Es ist immer eine Gratwanderung, d.h. als Autor hat man die Letztverantwortung. Doch das ist nur ein Teil des Algorithmus, wenngleich ein wichtiger Aspekt.

Algorithmen sind ein Spiegel von Lesergewohnheiten und eine Möglichkeit, Inhalte und Massen zu steuern. Sie sind ein wesentliches Element im Rahmen des Geschäftsmodells, das mit Information betrieben wird.

Hilft der Algorithmus zur Auswahl der richtigen und wichtigen Informationen?

Diese Frage ist berechtigt, denn wir haben nicht zu wenige Nachrichten, Berichten, Antworten. Wir leiden auch nicht an Mangel an Aufklärung. Wir haben einen Überfluss von all dem (auch Infodemie genannt), der auch durch die Plattformen und Kanäle befeuert wird. Viele von uns überfordert dies. Man hat das Gefühl, hinter der Lage herzulaufen. Das führt zu einer kollektiven Ohnmacht.

Doch haben wir immer die sogen. ‚richtigen‘ Informationen, also jene, die uns helfen, eine Situation so zu beschreiben, dass wir gesichert annehmen können, was vor sich geht?

Die bewusste Verknappung von Nachrichten aller Art um den Wahrnehmungshorizont der Masse zu steuern, ist auch nicht unbedingt neu. Sie war immer wieder Teil von Propagandaaktionen. Wir  haben  vieles vergessen bzw. nicht selbst miterlebt. Auch im sog. Cyber War spielt dieses Vorgehen eine zentrale Rolle. Neben der bewussten Fehlinformation ist Informationsverknappung ein integraler Bestandteil einer modernen Informationsgesellschaft.

In unserem Alltag ist es etwas anders, da sich über vielerlei Informationskanäle wie eben Plattformen Raum und Zeit unglaublich schnell überbrücken lassen. Es ist geradezu ein Hecheln nach Informationen, das viele begleitet. Das führt dazu, dass man sehr gut informiert scheint und faktisch wenig weiß.

Die Nachvollziehbarkeit von der Fülle an Hinweisen, an Nachrichten und an Antwortvorgaben ist sehr lückenhaft geworden. Und manches Mal – auch das gibt es – gibt es eben kein belastbares Material. Doch damit tun wir uns sehr schwer im Umgang, weil viele meinen, dass uns das alles – aus dem Außen und von sogen. Experten kommend – Sicherheit gibt. Dabei kann zu viel davon die Unsicherheit durchaus befeuern, wenn all das auseinanderstrebt wie beim Schießen mit einer Schrottflinte. Worauf ist dann noch Verlass?

Doch ich will hier auf die bewusste Verknappung von Information und die bewusste Oberflächlichkeit im Nachrichtenalltag näher eingehen. Sie finden oft unbemerkt vor unseren Augen statt. Auch hier kann man mit dem Geschäftsmodell zu Informationen wundervoll spielen. Nicht immer zum Nutzen der Konsumenten und im Sinne der Sache.

Als Beispiel kann die Suchmaschine Google herhalten, die von vielen als erster Schritt genutzt wird, wenn man sich für ein Thema interessiert.[11]

Wenn man diese Suchmaschine über die letzten Jahre beobachtete, konnte man feststellen, dass substantielle Hinweise auf die Seiten ab 4 und 5 und noch weiter zurückgerutscht sind. Auf der ersten Seite findet sich gestreamlinte Oberflächenangabe mit Boxen, die beim Lesen helfen sollen. Es dominiert die Oberfläche samt optischen Lesehilfen. Oft ist ein Wikipediaeintrag damit verknüpft, der bekanntermaßen von ganz unterschiedlicher Qualität sein kann. Auf den ersten Blick erhält man Oberflächliches und Allgemeines aus dem sog. Google-Universum. Dies mag algorithmusbedingt sein. Wobei – ich warne davor, immer die künstliche Intelligenz zu beschuldigen, wenn etwas nicht sofort erklärbar ist.

Es könnte nämlich ganz anders sein – und der Algorithmus dient als bloßes Vehikel für ein Geschäftsmodell, das wir noch gar nicht in seiner Tiefe durchblicken. 

Information als Geschäftsmodell im Rahmen der Informationsgesellschaft?

Um eine Einschätzung zu dieser Fragen geben zu können, muss man eine Gesamtbetrachtung anstellen: SEO (Suchmaschinenoptimierung), die uns über Jahre als Autoren und Verlage auf Trab hielt, ist nur mehr bedingt ausschlaggebend. Was vor ein, zwei Jahren noch das non plus ultra war, ist jetzt deutlich weniger wichtig geworden. Interne Verlinkungen, Fragen als Überschriften, … fast alles geschenkt. Fast. Man hat oft das Empfinden, Google versucht einen vor sich herzutreiben. Das macht naturgemäß wenig Freude. Irgendwann sagt man sich – Google hin und Google her, wenn alle drei bis sechs Monate immer wieder alles bei Null beginnt, vergiss es. Wer mich finden will, der findet mich schon. Das kann man sich als bekannte Größe im Fachbereich erlauben, denn man ist nicht von Bekanntheit und Sichtbarkeit abhängig.

Doch die Policy dahinter ist erschreckend. Sie führt zu einem nicht zu rechtfertigenden Selektionsprozess durch etwas, das nicht ausreichend transparent ist. Auch das ist ein Aspekt des Geschäftsmodells, den man sich näher ansehen kann.

Damit wird dieses Geschäftsmodell mit Information unfair und vor allem ungerecht. Es ist auch eine Verformung einer funktionierenden Informationsgesellschaft.

Autoren, Verlage, Blogger, Zeitungen, Radiostationen, TV-Stationen etc. werden zu nicht nachvollziehbaren Zeiterscheinungen. Das ‚warum der und nicht ich‘ bleibt im Dunklen. Es sorgt für Ärger, gelegentlich auch für verständlichen Neid, für Intrigen und Anschwärzen. Es ist kein fairer und transparenter Wettbewerb von Ideen möglich. Man nimmt eine Abhängigkeit von etwas wahr, das man nur schwer ausdeuten kann. Damit wird es mehr und mehr zur Lotterie. Frustration, Ärger, Wut und Groll bis hin zur Zerstörungswut. Dieser Bogen zeigt sich auch mittlerweile in der betroffenen Community, die überhaupt nicht klein ist.

Offenbar will man Große fördern und Kleinere und Mittlere hintanstellen. Information wird zum kalten Geschäftsmodell und zu einem unkalkulierbaren Machtinstrument in unserer ach so schicken Informationsgesellschaft.

Dies ist ein aggressiver Akt gegen den Ideenwettbewerb. Hat dies mit einer funktionierenden Informationsgesellschaft etwas zu tun?

Wer sagt denn, dass jemand bislang Unbekannter nicht tolle Ideen und Gedanken haben kann? Wo steht geschrieben, dass die sog. Big Names immer mit zündenden Ideen kommen (in meiner Erfahrung aus der Wissenschaft ist oft so, das viel ‚dauerverbraten‘ in verschiedenen Mäntelchen wird; nicht immer, doch immer wieder – darüber kann man trefflich diskutieren)?

Originär zu schreiben, ist oft anstrengend und mühsam. Dem muss man sich unterziehen wollen.

Auch der weitgehende Zusammenbruch von Sozialen Medien, die eine Diversifizierung erfuhren, ist z.B. für kleinere und mittlere Unternehmen und Akteure nicht förderlich. Die klassischen Sozialen Medien sind in vielen Fällen genauso intransparent wie die Suchmaschinen. Sie sind zu Molochen geworden. Gehen Sie von einem großen Umbruch in diesem Markt aus.

