Mein stiller Mitbewohner – neue Achtsamkeit

mausefalle-neue-Achtsamkeit-mouseMein stiller Mitbewohner –
neue Achtsamkeit

Wir wohnen seit einiger Zeit auf dem Land. In einem wunderschönen, alten Landhaus… Und wer auf dem Land wohnt weiß, dass es dort in den alten Häusern eben auch kleine und größere stille Mitbewohner gibt. Still und manchmal eben auch nicht so still.

Eben so ein Mitbewohner wohnte direkt über mir. Wir sind uns nie begegnet. Leider. Ich weiß nicht einmal seinen Namen. Oder war es eine sie? Mein Gefühl sagt mir, es war ein „Herr“.

Er verließ abends sein Gemach und kehrte morgens früh kurz vor Sonnenaufgang zurück. Das einzige, was ich von ihm hörte, war das leise Geräusch auf dem Boden, wenn er sich seinem Schlafgemach näherte. Dort angekommen, exakt über meinem Kopf, drei Meter höher, schüttelte er sich, kratzte eins, zwei Mal und schlief dann ein, bzw. machte sich auf die Socken. Über Monate hinweg dasselbe Ritual.

Ich wache oft sehr früh auf und meditiere dann in meinem Bett.

Sein Kommen am Morgen war mir lieb geworden. Vertraut.
Als jemand, der mit den Seelen von Tieren kommuniziert, spürte ich eine ganz feine, zarte Verbindung zwischen uns. So etwas wie Herzenswärme, ganz fein und zart.

Jetzt ist er weg. Tot. Vergiftet, um es genau zu sagen. Elendig innerlich verblutet… Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein…

Und was das Ganze für mich so schwierig macht:

Ich bin nicht ganz unschuldig daran. Oder, deutlicher gesagt: Ich bin mit Schuld.

Ich, der Tiere liebt, der sich irgendwann dazu entschlossen hat, vegan zu leben, um Tierleid nicht weiter zu unterstützen und gleichzeitig meine Hunde zu streicheln, während mir Kälbchen, Hühner und co egal sind.

Ich, der keine Lederschuhe mehr trägt und erst vor ein paar Tagen mit der Seele des Hundes einer Klientin kommunizieren durfte.

Die dunkle Seite in mir… die achtlose, die unachtsame, die unbewusste…
Sie hat zugeschlagen.

Mäuse im Haus!“ rief ich zu meinem Partner,

als wir es in der Wand verdächtig rascheln hörten! Mäuse oder Marder oder was auch immer, direkt über uns!

Als jemand, der lange auf einem Boot gelebt hat, weiß ich, dass eine einzige Maus die gesamte Elektrik einer Yacht außer Gefecht setzen kann. Zum Glück nie selbst erlebt, aber die gruseligsten Geschichten darüber gehört.
Irgendwann fiel dann tatsächlich in unserem Haus eine Leitung aus, was allerdings einen anderen Grund hatte als die Mäuse, wie sich heraus stellte.

Als braver und gewissenhafter Mieter verständigte ich den Vermieter.

Der kam, ganz vom Lande, mit einer Riesenfalle an. Einem Käfig, in den er ein Stückchen Wurst platzierte.
Am nächsten Morgen saß darin ein Igel… Aber keine Maus, keine Ratte, kein Marder, kein Iltis…
Und am nächsten und übernächsten ebenfalls!

Es war nur eine Frage der Zeit, wenn die Igel in den Winterschlaf gehen würden und sich der illegale Hausbewohner über das Stückchen Wurst hermachen würde!
Aber so lange wurde nicht gewartet.

Wenn die Unachtsamkeit „zuschlägt“

Eines Morgens begegnete ich dem Vermieter und, ich glaube, ich wollte mich einfach wichtig machen, erzählte ihm, dass der ungebetene Hausbewohner immer noch da wäre.
Schon während ich dies erzählte, dachte ich mir: Was soll das?? Halt doch einfach den Mund! Aber ich tat es nicht… Und bereue das heute zutiefst.

