Himmel & Erde

Was ist eigentlich Liebe?

EngelWas ist das eigentlich, Liebe

„Du, Gott“, sagte das kleine Engelchen und zupfte ein paar strahlend helle Harfentöne, „was ist das eigentlich, Liebe?“
Die Engel, die in der Nähe waren und ihren Engelangelegenheiten nachgingen, hielten erschrocken inne. Liebe, was für eine Frage! Liebe, das war doch… äh, darüber sangen sie, das war das Licht und all das Gute… hm, was war das eigentlich, Liebe?
„Ja, was ist das eigentlich?“ erlaubte sich ein ziemlich großer, strahlend blauer Engel zu fragen, es war sogar – die Engel falteten vor Ehrfurcht ihre Flügel zusammen  – ein Erzengel.
„Das ist eine sehr gute Frage, kleiner Engel“, ertönte eine Stimme aus dem Olymp oder eben daher, woher diese Stimme kam, wenn man sie hörte. So genau wussten das nicht einmal die Erzengel bis auf einen, der allerhöchste Engel, der Lichtbringer. Er sah Gott direkt ins Angesicht und wusste deshalb natürlich auch, wo er sich befand.

„Liebe erkennt man an den Wirkungen, genau wie man auf der Erde den elektrischen Strom nicht nachweisen kann, ihn aber an den Phänomenen, die er verursacht, messen und erkennen könnte. Das Phänomen, an dem ihr Liebe erkennt, ist Mitgefühl. Vorausgesetzt, es gäbe Geräte, und wieder vorausgesetzt, es gäbe Wesen, die diese Geräte bauen und bedienen könnten…“  Die Stimme verklang. „Ich muss diesen Sieben-Tage-Plan noch einmal durchdenken“, murmelte sie dunkel.
Das kleine Engelchen nickte begeistert, Gott war so klug!
„Was ist elektrischer Strom?“ fragte es voller Glück, es war der Erklärung, was Liebe war, schon sehr nah, dachte es.
„Strom ist eine Analogie zur Liebe, eine Energie, die nicht nachweisbar ist, aber ungeahnte Dinge vollbringt, wenn man sie anwendet. Liebe erzeugt auf der Erde, wenn man sie anwendet, Mitgefühl. Hast du das nun verstanden, kleines Engelchen?“
Das Engelchen nickte wieder begeistert. Es sprach mit Gott, das war unglaublich!
„Nein“ sagte es dann.
„Wir auch nicht…“ Die anderen Engel schauten sich fragend an. „Liebe“, sagte einer, „das ist einfach alles, es gibt doch gar nichts anders, Liebe ist das Licht, ist Gott, ist das, was wir bringen…“
„Aber welche Auswirkungen hat es, woran erkennen wir, dass Liebe wirksam ist? Woran erkenne wir Mitgefühl?“ Der blaue Erzengel fuchtelte gefährlich mit seinem blitzenden Schwert und zerschnitt aus Versehen ein paar Wolken, darunter auch die, auf der das kleine Engelchen stand. Es flatterte auf und fiel ein paar Meter, bevor es seine erstaunlich großen Flügel aufspannte und dem Erzengel mitten auf die Klinge flog.
„Pass doch auf“, sagte es freundlich und küsste ihn auf das Schwert.
„Siehst du, das gerade war Liebe“, sagte ein anderer großer Engel, „du hast auf der Stelle vergeben und vergessen.“
„Aber“ – das kleine Engelchen legte seine Flügel ordentlich auf dem Rücken zusammen, das tat es immer, wenn es nachdachte – „dazu müssten doch Dinge passieren, die man mitfühlen, vergeben und vergessen kann, sonst kann Liebe gar nicht zur Anwendung kommen, oder?“ „Zur Anwendung kommen“, dachte es dann stolz, Merkur wäre beeindruckt, wenn er das hörte.
Die Engel flogen nun aufgeregt umher.
„Das wäre ein Spaß!“ rief ein sehr lichter Engel, „wir könnten auf die Erde fliegen und Dinge tun, die wir uns gegenseitig vergeben könnten. Wir könnten uns vom Licht abtrennen und lernen, was Mitgefühl ist!“
„Das ist eine gute Idee, liebster Engel“, dröhnte die wohlige Stimme Gottes, „ihr bildet ein anderes Bewusstsein aus und erfahrt dadurch eine ganz andere Wirkungsweise meiner göttlichen Ordnung. So könnt ihr Mitgefühl entwickeln und uns zeigen, wie sich angewandte Liebe anfühlt. Aber denkt daran, ihr werdet einen Körper haben, wenn ihr auf die Erde kommt, es wird andere Wesen geben und ihr werdet vergessen, dass ihr die Wirkungsweise von Liebe erforscht… Es ist leicht, hier in der Engelwelt zu vergeben, hier geschieht euch ja nichts. Aber die Erde, die ich erschaffen habe – wo hab ich nur meinen Plan? – hat andere Gesetze und auch die Liebe unterliegt den irdischen Gegebenheiten. Wollt ihr das wirklich ausprobieren?
Noch etwas gibt es zu bedenken, ihr Liebsten. Wenn ihr spüren wollt, was Liebe ist, dann braucht ihr den Gegenpol, das ist so auf der Erde. Sonst spürt ihr es nicht. Ihr braucht also auch die Dunkelheit, die Angst. Das bedeutet, dass sich jemand bereit erklären muss, die Angst mit all ihren Auswirkungen wie Hass, Gewalt, dunkle Magie und Sucht zu verkörpern, diese Energie zur Verfügung zu stellen, damit ihr wählen könnt, ob ihr Liebe oder Angst verwirklichen wollt.
