Meditation Selbsthilfe - Übungen

Meditation ~ Augen auf, Ohren auf!

Meditation und KonzentrationAugen auf, Ohren auf! ~ Meditation

… Helmi ist daaaa!“

Erinnerst Du dich noch? Aufmerksamkeitstraining und Verkehrserziehung für Kinder. Absoluter Kult. Mir geht’s zwar nicht um den Straßenverkehr im Speziellen, aber unsere Aufmerksamkeit sollten wir auf jeden Fall schulen. Wir haben versäumt, unsere Fokussierungsmuskel zu trainieren, wodurch wir jetzt in der misslichen Lage sind, dass unsere Aufmerksamkeit scheinbar willkürlich und ohne unser Zutun hin und hergerissen wird. Den Geistesobjekten, die am „lautesten schreien“ und die uns die meiste Lust und Ablenkung versprechen, schenken wir am meisten Aufmerksamkeit – und das sind dann leider meistens unheilsame Gedanken und Emotionen.

Wenn Du Dir beispielsweise Sorgen machst und Dich negative Gedanken nicht loslassen, kannst du deinen Geist dann kontrollieren und bist in der Lage, Deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten und die „schlechten“ Gedanken einfach beiseite zu lassen? Kannst Du dich in jeder Lebenslage für positive Gedanken und Gefühle entscheiden? Wäre das nicht ein erstrebenswertes Ziel, nicht mehr Sklave negativer Gedanken und Emotionen zu sein? Ich glaube schon. Also lass uns unseren Aufmerksamkeitsmuskel trainieren!

Meditation & Konzentration

Um sich im Bodybuilding auf einen bestimmten Muskel zu konzentrieren und auch falsche Bewegungsmuster zu ändern, macht es nicht viel Sinn, seinen alltäglichen Tätigkeiten nachzugehen. Denn es wird dabei nicht der eine, wichtige Muskel alleine angesprochen und man ist auch nicht in der Lage seine gewohnten Muster zu ändern. Stattdessen geht man ins Fitnessstudio und arbeitet (am besten unter der Anweisung eines kompetenten Trainers) an einem Gerät, dass genau dafür entworfen wurde um diesen Muskel zu stärken.

Genauso machen wir es in der Meditation und bei anderen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsübungen. Man nimmt sich Zeit, in der man sich speziell um diesen Aspekt seines Geistes kümmert. Daher ist es aus einem gewissen Blickwinkel gesehen auch falsch zu sagen, man meditiert beim Laufen, beim Tanzen oder bei anderen körperlichen und entspannenden Tätigkeiten. Das Wort Meditation kann verschiedene Bedeutungen haben und das Ausführen von Handlungen mit einem meditativen Geisteszustand ist eine davon. Es ist ja auch das Ziel, den Zustand der unabgelenkten Aufmerksamkeit in seinen Alltag zu integrieren. Aber zunächst muss man erst mal seinen Muskel trainieren und dafür ist es hilfreich, sich hinzusetzen und alle anderen Ablenkungen zu beseitigen, damit man sich auf das Halten der Aufmerksamkeit konzentrieren kann, bemerkt, wenn es noch nicht so gut klappt, und dann gegenlenken kann.

Sinneseindrücke als Objekt der Meditation

In der Meditation lenkt man anfangs seine Aufmerksamkeit auf ein Objekt. Üblicherweise beginnt man mit dem Atem. Andere Objekte der Meditation sind Sinneseindrücke, Gedanken und Emotionen. Bei der Konzentration auf visuelle Sinneseindrücke etwa, kann man entweder ein spezielles, inspirierendes Objekt wählen (ein Heiligenbild, ein Bild einer Blume, eine Kerze,…) und mit seinem Blick darauf verharren, oder man lässt sein Blickfeld weit offen und schaut nichts im Speziellen an, sondern lässt sämtliche visuellen Eindrücke einfach auf sich wirken. Bei Geräuschen und Gefühlen verhält es sich ebenso.

Und die Sinneseindrücke bieten sich auch wundervoll dafür an, um nach dem „Trockentraining“ den Geisteszustand der Meditation in seinen Alltag zu integrieren. Man könnte es als eine Art informelle Meditation sehen, frei vom traditionellen Rahmen – so wie es auch Eckart Tolle empfiehlt.

Wir versuchen also im Alltag Gelegenheiten wahrzunehmen, uns voll auf unsere Sinneseindrücke zu konzentrieren und die Gedanken beiseite zu lassen. Das heisst, wir beurteilen oder vergleichen das, was wir erleben nicht, und versuchen Gedanken oder Emotionen, die auftauchen, nicht nachzugehen. Wir geben also unseren Sinneseindrücken den vollen Raum unserer Aufmerksamkeit. Das geht natürlich einfacher, wenn das was wir sehen oder hören „ansprechend“ und beruhigend ist. Die Natur bietet sich hierfür besonders an – die Struktur eines Baumstammes, die Bewegung der Blätter, das Rauschen des Windes… Aber auch von Menschenhand Erschaffenes kann sich gut eignen – es kommt nicht von ungefähr, dass wir Musik und Kunst so sehr lieben. Wenn wir guter Musik lauschen, setzen sich unsere Gedanken ganz von selber auf den Rücksitz und wir konzentrieren uns voll und ganz auf die Klänge und den Verlauf des Musikstücks – wir haben also immer schon meditiert, nur wussten wir es nicht. Drogen können uns dabei sehr unterstützen – doch leider machen sie uns süchtig und machen es umso schwieriger die Beruhigung unserer Gedanken, die wir vielleicht beim Musikhören erleben, in unseren restlichen Alltag zu transportieren.

Ich möchte Dich nun also dazu einladen, Dir ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um Dich ruhig hinzusetzen und Dich voll und ganz auf Deine Sinne zu konzentrieren. Finde dabei die Balance zwischen Konzentration und Lockerheit. Du strebst einen unabgelenkten Geisteszustand ab – das heisst, wenn sich dir Gedanken aufdrängen, wendest Du Dich immerzu von ihnen ab und kehrst wieder zu deinen Sinneseindrücken zurück. Und beobachte Deine Aufmerksamkeit, wie sie von Objekt zu Objekt wandert. Es gibt zwei Arten der Aufmerksamkeit, die punktuelle Konzentration und die weit offene alles umfassende Aufmerksamkeit. Zum Training seines Muskels ist es gut, sich in punktueller Konzentration zu üben. Es ist aber auch sehr wichtig, immer wieder einen Schritt zurück zu machen und in den offenen, alles umfassenden Geisteszustand zurückzukehren. Auch unser Alltag ist ein Wechselspiel von Konzentration und Loslassen. Beides ist notwendig.

Also: „Augen auf, Ohren auf!“

Sean.

P.S.: Wenn du Klaviermusik zu schätzen weist, lade ich Dich ein, meinem neuen Klavierstück „Raindrops“ zu lauschen. Ich glaube, es bietet sich gut zur Sinnesmeditation an (und ist dabei ein klein wenig spannender, als ein Om oder ein Mantra. ;P )

„Raindrops“ anhören.

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