Was geschieht bis dahin mit den sogen. Kleinen und Mittleren in der von mir dargestellten Vielfalt? Wie kommt man raus aus der Nummer?

Google hat natürlich auch dafür eine Lösung parat: Werben Sie auf Google und alles wird gut. Un Sie sind schon Teil der Informationsgesellschaft.

Wer sich dem Googlewerbezwang unterwirft, hat Chancen, sichtbar zu sein und bekannt zu werden. Wer nicht, der nicht. Auch bei den gängigen Sozialen Medien ist es nicht viel anders. Machst du Werbung, wirst Du nach vorne in der Sichtbarkeit gerankt. Wenn nicht, dann eben nicht. Dann spielt Kommissar Zufall mit. Ich meine den heiß geliebten Algorithmus, der für vieles herhalten muss. Keiner ist verantwortlich, außer das Programm, und vielleicht die Informationsgesellschaft. Sehr einfach. Sehr unbefriedigend.

Doch wohin führt dieser Zugang?

Er führt zu einer Einschränkung von Vielfalt an Meinungen und auch von Pressefreiheit. Filtern allover. Wer macht das nach welchen Kriterien und warum? Es fehlt an Transparenz.

Dieser Zugang führt auch dazu, dass viele aufgeben, weil sie eben weder gesehen noch gehört werden. Schade … wie viele tolle Ideen, wie viel Kreativität geht damit verloren? Es geht dabei nicht immer nur und ausschließlich um Vermarktbares. Nein – es geht um den Schöpfungsakt selbst. Der bringt uns als Menschheit voran – und nicht der Algorithmus alleine!

Verstößt dieses Geschäftsmodell gegen Grundrechte?

Was immer wieder in den Debatten auftaucht, ist das Argument, dass das Grundrecht auf Meinungsfreiheit eingeschränkt würde. Die Argumentation über verfassungsrechtlich garantierte Grundrechte hat einen ziemlichen Haken:

Grundrechte binden ausschließlich den Staat als Rechtskonstrukt. Sie beziehen sich nur die staatlichen Organe wie Justiz, Verwaltung und Gesetzgebung. Dennoch wird der Grundrechtskatalog oft in der Debatte als Argumentationshilfe im Bereich von Internet, Datenschutz, Soziale Medien und Big Techs herangezogen. Doch die Rechtssubjekte sind dabei nicht auf Augenhöhe – zumindest bis dato.

Eine unmittelbare Bindung von Privatpersonen, Unternehmen und Konzernen an Grundrechte sieht das Grundgesetz nicht vor. Dies scheint wenig bekannt zu sein, erscheint jedoch in der aktuellen Debatte wichtig. Es gibt daher auch keine noch zu schließende Grundrechtslücke.

Wenn man der Macht von Google und Co. begegnen will, ist eine verfassungsrechtliche Regelung nicht zielführend, weil sie in dieser Weise nicht anwendbar ist.

Kein Unternehmen kann auf den verfassungsrechtlich gestützten Grundrechtskatalog in der Unternehmenspolitik verpflichtet werden.

Vermutlich wäre eine derartige Regelung kontraproduktiv für das moderne Demokratieverständnis, welches natürlich – gerade im Zuge der Corona-Krise – auch in einen Fluss geraten ist.[12] Mit diesem Gedankengang will ich eine offenbare Wissenslücke schließen. Gleichzeitig rege ich zum Nachdenken über alternative Möglichkeiten an.

Was oft in der gesamten Diskussion vergessen wird, ist die nicht verbriefte Freiheit im Selbstausdruck. Gerade die wollte doch die Informationsgesellschaft fördern.

Ist der Wettbewerb von Ideen tot?

Es geht auch um das vorhandene Potenzial an Ideen, das kein Gehör mehr findet und versandet. Das hat nichts mit Grundrechten und bekannten Freiheiten zutun. Das ist auch ein Aspekt, der wenig bis gar nicht oder unter Anwendung der Meinungsfreiheit, die bei Unternehmen grundrechtlich nicht zur Anwendung kommt, debattiert wird.

Die Gretchenfrage lautet daher: Wo werden Potenziale für neue Ideen beschnitten und wie kann man diese Beschneidung auflösen?

Zur Beantwortung muss mit nicht den Grundrechtskatalog bemühen. Vielmehr muss man sich Gedanken machen, welche Machtspiele warum gespielt werden und wie man sie umgehen kann. Aushebeln empfehle ich nicht. Umgehen sehr wohl. Es ermöglicht eine stärkere Fokussierung auf das, was mit will. Ideen wird zum Durchbruch verholfen.

Man kann etwas überspitzt formulieren: Wenn es so weitergeht, dann berauben wir uns als Menschheit der zündenden Ideen für Fragen, die die Menschheit als Ganzes betrifft. 

Dies ist kein Plädoyer für ein kostenfreies und barrierefreies Internet.

Es ist ein Plädoyer, zu wissen und darüber nachzudenken, was es an Alternativen gibt. Das Internet ist eine bequeme Möglichkeit. Ich bin sicher, dass es in dieser großen Umbruchszeit Alternativen gibt. Wir können sie in uns erschaffen. Das ist möglich. Auch das Internet begann mit dem ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network) sehr klein.[13] Warum kann Neues nicht auch klein beginnen?

Eines ist offensichtlich: Qualität ist nicht der Maßstab von Big Tech-Größen. Noch dominiert der eigene Profit. Noch, denn die Wissenden haben in der Masse die Möglichkeit, zu Veränderungen zu zwingen. WhatsApp ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

Plattformen als Policy Maker im Rahmen der Informationsgesellschaft?

Kommunikationstechnologien wie das Internet sind Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Verbindung von Menschen geht. Heute muss man nicht mehr persönlich beim Kunden sein. Man kann sich via Zoom, Skype, Facetime, Telegram, Patreon, Vimeo, YouTube und diversen weiteren Plattformen sehen und austauschen. Bits&Byts fliegen in Sekundenbruchteilen raumunabhängig und – fast – zeitunabhängig – herum.

Einerseits kommen wir einander dadurch rasch und kostengünstig nahe. Andererseits sind wir auch mit einer gewissen Entpersönlichung konfrontiert, wenn wir nicht achtsam genug sind und den inneren persönlichen Faden mit dem Gegenüber herstellen. Kommunikation läuft auch über die persönliche Wahrnehmung von Gestik und Mimik, Körperhaltung etc. Das ist das nonverbale Element, das oft unterschätzt wird. Doch es ist von hoher Wichtigkeit, weil wir immer gesamthaft wahrnehmen.

Plattformen sind gleichzeitig Entferner und Annäherer. Sie sind Ermöglicher und EntMöglicher. Sie sind ein Beispiel für Polarität, aus der wir herauskommen müssen, um als Menschheit einen neuen Weg zu beschreiten.

Soziale Netzwerke und Plattformen sind mittlerweile fixer Bestandteil in einem beträchtlichen Teil der privaten, der wirtschaftlichen und kulturellen Welt. Sie formen und bestimmen maßgeblich unsere Informationsgesellschaft.

Die Verbindung hat zu Virtualität geführt und Substanz eine neue Bedeutung gegeben. Einfach so Nachrichten, Berichte, Antworten und Hinweise über Plattformen ‚hinausschmeißen‘, wird nicht mehr möglich sein. Qualität setzt sich auch mehr und mehr durch. All das hat enorme Konsequenzen.

