Ernährung

Kochen 2.0

Apfel-Bildschrim-pc-hand-appleKochen 2.0 – Was hat unser Kochverhalten mit Konsum, gesundem Leben und Umweltschutz zu tun?

Viele kennen sicherlich die Bezeichnung „Web 2.0“. Dies kennzeichnet keine grundlegende Veränderung in Bezug auf weiterentwickelte Technologien, sondern eine veränderte Nutzung des Internets. Also eine Veränderung in Bezug auf die Handhabung.

Ähnlich empfinde ich es beim Kochverhalten in der heutigen Zeit und der damit verbundenen Veränderung – sowohl im Miteinander, als auch im Konsumverhalten. Und wenn man noch einen Schritt weiter denkt, auch in Bezug auf unsere Umwelt und Umweltschutz.

Kochen früher und heute

Betrachten wir zunächst einmal wie früher gekocht und gegessen wurde, und wie heute.
Wenn ich den Begriff „früher“ nenne, muss man gar nicht lange in die Geschichte reisen. Einige Jahre reichen hier schon aus.

In vielen deutschen Haushalten war es normal, dass es täglich drei Mahlzeiten zu Hause gab: Frühstück, Mittag- und Abendessen. Eine Hauptmahlzeit davon war meist immer warm – sprich es wurde immer mindestens einmal am Tag richtig gekocht.

Auch ich kann man mich noch gut daran erinnern, dass es bei uns zu Hause mittags immer etwas Warmes gab, das dann für meinen Vater, wenn er abends nach Hause kam, aufgewärmt wurde. Und am Wochenende saßen wir mittags immer zusammen am Tisch und aßen warm. Am Wochenende gingen wir dann auch mal gerne in ein Restaurant.
Noch eine Generation weiter – also die Zeit meiner Großeltern – sah nochmals etwas anders aus: für meine Oma wäre es undenkbar gewesen, mittags nicht zu kochen. Egal wie viel sie zu tun hatte. Restaurantgänge bildeten die Ausnahmen und waren etwas ganz besonderes und es gab sie nur zu festlichen Anlässen.

Und heute?
Einer Statistik der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zufolge kochen aktuell nur noch 34 % der deutschen Haushalte regelmäßig. Es hat sich hier also eine deutliche Veränderung in der Esskultur ergeben.

Die Gründe sind vielfältig und reichen von veränderten familiären Strukturen bis hin zu Zeitmangel und mangelnde Lust.

Mal überspitzt ausgedrückt:
In einem Singlehaushalt gibt es morgens auf dem Weg zur Arbeit den „Coffee to go“, mittags vielleicht schnell mal den abgepackten und bereits gewaschenen Salat aus dem Supermarkt, auf den man nur noch das Dressing drüber gießen muss, und abends etwas vom Imbiss nebenan oder vom Lieferservice.
In Familien wird vielleicht morgens noch zusammen gefrühstückt, dann gehen die Eltern arbeiten und die Kinder in die Schule/Kindergarten. Also Mittagessen in der Kantine bzw. in der Mittagsbetreuung. Abends gibt es dann noch ein kaltes Abendbrot. Das war‘s.

Zu Hause wird also immer weniger gegessen und gekocht. Und dies obwohl Kochshows im Fernsehen Hochkonjunktur hatten und noch immer haben. Egal zu welchem Sender man zappte: eine Kochshow hier, eine dort…

Veränderungen des Kochverhaltens und Auswirkungen auf das Konsumverhalten

Die Auswirkungen des derzeitigen Kochverhaltens sind weitreichend. Nicht nur unter gesundheitlichen Aspekten, sondern auch in Bezug auf unsere Umwelt.
Denn: diese Veränderung macht sich natürlich auch die Industrie zu nutze. Die Anzahl der Produkte „to go“, an kleinen Verpackungsgrößen für den Singlehaushalt und an Fertigprodukten für das schnelle und einfache Kochen steigt stetig an.

Der Blick in die Regale der Supermärkte zeigt dies mit erschreckender Deutlichkeit.
Da gibt es den bereits gerupften und gewaschenen Salat in der praktischen Plastikschale, Fertigmenüs in allen Varianten und Convenience Produkte in kleinen und großen Plastikbeuteln für alle kochbaren Varianten. Zu erwähnen seien an dieser Stelle auch die Nahrungsergänzungsmittel in allen Facetten und in den entsprechenden Plastikdöschen.

