Bewusst-Sein

Liebe erfahren: Warum weniger manchmal mehr ist

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Ein verwirrendes Überangebot

Im Internet findet sich eine schier unübersichtliche und in ihrer Unterschiedlichkeit sehr verwirrende Menge an (meist kostenpflichtigen und teuren) Angeboten für spirituelles Wachstum: Noch eine Methode für’s “richtige Manifestieren”.
Noch ein Konzept zum “Ändern des Mindsets”. Oder ein weiterer Onlinekurs “Wie du Zugang zu deinem Höheren Selbst erlangst”.
Überall im Netz stoße ich auf derartige Angebote, Hinweise oder Buchtipps mit “effektiven und einzigartigen Methoden” für noch mehr inneren Frieden, Selbstliebe und (beruflichen) Erfolg.

Auch gibt es unzählige selbsternannte “spirituelle Lehrer”, “Mind- und Lifecoaches” usw., die mit ihren Methoden und Kursen Erfolg versprechen oder gar “garantieren”, und damit Sehnsüchte nach schneller und müheloser Transformation wecken. Genauso wie das Gefühl, dass der eigene, bisher eingeschlagene Weg nicht schnell und “effektiv” genug sei und womöglich nicht alle vorgeblich “unverzichtbaren Aspekte” der eigenen Entwicklung berücksichtigt.

Irrtümer können Orientierungshilfen sein

Zu Beginn meines Weges fand auch ich das alles außerordentlich spannend und verlockend. Aber je mehr ich wirklich zu mir finde und lerne, mir selbst zu vertrauen, umso suspekter werden mir diese zahlreichen Angebote. Denn ich möchte mich und meine Entwicklung nicht von irgendwelchen, von außen kommenden Methoden und in ihrer Substanz und Herkunft nicht überprüfbaren Lehrmeinungen, abhängig machen.

Außerdem fühle ich mich von diesen unzähligen Angeboten sowohl in meiner Konzentration auf das für mich Wesentliche empfindlich gestört, als auch darin, in Ruhe und Gelassenheit meinen ureigenen Weg zu suchen und zu erkunden, inklusive der gelegentlichen, für meine Entwicklung unverzichtbaren Irrwege. Denn sich gelegentlich zu (ver)irren, ist eine durch und durch menschliche Eigenschaft, an der absolut nichts falsch ist. Ganz im Gegenteil: Auch durch gelegentliche Irrwege dürfen wir lernen und wertvolle Erfahrungen sammeln.

Entwicklung ist jeweils ein einzigartiger und höchst individueller Weg, dessen Tempo und Inhalt nicht von außen beeinflusst werden sollte. Er erfordert Geduld mit sich selbst und die Akzeptanz dessen, was gerade im Moment ist. Es geht um nichts anderes, als um die Entdeckung der eigenen Freiheit und der eigenen Möglichkeiten. Es geht um Selbstvertrauen und Selbstliebe.

Liebe ist Freiheit und Unabhängigkeit

Ich bin und war schon immer ein sehr freiheitsliebender und nach innerer, sowie äußerer Unabhängigkeit strebender Mensch. Und ich lerne gerade, meiner inneren Stimme zu vertrauen und mich darauf zu verlassen, dass ich meinen Weg schon finde. Ich lerne gerade, Geduld und Gelassenheit zu entwickeln. Und ich verstehe immer besser, dass weniger manchmal mehr ist. Ich gestehe mir Pausen zu. Entspannung. Fehler.

Je bedeutsamer diese so menschlichen Qualitäten für mich werden, mit umso mehr Abneigung reagiere ich auf den oftmals aggressiven und penetranten “Entwicklungs-Imperativ” diverser “Speaker” und “Coaches”, die ihre “Produkte” (denn nichts anderes ist es im Grunde) mit großer Vehemenz, unter dem Deckmantel der Spiritualität, an die Frau oder an den Mann bringen wollen. Dabei entspringt unsere Sehnsucht nach permanenter, ruheloser „Selbstoptimierung“ dem Erleben von Mangel, von nicht Genügen. Und damit dem Fehlen von Liebe.

Damit es hier keine Missverständnisse gibt: Manche Impulse von außen sind durchaus hilfreich und anregend, wenn sie tatsächlich von Herzen kommen und auf der eigenen Erfahrung basieren; sie also “echt” und authentisch sind. Die hohe Kunst besteht darin, hierfür ein Gespür zu entwickeln.

Liebe bedeutet Fülle und sich selbst genug sein

Immer mehr erkenne ich: “In der Ruhe liegt die Kraft.” Ich “muss” mich weder entwickeln, noch „muss“ innerlich wachsen. Schon gar nicht um jeden Preis und nicht in einer Geschwindigkeit oder Richtung, die ich nicht selbst, vollkommen unabhängig, erwählt habe.

Diese neugewonnene, aus wahrhaftiger innerer Ruhe entstandene Erkenntnis verdanke ich dem tiefen Erfahren-Haben von Liebe. Viele Menschen stoßen sich am Begriff „Liebe“, weil er bisweilen inflationär ge- und missbraucht wird. Ohne groß nachzudenken, sprechen wir in den unterschiedlichsten Situationen davon, dass wir etwas oder jemanden lieben. Ohne uns wirklich bewusst zu machen, was es dem Grunde nach bedeutet.