Das bedeutet, dass Giganten wie Facebook, Google und Microsoft, Amazon, Twitter und Co. und die anderen üblichen Verdächtigen damit rechnen dürfen, noch mehr in die Verantwortung genommen zu werden. Das Geschäftsmodell mit ungezügelter Information und mit einer ebenso ungezügelten Lust auf Macht ist massiv angekratzt. Denn:

Wer informiert, trägt Verantwortung. Der ökonomische Profit ist dabei in der Betrachtung klassisch zu kurz gegriffen.

Wie man diese Gratwanderung geht, wird sich zeigen. Denn es stellt sich beispielsweise die Frage, ob Tech-Konzerne wie Twitter oder Facebook politische Entscheidungsträger einfach so sperren dürfen und welche Rückwirkungen das auf die Kommunikation in einer Demokratie hat.[14] Bevor Sie sich aufregen – in die eine und in die andere Richtung: es gibt darauf bis dato keine verbindliche Antwort.

Es gibt Meinungen, doch keine verbindliche Antwort. Die muss erst entstehen. Auch sie bleibt immer vorläufig.

Man könnte es auch so formulieren:

Wie lange sieht man zu, wenn jemand nachweislich falsche Hinweise und Antworten verbreitet? Wann greift man ein? Steht das Gemeinwohl über jenem der freien Meinungsäußerung? Wie handhaben diese Fragen Unternehmen, die nicht an den Grundrechtskatalog gebunden sind? Gibt es eine positive und transparente Selbstbeschränkung?

Man kann im konkreten Fall auch fragen: Warum hat es solange gedauert, bis man aktiv wurde? War es eine Hauruckaktion, weil die Öffentlichkeit die Plattformen derart unter Druck setzte? War es eine Verzweiflungsaktion in der Erkenntnis – es ist wie beim Zauberlehrling: Herr und Meister! hör mich rufen! – Ach, da kommt der Meister! Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.[15] Diesen Eindruck konnte man gewinnen, wenn man die Tweetserie von Jack Dorsey, dem CEO von Twitter las.[16]

Ist das ein Ausdruck von demokratischem Grundverständnis, das auch im Fluss ist und nie in Stein gemeißelt war und ist?

Soziale Medien – eine unselige Erfindung unserer Informationsgesellschaft?[17]

Von den Sozialen Medien war in diesem Beitrag immer wieder die Rede. Sie sind Plattformen, Informationsbörsen, Ermöglicher, EntMöglicher, Instrument, Machtfaktor. Manche meinen, sie sind eine Gefahr für die Demokratie.[18] Doch sie sind aus unserem Lebens- und Wissensalltag kaum wegzudenken. Es gibt eine Reihe an Entwicklungen, die durchaus beunruhigend sein können, vor allem weil es uns an Durchblick, an Transparenz fehlt. Ist es eine unselige Verbindung?

Ich meine, dass man sich um Transparenz bemüht. Das will ich nicht bestritten wissen. Doch mittlerweile sind die Regelungen so komplex, dass man als Laie/Laiin schlicht nicht mehr durchblickt.

Welche Phänomene beschäftigten uns und werden uns auch noch einige Zeit beschäftigt halten und was ist zu tun?

Big Data mit dem gläsernen Menschen. Es hat zu allem nur nicht zu mehr Sicherheitsgefühl geführt. Oft wird Big Data als Auswuchs einer überbordenen Informationsgesellschaft bezeichnet. Privatheit ist das neue knappe Gut. Eine kleine, jedoch gefährliche Gruppe von Menschen, die über die digitalen Plattformen herrscht, hat eine Machtfülle erhalten, die mit der damit einhergehenden Verantwortung nicht Schritt hält. So ist für mich die Frage zulässig: Sind die großen digitalen Plattformen Steigbügelhalter anti-demokratischer Kräfte?

Die aktuelle Lage Anfang 2021 in den USA lässt eine Mitverantwortung dieser Player durchaus als zulässig erscheinen. Bilden Facebook, Google, Airbnb, Paypal, Netflix oder Twitter selbst eine Macht, denen es um die Marktbeherrschung und Dominanz des Kollektivs geht? Steht für sie der rein wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund? Wie sieht es mit der Beachtung von moralischen, ethischen und auch rechtlichen Vorgaben aus? Demokratie ist nicht wirtschaftlich im Sinne von Profiten, weil es auch nicht ihr Ziel ist.

Wenn nachweislich ca. 200 Unternehmen weltweit die Geschehnisse dominieren, muss diese Frage zulässig sein. Vor allem müssen kritische Fragen in Richtung Verantwortung und Einhegung zur Transparenz zulässig sein. Die Datenkrake ist nicht nur ein Bild, sondern ein belegbares Faktum in unsere Informationsgesellschaft.

Demokratie als gesellschaftliches Konzept im Zusammenleben steht massiv am Prüfstand.

Die Corona-Krise hat dies deutlich gemacht. Manche gesellschaftliche Spaltung wurde größer. Auch weil über den weitgehend ungehinderten Zugang über Soziale Medien zweifelhaftes Gedankengut weitergegeben wurde. Ich meine ausdrücklich nicht das kritische Gedankengut. Doch ich meine bewusstes Lügen und Täuschen. Über Soziale Medien wurde eine Verbindung zur Demokratie geschaffen, die wenig bis gar nicht rechtlich gerahmt ist. Wie sollen Gerechtigkeit, Nachvollziehbarkeit und Verantwortung in der Informationsgesellschaft ermöglicht werden? Die Eingriffe in über Jahrzehnte erworbenen Persönlichkeitsrechte zum Wohle des großen Ganzen wirken wie ein Brandbeschleuniger.

Demokratien können nur dann die Oberhand behalten, wenn sie zügig und entschieden handeln. Es ist auch eine Zerschlagung einzelner Großkonzerne anzudenken. Zudem sind strengere Gesetze ins Auge zufassen, vor allem nach dem Prinzip: Was Offline gilt, muss auch Online. Es ist die Güteabwägung zwischen unternehmerischer Freiheit zu Lasten der Allgemeinheit im großen Stil und den Rechten des Einzelnen zu treffen.

Die Corona-Krise bietet dafür eine Möglichkeit, hin zu einer grundlegenden Neuorientierung zu gelangen und unsere aktuelle Informationsgesellschaft zu hinterfragen.

Wie kann es sein, dass beispielsweise Amazon einer der größten Krisenprofiteure ist und den Rest vom Markt brutal hinausdrängt? Da kann Herr Bezos noch so viel in sogen. Menschheitsprojekte investieren. Das verändert nichts am Standing von Amazon und an seiner Mitverantwortung.

Eine grundlegende Veränderung kann nur von einer breit legitimierten Größe lanciert werden. Es ist Aufgabe der Politik, steuernd einzugreifen und nicht vor Konzernen weiter in die Knie zu gehen, sich erpressen zu lassen und Angst um Arbeitsplätze zu haben. So kann der Abtausch nicht funktionieren. Dabei geht es um zwei große Problemfelder: Einerseits geht es um den Missbrauch von persönlichen Daten und andererseits geht es um die Verbreitung von Falschmeldungen (fake news). Dies gilt auch für bezahlte politische Anzeigen.

Selbst wenn hier erste Schritte Anfang 2021 gemacht wurden, ist dies bestenfalls ein erster baby step. Auch wenn dieser von den Konzernen hochstilisiert wurde. Viele weitere müssen folgen.