Und noch Eines. Ihr seid so lichtvoll, ihr könnt euch gar nicht so weit von eurem eigenen Licht entfernen, dass ihr es nicht mehr spürt. Ihr braucht eine Kraft, eine ganz fremde Energie, die euch bewusst von eurem eigenen Licht abschneidet, eine Art Schild zwischen euch und eurem Licht bildet. Sonst geht es nicht. “
„Wieso müssen wir wählen, wir wollen doch nur die Liebe spüren“ wandte ein anderer Engel ein, er hatte sich bis jetzt aus dem Gespräch herausgehalten, aber aufmerksam zugehört. „Ich weiß es, ich weiß es!“ rief das kleine Engelchen glücklich. „Weil wir nicht erkennen, was Liebe ist, wenn wir nichts anderes kennenlernen! Sonst ist einfach wieder alles Liebe und wir haben nichts gelernt. Wir wollten doch etwas erkennen und das geht nur, wenn es auch etwas anders gibt. Und das geht nur, wenn wir uns von uns selbst sehr weit entfernen, weiter, als wir es aus eigener Kraft können.“
Es schaute triumphierend ungefähr in die Richtung, in dem es den Olymp vermutete.  
„Richtig, kleiner Engel. Wir brauchen also jemanden, der es auf sich nimmt, das Dunkle zu verkörpern. Und wir brauchen eine Energie, die euch von eurem Licht abtrennt, euch wie besetzt hält, solange, bis ihr aus eigenem Antrieb um Erlösung bittet. Wem sollte ich das wohl zumuten? Ich liebe euch alle viel zu sehr. Ihr Liebsten, vergesst den Plan bitte, ich werde das Paradies erschaffen und dabei bleibt es. Irgendwo hab ich es aufgeschrieben…“
Auf einmal blitzte und gleißte es am Himmel und eine so wunderbare Melodie erklang, dass sogar die Engel blinzeln mussten, so schön war die Stimme, die nun erschallte.
„Ich gehe.“
Der allerhöchste Lichtbringer, der Engel des Herrn, Lufizer, breitete seine Schwingen aus und kreiste über all den Engeln.
„Ich lasse mich in die Dunkelheit hinabfallen und werde euch den dunklen Pol halten, damit sich die Schöpfung in all ihren Farben zwischen Gott und mir aufspannen kann. In dieser Energie, in diesem Regenbogen aus Möglichkeiten habt ihr alle Zeit der Welt, um zu erforschen, was Liebe ist – aber auch, was sie nicht ist. Wollt ihr das?“
Luzifer schaute Gott nicht an, als er das  sagte. Er wusste, Gott würde seinen Abstieg niemals zulassen, viel zu sehr liebte er ihn.
Die Engel schwiegen erschrocken. Dieses Opfer konnten sie nicht annehmen.
Doch nun ertönte noch einmal die Stimme Gottes.
„Wenn ihr das tut, dann fügt ihr meiner Schöpfung ein unermesslich wertvolles Geschenk hinzu – Bewusstsein. Bewusstsein kann ich nicht erschaffen, Bewusstsein entsteht aus dem bewussten Sein, aus dem bewussten Erkennen dessen, was ihr seid und was ihr nicht seid.
Wenn ihr das wollt, wenn ihr zusammen bereit seid, zur Erde zu gehen und die Wirkungsweisen der Liebe anzuschauen, dann schütze und behüte ich all eure Wege und führe euch zu gegebener Zeit zurück nach Hause. Der Dank des ganzen Universums ist euch gewiss.“
Das kleine Engelchen schluckte. Huh, das war eine etwas zu weit reichende Antwort auf seine Frage. Doch dann sprang es von der blau blitzenden Klinge des Erzengels.
„Lass mich den dunklen Pol halten, ich habe ja die Frage gestellt“, sagte es zitternd, doch Luzifer lachte.
„Kleines, das kannst du nicht, dazu braucht es einen Engel, der fast so viel Energie halten kann wie Gott selbst – aber ihr habt es gehört, nur fast. Am Ende wird das Licht immer stärker sein. Wollen wir das? Wollen wir erforschen, was Liebe ist, in all ihren Auswirkungen? Auch wenn das bedeutet, in die Dunkelheit zu stürzen und alles zu vergessen, was wir wissen? Denn das kann und das wird geschehen, auch wenn ihr euch das noch nicht vorstellen könnt.“
Erzengel Michael schwang sein blaues Schwert, dann schaute er Luzifer direkt ins Gesicht. Nur wenige Engel vermochten das zu tun. Er reichte Luzifer die Hand.
„Ich begleite dich bei deinem Abstieg und ich werde mit meinem Schwert der Klarheit da sein, damit die Menschen unterscheiden lernen zwischen Liebe und Angst. Ich werde für dich selbst da sein, damit auch du nicht vergisst, wer du bist. Wer mitkommen möchte, wer erforschen will, was Liebe ist, der stelle sich bitte in einer Reihe auf.“