Für mich hatte Liebe schon immer etwas Geheimnisvolles, Großes und unergründlich Tiefes, Ehrfurcht-gebietendes an sich. Trotzdem habe auch ich mich schon mehrfach geirrt, wenn es um Liebe ging. Oft glaubte ich und wünschte mir, dass ich einen anderen Menschen tatsächlich liebe; nur um dann sehr bald festzustellen, dass es bestenfalls ein eher oberflächliches Begehren und mich hingezogen-Fühlen war, das mich mit diesem Menschen verband.

Lernen zu lieben

In meinem Elternhaus habe ich nach meinem damaligen Erleben keine wirkliche Liebe erfahren; konnte also auch nicht wissen, was es wirklich bedeutet, zu lieben oder geliebt zu werden. So waren meine Erfahrungen, die ich als Erwachsener auf diesem Gebiet gemacht habe, ein allmähliches mich Herantasten, Heranfühlen und Erfahren. Das Gleiche gilt für sämtliche meiner bisherige Texte und Gedichte, die sich im Wesentlichen entweder an einem Gegenüber, oder in jüngster Zeit auch an meinem Verhältnis zu mir selbst, orientieren und ausrichten.

Seitdem ich mich so intensiv und ausschließlich mit diesem Thema befasse und es auf mich wirken lasse, erkenne ich ganz allmählich, dass Liebe lediglich eine Art “Oberbegriff” für die unterschiedlichsten und auch vordergründig sehr widersprüchlichen Qualitäten ist. Denn neben den “gängigen” Assoziationen, wie Verbundenheit, Leidenschaft, Begehren, usw., hat die Liebe noch viel tiefere und verborgene Qualitäten in sich, die sich erst bei genauerem und sorgsamerem Hinspüren erschließen: nämlich eine vollständige innere Freiheit, Geduld und Unabhängigkeit.

In der Liebe sein

Für mich bedeutet der Begriff “in der Liebe sein”, der gerade in spirituellen Kreisen so gerne und häufig gebraucht und postuliert wird, im Grund genommen nichts anderes, als ohne Anstrengung, ohne jede Erwartung und Anforderung von außen oder innen, einfach “nur” zu sein.

Gerade in den letzten Wochen, als ich mich immer wieder dabei ertappt habe, dass ich so viel auf einmal sein möchte und so viele Eigenschaften, Wünsche und Erwartungen an mich und andere Menschen in mir trage, fühlte ich mich immer wieder unglaublich erschöpft und maßlos überfordert. Es war mir unmöglich, mich zu entspannen und abzuschalten.

Ständig war ich im Widerstreit mit mir, habe gedanklich “Probleme” und “Sorgen” gewälzt, war angespannt und unzufrieden mit mir. Ich habe innerlich darum gerungen, frei zu sein, einfach nur ich zu sein. Ich habe mich innerlich vor mir selbst dafür verteidigt und gerechtfertigt, Pause zu machen und “faul” zu sein. Das war unglaublich anstrengend und kräftezehrend!

Ich habe bisweilen sehr schmerzhaft gespürt und spüre es gelegentlich – jedoch immer weniger – noch immer, wie schwer es mir fällt, einfach nur zu sein, ich zu sein, und diesen Seins-Zustand nicht nur „zähneknirschend“, im tiefsten Inneren mich dagegen wehrend, zu akzeptieren, sondern ihn vollkommen entspannt und ohne jede Wertung hinzunehmen. Das Gleiche gilt, wenn es darum geht, mich mitzuteilen, ohne Resonanz oder “Lob” von außen zu erwarten, oder gar einzufordern.

„Ich bin“ ist die Quintessenz

Die Formulierung “Ich bin!”, ohne jede weitere willkürliche oder unwillkürliche Zuschreibung von Eigenschaften und Qualitäten, entwickelt sich für mich immer mehr zur Quintessenz von Liebe. Ich muss nichts dafür tun, oder mich dafür anstrengen, mich krampfhaft bemühen, um “in der Liebe zu sein” und zu lieben. Denn Liebe ist absichts- und bedingungslos. Sie ist einfach.

Je mehr ich diesen Seins-Zustand wirklich verinnerliche, desto anspruchsloser werde ich. Es geht nicht länger um ein „Höher, Weiter, Schneller“ bei der inneren Entwicklung. Sondern darum, aus tiefstem Seelenfrieden, aus innerer Harmonie und Ent-spannung heraus, die Dinge sich einfach entwickeln lassen, in der Gewissheit, dass alles zum rechten Zeitpunkt vorhanden ist.

„Ich bin!“ „Ich bin Liebe!“ „Ich liebe!“ sind hierbei die einzigen Zuschreibungen, mit denen ich in meiner morgendlichen Meditation und grundsätzlich arbeite. Denn sie beinhalten restlos alles, was ich an Gutem, Wahrem und Schönem benötige, um ein erfülltes, erfolg-reiches und glückliches Leben zu führen. Ich bin.

24.04.2019
Eckhard Neuhoff
Autor

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