Die Geister, die mit den Algorithmen, den Datenbergen und den sozialen Medien gerufen wurden und die sich langsam beginnen, selbstständig zu machen …

sie machen so vieles undurchschaubar und geben einem das Gefühl, fremdbestimmt zu sein. Es ist die Ohn-Macht, die nicht erfreulich und kollektiv zuträglich ist. Auch in diesem Bereich der Informationsgesellschaft ist nachzusteuern. Meinungsfreiheit wird einerseits deutlich dadurch eingeschränkt, ohne sich an den Grundrechtskatalog zu halten, von Transparenz ganz zu schweigen.

Andererseits können noch immer unüberprüfte Meldungen durchschlüpfen und finden in unsicheren Zeiten Massenzulauf. Wenn’s auf Facebook steht, kann es so falsch nicht sein. Wenn Prominente mittun, dann muss es ja richtig sein. Das oft thematisierte Unterscheidungsvermögen ist heute wichtiger denn je. Dabei hilft gelegentlich auch das Einschalten des Hausverstandes und die Fragen – Kann das so sein? Ist das plausible?

Ursprünglich dachte man, Soziale Medien würden der Demokratie fördern, den Zugang zu demokratischen Spielregeln ermöglichen.

Heute weiß man, dass Soziale Medien die Demokratie deutlich verletzbarer gemacht haben. Rein wirtschaftlich motivierte Technologien schaden den Menschen, der Gesellschaft und der Demokratie. Die Entkoppelung von Grundrechten, die so gewollt ist, muss auf ihre Zeitgemäßheit hinterfragt werden, auch wenn es rechtlich in der Neukonstruktion anspruchsvoll sein mag. Davor darf man keinesfalls zurückschrecken.

So schmerzhaft diese Erkenntnis ist, sie ist mannigfach bestätigt. Soziale Medien begünstigen durch ihren All-Zugang, dass sämtliche Themen von heute massiv aufblasen werden. Die übertriebene Darstellung ist die neue Realität. Die Corona-Krise hat diese in allen Höhen und Tiefen gezeigt. Information wurde zu einem Machtinstrument. Deutungshoheit wurde zum neuen Schlachtruf.

Wollen wir durch Informationen Getriebene sein?

Wir müssen davon ausgehen, dass diese Herausforderungen exponentiell zunehmen, wenn sich die dominanten Algorithmen der Plattformen erst einmal selbst reproduzieren und je nach Bedarf ihrer Eigentümer verändert werden können. Doch wer definiert „den Bedarf“ nach welchen Kriterien und mit welcher Autorität? Hier wurde viel Steuerungspotenzial aus der Hand gegeben. Der Verselbständigung ist somit Tür und Tor geöffnet. Wie geht man damit um?

Datenmanipulation als neues Geschäftsmodell?

Man ist fast geneigt, diesen Anachronismus zu schreiben. Es ist pointiert zu lesen. Doch ich frage mich, was hier an Hintergedanken am Werke war. Der Dateneinbruch im Kammergericht Berlin 2019 führte dazu, dass der gesamte Betrieb offline gesetzt wurde (immerhin für 4 Monate!). Man hatte bei der Wiederherstellung eine Infektion mit einem Trojaner entdeckt. Hacker waren höchstwahrscheinlich in der Lage , den gesamten Datenbestand des Gerichts zu klauen. Dies geschah mittels des Trojaners Emotet, den mutmaßlich ein Mitarbeiter auf das System lud.

Warum macht man das? Miese Sicherheitsvorkehrungen aufdecken? Einen Standardvorfall zu einem massive incident hochschrauben? Warum? Wir wissen mittlerweile, dass dies erst der Anfang ist. Ransom ware, Erpresser-Mails, hätte in dem Datensicherheits-GAU noch gefehlt. Das Hacking in den USA bei Regierungsorganisationen, inkl. Pentagon Ende 2020/2021 passt hervorragend in diese Schiene. Man ist noch immer dabei, herauszufinden, wer eingedrungen ist und was er mitgenommen hat bzw. was er an ‚Absaugmöglichkeiten‘ installiert hat.

Phishing ist ja schon Standard …

dies sind Versuche, über gefälschte Webseiten, Emails oder Kurznachrichten an persönliche Daten eines Internet-Benutzers zu gelangen. Man macht dabei nichts anderes als einen Identitätsdiebstahl, um dann z.B. Konten zu plündern und mit den gestohlenen Daten zu bezahlen. Ziel ist ein Betrug und die Schädigung des Dateninhabers.

Phishing ist eine reale und vor allem klar bezifferbare Gefahr. Pro Jahr verursachen ahnungslose MitarbeiterInnen auf der Welt durch Phishing einen Schaden in Höhe von durchschnittlich mehr als 4,5 Millionen Dollar pro Unternehmen. Pro Unternehmen! Dies lässt sich in einer aktuellen Studie unter anderem von IBM und Proofpoint.

Und dann ist da noch die Wissenskultur,

gekoppelt mit einer sogenannten Open Source. Wissen ist viel breiter zugänglich geworden, auch im Wissenschaftsbereich, wo zur Zeit eine globale und sehr massive Open Source Bewegung stattfindet. Sie bringt angestammte Verlage gehörig unter Druck. Publish or Perish (veröffentlichen oder untergehen, sprich nicht Teil der Community sein, weil man ja nichts Substantielles zu sagen hat und es auch gar nicht nachweisen kann), jahrelang das Credo der Wissenschaft und auch als massives Druckmittel verwendet, hat in der bisherigen Form ausgedient.

Auf Wissen zu sitzen, bringt nichts mehr. Wissen ist Energie und will fließen. Dann kann es sich ausweiten. Digitale Kanäle sind dafür bestens geeignet. Hier bricht vieles auf, auch wenn es etwas dauert, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Auch das Teilen von wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um Corona zeigt das sehr schön.

Menschsein hat nur am Rande etwas mit ökonomischen Profit zu tun. Die überbordende Verökonomisierung ist ein ungesunder Auswuchs von etwas, das sowohl Berechtigung als auch Nutzen erbringen kann. Wir sind in der Phase, die sich mit „Maß und Ziel“, mit Proportionalität überschreiben lässt. Danke, Corona! Die Krise hat uns dort hingeführt, auf die Verhältnismäßigkeit und auf einige noch weitere brauchbare Eigenschaften, die es zu pflegen gilt. Ist das eine Türe für ein neues Verständnis der Informationsgesellschaft?

Was uns besonders für 2021 bevorsteht, ist, dass sich die Ökonomie auch neu erfinden muss.

Das wird die eigentlich spannende Angelegenheit, denn 2021 kommen genau jene Bereiche auf den großen energetischen Prüfstand. Der ist unerbittlich. Er wird zeigen und zeigt uns bereits, wo wir stehen, wo es fehlt. Man muss nur hinsehen wollen. 

Die Energien machen bekanntermaßen geneigt und gewogen. Sie zwingen nicht. Dann kommt das Leben ins Spiel. Leben kann bezwingend sein, wenn es zu lange ignoriert wurde.

Unterscheidungsvermögen und Wahrhaftigkeit als neue gesellschaftliche Ziele?