„Stopp!“ Weißes Feuer stob und rauschte um die beiden hohen Engel.
„Wir kommen mit.“

Die Engel schauten sich um und verstummten.
Eine ganze Schar machtvoller Drachen landete vor ihnen.
„Ihr braucht uns. Wir werden die Brücke sein, in beiden Welten leben und wirken, in der lichtvollen, geistigen Welt – von hier aus bringen wir höchstes Heil, Fülle und Glück – und in der dunklen Welt von Lufizer. Wer uns in dieser dunklen Energie ruft, dem stehen wir auf dunkle Weise zur Verfügung und bringen Verderben, Kälte und Verstrickungen. Wir sind die Krafttiere des Lichtes und des Glückes, aber auch des Krieges, der Dunkelheit und des Egos. Wir halten weiße und schwarze Magie, Glück und Verderben, wir bringen das, wonach ihr rufen werdet und unterstützen euch in euren Erfahrungen mit dem lichtvollen und mit dem dunklen Pol. Wir sind die Brücke und wir werden dich, Luzifer, am Ende erlösen. Wir brauchen euch Licht-Engel, damit ihr uns im Licht haltet, während wir Luzifer dienen, denn es wird eine Zeit kommen, in der selbst wir vergessen, wer wir sind. Eure Aufgabe ist es, uns zu erinnern, uns zu erlösen, uns an das Licht zu erinnern, wenn wir es vergessen. Auch Luzifer wird das Licht vergessen. Gibt es Licht-Engel, die mit uns allen auf die Erde kommen wollen, die uns halten und uns an das Licht erinnern? Die uns zuschauen, wenn wir die Dunkelheit erforschen, obwohl es ihnen Schmerzen bereiten wird, weil sie so sehr mit der Liebe und dem Licht verbunden sind – und uns dann, wenn die Zeit gekommen ist, zurückholen?“

Aus allen Teilen des Universums strömten auf einmal Wesenheiten zusammen, da gab es zauberhafte Feen, zierliche Elfen, zarteste Engel von weit her – Wesen aus den entferntesten und lichtesten Dimensionen der Galaxien versammelten sich und stellten sich in eine Reihe.  