Plastikverpackungen soweit das Auge schaut

Bei Getränken sieht es nicht anders aus. Kleine PET Einwegflaschen für den Durst zwischendurch und zum Mitnehmen, Coffee-to-go-Becher an jeder Ecke und das Kaffeepulver gibt es in kleinen Kapseln. So zackig und ganz nach dem individuellen Geschmack konnte noch nie ein Kaffee gekocht werden – umwelttechnisch jedoch ein Desaster.

Alleine in Deutschland werden pro Stunde (!) rund 320.000 Einweg-Becher verwendet. Das schlimme daran ist, dass diese nicht nur aus Pappe bestehen, sondern mit einer dünnen Plastikschicht innen überzogen sind. Bei den Kapseln sind es Tonnen an Müll. Wohin nach dem Gebrauch damit?

Und dem Einfallsreichtum – so scheint es – sind keine Grenzen gesetzt. Ein in Plastik eingepacktes hartgekochtes Ei zum Mitnehmen, Obststückchen, die schon vorgeschnitten ebenfalls einzeln verpackt sind und nur noch in den Mund gesteckt werden müssen oder die Kokosnuss, die trotz ihrer dicken und robusten Schale (die übrigens sowieso keiner isst) nochmals eine Folie eingewickelt ist.

Wenn ich manches so sehe, frage ich mich: wer braucht das?
Und noch schlimmer: wer kauft das?
Ist es die Bequemlichkeit? Das ist die einzige Erklärung, die ich dafür habe.

Da ist es auch nicht hilfreich, dass man Umverpackungen direkt im Supermarkt lassen kann. Das macht es nicht besser.

Auch im Bioladen sieht es teilweise nur bedingt besser aus. Auch hier ist vieles in Plastik verpackt und auch hier fällt mein Blick oft auf Fertigprodukte. Einen Pluspunkt gibt es jedoch meist bei Obst und Gemüse: anders wie im normalen Supermarkt ist hier das Biogemüse/-obst nicht nochmals extra in Plastikfolie verpackt, sondern lose erhältlich (hier denke ich immer mit Schrecken an die Bio-Gurke im normalen Supermarkt, die aus Schutzgründen und zur besseren Unterscheidung zur herkömmlichen Gurke in Folie eingeschweißt ist…).

Sind wir wirklich so bequem geworden?

Haben wir wirklich keine Lust mehr zu kochen? Achten wir wirklich so wenig darauf, wie unsere Nahrungsmittel verpackt sind?

Hier ist jeder selbst gefragt. Und es fängt schon bei den Kleinen an.

Selbstgemachtes dauert vielleicht – oder wahrscheinlich – einige Minuten länger, als sich mal auf die Schnelle ein Fertigprodukt aufzuwärmen, oder um die Ecke schnell was im Fast-Food-Laden zu essen.

Wer mit der Familie oder mit Freunden schon einmal zusammen gekocht hat, weiß, wie schön dies ist und wie viel Spaß es macht. Das ist Atmosphäre pur. Ein geselliges Miteinander. Und auch innerhalb der Familie kann man die Kinder spielerisch mit einbeziehen. Das schweißt als Familie zusammen und fördert auch hier das Miteinander.

Es muss für den Anfang nicht jeden Tag sein. Eine Möglichkeit ist es, auch für mehrere Tage zu kochen und einen Teil portionsweise einzufrieren. Dies ist immer noch besser, als auf Fertigprodukte zurückzugreifen. Was sich einfrieren lässt und was nicht hat man schnell raus. Mittlerweile friere ist selbst zu viel gekochten Reis oder Nudeln ein.

Geht ein Leben ohne Plastik?

Unweigerlich stelle ich mir diese Frage bei diesem Thema: geht in der Küche ein Leben ohne Plastik?

Man kann Plastik im Haushalt – und auch beim Kochen und Essen – nicht vollständig vermeiden. Jedoch kann man bewusst ein Auge darauf haben. Ich persönlich finde es bei mir schon teilweise erschreckend, dass selbst wir bei einem Zweipersonenhaushalt mit Hund (ja, auch hier fällt Plastik an) jeden Monat rund 1 ½ gelbe Säcke befüllen. Im Sommer ist es oftmals sogar mehr, wenn die großen Plastiksäcke mit Blumenerde und Co. noch dazu kommen.

Noch etwas Schönes zum Abschluss

All dem oben Genannten zum Trotz: Es gibt auch eine „Gegenbewegung“: Menschen, die Wert auf hochwertige Produkte legen und auch liebend gerne zu Hause kochen und dabei sicher auch gesünder leben. Das ist schön! 🙂

21. Oktober 2017

Sabine Stegmann

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Lion Tours Sabine Stegmann GmbH
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