Astrologisches Wissen kann zusätzlich oft sehr hilfreich für das Erkennen von Aufgabenstellungen sein, die uns alle betreffen. Von 5.5.2020 bis 18.1.2022 steht der Mondknoten auf der Achse Zwillinge-Schütze. Das ist nach anderthalb Jahren eine neue Qualität. Von November 2018 bis Mai 2020 auf der Achse Krebs-Steinbock ging es darum, endlich erwachsen fühlen zu lernen. Die Zeit für das Erlernen dieser Aufgabe ist nun vorbei. Jetzt geht es darum, sich miteinander ehrlich austauschen, auf die Details zu blicken, nach Objektivierung und belegbaren Fakten zu streben. Strahlende Konzepte und große Worte haben ausgedient. Blasen platzen. Wolkenschiebereien haben keine Chance. Denn:

Inhalt und Substanz in unserer Kommunikation sind gefragt. Die Annäherung an die Wahrheit ist ein gesellschaftliches Muss.

Jetzt geht es zum Beispiel um Bildung, Schule, Medien, Handelsbeziehungen, Kommunikationswege, um die Präzision der Sprache (die ja bekanntermaßen Bewusstsein erschafft) und allgemein um den Austausch miteinander. Das ist eine Menschheitsaufgabe. Die Informationsgesellschaft ist nichts Abstraktes. Wir sind Teil davon. Wir gestalten sie. 

Es wird uns die Möglichkeit für ein vollkommen neues System zur Wissensvermittlung energetisch angeboten. Wir erhalten die Chance, einen neuen Zugang zu entwickeln, um Wissen weiterzugeben. Wir können den den Austausch zwischen uns Menschen grundlegend zu reformieren. Immerhin für 18 Monate, wo wir neue Grundlagen bauen können. Zurzeit sind wir mittendrin und nicht nur dabei!

Wir müssen richtig achtsam sein, denn Neptun, die Energie, die auch für Täuschung, Betrug, Intrigen, Falschheit, kurzum für den Trickster von hintenherum steht, bildet 2021 mehrheitlich ein Quadrat, d.h. einen Spannungs- und Lernaspekt auf die Mondknotenachse.

Umso wichtiger ist, dass Sie sich in unterschiedlichen Bereichen informieren.

Recherchieren Sie, hinterfragen Sie. Vergleichen Sie Hinweise und Impulse. Schalten Sie immer wieder Ihren Hausverstand ein und lassen Sie auch Ihr Herz zu Wort kommen. Es ist ein untrüglicher Kompass – Quadrate hin, Quadrate her.

Weisheit ist das große Ziel. Konzentrieren Sie aufs Wesentliche.

Unterscheidungsvermögen ist dabei wichtig.

Information-Wissen-Weisheit stehen im Fokus … Weisheit ist das Ziel! Information und der Zugang zu Weisheit bilden einen wesentlichen Aspekt.

Unterscheidungsvermögen bedeutet, dass Sie in der Lage sind, aufgrund Ihres Wissensstand stimmig von nicht stimmig zu unterscheiden. Dazu braucht es Recherche, lesen, anschauen, vor allem durchdringen und Überlegungen zur Anwendung im eigenen Lebensalltag.

Fragen Sie ‚wer sagt das?‘, so werden Sie oft feststellen, es sind ungefragt übernommene Hinweise, die in Normen und erwarteten Verhaltensweisen geronnen sind. Hat das etwas mit Ihnen zu tun? Wenn ja, was hat es mit Ihnen zu tun? Spinnen Sie den Fragenreigen weiter, um tiefer zu dringen und Ihre Wahrheit zu erfahren. Doch bleiben Sie wachsam und achtsam.

Wachsamkeit ist vor allem 2021 wichtig, weil es immer wieder energetische und auch faktische Nebelkerzen und Augenpulver gibt und geben wird.

Unterscheidungsvermögen ist etwas Lebendiges. Daher muss man es laufend pflegen. Es ist keine einmalige Großtat, sondern etwas dauerhaft Bewegliches.

Kann das stimmen, was ich hier lese? Warum kann es stimmen? Was spricht dagegen? Wo finde ich Zusatzantworten und vertrauenswürdige Berichte? Wie bewerte ich diese? Wie bewerte ich eine Quelle? Das und viel mehr sind Fragen auf dem Weg zum gepflegten Unterscheidungsvermögen.

Dann sitzen Sie Verschwörungstheorien und Faked News nicht mehr auf. Sie wissen, wo sie diese einzuordnen haben, pflegen Ihr Unterscheidungsvermögen weiter und sind so in der Lage, angstfrei mit Wissen, mit Hinweisen, mit Antworten, die immer nur vorläufig sind, umzugehen. Sie können leichter Verantwortung übernehmen.

Genau das braucht die Menschheit.

Medien und ihre neue Rolle – Wohin des Weges in unserer Informationsgesellschaft?[19]

Wenn man von Information spricht, muss man auch von klassischen Medien sprechen. Sie waren – Dank Donald Trump – jahrelang im Kreuzfeuer der Kritik.

2021 ist auch das Jahr der Medien . Die Einforderung von Verantwortung ergeht nicht nur an die diversen Plattformen. So mag man sich berechtigt die Frage stellen, ob Wahrhaftigkeit und Medien eine contradictio in adjecto ist. Sin beide unvereinbar?

Die Einteilung in Mainstream und Alternativ hat sich 2020 mehr und mehr aufgelöst. Wo liegen die Unterschiede? Sie sind kaum mehr sichtbar.

Überlagert wird alles von einer Instantversorgung mit Hinweisen und Antworten, die oft absolut erscheinen. Gerade die Corona-Krise sollte uns zu denken geben. Wir lechzen nach verbindlichen und gesicherten Antworten. Doch die kann keiner seriös geben.

Daher lautet die Lernaufgabe – aushalten von Unsicherheit.

Ich meine, wir haben nicht zu wenige Hinweise, Antworten, Berichte, Studien, kritische Interviews und Feuilletons. Doch wahrscheinlich sind zu wenig verlässliche, belastbare Arbeiten vorhanden, die uns eine Richtung weisen, die wir dann gehen können. Zudem ist das Unterscheidungsvermögen vieler Leser und Hörer ist zu wenig geschult. Sogen. Medienskandale tragen auch nicht unbedingt zu einer Erhöhung des Vertrauens an Medien bei. Umso wichtiger ist der verantwortungsvolle Umgang. Daten sind das neue Gold, die Währung der neuen Zeit…

Dabei gibt es ‚die Medien‘ nicht.

Medien ist eine unspezifizierte Sammelbezeichnung. Was es gibt, ist eine Fülle an Informationsverbreitern auf diversen Kanälen. Dazu gehören auch Medien, wie Zeitungen, Radio und TV . Ferner sind Autoren, Journalisten, Vlogger, PodCaster, Verlage etc. Teil dieses Betrachtungskomplexes.

Das macht es schwierig und spannend zugleich. Alle haben eine Aufgabe: Glaubwürdig Nachrichten, Hinweise und Bilder weiterzureichen. Genau das ist seit einiger Zeit der wunde Punkt.

Je diverser die Landschaft an möglichen Hinweisen, an Berichten, an Nachrichten ist, umso mehr wird an verschiedenen Meinungen und Absichten verbreitet. Umso wichtiger ist für Konsumenten das eigene Unterscheidungsvermögen. Ansonsten ertrinkt man im Sumpf der Falschmeldungen, der Panikmache und der Verschwörungstheorien. Keine so tolle Aussicht.

Hinzu kommt, dass viele Menschen durch die Sozialen Medien begonnen haben, über Fragen und Sachverhalte nachzudenken, über die sie vorher gar nicht nachgedacht haben und die sie so auch nie wahrnahmen. Erst die Sozialen Medien haben Themen auf die Agenda gehoben. Sie haben das Interesse dafür geweckt.