Eine „Petze“ hätte man in der Schule früher gesagt… Ein Schlaumeier. Wichtigtuer…

Einen Tag später kam der Vermieter mit einer großen Tüte an.

Giftköder. Die wurden überall um das Haus herum verteilt. „Ihre Hunde kommen da nicht dran, keine Sorge!“, versicherte er mir.
Mir war schlecht.
Aber ich tat nichts.
Kein Einspruch. Kein Aufbäumen. Kein „bald sind die Igel weg, da fangen wir den Bewohner“. Nichts.
Ging ja auch nur um Mäuse oder gar Ratten. Ungeziefer eben…

Mein Kopf war gelähmt. Ich tat nichts. Sagte nichts.

Während ich fleißig am Abend Tierschutz-Petitionen unterschrieb und wütende oder wahlweise traurige Emojis unter Tierquäler Videos auf Facebook setzte, blieb es über mir still.
Ich nahm das nur peripher zur Kenntnis.
Komisch war nur, dass über mir, dort, wo sonst der kleine Funke Seelenverbindung war, jetzt Leere war. Leere und Kälte.

Aber auch das realisierte ich nur bedingt.

Und dann kam der Tag X. Und mit ihm die Erkenntnis.

Und viele Fragen… auf die ich noch keine wirklich guten Antworten gefunden habe.

Ein wunderschöner Arbeitstag… ich durfte mit der Seele eines kleinen Hundes sprechen, magisch schöne Botschaften an sein Frauchen weiter leiten, unterschrieb noch ein paar Petitionen gegen Hundequäler in China und ging dann zum Yoga.
HotYoga. 90min bei 40 Grad.
Anstrengend, aber ich liebe es!

Und da passierte es.

An eigene Grenzen stoßen

Es war eine Morgenklasse, ich hatte noch nichts gegessen und nur viel getrunken, es also genau richtig gemacht, da wurde mir mitten im Unterricht plötzlich schlecht. Richtig übel. Ich setzte mich. Mein Herz krampfte und schmerzte, ich hatte das Gefühl, ohnmächtig zu werden, das Gefühl, zu „sterben“.

Ich kenne dieses Gefühl aus meinem Leben… Die Grenze zum Tod hatte ich einige Male überschritten und war zurück gekehrt. Erst vor ein paar Wochen hatte ich ein Interview zu meiner Nahtoderfahrung gegeben, das unglaublich viele Menschen auf YouTube und in den sozialen Medien erreicht hat.

Es kommt immer mal wieder vor, dass jemand in so einer Yoga Klasse für eine oder zwei Asanas (Übungen) aussetzt. Somit fiel meine Pause nicht weiter auf.
Ich kämpfte.

Ich spürte, wie meine Seele drauf und dran war, meinen Körper zu verlassen.

Ich wusste, dass ich das nicht wollte, dass es keinen Grund dafür gab, hier und jetzt und dass es an mir, tatsächlich an meiner Willenskraft läge, hier zu bleiben oder Reißaus zu nehmen. 

Etwas in mir fühlte sich an wie sterben, wie ein Todeskampf… Grausam. Dunkel. Brutal.
Ich konnte diese Energie nicht zuordnen. Ließ sie zu und entschied mich, zu bleiben und abzuwarten.

Ein paar Minuten später war alles wieder gut. Die Lehrerin fragte mich, ob alles ok wäre. Ich bejahte es.
Nur ein komisches Gefühl blieb. Ich fühlte mich schlecht. Schuldig. Mit Blut an den Händen und konnte es nicht zuordnen. Angst machte sich in mir breit…

Ich stellte die Frage an mein Inneres, an das Leben: WAS ist hier los?