Liebe„Wir gehen gemeinsam“, entschieden sie. „Wir werden gemeinsam lernen, was Mitgefühl ist und sie verwirklichen, egal, wie lange es dauert. Wir werden uns gegenseitig daran erinnern, wozu wir auf Erden sind und wir werden lernen, woran wir Liebe erkennen können. Wir werden das Licht sein, das die Dunkelheit erhellt und erleuchtet und zur richtigen Zeit werden wir die Drachen und dich, Luzifer, in Liebe erlösen und zurück an die Seite Gottes führen.“

Ein großer, strahlend weißblau schimmernder Drache schwebte heran und spie sein Feuer.

„Ich bin die Drachenmutter, ich hüte meine Kinder. Am Ende werde ich da sein und erwachen. Daran erkennt ihr, dass der Aufstiegsprozess nicht mehr umkehrbar ist. Ich werde Luzifer erlösen, durch euch und mit Hilfe von euch allen. Am Ende werde ich da sein, ich werde prüfen, ob ihr fest und sicher in eurem Herzen verankert seid, ich werde die Schwelle des Weges zu dir, Gott, zurück, hüten. Ganz am Ende werde ich da sein.“

Plötzlich kam ein Wind auf und eine sich für die Engel und Drachen gleichermaßen sehr merkwürdig anfühlende, kühle, beinahe metallische Energie ballte sich zu einer silbern schimmernden Kugel zusammen.

„Wir werden euch von eurem Licht abtrennen. Wir sind nicht menschlich und wir sind keine Engel, keine Drachen, nichts im weitesten Sinne Irdisches. Wir sind vollkommen anders als ihr und können euch deshalb als Schild dienen. Wir haben euren Ruf gehört, wir werden euch besetzt halten und wir werden gehen, wenn ihr uns dazu auffordert – aber erst dann. Wollt ihr das wirklich? Ihr werdet uns verfluchen und uns für böse halten. Aber wir kommen nur, um euch zu dienen, um euch die Erfahrung eines menschlichen Bewusstseins zu ermöglichen. Wenn ihr das wollt, dann sind wir da.“
Voller Dankbarkeit verneigten sich all die Engel, die Drachen, all diejenigen, die sich bereit erklärt hatten, zur Erde zu gehen und Mensch zu werden – und nahmen das Angebot an.
„Wir werden euch dafür achten, ehren und euch unsere Liebe schicken“, sagte Erzengel Michael, „aber ich werde auch mein Schwert einsetzen, wenn es Zeit wird, dass ihr geht.“

„Beides ist vollkommen in Ordnung“, erwiderte die silbrig schimmernde Energiekugel, „und beides berührt uns nicht im geringsten. Wir schwingen wirklich vollkommen anders als diese Seite des Universums.“

Gott nickte. „Es wird einen freien Willen geben, ihr könnt euch immer wieder neu für die Liebe oder für die Abwesenheit von Liebe, also die Angst, entscheiden. Ihr werdet einen freien Willen haben – bedenkt, der Preis für diesen freien Willen ist das Karma. Karma sind die Spielschulden in der dreidimensionalen Welt und ihr werdet es bezahlen müssen. Wollt ihr das wirklich alles auf euch nehmen und ein menschliches Bewusstsein ausbilden?
Das Leuchten und Strahlen aller geistigen Wesenheiten wurde so hell, dass sogar Gott fast geblendet wurde.
„Der Dank und der Segen des ganzen Universums sei euch gewiss.“
Gott schickte einen Lichtstrahl zur Erde, an dem all die Seelen und Wesenheiten hinab gleiten konnten  – allen voran Luzifer – und sprach die magischen Worte der Kraft:
„So sei es.“ 

Susanne Hühn

(c) Schirner

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