Die Informationsbreite ist enorm gewachsen. Dies ist  nicht immer zum Vorteil der Informationstiefe.

Doch was ist wahr?

Wenn jede Quelle in Frage gestellt, verharrt man im Infragestellen. Man dreht sich im Kreis. Kritik ist wichtig und unabdingbar. Wenn jedoch Verbreiter von Beobachtungen und Wahrnehmungen pauschal als Lügner abgetan werden, wird es kompliziert. Es trägt nichts zum Fortschritt bei. Man bleibt am Karussell des Fragenstellens hängen und stagniert.

Die kritische Frage ‚Kann das so sein‘ darf nicht automatisch dazu führen, den anderen als professionellen Lügner abzustempeln. Für alles und jedes einen Sachbeweis zu verlangen, kann schnell in einer Sackgasse enden. Wollen wir das? Diese Gedanken zeigen, dass wir rasch in einer Zwickmühle sind. Wir enden in einem Argumentations- und Widerlegungswahn, der uns in der Sache nicht weiterbringt.

Im Gegenteil, es geht wertvolle Zeit in der fruchtlosen Debatte verloren.

Lösungen werden praktisch nie vorgeschlagen. Es ist Infragestellen um des Infragestellens willen. Das ist ein Spiel, das man spielen kann. Doch was ist die köstliche Nutzanwendung? Man vertraut einer Quelle oder eben nicht. Dazwischen gibt es letztlich keine Schattierungen.

Es geht auch um eine Form von Verhältnismäßigkeit, von Vertrauen, das aus einem selbst entsteht. Es geht um die Offenheit, dass Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven unterschiedliche Bilder abgegeben können. Es kann durchaus ein Kaleidoskop entstehen. Das mag nicht immer einfach in der Einschätzung sein. Doch es ist so. Alles andere ist eine unzulässige Vereinfachung und ein Zurechtbiegen.

Was ich bei den ehemaligen alternativen Medien beobachte, ist eine sich selbst zugeeignete Aufdeckerqualität, wobei Halbwissen, schlechte Recherche, Wünsch-Dir-Was mit Einzelfakten verbunden wird. All das wird zur herrschenden Meinung hochstilisiert . Deutungshoheit der besonderen Art? Das klingt mir oft nach Pippi Langstrumpf, die sich ihre Welt so gemacht hat, wie sie ihr gefiel.

Das hat nichts mit kritischen Stimmen auf Sozialen Medien zu tun. Das sind die gleichen Echokammern und Blasen, die als elitär kritisiert und zerlegt werden. Siehe Clubhouse als neuester Spieler. Vielleicht auch, weil man nicht dazugehört? Oder weil man nicht der gleichen Meinung ist? Vielleicht weil man zerstören will? Wo sind die alternativen Lösungen, die konkreten Vorschläge – jenseits lähmender Analysen, bei den man sich als Kennerin der Lage oft an den Kopf greift.

Ich habe kaum bis keine Lösungen für die herrschenden Fragen dieser Zeit bislang auf den diversen alternativen Kanälen gefunden. Bislang!

Faktum ist, dass die Allzugänglichkeit von Sozialen Medien das Grundvertrauen in Verbreiter von Nachrichten nachhaltig erschüttert hat. Wer kritisch ist, muss Kritik aushalten. Nicht immer ganz einfach …

Behauptungen verbreiten sich über Soziale Medien rasant.

Das Bestätigungssyndrom ‚ich wusste es ja immer schon‘, was immer das ‚es‘ letztlich sein mag, grassiert dann, wenn die allgemeine Unsicherheit groß ist. 2020 und auch 2021 ist diese Unsicherheit sehr groß. Information ist eine begehrte Ware und ein begehrtes Machtinstrument. Auch auf den sogen. alternativen Kanälen sind Nachrichten, Berichte, exklusive Hinweise, kreative Impulse und Orientierungshilfen von Experten Teil eines Geschäftsmodells – zweifellos. Warum würden die meisten zwar vordergründig ihre Meinung kostenfrei präsentieren. Zum Abschluss bittet man um Spenden.

Vor allem ist das Ausgrenzen bei divergierender Meinung in der Community harscher als in den klassischen Medien. Da gibt es einen Ideenwettbewerb, der durchaus mit harten Bandagen ausgefochten wird. Oft geschieht dies mit wenig Basis. Es wird die Meinung hingeworfen. Andersmeinende werden rasch ausgegrenzt. Hinterfrager sind unwillkommen.

In der sog. alternativen Mediencommunity herrscht in meiner Wahrnehmung nach wie vor ein Kampf auf Biegen und Brechen.

Licht und Dunkel werden vorgeschoben und missbraucht.

Wie soll man als Leser unterscheiden können, was stimmig ist und was Mache ist, um einer eigenen Idee vom Sein gerecht zu werden?

Vielleicht sind Angst und die daraus resultierende Unsicherheit die deutlich größeren und vor allem gefährlicheren Viren. Aus dieser Unsicherheit heraus ergibt sich auf ein gesellschaftliches Terrain, auf dem Heimlichkeiten, Verschwörungen und Putsche besonders gut wachsen.

Misstrauen ist eine Sache. Kritik ist hingegen eine völlig andere Angelegenheit. Wer das vermischt, und das geschieht seit längerem, der trägt mit Verantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen aller Art. Denn auch die Misstrauischen haben ihre Community. Sie befüttern gegenseitig dieses Misstrauen im Bestätigungsmechanismus. Solange bis es alles außer Kontrolle gerät.

Was sind Sie bereit, zu lesen?

Längere, fundierte Texte oder die kurze Snapmeldung, Wikipedia und die neue Google InfoBox? Welche Schlüsse ziehen Sie für sich? Wie stark ist Ihr Bestätigungsmechanismus ausgeprägt? Wie sehr sind Sie bereit, einen Text, eine Sendung, einen Podcast, ein Video offen zu durchdringen? Darauf kommt es an. Offen und bereit zu sein, etwas zu durchdringen. Es geht über das wahrnehmende Erfassen. In einem weiteren Schritt sind die Erkenntnisse zu verbinden und auch Schlüsse für den eigenen Weg, das eigene Leben konsequent abzuleiten. Sie meinen, dafür gäbe es keine Zeit. Nun denn – niemand stiehlt Ihnen Zeit, außer Sie lassen es zu.

Seien Sie bereit, sich mit für Sie relevanten Dingen wahrlich zu beschäftigen. Nehmen Sie unterschiedliche Standpunkte und Meinungen wahr. Geben Sie ihnen soweit wie möglich unvoreingenommen, Raum. Recherchieren Sie. Damit bauen Sie Ihr Unterscheidungsvermögen auf.

Das ist 2021 wichtiger denn je.

Das Bild, das sich von unserer Wirklichkeit zeigt, ist vielfältig und jenseits von gut und schlecht.

Es geht um stimmig oder weniger stimmig. Anstatt sich auf das weniger Stimmige zu fokussieren, fokussieren Sie sich auf das Stimmige. Nehmen Sie das weniger Stimmige zur Kenntnis. Gehen Sie weiter. Bleiben Sie offen für Neues, das sich zeigen will. Auch hier gilt der Grundsatz: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Achten Sie auf Ihren vor allem unbewussten Bestätigungsmechanismus. Der ist wie ein schlafender Hund. …

Sollten Sie auf den Gedanken kommen, nach der Wahrheit zu suchen – seien Sie sich gewiss – es ist immer eine Annäherung an die Wahrheit, der wir begegnen. Dann sind Sie nahe an der Wahrhaftigkeit dran. Ob das ein edles Motiv ist? Die Antwort überlasse ich Ihnen, denn das wäre schon wieder eine Bewertung zwischen Sender und Empfänger.