Und öffnete mich für eine Antwort, egal, was kommen möge…

Und sie kam…
An diesem Abend, als ich im Bett saß und es totenstill und kalt über mir war, da wusste ich, was los war.
Es fiel mir wie Schuppen von den Augen…

Ich sah mich, diesen Menschen, der für die einsteht, die dies nicht für sich können, der Betroffenen von Missbrauch und Gewalt öffentlich eine Stimme gibt… der öffentlich über Tod und bewusstes Leben spricht… der mitfühlt, wenn er Bilder von gelittenen Lebewesen sieht und der zu bequem und faul war, einfach ein paar mehr Lebendfallen zu organisieren, der sich wichtig machen wollte bei einer anderen Person, der nicht so gehandelt hat, wie es seinem eigenen Ideal entsprach.

Mein Herz blutete. Und das war nichts im Vergleich dazu, wie ein Lebewesen (ja, eine „nichtige“ kleine Maus, eine „elende“ Ratte, ein potentieller Stromleitungskiller und Pesterreger-Überträger) gestorben war. Innerlich verblutet durch ein Gift, das die Gefäße durchlässig werden lässt und so das Blut aus diesen in den Körper austritt.

Schach der Königin – und ein neuer Weg

Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte ich einen Freund in Spanien verurteilt, der ein Ameisengift in seinem Haus ausgebracht hatte. Ein Gift, das die Arbeiterinnen in das Nest tragen, damit die Nachkommen und die Königin füttern und somit das Ganze Desaster von innen heraus eliminiert. „Schach matt der Königin“ hieß das Mittel und mir wurde schlecht, als ich beobachtete, mit welcher Begeisterung er dieses Mittel ausbrachte.

Ich erzählte ihm, dass ich Ameisen in meiner spanischen Wohnung stets gut mit Zimt vertrieben hatte und – ja, indem ich mit ihnen „gesprochen“ hatte und sie gebeten, meine Wohnung zu verlassen. Mag man belächeln, aber es hatte funktioniert und an meinen Fingern klebte kein Blut.

Seinen abwertenden Kommentar hatte ich schweigend hingenommen und mich – ja, ich will hier ehrlich sein – ein wenig als „besserer Mensch“ gefühlt. Entwickelter. Bewusster…
Und nun hatte ich den Salat und war meinen ganzen schönen Berg herunter gerollt, direkt in den Morast hinein, über dem ich doch glaubte, zu stehen.

Seitdem habe ich Herzschmerzen. Und das ist gut so. Ich schäme mich. Ich bin enttäuscht von mir…Und ich weiß: Ich kann das besser!

Ich weiß: Ich bin verantwortlich für das, was ich sage, was ich tue.

Ich co-kreiere diese Welt gemeinsam mit anderen Menschen und wenn ich nicht mein Bestes gebe, dann ist mein Part, mein Puzzleteil im großen Ganzen nicht das, was ich mir wünsche zu sehen…

Ich bin zögerlich, dies zu erzählen… Dort, wo ich es erzählt habe, riet man mir, irgendwie unangenehm berührt, doch „nicht so zu übertreiben“. Eine Mücke würde man ja auch tot schlagen.

Mir geht es nicht um eine Grundsatzdiskussion. Und die großen Antworten habe ich auch nicht parat.
Worum es mir geht, ist mein blinder Fleck, mein Schatten und das Wissen:

Ich hätte das einfach besser machen können!

Geht es uns nicht allen immer wieder so?

Im Tod sind wir alle gleich, egal, wie wir sterben. Das habe ich erleben dürfen/müssen.
Ich verursache genügend Tode, alleine, wenn ich mit dem Auto fahre und Insekten an meiner Windschutzscheibe kleben oder wenn ich im Dunklen auf Schnecken trete… Das kann ich nicht vermeiden.

Dieser qualvolle Tod aber wäre vermeidbar gewesen…
Und darum geht es mir.
Das ich es hätte besser machen können.

