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Maat, ägyptische Göttin und die kosmische Ordnung – Teil 1

AMORC-04-Maat-die-Kosmische-OrdnungMaat, ägyptische Göttin und die kosmische Ordnung – Teil 1

Maat, ägyptische Göttin wird im Allgemeinen mit einer Feder auf dem Kopf dargestellt.

Sie ist eng verbunden mit Begriffen wie Wahrheit, Gerechtigkeit, Ausgleich, Rechtschaffenheit, Tugend und Ordnung.

Maat ist gewissermaßen die kosmische Intelligenz, die aus dem kosmischen Bewusstsein hervorging und sich als die kosmische Ordnung offenbart, aus der heraus die Welt nach den Gesetzen der Harmonie und den Prinzipien von Entsprechung und Einssein funktioniert.

Obwohl sich das Verständnis von Maat im Verlauf der Entwicklung der ägyptischen Kultur im Verlauf der Zeiten gewandelt hat, bildet sie doch die Schlüsselfigur zum Verständnis der ägyptischen Zivilisation und ist die Grundlage für das Bestehen dieser Kultur über mehrere Jahrtausende.

Wenn die Ägypter Maat als das göttliche Verlangen verstanden, aus dem die Schöpfung hervorging und sich fortwährend erneuerte, kann man davon ausgehen, dass ein Verschwinden von Maat für die Menschen das Verschwinden der Schöpfung bedeutet hätte. Sollten wir uns nicht gerade heute darauf besinnen? 

Die politische Struktur der ägyptischen Gesellschaft hat sich unter dem Einfluss eines kosmologischen Mythos entwickelt, der die gemeinsame Erfahrungswelt aller großen orientalischen Zivilisationen widerspiegelt, nämlich die einer absoluten, kosmischen Ordnung.

Der Garant dieser Ordnung ist der Eine Schöpfer, der nicht nur die Welt erschuf, sondern die Götter selbst, die aus ihm hervortraten. Als oberster Herrscher erhält er die kosmische Ordnung aufrecht. Der König ist in derselben Funktion sein irdischer Vertreter.

Dies zeigt deutlich die Analogie, die zwischen dem Kosmos und der menschlichen Gesellschaft besteht und stellt eine Übereinstimmung her zwischen dem irdischen König und dem großen Architekten des Universums, dem universellen Schöpfer.

Der Pharao auf der Erde steht für die kosmische Funktion des Schöpfers, der das Chaos ordnet, um daraus den Kosmos zu machen, das heißt das organisierte Universum, die Schöpfung. Die ägyptische Gesellschaft ist tatsächlich auf einem universellen Modell aufgebaut, wobei Ägypten das Abbild des Universums ist.

Die kosmische Ordnung sollte sich demnach darin widerspiegeln und die menschlichen Ordnung begründen. Maat steht hierbei sowohl für die kosmische Ordnung als auch als auch für den rechten Zustand in der Natur und der Gesellschaft.

Während des Alten Reiches entsprach Maat auf der universellen Ebene der Gesamtheit der kosmischen Gesetze.

Auf menschlicher Ebene repräsentierte Maat den Willen des Königs, wobei der König selbst die Inkarnation von Maat ist. Während dieser ganzen Periode ist der König der Stellvertreter Gottes auf Erden. Der Wille des Königs ist demnach das irdische Echo des göttlichen Willens, welcher die universale Ordnung organisiert.

Entsprechend verkörperte er die Vorsehung für seine Untertanen, die sich seinem Willen vertrauensvoll unterwarfen. Er nahm als ihr Führer das Schicksal in die Hand, da die übergroße Mehrheit der Menschen seinerzeit zwar über ein ausgeprägtes Kollektivbewusstsein verfügten, aber über wenig oder überhaupt kein individuelles Bewusstsein.

Die Weiterentwicklung dieses Zustandes des Kollektivbewusstseins zum individuellen Bewusstsein zog im Lauf der Geschichte dann auch eine Fortentwicklung der Vorstellung von Maat nach sich.

Beim Niedergang des Alten Reiches und während der Schwierigkeiten der Ersten Zwischenperiode schien es, als habe Maat sich für eine gewisse Zeit von der Menschenwelt zurückgezogen, um dann auf einer weiteren Ebene in Erscheinung zu treten.

Die Ägypter, deren Bewusstsein in den vergangenen Prüfungen erwacht war, entwickelten einen individuellen Willen als bewusstes Gegenüber zum königlichen Willen. Der in der Vergangenheit die göttliche Vorsehung repräsentierende königliche Wille erhielt so ein individuelles Gegenüber, das es den Ägyptern ermöglichte, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.

Diese Tendenz verstärkte sich im Lauf der Geschichte und führte während des Neuen Reiches dazu, Maat nicht nur zum Prinzip sozialer Integration des Menschen auf Erden zu machen, sondern auch zum Prinzip der Reintegration seiner Seele ins Jenseits.

Die Vorstellung von Maat entwickelte sich weiter, parallel zur Evolution der Mentalität. So kam es, dass in der Dynastie der Ptolemäer, ab 300 vor Christus, der Name „Maat“ verschwand, um durch den Ausdruck „Weg Gottes“ ersetzt zu werden.

Die Wortveränderung ist bezeichnend, denn in dieser Zeit verschmolzen die traditionelle Weisheit und Ethik mit der Religion, so dass die Regeln von Maat Ausdruck des „Willen Gottes“ wurden. So erwartete der Ägypter des Alten Reiches alles vom König.

Während des Ersten Zwischenreiches erweckte er seinen individuellen Willen. Vom Neuen Reich an, und insbesondere seit dem vermeintlichen Zwischenspiel im Amarna des Echnaton, nahm er sein Schicksal selbst in die Hand.

Während der folgenden Etappe unterwarf er seinen individuellen Willen dem Willen Gottes. Dies ist das Ende des antiken Ägypten, und diese Veränderung war das Vorspiel zum Aufkommen des Christentums.

In Teil 2 von Maat, ägyptische Göttin und die kosmische Ordnung schauen wir uns nun die Vorstellung von Maat in ihrer Gesamtheit an.
Den Artikel finden Sie am 07.09.2018  hier auf Spirit-online.de

17.08.2018
Alexander Crocoll


Vita des Autors:Dr. rer. nat. Alexander Crocoll

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale.

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Bild und Text (c) AMORC

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