Es ist ein offenes Geheimnis; der ökonomische Druck, der auf den Medien lastet, ist enorm. Damit wird viel an Freiheit eingeschränkt. Nur was trägt, wird veröffentlicht. Zumindest mehrheitlich, denn man muss ja Rechenschaft ablegen. Auch das ist Ausdruck einer funktionierenden Informationsgesellschaft.

Es gibt wenige Medienmäzene, die es sich leisten, ein Medium zu haben, um die Welt in einem humanistischen Sinn besser zu machen.

Die meisten Medienbesitzer wollen Geld mit ihren Schmuckstücken im Portfolio verdienen. Dafür tun sie sehr viel, ob sie Murdoch, Bezos oder wie auch immer heißen. Der Medienlobbyismus ist ein spannendes Phänomen, das auch nicht neu ist. Doch ist grassiert deutlich zurzeit. Es geht um den eigenen Nutzen und nicht um den gesellschaftlichen Mehrwert.

Viele Qualitätsmedien kommen dadurch extrem unter Druck. Sie können daher sehr oft auch nicht mehr die Qualität in der Berichterstattung anbieten, zu der sie in der Lage wären. Es gilt als bekannt, dass Redaktionen mit immer geringeren Budgets kämpfen. Immer weniger Journalisten und immer größer werdenden PR-Budgets und Manipulationsabteilungen auf der Gegenseite führen zu einem Ungleichgewicht. Journalisten, die sich bemühen, kommen mit ihrer Arbeit nicht mehr nach. Der Druck ist markant gewachsen. Das frustriert und macht das journalistische Leben nicht einfacher.

Dieses Ungleichgewicht geht mit einer gesellschaftlichen Spaltung einher.

D.h. Information als Geschäftsmodell und als Machtinstrument, das im Ursinn Aufklärung als Ziel hatte, findet sich als Spalter wieder. 2021 ist auch das Jahr, wo sich die Polarisierung sehr stark zeigt. Die USA machen den Anfang. Auch in Europa macht sich eine stärker werdende gesellschaftliche Spaltung bemerkbar.

Wenn der Staub der Corona-Krise sich gesenkt haben wird, werden wir die eigentliche Spaltung so richtig begreifen. Wir gehen wir damit um? Welche Rollen haben Medien aller Art in diesem Prozess und in unserer Informationsgesellschaft?

Taugt dieses Konvolut aus Nachrichten, Daten, Meinungen, Haltungen, Informationen und Hinweisen als Geschäftsmodell dann noch? Müssen wir sowohl in der Tiefe als auch in der Breite grundlegend neu denken? Wenn ja, in welche Richtung kann das gehen? Lesen Sie diese Fragen als Aufforderung, darüber nachzudenken. Denn: wir haben die Entwicklung als Menschheit in unseren Händen. Jede und jeder Einzelne. Ausnahmslos. Haben Sie teil mit Ihren Fähigkeiten an diesem so wichtigen Prozess.


 

Leseempfehlungen

Virtualität und Digitalisierung … Fakten, Folgen, Möglichkeiten und Verantwortung

Der große Umbruch im Arbeitsumfeld – was sind aktuelle Trends? Wohin kann es gehen? Chancen und Risiken

Referenzen, Kurzerläuterungen und weitere Leseempfehlungen

[1]           Die Sperre von Donald J. Trump ist ja hinlänglich bekannt, wobei die große Frage im Hintergrund, ob es Big Techs zusteht, im Sinne der Meinungsfreiheit als Grundrecht, diesen Schritt zu tun. Man könnte natürlich auch argumentieren, dass jeder, der ein Twitter Account hat, ein Geschäftspartner der Plattform ist und sich damit an die Spielregeln derselben zu halten hat. Lügen und Unwahrheiten zu verbreiten ist nicht Teil dieses Arrangements. Wenn man es, vereinfacht ausgedrückt, zu lange zu bunt treibt, dann nehmen sich die Plattformbetreiber das Recht heraus, den Vertrag einseitig zu lösen. Auch so könnte man den Sachverhalt betrachten. Man könnte jedoch auch so argumentieren, dass das sogen. Gemeinwohl über jenem Recht der Meinungsfreiheit steht. Wenn die Gefahr besteht, dass dieses Gemeinwohl nachhaltig beschädigt und gefährdet ist, dann ist der einseitige Eingriff seitens der Big Techs zulässig und gerechtfertigt. Was Sie anhand dieses Falls sehen – es gibt keine eindeutige und verbriefte Antwort. Es gibt viele Erklärungsmöglichkeiten, viel mehr als hier dargestellt.

[2]           Es sei an jenen Tweet (‚Ich verkaufe fast allen physischen Besitz‘ ) im Mai 2020 erinnert, als er am Weg zum Flughafen, eine Cannabiszigarette rauchend und daher nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, einen Tweet zu seinem Unternehmen absetzte und der Börsenkurs in ungeahnte Tiefen rauschte. In der Folge kam es dann im Vorstand und im Verwaltungsrat zu gravierenden Umbesetzungen, weil man sich nicht mehr von seiner aktuellen Befindlichkeit abhängig machen wollte. Siehe dazu beispielhaft https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/tesla-elon-musk-laesst-mit-tweets-tesla-aktie-abstuerzen/25795200.html?ticket=ST-7111022-TbsgrV7mYYhLhxbKSy0z-ap2 (Abfrage am 20.1.2021)

[3]           Vgl. https://twitter.com/elonmusk vom 7.1.2021, ‚use Signal‘. Oder https://www.n-tv.de/wirtschaft/Musk-heizt-Manipulation-bei-Gamestop-an-article22320592.html, wo die Aktien von Gamestop ein Feuerwerk ungeahnter Weise ablieferte, wenngleich Gamings im klassischen Sinn aufgrund der immer mehr werdenden Streamingdienste als Auslaufmodelle gesehen werden.

Weiters über die Entwicklung: https://m.focus.de/finanzen/boerse/gamestop-amc-und-nokia-betroffen-beispiellose-situation-trade-republic-stoppt-handel-mit-mehreren-aktien_id_12921695.html (Abfrage vom 28.1.2021) und https://orf.at/stories/3199363/ (Abfrage vom 28.1.2021). Zum Krypo-Run beispielhaft https://orf.at/stories/3200229 (Abfrage 4.2.2021)

[4]           Siehe https://palace.navalny.com/ (Abfrage vom 19.1.2021). Sie können den russischen Text einfach mittels automatischer Übersetzung auch in deutscher Sprache lesen.

[5]           Siehe https://www.whatsapp.com/legal/updates/privacy-policy-eea/?lang=de (Abfrage 20.1.2021). Falls es Sie betrifft, hier können Sie sehr übersichtlich nachlesen: https://www.rnd.de/digital/whatsapp-2021-zwangsupdate-und-agb-anderung-was-die-aktualisierung-der-datenschutzrichtlinie-fur-verbraucher-bedeutet-4V47YYMIMNEBZMKZKWATRIAVQQ.html (Abfrage 20.1.2021).