Schmerz kann ein guter Lehrmeister sein, wenn wir seine Botschaft verstehen und annehmen.
Ich möchte den Schmerz in meinem Herzen, dem physischen wie dem energetischen, noch nicht loslassen, denn ich möchte nicht vergessen, nicht stehen bleiben. Ich möchte, dass dieser Schmerz mein Lehrer ist. Mich nach vorne treibt, mich wachsam und bewusst sein lässt.

Wenn dies die Botschaft des kleinen Bewohners an mich ist, dann diese:

Be true to yourself

Sei dir selbst treu!

Ja, genau die Botschaft, die ich auf meinen selbst kreierten T-shirts und gerne auch in meinen Videos trage.
Mir ist dabei bewusst, dass ich diese Botschaft nicht etwa deshalb trage, weil ich immer im Einklang mit mir bin, ehrlich und authentisch aus meinem Innersten heraus lebe.
Nein. Mit Sicherheit nicht.

Ich trage diese T-shirts immer und jetzt noch einmal mehr, mit dem Bewusstsein, dass es noch unglaublich viel für mich zu tun gibt und dass das öffentliche Teilen dieser Erfahrung erst der erste Schritt und kleiner Anfang ist.

Mögen alle Lebewesen glücklich und frei sein – steht auf meiner Kaffeetasse und ist mein stilles Morgengebet.

Möge ich aktiv dazu beitragen, dass dem so sei…

Wenn ich jetzt Petitionen unterschreibe, z.B. an die chinesische Regierung, grausame Hundefleisch-Feste zu unterbringen, dann weiß ich, dass ich gleichzeitig eine Petition an mich selbst unterschreiben muss. Eine Petition gegen Gleichgültigkeit und Unbewusstheit.

Jeder kämpft an seiner Front. Die einen lernen es, dass man auf Hundefleisch verzichten kann… die anderen, wie ich, dass Faulheit keine Option mehr ist.
Und irgendwo, vielleicht im fernen Tibet in einem Kloster, übt ein Mönch, Kraft seines Bewusstseins, keine Insekten zu zertreten, während er den Klosterhof fegt.
Jeder tut den Schritt, der vor ihm liegt.
Ich möchte meinen tun.

08.12.2019
Ursula Schulenburg
www.institut-schulenburg.de
Autorin, Dozentin, Heilpraktikerin, Life Coach und führt ihr online Business Soulcentered Evolution.

Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

Empfehlungen zur Expertin

Videokurs:
SELBSTBEFREIUNG NACH TRAUMA – befreie Dich von den Fesseln des Erlebten!
video-kurs-trauma-bewaeltigen-ursula-schulenburg

Online Video Kurs:
INTO THE LIGHT –
Lebe Sinnerfüllt und freivideokurs-into-the-light-ursula-schulenburg

>>> Mehr erfahren <<<>>> Mehr erfahren <<<

Online Ausbildung
Meistere Dein Leben und werde lizenzierter LifeCoach

into-the-light-ursula-schulenburg

>>> Mehr erfahren <<<
Alle Beiträge der Autorin auf Spirit Online

Spirit PLUS – Für Spirit Online zahl ich

Standpunkt und Haltung in einer sich verändernden Welt

Spirituell relevante Informationen nachvollziehbar, kompetent, glaubwürdig und verständlich
Leben ist Veränderung – was so einfach klingt, ist eines der anspruchsvollsten Unterfangen des täglichen Menschseins. Wir stellen uns dieser Aufgabe!

Unsere Informationen auf spirit-online.de sind frei zugänglich – für alle. Jeden Tag. Das geht nur, wenn uns viele Leser*innen freiwillig unterstützen.
Schon 5,- Euro im Monat helfen uns und sichern die Zukunft von spirit-online.de
Jederzeit sofort kündbar einfach per E Mail!

Unterstützen Sie Spirit Online mit Ihrem Beitrag

Spirit PLUS – Für Spirit Online – Für Spirit Online zahl ich

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*