[6]           Siehe z.B. https://www.inside-digital.de/news/whatsapp-alternative-top-charts-snowden-musk (Abfrage 20.1.2021) und https://www.businessinsider.de/tech/elon-musk-schlaegt-signal-statt-whatsapp-vor-doch-auch-hier-gibt-es-kritik-b/ (Abfrage 20.1.2021)

[7]           Siehe dazu als Anregung:
Andrea Riemer: Virtualität und Digitalisierung … Fakten, Folgen, Möglichkeiten und Verantwortung
https://spirit-online.de/energiezyklen-2020-virtualitaet-und-digitalisierung.html

Andrea Riemer: Der große Umbruch im Arbeitsumfeld – was sind aktuelle Trends? Wohin kann es gehen? Chancen und Risiken; https://spirit-online.de/das-arbeitsumfeld-im-dauerwandel-digitalisierung.html

Zu den energetischen Hintergründen empfehle ich beispielhaft:

Andrea Riemer: Die Menschheit am Weg in die Königsenergien? Energetisch-zyklische Einschätzung der Lage gegen Ende 2020; https://spirit-online.de/die-menschheit-am-weg-in-die-koenigsenergie.html

Andrea Riemer: Die Königskonstellation als erste Erleichterung Ende 2020?
https://spirit-online.de/die-koenigskonstellation-als-erste-erleichterung-ende-2020.html

Andrea Riemer: Eine energetische Tour d’horizon zum 1. Quartal 2021
https://spirit-online.de/astrologie-energetische-tour-dhorizon-fur-das-1-quartal-2021.html

[8]           Im Rahmen der Kommunikationswissenschaften gibt es dazu eine unglaubliche Fülle an Literatur. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie an Grundzügen interessiert sind und neben dem fundiert vermittelten Wissen auch ein bisschen Humor dabei mögen: Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit: Wahn, Täuschung, Verstehen, Erstauflage 1976, Piper Verlag. Es gibt diesen Klassiker in allen Varianten, vom Taschen- bis zum Hörbuch und vielen EBook-Varianten.

[9]           Auch zu diesem Thema gibt es eine Fülle an Literatur. Auch beschäftigen sich mehrere Disziplinen mit dem Thema. Wenn Sie sich für Politik interessieren, dann empfehle ich Ihnen eines der letzten Bücher des renommierten Politikwissenschafters, Joseph Nye: The Future of Power, erschienen 2011 und in allen möglichen Formaten erhältlich.
Natürlich könnten Sie z.B. auch tiefer in Psychologie einsteigen, denn auch in diesem Fachgebiet nehmen Macht und Beeinflussung einen prominenten Raum ein. Bei Interesse recherchieren Sie dazu. Sie werden erstaunt sein, was Sie alles zu diesem Menschheitsthema finden. Erwarten Sie jedoch keine abschließende Antwort, denn auch Macht ist nicht statisch, sondern im Fluss begriffen.

[10]          Vgl. dazu

             Andrea Riemer: Akteure und Heterogenisierung von Macht: Neue Anforderungen an die Streitkräfte?, Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie, Wien 2007.

             Andrea Riemer: Neue Akteure und Heterogenisierung von Macht, Konferenzpapier im Rahmen des Workshops „Zukünftige Konfliktbilder im Lichte strategischer Konzepte“ am 10.9.2008, LVAk, Wien (Weiterentwicklung des erstgenannten Papers).

Andrea Riemer: Macht und Verantwortung, Key Note Speech im Rahmen der Buchpräsentation “Staatenwelt-Weltenstaat” von Botschafter Ettmayer, Österreichisches Parlament, 20.11.08.

Andrea Riemer: Akteure und Heterogenisierung von Macht, in: Walter Feichtinger/Anton Dengg: Kein Feind in Sicht, Wien 2010, S. 101-127.

[11]          Ich umschreibe im Folgenden meine Wahrnehmungen als Autorin, die es seit gut 30 Jahren aus der noch guten wissenschaftlichen Praxis kommend, gewohnt ist, sauber zu recherchieren und Quellen auch anzugeben.

[12]          Vgl. dazu beispielhaft: https://netzpolitik.org/2018/meinungsfreiheit-warum-facebook-zu-recht-nicht-an-grundrechte-gebunden-ist/ (Abfrage 20.1.2021).

[13]          Als Hintergrund siehe beispielhaft: https://www.pcwelt.de/ratgeber/Vom-Arpanet-zum-WWW-So-entstand-das-Internet-312786.html (Abfrage 20.1.2021). https://www.verbaende.com/news.php/50-Jahre-Internet-Von-4-auf-4-Milliarden-Nutzer-Am-30-August-1969-nahm-mit-dem-ersten-Knoten-des-Arpanet-der-Vorlaeufer-des-Internets-seinen-Betrieb-auf-Im-vergangenen-Jahr-war-erstmals-mehr-a?m=130261 (Abfrage 20.1.2021). Recherchieren Sie dazu und machen Sie eine Zeitreise durch die Entwicklung des Internet.

[14]          Vgl. dazu diverse kritische Stellungnahmen, ohne Wertung, als reine Information für Sie angeführt:

https://netzpolitik.org/2020/twitters-beschwerde-system-funktioniert-am-besten-ueber-die-presse/ (Abfrage 20.1.2021).

https://www.tagesschau.de/inland/merkel-trump-twitter-103.html (Abfrage 20.1.2021).

https://help.twitter.com/de/rules-and-policies/enforcement-options (Abfrage 20.1.2021).

[15]          Hier finden Sie, bei Interesse, den gesamten Text zum Lesen und zum Hören: https://www.deutschelyrik.de/der-zauberlehrling.335.html (Abfrage 20.1.2021)

[16]          Unter https://twitter.com/jack kann man dies sehr schön verfolgen.

[17]          Vgl. dazu ausführlich, auch zu möglichen Trends: Andrea Riemer: Virtualität und Digitalisierung … Fakten, Folgen, Möglichkeiten und Verantwortung. https://spirit-online.de/energiezyklen-2020-virtualitaet-und-digitalisierung.html; dieser Abschnitt wurde aus dem angegebenen Beitrag entnommen und aktualisiert bzw. in den vorliegenden Essay eingebunden.

Andrea Riemer: Der große Umbruch im Arbeitsumfeld – was sind aktuelle Trends? Wohin kann es gehen? Chancen und Risiken; https://spirit-online.de/das-arbeitsumfeld-im-dauerwandel-digitalisierung.html

[18]          Siehe dazu https://www.spiegel.de/politik/deutschland/margrethe-vestager-soziale-netzwerke-sind-ein-systemisches-risiko-fuer-die-demokratie-a-88df56db-a167-46ea-a1b5-9058a6406d8d (paywall, Abfrage 7.2.2021)

[19]          Im Detail können Sie nachlesen unter: https://spirit-online.de/fabio-polly-wahrheit-und-wahrhaftigkeit-in-medien.html

 

05.03.2021
Außerordentl. Honorarprofessorin Dr.habil. Dr. Andrea Riemer, Ph.D. ergänzt und erweitert.
Zur Autorin finden Sie alles Wissenswerte unter:
www.andrea-riemer.de

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Portait-Andrea Riemer-November-2020Über Andrea Riemer:

nach einer einzigartigen, 25 Jahren umfassenden internationalen Karriere als Wissenschaftlerin und Beraterin für Sicherheitspolitik und Strategie (Doktorat in BWL, Ph.D. und Habilitation in Militärwissenschaften; außerordentl. Honorarprofessorin), hat sich Andrea Riemer ab 2012 als eine der erfahrensten Buchautorinnen und Vortragenden zu existentiellen Fragen des Lebens in der poetischen Philosophie etabliert.
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